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Fahrtechnik: Nie mehr vom Bike absteigen

Hindernisse mit dem MTB überwinden

Laurin Lehner am 16.04.2014

BIKE-Leser Frank Tremel war meist auf Forstwegen unterwegs. Damit soll nun Schluss sein. Denn Frank weiß: Auf schmalen Pfaden macht Biken am meisten Spaß. Wären da nicht immer diese Stolperfallen.

Frank kann um die Kurve driften, ohne auch nur ein Verkehrshütchen zu streifen. Er kann auf der Geraden Vollgas beschleunigen – um kurz darauf voll in die Eisen zu steigen. Auf stillgelegten Flugplätzen hat BIKE-Leser Frank Tremel (24) alles im Griff. Das Gefährt des ADAC-Test-Fahrers macht immer das, was er will. Mit seinem Mountainbike ist das allerdings nicht immer der Fall. Zumindest, wenn Frank den breiten Forstweg verlässt und der Untergrund ruppig wird. Dann verpufft seine "Ich-hab-alles-im-Griff"-Aura, und er eiert unbeholfen über Wurzeln und Steine. Stufen sieht Frank sowieso als Stolperfalle statt als spaßige Herausforderung. Dann heißt es absteigen und schieben. Und genau das passt ihm gar nicht.

Frank Tremel

Frank Tremel (24): Wohnt in München; Mountainbiker seit 2003; Fährt meist Forstwege; Fährt ein Scott Spark 610; Am liebsten in Oberammergau

Als Frank Tremel den BIKE-Aufruf im Internet las, fühlte er sich gleich angesprochen. "Ein Privat-Seminar mit einem echten Experten kommt mir gerade recht", strahlt er. Im Sommer will er mit seinem Scott Spark über die Alpen kurbeln. Von Garmisch bis zum Gardasee. Genug Schmackes in den Waden hat Frank bereits. Jetzt hapert es nur noch an der Fahrtechnik. Meist fährt er auf Schotterwegen. Doch er weiß, dass es das volle Naturerlebnis nur auf schmalen Trails quer durch den Wald gibt. Und es wäre doch jammerschade, sich genau das entgehen zu lassen.

Stefan Herrmann

Stefan Herrmann, Fahrtechnik-Experte: "Stufen oder höhere Absätze überwinden zu können, ist auf dem Trail maximal praktisch. Bei diesem Manöver spielt das Timing eine große Rolle."

Erst Vorderrad anheben, dann Manual-Impuls geben

Rechtzeitig zum Seminar-Termin hat es geschneit. Die Trails sind matschig. Fahrtechnik-Experte Stefan Herrmann macht sich an die Arbeit. Seine Geheimwaffe für schnelle Lernerfolge ist das Zerlegen von Bewegungsabläufen. "Um im Gelände eine Stufe zu überwinden, muss man zu allererst das Vorderrad anheben", erklärt er. Das ist im Grunde nichts anderes als ein Wheelie. Frank probiert es gleich auf der Teerstraße aus. Er beugt sich tief über den Lenker und tritt kräftig in die Pedale, während er seine Arme dynamisch streckt und sich nach hinten lehnt. Mit dieser Technik kann man bei niedrigem Tempo kleine Stufen überwinden. Um jedoch mit mehr Geschwindigkeit Hindernisse zu bezwingen, muss der Biker den Manual-Impuls anwenden. Dabei steht man auf den Pedalen und kommt durch eine intensive Bein- und Armstreckung in Rücklage. Nach knapp 15 Versuchen ist Stefan mit Frank zufrieden und zeigt in Richtung Trail. Genug der Theorie. Auf dem Trail blockiert ein Baumstamm den Weg. Um drüberzukommen, braucht man nicht nur Geschick, sondern auch die richtige Technik. Stefan macht es vor. Frank lächelt anerkennend, doch er wirkt nervös.

Vor seinem ersten Versuch verinnerlicht er noch mal, was Stefan ihm eingetrichtert hat: Beine und Arme beugen. Dann strecken und sich nach hinten oben lehnen. Nun der Bewegungswechsel: Hüftschwung nach vorne. Vor allem das Timing ist hierbei wichtig. Eigentlich genauso wichtig, wie bei den Auto-Test-Fahrten von Frank. Auch da gilt es schließlich, die Impulse im richtigen Moment zu geben. Frank kommt zügig angefahren, hebt das Vorderrad auf die Stufe und schiebt dann seine Hüfte zum Vorbau. Klonk! Sein Kettenblatt bleibt am Stamm hängen. Stefan analysiert das Missgeschick. Der Impuls nach vorne müsse schneller kommen, ruft er Frank zu. Die nächsten Versuche sind ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Mal scheitert Frank an der Schwerpunktverlagerung, mal misslingt der Versuch schon bei der Anfahrt. 

