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Nino Schurter: "Wir wollen ein Zeichen setzen."

Stefan Loibl

 · 01.03.2022

Nino Schurter: "Wir wollen ein Zeichen setzen."Foto: Getty Images

2022 plant Weltmeister Nino Schurter zusammen mit Landsmann Ralph Näf eine neue Cross-Country-Rennserie. Im BIKE-Interview stehen die beiden Rede und Antwort.

Cross-Country-Weltmeister Nino Schurter und Ex-Profi sowie Teammanager Ralph Näf haben zusammen mit einem finanzkräftigen Sponsor eine neue Schweizer Rennserie entwickelt, die 2022 mit drei Rennen starten soll. Wir haben mit den beiden über Rekordpreisgelder gesprochen, warum in der Schweiz Platz für eine weitere Rennserie ist und was man bei den Events der ÖKK Bike Revolution besser machen will als im Worldcup.

  Nino Schurter, Stefan Schena von Hauptsponsort ÖKK und Ralph Näf (von links) bei der Verkündung der neuen Rennserie. Wir haben mit Schurter und Näf per Video-Konferenz gesprochen, als Schurter gerade beim Auftaktrennen Tankwa Trek in Südafrika unterwegs war.Foto: Veranstalter
Nino Schurter, Stefan Schena von Hauptsponsort ÖKK und Ralph Näf (von links) bei der Verkündung der neuen Rennserie. Wir haben mit Schurter und Näf per Video-Konferenz gesprochen, als Schurter gerade beim Auftaktrennen Tankwa Trek in Südafrika unterwegs war.

BIKE: Wer kam auf die Idee und was gab den Anstoß?

Nino: Die Idee kam von Ralph. Für ihn als Team-Manager fehlte irgendetwas zwischen Worldcups und den Swiss Cup-Rennen. Der Worldcup hat sich positiv entwickelt. Die Swiss Cup Rennen sind nicht auf dem Level , wie er sich das gerne gewünscht hätte. Zwischen diesen beiden Serien wollte er Fuß fassen. Dann hat er sich mit René Walker, dem Organisator der Europameisterschaft in Bern, zusammengeschlossen. Und von meiner Management-Firma GFC wird das Ganze dann vermarktet werden. So entwickelte sich die Idee, dass ich mit meiner Erfahrung dazustoße. Ich war von Anfang an von der Idee begeistert, weil mir der MTB-Sport am Herzen liegt. Es ist mir ein Anliegen, dass es Top-Events gibt, auch für den Nachwuchs.

Mit Swiss Bike Cup gibt’s eine landesweite XC-Rennserie, warum etwas Neues?

Nino: Zwischen Worldcup und Swiss Cup, dort möchten wir die neue Serie positionieren. Wir sind der Meinung, dass es zusätzliche Events braucht, bei denen der Breiten- und der Rennsport zusammenkommen. Das ist unser großes Anliegen. Wir haben entschieden, ein attraktives Preisgeld für Top-Leistungen auszuschütten. So bezahlen wir das höchste Preisgeld , das es im Mountainbike-Sport gibt. Zudem wollen wir die Rennen erstklassig live übertragen. Jedes unserer Rennen soll für alle Beteiligten ein attraktives Bike-Erlebnis werden.

Gibt’s im Worldcup wirklich so wenig Preisgeld?

Nino: Bei den Worldcup-Rennen steht das Preisgeld in keinem Verhältnis zu den Leistungen. Wir wollen auch da ein Zeichen setzen. Alle Beteiligten wie Partner und Fahrer:innen, der Nachwuchs und die Zuschauer sollen auf ihre Kosten kommen. Wir wollen den Breitensport, den Rennsport und die Kids zusammenbringen.

Wie konntet ihr eine so namhafte Versicherung als Sponsor gewinnen?

Nino: Mountainbike erlebt einen regelrechten Boom, die Verkaufszahlen steigen seit Jahren signifikant. Die top Resultate im Cross Country der Schweizer Top-Fahrerinnen und -Fahrer bei Großanlässen und im Weltcup haben dazu beigetragen, dass Mountainbiken heute große Beachtung findet. Dies liegt auch daran, dass der Swiss Cup in den letzten Jahren eine gute Arbeit gemacht hat. Gleichzeitig suchen die Menschen vermehrt sportliche Betätigung und das Erlebnis in der Natur. Wir kombinieren diese beiden Elemente aus Spitzen- und Breitensport. Dieser Ansatz hat die ÖKK überzeugt, bei uns einzusteigen.

Geht das nur in der Schweiz, wo Mountainbiken einen so hohen Stellenwert hat?

