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Kennen Sie noch Paolo und Viktor Marques?

Tomek

 · 24.05.2004

Kennen Sie noch Paolo und Viktor Marques?Foto: Unbekannt

Sie waren Weltmeister im Trial, mehrfache Deutsche Meister. Neben Hans Rey sind die Brüder Paolo und Viktor Marques wohl die erfolgreichsten deutschen Trialer. Die Top-Athleten standen immer im Schatten eines „No Way“ – plötzlich verschwanden sie ganz aus der Presse.


Hallo Paolo. Seid ihr schon im Ruhestand?
Ruhestand noch nicht, aber es ist allgemein ruhig um den Trial-Sport geworden. Unsere Auftritte sind weniger geworden, aber qualitativ sind sie besser als je zuvor. Wir haben zum Beispiel eine Show im Rahmen der Olympia-Bewerbung Stuttgart gehabt.


Ihr habt euch nicht vor den Medien versteckt?
Nein, die Medien verstecken sich vor uns. Die Sponsoren sind zurückgetreten. Trial ist einfach nicht im Trend. Trial war zu groß und hat es nicht geschafft, sich eine solide Basis zu erhalten.


Seit ihr noch auf Wettkämpfen?
Aktiv nicht mehr. Vor drei Jahren war ich das letzte Mal bei einem Wettkampf. Ich bin seit 23 Jahren im Trial-Geschäft, die Belastung mit Show und Wettkämpfen ist einfach zu hoch. Wir müssen auch nichts mehr beweisen.


Welcher Tag eurer Karriere war der beste?
Da kann ich nur für mich sprechen. 1993 war das perfekte Jahr. Trialen erlebte einen riesen Boom und nach vielen Anläufen und hartem Training wurde ich in Portugal Weltmeister.


Und der schlechteste?
Der Zeitraum, an dem Trialen nicht mehr trendy genug war. Das ist ja immer noch so.


War Selbstvermarktung à la Hans Rey jemals ein Thema für euch?
So extrem wie Hans das macht, wollten wir das nie. Es ist jedem selbst überlassen, wie viel er von sich preisgibt und wie viel Privatleben man noch haben möchte. Ich finde es wichtig, mit der Familie nicht nur an Feiertagen zusammen zu sein.


Habt ihr noch Kontakt zur Szene?
Wir sind noch ziemlich dicht an der Szene. Bei der WM in Kaprun waren wir Zuschauer. Aus unseren Workshops sind schon so einige Deutsche Meister im Trial hervorgegangen. Es ist wichtig, nicht nur der Star zu sein. Du musst dein Wissen weitergeben, Ideen entwickeln und Verbesserungen bieten. Das machen wir zum Beispiel auch mit unseren Bikes, die wir selbst bauen.


Wie entwickelt sich Trial in Deutschland?
Trialen ist im Keller. Es existiert Null Interesse in der Öffentlichkeit. In den vergangenen Jahren hat der Sport nur wenig neue Gesichter bekommen. Das ist nicht gut. Die Szene ist am Boden, es gibt vielleicht noch 100 Aktive in Deutschland.


Hat Freeride das Trialen verdrängt?
Freeriden kann jeder Idiot. Du musst nichts können, das kann jeder von Anfang an. Mit dem Trialen sieht das schon anders aus. Das ist wie beim Skaten, die Erfolge müssen sich mühsam erkämpft werden. Man muss immer lernen und sich konzentrieren. Das kann abschreckend sein. Aber Trialen hat einen großen Vorteil gegenüber dem Freeriden. Du kannst es überall machen und es ist ungefährlich.


Kommt ihr noch einmal zurück?
Das wird sich zeigen. Zur Zeit restaurieren wir unser Anwesen, eine alte Schule, das dauert noch einige Jahre. Als zweites Standbein haben wir einen Trialshop. Leider wird man ja nicht jünger. Wenn der Trend weiter ausbleibt, müssen wir uns nach Alternativen umschauen.


(Interview: Björn Scheele, Fotos: privat)

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