Doch dann, nach vielleicht 15 Versuchen, wuchtet Frank sein Bike gekonnt über den Baumstamm. Stefan ist baff! Einen so schnellen Erfolg hätte er nicht erwartet. Frank ist begeistert und will gleich noch mal. Er scheint wie im Rausch. Als er am späten Nachmittag vom Rad steigt, da spürt er es. Dieses herrliche Gefühl von Sicherheit, das er bisher nur von seinen Test-Fahrten mit den Autos kannte. Die Alpenüberquerung kann kommen.

Erste Schritt: Vorderrad hoch bekommen

Bevor man eine Stufe überwinden will, sollte man wissen, wie man sein Vorderrad in die Höhe bekommt. Stefan erklärt zwei Techniken.

Technik 1: Der Wheelie-Impuls

Mit der Technik kannst Du mit niedriger Geschwindigkeit kleinere Hindernisse überwinden. So geht es: Beuge Dich tief über den Lenker.

Fahrtechnik: Wheelie-Impuls 1

Fahrtechnik: Wheelie-Impuls 1

Dann streckst Du Deine Arme dynamisch und lehnst Dich nach hinten. Das unterstützt Du mit einem kräftigen Tritt in die Pedale. Folge: Dein Schwerpunkt verlagert sich nach hinten und das Vorderrad hebt ab.

Fahrtechnik: Wheelie-Impuls 2

Fahrtechnik: Wheelie-Impuls 2

Technik 2: Der Manual-Impuls

Bei höherem Tempo musst Du diese Technik anwenden: Dafür rollst Du stehend und mit waagerechter Kurbelstellung auf das Hindernis zu. Dann gibst Du den Manual-Impuls. Beuge Dich tief über den Lenker und strecke dynamisch Arme und Beine. Dazu wandert Dein Schwerpunkt nach hinten oben. Der Manual-Impuls funktioniert ohne Tretunterstützung.

Fahrtechnik: Manual-Impuls

Fahrtechnik: Manual-Impuls

Trail-Prüfung

Das Tolle an dem Manöver: Du kannst es nahezu risikofrei lernen. Stefans Tipp: mit Flat-Pedals statt mit Click Pedalen üben. Das gibt Sicherheit und verleiht Bewegungsfreiheit.

Fahrtechnik: Trail-Prüfung

Trail-Prüfung: Einen Baumstamm auf dem Trail zu überwinden ist das Ziel der Übungen vorher.

So überwinden Sie mit dem MTB Stufen

So überwindet man Stufen, ohne absteigen zu müssen. Stefan zeigt, worauf es ankommt.

Fahrtechnik-Sequenz Nie mehr absteigen

Anfahrt - Vorne hoch - hinten hoch

Anfahrt
Stefan kommt mit genügend Schwung angefahren. Die Kurbelstellung ist waagerecht, der Sattel ist halb abgesenkt. Um gleich sein Vorderrad anheben zu können, beugt er Beine und Arme. So erzeugt er Energie, die er gleich brauchen wird.

Vorne hoch
Jetzt muss Stefan sein Vorderrad über die Stufe heben – dafür gibt er den Manual-Impuls: Beine und Arme dynamisch strecken und nach hinten oben gewichten. Das macht er ohne Pedalunterstützung. Ein Finger liegt auf der Hinterradbremse.

Hinten hoch
Timing ist alles: besonders bei diesem letzten Schritt. Sobald das Vorderrad oben ist, muss er blitzschnell umschalten und den Gegen-Impuls einleiten. Dafür schiebt er seine Hüfte schwungvoll Richtung Vorbau und entlastet das Hinterrad. Der Kopf ist dabei deutlich vor dem Vorbau.

FALSCH: Schleudersitz

Für viele wird die Stufe zur echten Stolperfalle. Vor allem, wenn man den ersten Schritt nicht beherrscht. Nämlich das Vorderrad zum richtigen Zeitpunkt anzuheben. Dann bleibt das Vorderrad hängen, und der Pilot macht einen Abflug über den Lenker. Deswegen rät Stefan: erst lernen, wie man sein Vorderrad anhebt.

Fahrtechnik: Schleudersitz

Schleudersitz - So bitte nicht!

Laurin Lehner am 16.04.2014