Nino: Wir mussten uns das auch hart erarbeiten. Wir hatten das Glück, dass wir in den letzten Jahren viele Top-Fahrer hatten. Zu Zeiten, in denen Sabine Spitz ihre größten Erfolge feierte, war das in Deutschland sicher anders. Wir gehören seit vielen Jahren zu den besten. Das hat angefangen mit Thomas Frischknecht, mit Christoph Sauser, mit Ralph Näf, mit mir, mit Jolanda. Jetzt profitieren wir davon und können als logische Konsequenz diese Ausgangslage nutzen.

Was ist das Besondere an eurer Rennserie?

Nino: Unser Ziel ist es, Mountainbiken ganzheitlich erlebbar zu machen. Wir wollen, dass bei den Events ein bisschen Worldcup-Feeling aufkommt, aber gleichzeitig der Breitensport voll integriert wird.

Ralph: Wir wollen etwas für das Mountainbiken sowie für den den Sport tun und investierten, um Events auf die Beine zu stellen, die genau nach unseren Vorstellungen umgesetzt werden und insbesondere auch die breite Bike-Community ansprechen. Große namhafte Partner und die MTB-Industrie glauben an unsere Vision.

Wie sehr seid ihr selbst in die Organisation eingebunden?

Ralph: Nino bringt seine Ideen und seine Erfahrung im Rahmen von wöchentlichen Meetings aktiv ein. Die Serie wird entsprechend auch seine Handschrift tragen. Ich bin noch tiefer in die Organisation involviert bei den Planungen und der Umsetzung. So war das von Anfang an angedacht. Für uns beide war sofort klar, dass wir uns aktiv einbringen und mitgestalten werden. Nur so können wir glaubhaft hinter der Serie stehen.

Nino: Mir macht das viel Spaß bei den Meetings meine Einschätzungen einzubringen. Es ist ein tolles Projekt, um einmal die andere Seite zu sehen.

Ihr kennt nahezu alle Rennformate. Was war euch bei der neuen Rennserie besonders wichtig. Was wollt ihr anders machen als andere?

Ralph: Bei uns soll mehr geboten werden als bei klassischen Rennsportsveranstaltungen wie beispielsweise einem Bundesliga-Rennen. Wir bieten vielfältige Aktivitäten für die Besucher. Touren fahren, Kids-Rennen, Bikes testen und dazwischen etwas Gutes essen. Auch sonntags bieten wir die Möglichkeit, eine Tour zu fahren und später die Elite-Rennen live zu verfolgen. Die Strecken sollen so kompakt angelegt sein, dass ein Stadion-Feeling aufkommt wie etwa beim Worldcup in Lenzerheide. Auch Neueinsteiger sollen auf ihre Kosten kommen und sich über die Technik informieren können. Für Jugendliche soll abends auch etwas geboten sein.

  Hatte die Idee für eine neue Rennserie und gab den Anstoß: Ralph Näf, Ex-Profi und Teammanager des Thömus Worldcup-Teams, in dem unter anderem Alessandra Keller und Mathias Flückiger fahren.Foto: Thömus RN Swiss Bike Team,Facebook
Hatte die Idee für eine neue Rennserie und gab den Anstoß: Ralph Näf, Ex-Profi und Teammanager des Thömus Worldcup-Teams, in dem unter anderem Alessandra Keller und Mathias Flückiger fahren.

In Corona-Zeiten ein neues Event kreieren, ist das nicht der falsche Zeitpunkt?

Ralph: Gerade in dieser Zeit hat sich gezeigt, welch hohen Stellenwert physisch erlebbare Events haben. Insofern erachten wir es als optimalen Zeitpunkt. Selbstverständlich behalten wir die Situation laufend im Auge und sind bereit, gegebenenfalls zu reagieren.

Nino: Eigentlich wollten wir ja schon 2021 mit einem Rennen starten, das mussten wir dann leider verschieben. Jetzt schauen wir nach vorne und wollen die Chance nutzen, tolle Events für die breite Bike-Community und alle Sportbegeisterten zu schaffen.

Ihr wollt Profis mit den höchsten Preisgeldern locken. Wie hoch sind die?

Ralph: Hohe Preisgelder zu zahlen war immer unser großes Anliegen. Bis zum 20. Platz zahlen wir Preisgelder, was so auch nicht die Regel ist. Denn wir finden es nicht fair, wenn ein Weltklasse-Sportler für ein internationales Rennen mit Top-Starterfeld 600-800 Euro als Siegprämie bekommt. Frauen und Männer bekommen genau das gleiche Preisgeld. Auch Junioren und die U23-Klasse kriegen Preisgelder. Die Elite-Sieger bekommen beispielsweise 5000 Euro. Als Achter oder Neunter gibt’s immer noch mehr als für einen Sieg bei einem C1-Rennen in Europa. Damit wollen wir ein Zeichen setzen für die Fahrerinnen und Fahrer und einen zusätzlichen Anreiz schaffen, an unserer Serie teilzunehmen. Aber es soll auch die Qualität dieser Rennen zeigen.

