Das E-MTB Centurion Numinis.E im Winter-Test Das E-MTB Centurion Numinis.E im Winter-Test Das E-MTB Centurion Numinis.E im Winter-Test

Test Centurion Numinis.E

Das E-MTB Centurion Numinis.E im Winter-Test

  • Thomas Musch
 • Publiziert vor 5 Jahren

E-BIKE-Chefredakteur Thomas Musch ist überzeugter Pedelec-Pilot und passionierter Rennradler. Wie das zusammengeht, schildert er anlässlich seiner Erfahrungen mit dem E-MTB Centurion Numinis.E

Es ist Ende August, ein Sommertag, wie er sein soll. Nur noch eine Woche, dann beginnt die Rennradtour mit Freunden, auf die ich mich seit Monaten freue. 2.000 Kilometer der Länge nach durch ganz Italien, von Süd nach Nord. Ein echtes Abenteuer, für das ich rund 4.000 Kilometer Training in den Beinen habe. Und was tue ich? Turne mit einem vollgefederten, von einem E-Motor ­getriebenen Mountainbike durch die heimischen Wälder und habe den größten Spaß am Radfahren. Seit Jahren. Was ist da schief gelaufen? Man könnte sagen, mir sind sämtliche ideologischen Vorbehalte, Ressentiments und felsenfesten Überzeugungen abhanden gekommen, was „man“ als passionierter Rennradfahrer gemeinhin so tut/darf/muss. Aber ist das nicht eigentlich das Beste, was einem passieren kann, wenn es darum geht, Neues kennenzulernen und auszuprobieren? Noch dazu, wenn es ums Radfahren geht?
Das Centurion Numinis.E, das ich Tage zuvor als Dauertestrad übernommen habe, ist eine Spaßmaschine erster Güte; daran lässt diese erste ungestüme Ausfahrt keinen Zweifel. Ich kann gar nicht genug bekommen von dieser neuen Art des Radfahrens – des Mountain­bikens im Speziellen. Dabei geht es gar nicht darum, den schlappen Sack zu spielen, der sich mit Motorkraft durch die Gegend schieben lässt. Es ist vielmehr ­faszinierend, wie ein solches Bike die eigenen Möglichkeiten erweitert. Wie sportlich, wie spielerisch, wie ­sicher das Fahren mit solch einem Rad sein kann.

Ich bin definitiv kein guter Mountain­biker, an meiner Fahrtechnik hapert es merklich. Singletrails bergauf sind ­selten konditionell ein Problem, aber irgendwann kommt immer die Wurzel oder der Stein oder die Stufe, an der ich scheitere: Das Vorderrad läuft aus der Spur, oder das Hinterrad rutscht auf einer Wurzel durch – Ende. Nicht so mit dem E-Fully. Ich konzentriere mich auf die Linie, bleibe locker im Sattel sitzen, trete gleichmäßig weiter. Der Zusatzschub aus dem Bosch-Motor hilft, das Hinterrad über die Wurzel zu wuppen. Wir, das Rad und ich, hoppeln kontrolliert weiter. Immer den entscheidenden Tick schneller, um nicht hängen zu bleiben und immer im Bewusstsein, genug Schub zu haben für die nächste Hürde. Wurzelpfade wandeln sich von Stolperfallen zu Spielplätzen. Was ein Spaß!


