Interview mit Andreu LacondeguyDer Berg ruft!

Ale di Lullo

 · 24.11.2022

Interview mit Andreu Lacondeguy: Der Berg ruft!Foto: Ale di Lullo
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Andreu Lacondeguy (33) ist eine Freeride-Ikone. Wir sprachen mit dem katalanischen Gravity-Star über Utah, seine Lieblingstricks, süße Brause und warum der Berg lauter ruft denn je.

FREERIDE: Was treibst Du gerade, Andreu?

Andreu Lacondeguy: Ich konzentriere mich gerade aufs Filmen. Erst für den neuen Streifen Esperanto, danach suche ich per Google Earth in den Alpen nach krassem Terrain. Danach stehen die chilenischen Anden auf meinem Plan. Denn der Berg ruft, Buddy!

Lieber entdecken als große Jumps?

Ich will was Neues erleben. In den letzten Jahren habe ich immer das Gleiche gemacht. Ich bin von einem FEST-Event zum nächsten getingelt. Wenn ich freeriden wollte, bin ich nach Utah geflogen wie alle anderen auch. Wie jeder gottverdammte Freeride-Pro auf dieser Welt. Immer wieder Utah! Dude, ich will auch mal was anderes sehen. Ich will nach Chile, nach Peru, nach Nepal. Dahin, wo ich noch nicht war.

Verlagssonderveröffentlichung

Du warst für den Film „Where the Trail Ends“ bereits in Südamerika. Ist das mit Utah zu vergleichen?

Nein. Nein im positiven Sinn. Südamerika ist Utah „on steroids“. Die Möglichkeiten sind endlos, und du musst dich nicht mit den chinesischen Behörden rumschlagen wie wir es in der Wüste Gobi mussten.

Reizt Dich die Wüste Gobi noch?

Südamerika ist besser. Südamerika heißt: super Essen, super Kultur, super Chicas, super Lifestyle, und ich spreche die Sprache. Und da soll ich nach China? Bist Du verrückt!

Du bist also in der Entdeckungsphase Deines Lebens?

Ha ha, das klingt ein bisschen nach: Entdeckungsbummel mit viel Chillen und es easy angehen lassen. Nein, ich will entdecken UND krasse Stunts machen. Da wird nix easy, nur eben nicht Utah. Denn ich kann Utah nicht mehr sehen. Dazu kommt, dass es in Utah am leichtesten ist, fette Stunts zu machen. Ich will die Action jetzt woanders machen. Allerdings ohne Wendy’s Diner, Krankenhaus und Las Vegas ums Eck. Sondern: richtiges Abenteuer.

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Dennoch fliegst Du nach Utah – zur Red Bull Rampage?

Dude, 100 Prozent. Da habe ich noch ’ne Rechnung offen. Ich hoffe, dass es diesmal besser läuft als letztes Jahr. Du erinnerst Dich: Ich sprang im Training einen Drop, überschoss die Landung und schlug voll ein. Das war vermutlich der heftigste Crash, den ich je hatte. Was für ein Aufprall!

Willst Du noch immer gewinnen?

Ganz sicher will ich das. Es ist mir 2014 gelungen, danach wurde ich ein paar Mal Zweiter oder hatte einen Killer-Run und stürzte beim letzten Jump. Jedes Jahr, so kommt es mir vor, schramme ich ganz dicht am Sieg vorbei. Ein weiterer Sieg wäre super. Ich würde gerne für meinen Sponsor Commencal gewinnen, und für mich, um der Szene zu zeigen: Ich hab’s noch drauf.

Hast Du das Gefühl, besser zu werden, Dich weiterzuentwickeln, oder hältst Du Dein Level?

Ich glaube, dass ich mich weiterentwickle. Ich werde offener im Geist. Früher ging es mir nur um Tricks, Rampage, fette Sprünge. Mein Drang, neue Freeride-Locations zu entdecken, ist eine Weiterentwicklung.

Im Geist. Auch auf dem Bike?

Das eine beeinflusst das andere. Ich fahre jetzt besser denn je. Das hat mit der neuen Einstellung zu tun, aber auch mit meinem neuen Übungsparcours. Ich trete vor die Haustüre und habe Jumps direkt vor der Nase. Das hilft enorm.



Und die FEST-Serie?

Das habe ich doch die letzten drei Jahre gemacht. Immer und immer wieder. Die gleichen Orte, die gleichen Sprünge, die gleichen Leute. Es ist an der Zeit, jetzt meine eigenen Projekte umzusetzen. Alleine mein Peru-Trip hat mir so einen Kick gegeben. Der hat mich inspiriert und neuen Schwung gegeben, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.

Was ist Dein Lieblingstrick zur Zeit?

Whips, 360er – jeder weiß, dass das die stylischsten Tricks ever sind. Einen Freerider nach seinem Lieblingstrick zu fragen, ist schwer. Es kommt immer auf den Sprung an. Mich stoket am meisten, krasse Tricks in krassem Gelände zu machen wie weite Flatspins oder Stepdown-Flips. Dazu inspirieren mich Snowboard-Filme. Mich beeindruckt ein steezy Move von Backcountry-Hero John Jackson viel mehr als 10.000 Rotationen von einem japanischen Slopestyle-Kid.

Wir freuen uns, über Deine zukünftigen Abenteuer zu berichten.

Mich auch. Toll, dass es noch Magazine gibt. Ich komme aus der Zeitschriften-Ära. Es gibt nicht mehr viele Bike-Profis, die das von sich behaupten können. Jetzt sind Insta und TikTok angesagt. Das ist die Zukunft, doch ich mag’s nicht. Ich mag Filme, Zeitschriften und Kameras. Ich will mich nicht selbst mit meinem Iphone filmen.

Du hast Red Bull als Sponsor verloren. Das hat viele gewundert.

Es war nicht leicht, mit Red Bull in Spanien zu verhandeln. Mein zuständiger Manager hat mich nicht verstanden. Er hatte von Mountainbiken keine Ahnung. Ich bin 15 Jahre lang für Red Bull gefahren, doch wirklich geholfen hat mir Red Bull mit meinen Projekten nicht. Und jetzt unterstützen sie lieber Video-Gamer statt Action-Sportler, so kommt es mir vor. Selbst Sergio Layos haben sie gekündigt, Sergio ist eine der großen Legenden im BMX. Und hey, schlussendlich kennen wir alle das beste Getränk der Welt: Wasser! Trinkt Wasser, Freunde! Denn Wasser verleiht Dir Flügel!

Andreu Lacondeguy (33), Team Commencal

„Spanische Fliege“ nannten die Kommentatoren den flinken Katalanen aus Barcelona, als er 2006 die Freeride-Bühne betrat – beim Adidas Slopestyle in Saalbach-Hinterglemm. Seitdem ist Andreu eine der herausragenden Persönlichkeiten im Mountainbike-Sport. Der eigenwillige Katalane beeinflusste beides: Slopestyle als auch Big-Mountain-Freeriden.
2015 besuchten wir Andreau zuhause.Foto: Ale Di Lulllo
2015 besuchten wir Andreau zuhause.

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