Preisgeld ist das eine für die Top-Fahrer, UCI-Punkt das andere. Wie seid ihr da aufgestellt?

Nino: Die Punkte sind natürlich auch sehr wichtig. Das erste Rennen ist ein HC-Rennen, also die höchste Kategorie nach dem Worldcup. Die anderen beiden Rennen sind C1-Rennen. Aber unser Ziel ist es im nächsten Jahr, mehr HC-Rennen zu haben.

Im ersten Jahr gibt’s drei Rennen. Was ist langfristig das Ziel?

Ralph: Das Ziel ist, ab 2023 fünf Veranstaltungen auszurichten. Wichtig ist uns aber, dass alle Rennen mindestens das C1-Level haben. Durch eine Spezial-Bewilligung der UCI aufgrund unseres Know-Hows im Rennsport haben wir es sogar im ersten Jahr schon geschafft, dass wir mindestens mit der C1-Kategorie starten können.

Sind die Preisgelder im Nachwuchsbereich auch ein klares Statement, Talente zu fördern?

Ralph: Absolut, dies ist uns ein großes Anliegen. Da sind 17-, 18-, 19-Jährige, die den Sport schon fast professionell betreiben und so viel ins Training investieren wie ein Profi. Die reisen aus Frankreich, Deutschland oder aus der Schweiz an für die Rennen, oft auf eigene Kosten. Da ist es nur fair, dass man ein gutes Preisgeld zahlt. Das spornt sie an und so haben wir die besten Junioren-Rennen in Europa.

Ist es ein grundsätzliches Problem, dass Top-Resultate im Nachwuchsbereich nicht angemessen belohnt werden?

Ralph: Im Nachwuchsbereich wird die Basis für künftige Erfolge gelegt und, wie bereits erwähnt, seitens der Jungen sehr viel investiert. Dem wollen wir Rechnung tragen, unter anderem mit höheren Preisgeldern.

Nino: Unser Vorstoß soll schon auch Signalwirkung haben. Wir hoffen natürlich, dass auch andere nachziehen. Ich habe schon Rennen gewonnen, wo sieben der zehn weltbesten Fahrer am Start standen und ich bekam 800 Euro. Da sind Fahrer am Start, die denselben Aufwand wie ich betreiben und als Elfte keinen Euro Preisgeld kriegen. Das sehen wir insgesamt Handlungsbedarf.

Welche großen Namen haben sich bereits angekündigt?

Ralph: Wir sind im ersten Jahr und sind gerade erst dabei, die Kommunikation groß zu lancieren. Trotzdem dürfen wir bereits mit Stolz vermelden, dass beim Rennen am Monte Tamaro mit Jolanda Neff und Evie Richards die Olympiasiegerin und Weltmeisterin am Start stehen. Zahlreiche weitere top Fahrerinnen und Fahrer werden ebenfalls am Start stehen, um ihre Form für den Weltcup zu testen. Außerdem werden die besten Junioren Europas da sein, weil es ein UCI Junior World Series-Rennen ist.

Wo kann man die Rennen sehen, wenn man nicht vor Ort ist?

Nino: Alle Rennen werden live im Web übertragen. Zudem haben wir bereits die Zusage, dass die Rennen in der Schweiz auch in einem Free-TV-Sender zu sehen sein werden und spüren hinsichtlich Broadcasting grundsätzliches Interesse an unserer Serie. Da investieren wir viel Geld, weil wir eine gute Übertragung bieten wollen. Wenn eine Weltmeisterin Evie Richards gegen Jolanda Neff fährt, interessiert das viele Leute weltweit. Oft gibt es aber bei solchen Rennen keine guten Livestreams. Deshalb wollen wir bei allen Rennen eine top Live-Übertragung bieten, damit die Leute das mitverfolgen können. Denn das ist für viele Profi-Athleten genauso wichtig wie das Preisgeld.

Bei welchen Rennen wirst du am Start stehen, Nino?

Nino: Ich werde in Chur und in Huttwil fahren. Beim ersten Rennen in Riviera kann ich nicht starten, weil ich beim Cape Epic bin. Selbstverständlich werde ich Riviera aus der Ferne mitverfolgen und bestens informiert sein.

  Die drei Events der ÖKK Bike Revolution 2022 im Überblick: Los geht's mit dem HC-Rennen am Monte Tamaro am 25.-27. März. Das City-Event in Chur findet von 22. - 24. April 2022 statt. Das Finale folgt im Herbst von 23. - 25. September 2022 in Huttwil.Foto: Veranstalter
Die drei Events der ÖKK Bike Revolution 2022 im Überblick: Los geht's mit dem HC-Rennen am Monte Tamaro am 25.-27. März. Das City-Event in Chur findet von 22. - 24. April 2022 statt. Das Finale folgt im Herbst von 23. - 25. September 2022 in Huttwil.

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