Sport mit E-Schub

Schnell lerne ich: Wer das E-MTB als Sportgerät begreift, braucht nicht ständig den Turbo-Schub der höchsten ­Unterstützungsstufe. Für gemütliches Geholper bergwärts über schmale Steige reicht meist der Eco- oder Tour-Modus. Auch wer auf Forstautobahnen mit ­moderaten Steigungen die Grundlagenausdauer trainieren will, braucht kaum mehr als den dezenten Eco-Boost, um sich selbst und den knapp 20 Kilo schweren Boliden in Schwung zu halten. Es geht aber auch anders. Dann wird das Numinis.E zur Speed-Fräse. Mit knapp über 25 km/h Anstiege zu plätten, ist eine Erfahrung, die süchtig macht. ­Süchtig und kaputt. Alle bisherigen Seh- und Fahrgewohnheiten werden außer Kraft gesetzt, wenn der Gartenzaun, an dem man sonst die Latten einzeln zählen konnte, plötzlich als verwischtes Bild in den Augenwinkeln vorbeifliegt. Es geht, auf einem Mountainbike mit 25 km/h steile Anstiege hochzujagen, schneller als mit jedem Rennrad. Und weil es geht, erliege ich immer wieder dem Reiz, es zu tun. Aber es kostet vollen Einsatz, Motorschub und Beinarbeit so zu synchronisieren, dass der Antrieb alle seine Watt raushaut. Das geht so lange, bis die Beine brennen und die Luft mit Eisen­geschmack versetzt die Lunge flutet. Und das Vergnügungszentrum im Kopf Purzelbäume schlägt.


Durch dick und dünn

Im Laufe der Zeit lerne ich dann doch, die vier Unterstützungsstufen des Bikes so einzusetzen, dass ich nicht ständig mit pfeifender Lunge unterwegs bin. Für lockeres Cruisen reicht der Eco-Modus; ausdauerorientierte, längere Runden nehme ich in der Stufe „Tour“, die ideal dabei hilft, das Durchschnittstempo hoch und den Puls unter Kontrolle zu halten, die Spitzen zu glätten. Kurze Stiche oder fahrtechnisch anspruchs­volle Passagen bekommen dann und wann den „Sport“- oder „Turbo“-Kick.
Als in den herbstlichen Wäldern rüde Forstarbeiten Schlammkuhlen zurücklassen, entfaltet das Bike Land-Rover-Qualitäten. Mit kleinem Gang und vollem Motorschub wühlen wir uns durch ­nabentiefen Schmodder – immer vorwärts. In meiner Erinnerung an längst ver­gangene Mountainbike-Touren endeten solche Passagen fast immer damit, trotz wildem Gekurbel mitten im Pfuhl steckenzubleiben und mit wahlweise dem rechten oder linken Fuß im Schlamm zu versinken. Mit dem gewissen „E“ erreiche ich fast immer wohl­behalten wieder den festen Grund ­jenseits der Suhle.
Ähnlich im Schnee. Ich erinnere mich gut: Liegt der Schnee höher als zehn Zentimeter, war das (für mich) ein Balance­akt, ständig bedroht vom ausbrechenden Vorder- oder durchrutschenden Hinterrad. Nach wenigen hundert Metern war ich meistens so breit und so weit, lieber durch die festgefahrenen Reifenspuren des Förster­autos zu schlingern als gegen den „Tiefschnee“ zwischen den Spuren anzukämpfen. Das Numinis.E macht das anders. Selbst wenn das Motorgehäuse schon im Schnee schleift, gräbt sich das E-Bike – im kleinen Gang bei vollem Schub – immer noch vorwärts. Klar ist, dass solche Umtriebe den Akku ziemlich schnell leer saugen. Nach einer winterlichen Schneepflug-Runde über die Hegau-Hügel am westlichen Bodensee vermeldet das Display nach 40 Kilometern und gut zweieinviertel Stunden maximalem Spaß noch fünf Kilometer Reichweite. Behält man das Display im Blick, entwickelt man aber recht schnell ein Gefühl dafür, wie weit der Strom noch reicht. Schließlich rechnet das Batterie-Management-System ständig aus, wie weit man noch kommt, wenn man mit der aktuellen Belastung weiterfährt. Reduziert man die Motorunterstützung, gibt’s im Gegen­zug wieder mehr Kilometer.
Die Reichweite war bei meinen Touren aber nie der limitierende Faktor. In Herbst und Winter spielen nach drei, dreieinhalb Stunden wegen der Kälte eher die Füße und Finger nicht mehr mit als der Akku. Auf Wegen ohne große fahrtechnische Herausforderungen bin ich bei mittlerer Unterstützungsstufe mit rund 22 km/h im Schnitt unterwegs, die angegebene Reichweite schwankt dann zwischen 70 und 80 Kilometern. Arrangieren muss man sich damit, dass ein 20 Kilogramm schweres E-Fully kein Race-Hardtail ist. In Verbindung mit den 120 Milli­metern Federweg der Gabel mal eben das Vorderrad anheben zu wollen, kann in einer Slapstick-Einlage enden. Und wenn man ein Hindernis mal nicht über- oder umfahren kann, sollte man sich einen guten Plan zurechtlegen, in welcher Reihenfolge man sich und das Bike drüberwuchtet. Oder alleine unterwegs sein, wenn man nicht zum Gespött der Mitradler werden will.
Auf schnellen Bergabpassagen wiederum vermittelt der fette Brocken Sicherheit. Das Bike liegt wie ein Brett, nichts schlingert oder schlackert. Wie sich das Rad in anspruchsvollen Trialpassagen bergab bewährt, kann ich leider nicht wirklich beurteilen; mich verlassen Fahrkünste und Mut jedenfalls, deutlich bevor das Bike eine limitierende Rolle übernehmen könnte.



