Test E-MTB-Hardtails

Sechs E-Hardtails ab 2500 Euro im Test

  • Stephan Ottmar
 • Publiziert vor 5 Jahren

Fette Federwege sind nicht jedermanns Sache: Viele rauschen mit dem E-Bike lieber zügig durch Wald und Feld und eher selten durchs rumpelige Gelände. Dann braucht das Heck nicht zwingend ein Fahrwerk.

Im Gegensatz zu den Fullys, die eine große Bandbreite von Einsatzbereichen abdecken, fahren Hardtails technisch alle auf einem sehr ähnlichen Niveau. Wer sich für ein Bike mit starrem Hinterbau entscheidet, geht jedoch fahrdynamisch einen Kompromiss ein: Ein Hardtail spart im Test-Durchschnitt 700 Euro. Dafür nimmt der Spaßfaktor im anspruchsvollen Gelände mit starrem Heck natürlich deutlich ab. Es gilt abzuwägen, was wichtiger ist. Wer nur dann und wann kurze Ausflüge ins ­Gelände plant und das Bike vor allem als Tourenbike mit erhöhter Komfortkomponente einsetzen möchte, um auch Wald- und Feldwege sicher zu befahren, der ist mit diesen Fahrrädern bestens bedient.

In allen Bikes stecken Federgabeln mit 100 Millimeter Federweg im Steuerrohr, nur im Flitzbike sind es 120 Millimeter. Das klingt zwar nach guten Potenzial im Gelände. Die Crux liegt jedoch in der Kombination aus hohem Gewicht und fehlendem Fahrwerk am Heck. In etwas größere Hindernisse schlägt das Rad dann hart ein – die Konsequenz ist häufig ein platter Hinterreifen. Wer also gelegentlich durchs Gelände poltern möchte, dem bleibt nur die Möglichkeit mit viel Druck im Hinterreifen Durchschläge zu vermeiden.

Fotoshooting im Dreiländereck – hoch über dem Reschensee. Für den Test jagten wir die E-Mountainbikes außerdem über unsere Teststrecke am Gardasee.

E-MTB-Hardtails in 27,5 und 29 Zoll

Zusätzlich zum Federweg rollen Elom und Radon auf 29-Zoll-Rädern. Die rollen dank ihres größeren Radius spürbar leichter über Hindernisse und erhöhen Geländetauglichkeit und Traktion. Alle übrigen Teilnehmer setzen auf die neue Laufradgröße 27,5 Zoll; Felgen mit 26 Zoll finden sich auch an aktuellen Mountainbikes kaum noch.
Ein ungewöhnliches Konzept schickt die junge Firma Flitzbike ins Rennen. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Mittelmotor, ist in Wirklichkeit ein 18-Gang-Getriebe der Firma Pinion. Das bewirkt weiche Gangwechsel und soll sehr langlebig sein. Die Kraftübertragung zum Hinterrad übernimmt ein Zahnriemen. Dort dreht sich der Motor um Nabe. Die Bikes der kleinen Edelschmiede aus dem Bodensee-Raum sind handgemacht, hochwertig – und der Kunde kann seine persönlichen Wünsche zu Farbgebung und Ausstattung verwirklichen. Diese Individualität hat ihren Preis: Mit 4.890 Euro markiert das CR18 das obere Ende der Fahnenstange im Test. Die Geometrie gefiel uns gut und das Flitzbike fühlt sich im Gelände wohl, bergauf limitiert der Heckmotor die Möglichkeiten etwas. Das Händlernetz von Flitzbike befindet sich noch im Aufbau, daher sind die Räder bislang nur im Direktvertrieb erhältlich.

Das ZR Race von Radon wird ebenfalls direkt an den Endkunden vertrieben. Hier stehen jedoch weniger Individualität als Massentauglichkeit und vor allem ein günstiger Preis im Vordergrund. Mit qualitativ sehr hochwer­tiger Ausstattung ist es auf diesem ­Kanal für 2.699 Euro bestellbar; darin enthalten sind eine Fox-32-Federgabel, XT-Bremsanlage und -Schaltung, Schwalbes Nobby-­Nic-Reifen, breiter Lenker und RaceFace-Komponenten. Respekt! Damit bleiben kaum Wünsche offen. Günstiger ist nur noch das Haibike, das für 2.499 Euro beim Händler steht, allerdings mit Abstrichen bei den Komponenten – und statt einem Bosch- hängt ein Yamaha-Triebwerk am Tretlager.

