Macht Federweg ein E-Enduro? Macht Federweg ein E-Enduro? Macht Federweg ein E-Enduro?

EMTB Test 2021: Acht E-Enduro-Bikes im Speed-Check

Macht Federweg ein E-Enduro?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 2 Monaten

E-MTB-Enduros brauchen 160 Millimeter und mehr? Nicht unbedingt, wie das Specialized Levo und das Norco Sight beweisen. Wir zeigen, was ein E-Enduro wirklich ausmacht.

Eine Frage, so alt wie der Enduro-Trend selbst: Was macht ein (E-)Enduro-Mountainbike aus? Eine der ursprünglichsten Definitionen: Je länger der Hub, desto abfahrtsstärker, bequemer, laufruhiger und sicherer das Bike. Traditionell hieß es, bei 160 Millimetern und mehr ist Enduro drin. Dennoch schickte uns Specialized für den großen Test der E-Enduros in der aktuellen Ausgabe vollmundig das Turbo Levo zu – mit nur 150 Millimetern im Heck. Eine Fehlentscheidung?

Inhalt: Was ein E-Enduro ausmacht

  • Warum Federweg alleine nicht entscheidend ist
  • Was Kinematik mit Charakter zu tun hat
  • Die Geometrie: von handlich und verspielt zu laufruhig und kletterstark
  • Bodenkontakt: Warum Reifen so viel ausmachen

In EMTB 4/2021 haben wir vier E-Enduros um 6000 Euro getestet und den vier Kandidaten noch vier weitere E-MTBs aus höheren Preisklassen zur Seite gestellt. Ob sich die Investition in High-End lohnt und welches E-Enduro uns am meisten überzeugen konnte, lest ihr in EMTB 4/2021 – ab sofort im Handel, in der App und im DK-Onlineshop.

Skyshot/ Markus Greber "Nur" 150 Millimeter im Heck und trotzdem bergab ganz vorne mit dabei: Specializeds Turbo Levo Expert.

Warum Federweg alleine bei E-Enduros nicht entscheidend ist

Wie auf dem Trail schnell klar wird, kann das Levo nicht nur gut mit den anderen Testkandidaten bis hin zu Scotts 180-Millimeter-Boliden Ransom mithalten, sondern gehört sogar zu unseren Favoriten bergab. Erstaunlicherweise gerade dann, wenn es ruppig und schnell wird, und der längere Hub anderer Testkandidaten eigentlich seine Vorteile ausspielen sollte. Kein Einzelfall. Auch das neue Norco Sight ist mit 150 Millimetern Federweg mehr Enduro als All Mountain und bügelt bergab viel mehr Unebenheiten und Fahrfehler glatt, als man es dem 150er-Hinterbau zutrauen würde.

Skyshot/ Markus Greber Ein Hang zu offenen Bremsen zeichnet E-Enduros aus. Ob Bikes im Speed-Check überzeugen, entscheidet jedoch nicht nur der Federweg.

Gleicher Hub – anderer Charakter: Haibike, Mondraker, Specialized

Klar ist: Federweg alleine ist schon lange kein Kriterium mehr, um zwischen Mountainbike-Kategorien zu unterscheiden. Besonders beim E-MTB, wo komfortabler Tourer, All Mountain und E-Enduro je nach Ansatz den gleichen Federweg aufweisen können. So zum Beispiel im Fall dieser drei Kandidaten, die alle 150 Millimeter Federweg im Heck mit einer 160-mm-Gabel kombinieren: Das Haibike Fullseven ( getestet in EMTB 3/20 ) setzt den Federweg ein, um auf Tour maximal komfortabel zu sein, Mondrakers Crafty ( Testsieger EMTB 3/21 ) legt auf eine ausgeglichene Performance bergauf und bergab mit Reserven für grobes Gelände wert und das Specialized Turbo Levo sucht den Geschwindigkeitsrausch im Downhill.

Skyshot/ Markus Greber Härtetest: Die Enduro-Piste am Geißkopf war nass und rutschig, sie offenbarte auch kleine Patzer der acht Testkandidaten.

Die Unterschiede in Geometrie, Laufradgröße und Ausstattung sind im Zweifel maßgeblicher als der Federweg selbst und auch die Kinematik spielt eine große Rolle für den Charakter eines E-Mountainbikes, wie an den Testkandidaten von Propain und Conway im Enduro-Test deutlich wird. Trotz gleichem Federweg von 165 Millimetern im Heck mit einer 170er-Gabel und sehr ähnlichen Geometrien, sowie gleicher Laufradgröße (Mullet) fahren sich das Ekano und das eWME 529 MX stark unterschiedlich. Während das eWME viel Komfort erzeugt, im ruppigen Gelände und bei schneller Gangart aber früher ans Limit gerät, will das Ekano geradezu mit offener Bremse und gerne auch etwas Luftstand bewegt werden – fühlt sich bei langsamer Fahrt aber recht straff an.