Grenzbereiche

Ein Limit anderer Art ist eher der Grenzbereich, in dem der Motor seine Unterstützung langsam ausblendet und alle weitere Beschleunigung dem Radler überlässt. Der Gesetzgeber erlaubt bei sportlichen Pedelecs eine zehnprozen­tige Überschreitung des Tempolimits. Bei den meisten E-MTB schiebt der ­Motor also auch oberhalb von 25 km/h noch weiter, um bis 27,5 km/h sanft nachzulassen und dann ganz auszusteigen. Das ist genau der Tempobereich, in dem trainierte Biker auf guten Wegen häufig unterwegs sind.
Ist das Terrain flach oder nur leicht abschüssig, rollt das Centurion auf seinen riesigen 27,5er-Reifen auch jenseits der 27,5 km/h, also nur mit Pedaldruck, noch bemerkenswert leichtfüßig. Aber wenn es nur leicht bergauf geht, wird ein E-Bike ohne Motorunterstützung bei diesem Tempo zur Spaßbremse. ­Meine Erkenntnis: Man arrangiert sich, bleibt im Limit von 27,5 km/h (nur ­bergauf, wohlgemerkt) und regelt die Belastung mittels Schaltung und Unterstützungsstufe so ein, wie man das ­Training haben möchte. Und man kann sich’s auf diese Weise richtig besorgen, damit das mal klar ist.

Mein Fazit nach rund 800 Kilometern in Herbst und Winter: Ich bin von dieser Art des Mountainbikens überzeugt und begeistert. So viel Spaß auf dem Rad war lange nicht. Wenn ich mir mal wieder ein Mountainbike kaufen sollte, dann eines mit Elektromotor – wobei das Centurion Numinis.E die Messlatte schon ganz schön hoch gelegt hat …
Übrigens: Unsere Rennradtour durch Italien war die Wucht in Tüten. Knapp 2.000 Kilometer, 30.000 Höhenmeter, Tagesetappen bis zu 190 Kilometer, ­süditalienische Hitzeattacken und norditalienische Wintereinbrüche inklusive. Ich freue mich wieder riesig auf die neue Rennradsaison. Und die nächste Ausfahrt mit dem Dauertest-E-Fully. Und die nächste Rennradrunde. Und die übernächste Ausfahrt mit dem E-Fully … Und darüber, dass Radfahren in allen seinen Varianten zu viel Spaß macht, um sich eine davon durch ideologische Scheuklappen vermiesen zu lassen!

Themen: CenturionE-MTBNuminis.ETestWinterbikes


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