Test 2017: Scott E-Genius 720 Plus

Lass krachen: Scott E-Genius 720 Plus im Test

  • Stephan Ottmar
 • Publiziert vor 4 Jahren

Bewährtes Chassis, angepasster Komponen­ten-Mix: Das E-Genius 720 Plus ist 1000 Euro günstiger als das Testsieger-Genius aus dem Vorjahr. Und ebenso gut.

Vergangenes Jahr fuhr das Scott Genius den Konkurrenten auf und davon. Allerdings lag das getestete 710er-Modell rund 1000 Euro über dem aktuellen 720er. Fette Plus-Reifen gehören auch 2017 zum Konzept der Genius-Familie.

Am aktuellen Modell rollen statt der 3.0 Nobby Nic allerdings 2.8er-Maxxis-Minion-DHF am Vorder- und Maxxis Recon am Hinterrad – ein Hammer-Setup wie an einem Motocross-Bike. Ein paar Höhenmeter Reichweite dürften bei dieser Stollenmischung wohl auf der Strecke bleiben, doch das Downhill-Profil an der Front und die eng zusammenstehenden Noppen am Heck bieten Traktion und Kurven-Grip in allen Lebenslagen. Die 200er-Bremsscheiben sorgen an der günstigen, aber soliden Shimano-Deore-Anlage für ordent­liche Werte bei der Verzögerung. Die 140 Millimeter Federweg der Fox-Performance-Gabel reichen mit dem eher flachen Lenkwinkel auch für sportlich-steile Abfahrten, die Syncros-Teleskopstütze tut ihr Übriges.

Ein Bosch-Aggregat in der CX-Version hängt im Rahmen, das Purion-Display am Lenker glänzt aber nicht mit Bedienergonomie. Die Kraftübertragung übernimmt eine Sram-NX-Schaltung. Die Fahreigenschaften sprechen für sich: Bergauf sucht man sich mit dem Scott unwillkürlich immer steilere Rampen. Steigungen, die noch beim ersten Anblick in die Kategorie "grenzenlose Selbstüberschätzung" verbannt wurden, erklimmt das Bike nach kurzer Eingewöhnung mühelos. Die Kombination aus kräftigem Antrieb mit kurzer Übersetzung, gepaart mit einem langen Radstand und langen Kettenstreben, sorgt für die enormen Kletterkünste. Mit 22,7 Kilo ist das Bike dazu keinesfalls übergewichtig, und da der Schwerpunkt tief liegt, lässt sich das Genius willig steuern. Trotzdem liegt der Fokus des Bikes mehr auf dem Geradeauslauf: In Highspeed-Abfahrten hilft der lange Radstand dem Fahrwerk, Hindernisse plattzubügeln – die fetten Pneus kennen ohnehin kaum Grenzen.

Das Manko der langen Geometrie und des tiefen Schwerpunkts zeigt sich an Stufen: Hier neigt das Bike frühzeitig zum Bodenkontakt im Bereich von Kurbel oder Motor. Der Unterfahrschutz verhindert zwar Schlimmeres, doch jedes Kratzen bei Felskontakt erinnert an den letzten Zahnarztbesuch.



Lange Kettenstreben, langer Radstand: Mit dem Scott Genius kann man’s so richtig krachen lassen. 



Antrieb
Motor / Position   
Bosch Performance CX 250 Watt / Mitte
Max. Drehmoment   75 Nm
Akku   Lithium-Ionen, 500 Wh
Schaltung / Übersetzung   Sram NX / vorn 15, hinten 11–42
Display / Größe   Bosch Purion / 1,6 Zoll
Display   Bosch Purion


Ausstattung
Rahmenmaterial / Größen   
Aluminium/ S / M / L / XL
Gabel / Dämpfer   Fox Float Performance Air 140 mm / Fox Nude
Teleskopstütze   Syncros Dropper 2.0, 120 mm
Bremse / Disc vo. / hi.   Shimano Deore / 200 / 200 mm
Laufräder   Syncros X 40 Plus
Reifen   Maxxis Minion DHF / Recon 2,80x27,5


Info   4499 Euro | ww.scott-sports.com

Scott E-Genius 720 Plus – An den großen 200er-Bremsscheiben vorne wie hinten zerren günstige Shimano-Deore-Stopper. Die Power geht in Ordnung.

Scott E-Genius 720 Plus – Unter dem Bosch-Purion-Display sitzt der Remote-Hebel für das Fahrwerk. Wir benötigen am E-MTB allerdings weder Lockout noch Traction Control.

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Themen: E-GeniusEMTBScottTest


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