EMTB Magazin In EMTB 4/2021 haben wir vier Enduros um 6000 Euro getestet und den vier Kandidaten noch vier weitere Bikes aus höheren Preisklassen zur Seite gestellt. Sie erhalten die neue EMTB bequem im  Abo , in unserem  Onlineshop  sowie als App-Ausgabe für Apple und Android .

Markus Greber Trotz langen Federwegs und Enduro-Geometrie: Das Fahrwerk am Conway ist eher auf Komfort ausgelegt, als auf maximale Reserven bergab. Auf Tour dürfte das jedoch seine Vorteile haben.

Länge läuft? Scott und Propain im Vergleich

Der Gegenpol zu den verspielten E-Bikes von Conway und Propain: das Ransom E-Ride von Scott. Neben einem Vorderrad in 29 Zoll, das alle Kandidaten im Test aufweisen, dreht sich hier auch im Heck ein großes 29-Zoll-Laufrad – in diesem Enduro-Test mit nur zwei von acht Bikes eher die Ausnahme. Dazu spendiert Scott dem Elektro-Ransom einen langen Reach und relativ lange Kettenstreben. Doch wer vom kurzen Propain auf das lange Scott umsteigt, wird den Aha-Effekt durch mehr Laufruhe auf langen Geraden trotzdem vermissen.

Skyshot/ Markus Greber Vollgas in die Kurve. Das Propain mit seinem straffen, aber definierten Heck liebt schnelle Kurvenwechsel und Sprünge. Es verleitete Tester Chris Schleker sogar zum Backflip (s. u.).

Dank fast fünf Zentimetern mehr Radstand als bei Propain und einem guten Zentimeter mehr Federweg als bei allen anderen Testkandidaten liegt das Scott Ransom E-Ride zwar satt auf dem Trail, kann dem Propain aber in schnellen Passagen kaum entkommen. Neben dem kultivierten Fahrwerk am Propain dürfte der Grund dafür auch in den Reifen liegen. Die extrem schweren Eddy Currents drücken zwar auf die Waage, liegen auf dem Trail jedoch eine ganze Nummer satter als die leichteren Exo+-Pneus am Scott, das seine beste Wertung trotz des massiven Federwegs eher im Uphill einfährt. Aber gut, langer Radstand, lange Kettenstreben – dass das Scott auch am Berg erst spät die Front hebt, liegt auf der Hand. Überrascht hat uns dagegen das eher kurze Liteville 301 CE, dass sich im technischen Gelände bergauf sehr gut schlägt und auch an steilen Rampen erst spät in den unfreiwilligen Wheelie geht.

Skyshot/ Markus Greber Überzeugt auch im Uphill: Das Scott mit langen Kettenstreben erklettert steilste Rampen mühelos – lässt bei der Handlichkeit bergab Federn.

E-Enduros: Darauf kommt’s wirklich an

Es ist also das Zusammenspiel aller Faktoren – Geometrie, Laufräder, Federweg, Reifen und Fahrwerkskinematik – die am Ende über den Charakter eines E-Mountainbikes bestimmen, und damit auch über seinen Einsatzzweck. Soll ein Bike als E-Enduro, als abfahrtsorientiertes E-MTB für maximale Geschwindigkeiten, riesige Sprünge und fieseste Hindernisse überzeugen, darf es sich hier keine Fehler leisten. Leichte Reifen sind genauso ein No-Go wie schwammige Fahrwerke, steile Lenkwinkel oder eben auch zu wenig Federweg. Wieviel genau genug ist, zeigt sich jedoch immer erst auf dem Trail.

Welches Bike unsere Test-Crew in der Praxis überzeugen konnte und ob sich die Investition in High-End-Bikes wirklich lohnt, lest ihr in unserer aktuellen EMTB-Ausgabe 4/2021 – ab sofort im Handel, in der App und im DK-Onlineshop.

Markus Greber Der Backflip ist nicht Teil unseres Test-Prozederes. Tester Chris Schleker konnte es trotzdem nicht lassen und rotierte am Geißkopf gekonnt über den großen Kicker.

Themen: ConwayE-EndurosE-MTBEMTB 4/2021EMTB TestGeometrieLitevillePropainScottSpecialized


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