Ein Mittelmotor von MPF steckt im Carbonrahmen des E-Lom, lediglich das Flitzbike kommt mit Hinterrad­nabenmotor. Ursprünglich sollte auch das Wheeler Proton mit dem neuen BionX-Direktläufer-Motor am Test teilnehmen: Weil jedoch der Antrieb nicht funktionierte, mussten wir dessen Teilnahme verschieben.

Unabhängig vom Motor gefielen dem Test-Team die Fahreigenschaften von Flitzbike und Radon in der Abfahrt am besten. Während das Radon mit seinen großen Rädern besser geradeaus läuft, bleibt das Flitzbike mit seiner 120-Milli­meter-Gabel und den 27,5-Zoll-Rädern agiler und verspielter. Allerdings fällt der Rahmen des Radon sehr weich aus. Auch Scott und Simplon machen einen guten Eindruck. Das Scott ist jedoch deutlich gestreckter und dürfte damit auf längeren Touren nicht jedermanns Sache sein. Aber sowohl im Fahreindruck als auch bei der Reichweite liegt das Testfeld eng beisammen. Die Bosch-Antriebe haben ihren Akku nach 1.300 Höhenmetern leergelutscht, knapp dahinter landet der MPF am ­E-Lom. Der Yamaha-Antrieb schob uns auf über 1.100 Meter. Die bekannten Probleme gab es mit dem Flitzbike. Hinterradnabenmotoren kämpfen an langen Steigungen mit der Hitzeentwicklung und wir brechen den Test ab, wenn der Motor zum dritten Mal abschaltet – das war nach 300 Höhenmetern der Fall.

FAZIT: Die Bikes liegen auf sehr ähnlichem Niveau. Punkte verlieren E-Lom in den Fahreigenschaften und Flitzbike wegen des Nabenantriebs. Dass aber auch ohne Bosch-Aggregat die Möglichkeit besteht, ganz vorn im Testfeld dabei zu sein, beweist Haibike gemeinsam mit Yamaha. Das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet Radon.

E-lom C29 XT


www.elom-ebikes.com – 3990 Euro

Das E-Lom C29 XT im Test.

Im E-Lom unterstützt ein MPF-Mittelmotor, der seine Sache richtig gut macht. Er hat zwar spürbar weniger Power, dafür eine ausgefeilte Steuerung und läuft leise. Im Reichweitentest liegt er fast gleichauf mit Boschs Performance-Line-Antrieb, auch wenn er für die Strecke etwas länger braucht. Das Design des C29 setzt auf die bewährte Form des Diamantrahmens. Der vordere Teil des Carbon-Chassis, in klassischer CFK-Optik, ist sehr lang, was der 110 Millimeter lange Vorbau zusätzlich unterstreicht. Damit sitzt der Pilot sehr gestreckt. Das Fahrwerk des 29-Zöllers – eine RockShox Reba – steht dem Bike gut; die dünnen Reifen limitieren die Möglichkeiten in härterem Gelände. Die Ausstattung ist hochwertig.


Test-Fazit: Wer eine Mittelmotor-­Alternative sucht, wird hier ­fündig. Allerdings ist die Leistung etwas geringer.

+ Schöner Carbonrahmen

– Schwache Reifen

Haibike Sduro HardNine RC


www.haibike.de – 2499 Euro

Das Haibike Sduro Hardnine RC im Test.

Das HardNine fiel im Wortsinn etwas aus dem Rahmen. Statt der ­bestellten Größe L ­erhielten wir einen S-Rahmen. Die Front über der Rockshox-XC32-Gabel baut jedoch verhältnismäßig hoch, wodurch die Tester keine ­Probleme hatten, genügend Druck auf das Vorderrad zu bringen. Sie attestierten dem Sduro gute Abfahrtsqualitäten und – dem kurzen Radstand geschuldet – eine hervorragende Wendigkeit. Große Aufmerksamkeit konnte der Yamaha-Motor auf sich ziehen: Er unterstützt bis zu einer mittleren Trittfrequenz prima, bei hoher ­Kadenz nimmt die Unterstützung etwas ab. Die elektrische Steuerung gefällt uns gut. Im ­Vergleich zu Bosch sind die ­Bedienknöpfe etwas weniger definiert.


Test-Fazit: Rundes Konzept mit dem angenehm funktio­nierenden Yamaha-Motor.

+ Mittelmotor mit schaltbaren Kettenblättern

– Schwache Bremse

Flitzbike CR 18


www.flitzbike.com/de/ – 4890 Euro

Das Flitzbike CR 18 im Test.

