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Ernährung: Warum sind MTB-Profis so schnell?

Was deutsche Mountainbike-Profis essen

  • Björn Kafka
 • Publiziert vor 6 Jahren

Warum sind Mountainbike-Profis eigentlich so schnell? Weil sie nur Körner, Gemüse und Proteine essen? Von wegen! Wir haben vier Rennfahrer besucht und ihnen auf die Teller geschaut.

Erinnern Sie sich an die erste BIKE-Transalp? 1998 war das. Das Jahr, in dem Gerhard Schröder an der Regierungsspitze saß, Jan Ullrich gegen Marco Pantani die Tour de France verlor und die Monica-Lewinsky-Affäre um Bill Clinton Fahrt aufnahm. Für den Bikesport wurde mit der Transalp ein Meilenstein gesetzt – ein echtes Abenteuer, in dem es mehr ums Ankommen ging als um Platzierungen. In jedem Etappenort feierten die Biker ihr Ankommen. Pizza wurde verzehrt, Bier geschlürft – auch von den Top-Teams. Fast 20 Jahre später bietet sich ein anderes Bild. Eines, das dem der Tour de France ähnelt: Die Spitzenfahrer haben eigene Köche, essen nur ausgewählte Zutaten und überlassen auch im Vorfeld bei der Ernährung nichts dem Zufall. Pizza und Bier stehen auf der Schwarzen Liste.

Hat sich aus dem Abenteuer Transalp, dem Lebensgefühl Biken, wirklich ein wissenschaftlicher Elitesport entwickelt? Ein Sport, in dem es nur noch um Wattwerte und Kalorien geht? Ein Sport, bei dem die Selbstoptimierung das höchste angestrebtes Ziel darstellt? Gibt es sie noch, die bierschlürfenden Rüpel à la Shaun Palmer, die mit Fast Food genauso schnell unterwegs waren? Wir wollten es genauer wissen und schauten, ob die Elitesportler wirklich radikal dem Genuss entsagen, oder ob es doch nur ganz normale Menschen sind.

Wir wollten wissen, wie sehr sie sich mit dem Thema "Ernährung" beschäftigen. Und auch, ob sie dieses Thema vielleicht sogar unter Stress setzt. BIKE besuchte die vier deutschen Mountainbike-Stars Sabine Spitz, Jochen Käß, Elisabeth Brandau und Simon Stiebjahn, um zu sehen, was wirklich in ihren Kühlschränken steckt und wie sehr sie auf ihre Ernährung achten. Dabei zeigte sich schnell: Es gibt nicht die perfekte Ernährung für Sportler. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Die Einen scheinen schon im Ziel ihrer idealen Ernährung angekommen. Manche wissen nicht, wo der Anfang ist. Andere verzweifeln, wenn es um dieses scheinbar simple Thema geht.

Daneben schauten wir kurz auf die Makro-Nährstoffe (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) und sagen, welche Rolle die einzelnen Stoffe einnehmen. Wieso, fragen Sie sich? Mit immer neuen Diäten und Ernährungskonzepten bekommen wir als Redaktion immer häufiger Fragen zu diesen Themen. Wer vor 20 Jahren vegetarisch lebte, galt als Exot, heute findet sich eine Flut an Ernährungsentwürfen: sei es vegan, raw, paleo, glutenfrei und vieles mehr.
Jedes dieser Konzepte hat irgendwo seine Berechtigung, aber ein Grundverständnis für leistungsgerechte und gesunde Ernährung fehlt vielen Sportlern. Sie wissen selten, was welche Makro-Nährstoffe bewirken und was passiert, wenn sie ausgegrenzt werden.

Was verbrauchen Profi-Sportler an Energie? Eine kleine Auflistung:


• 15 Kilo Reis verdrückten die Fahrer vom Team Centurion Vaude in einer Woche Transalp. Dabei gab es Reis in allen Variationen: mit Milch, zum Curry, mit Rührei und im Salat.


• 4430 Kilojoule verfeuerte Simon Stiebjahn auf der Trans-Schwarzwald-Etappe hoch zum Feldberg. Dieser Wert bezieht sich nur auf die antriebsrelevante Muskulatur.


• 6 Liter Energiedrink liefen Sabine Spitz bei der ersten Etappe der Trans Schwarzwald in den Rachen. So viel trinkt die deutsche Cross-Country-Spezialistin selten.


• 600 Kalorien zusätzlich müssen stillende Frauen aufbringen, um ihren Nachwuchs mit Milch zu versorgen. Neumutter Elisabeth Brandau sieht aber keine Einschränkungen.


Corbis Uwe Schröder ist Ernährungswissenschaftler am Institut für Sporternährung in Bad Nauheim e. V. und Lehrbeauftragter für Sporternährung an der Fachhochschule Fulda.

"Dem Instinkt vertrauen" –  Interview mit Uwe Schröder, Ökotrophologe


Herr Schröder, wir besuchten vier Profisportler und stellten fest: Die eine Ernährung für Erfolg scheint es nicht zu geben. Wirkt das nur so, oder funktioniert alles?
Alles funktioniert sicher nicht. Es ist noch niemand mit einer Weingummi-Diät Weltmeister geworden. Aber so verschieden die Sportler sind, so unterschiedlich können auch die Ernährungsstrategien aussehen.


Spielt da Genetik mit rein?
Mit Sicherheit, aber auch solche Dinge wie Allergien oder Unverträglichkeiten. Es gibt Sportler, die über Jahre nie ihre Unverträglichkeiten bemerkten, da sie sich auf andere Weise äußerten als mit klassischen Magenproblemen Mit dem Weglassen werden diese Sportler dann leistungsfähiger.


Aber gibt es nicht einen gemeinsamen Nenner?
Die gern genannte gesunde Mischkost trifft es auf den Nagel. Wer bedarfsgerecht, frisch und abwechslungsreich isst, erholt sich besser und wird weniger krank.


Das klingt abstrakt.
Ein Beispiel: Ein Sportler, der sehr intensive Trainingseinheiten durchführt, muss mehr Kohlenhydrate zuführen. Das wäre dann bedarfsgerecht. Unter gesunde Mischkost fällt die Auswahl hochwertiger Nahrungsmittel und ein gute Mischung an den Makro-Nährstoffen Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten.


Wie finde ich das richtige Verhältnis?
Idealerweise mit Gespür. Wir Menschen sind sehr wohl in der Lage, die richtigen Nahrungsmittel auszuwählen. Durch unser modernes Essen, unzählige Diät- und Ernährungsratgeber trainieren wir uns dieses Körpergefühl aber ab. Mein Rat deshalb: Kaufen Sie nur frisch ein. Bereiten Sie alles sofort zu. Allein der Prozess des Kochens gibt wieder das richtige Gefühl, was wir als Nahrung brauchen. Mit der Zeit entwickelt man dann auch wieder ein Gespür für die Nahrungsmittel, die guttun und für diejenigen, die nicht so verträglich sind.


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