Das Flitzbike ist herrlich anders als die anderen: Am Tretlager sitzt nicht etwa der Motor, sondern die 18-Gang-Getriebebox von Pinion. Die Kraftübertragung ans Hinterrad, in dem auch der Motor sitzt, übernimmt keine Kette, sondern ein Zahnriemen. Die Unterstützung durch den Motor fällt – besonders bei Geschwindigkeiten unter 15 km/h – deutlich schwächer aus als bei der Konkurrenz. Im Trail ist das Bike zwar konstruktionsbedingt hecklastig, bleibt aber trotzdem wendig und gut kontrollierbar. An der Front werkelt eine RockShox SID, die ihren ­Federweg von 120 Millimetern gut nutzt und den Einsatzbereich des Bikes erweitert. Das Flitzbike ist damit im Vergleich sehr geländetauglich.


Test-Fazit: Wer mit dem schwächeren Motor leben kann, bekommt hiermit ein sehr gelände­gängiges Spaß-Bike.

+ Individuell und Made in Germany

– Motorunterstützung am Berg gering

Radon ZR Race Hybrid


www.radon-bikes.de – 2699 Euro

Das Radon ZR Race Hybrid im Test.

Gerade mal 2699 Euro ruft Radon für sein 29-Zoll-E-Hardtail auf. Dafür bekommt man einen Sack voll teurer Anbauteile. Der Direktversender verlässt sich auf hoch­wertige Komponenten und bewährte Rahmenkonzepte. Zentral im klassischen Diamantrahmen surrt ein Motor von Bosch. Eine Fox-32-Gabel nimmt die Erschütterung aus dem angenehm breiten Lenker und RaceFace-Komponenten runden das stimmige Gesamtpaket ab. Die Sitzposition ist dezent sportlich: So hat man immer genügend Druck auf der Front und behält stets die Kontrolle über die 29-Zoll-Räder. Vermutlich aufgrund der dünnen Verstrebung am Hinterbau fällt die Rahmensteifigkeit recht gering aus.


Test-Fazit: Ein Hardtail der Extraklasse zu einem hervorragenden Preis. Falls es einen Haken gibt, haben wir ihn nicht ­gefunden.

+ Hochwertige Ausstattung

– Geringe Rahmensteifigkeit

Simplon Sengo 27,5


www.simplon.com – 4779 Euro

Das Simplon Sengo 27,5 im Test.

Beim Simplon handelt es sich um ein ambitioniertes Mountainbike, das sich willig durchs Gelände bewegen lässt. Die Geometrie des Carbonrahmens ist eher sportlich und gibt dem Rad einen spritzigen, verspielten Charakter. Der breite Lenker sorgt in Kombination mit dem steifen Laufradsatz von DT Swiss dafür, dass es präzise dem Fahrerwusch folgt. Auf der für Hardtails recht anspruchsvollen Teststrecke fühlten wir uns mit dem Simplon gut gerüstet. Die RockShox-Reba-Federgabel stellt mit 100 Millimetern genügend Hub zur Verfügung und schluckt auch mal gröbere Brocken weg. Dank 11-36er-Kassette ­erklimmt man mit dem Simplon spielerisch steile Rampen. Es ist mit 17,9 Kilo das leichteste Bike im Test.


Test-Fazit: Agiles Trailbike mit toller Ausstattung und hervor­ragendem Handling.

+ Motor und Akku optisch im Rahmen integriert

– Unterfahrschutz am Motor gebrochen

Scott E-Aspect 710


www.scott-sports.com – 2999 Euro

Das Scott E-Aspect 710 im Test.

Gleich beim Aufsitzen offenbart das Scott die Race-Gene seines Aspect-Rahmens. ­Langer Radstand und langes Oberrohr bringen den Fahrer in eine flache gestreckte Haltung. Das warf die Frage auf, ob eine solche Geometrie für E-Bikes sinnvoll ist: Kaum jemand wird dauerhaft jenseits von 25 km/h unterwegs sein – dafür sind solche Räder zu schwer und der innere Widerstand des Motors ist zu hoch. Das Plus des langen ­Radstandes ist eine ausgeprägte Lauf­ruhe: Schnelle Abfahrten spielen dem Scott ­deutlich besser in die Karten als winkelige Strecken. Die Ausstattung ist solide. Zum racemäßigen Auftritt passt die vom Lenker aus blockierbare Fox-32-Gabel. Wir wünschten uns einen breiteren Lenker.


Test-Fazit: Renngeometrie mit hervorragendem Geradeauslauf und stimmigem Design.

+ Hochwertige Gabel

– Viele sichtbare Kabel und Züge

Themen: E-HardtailE-MTB


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