Die 8 besten E-Enduros im Test Die 8 besten E-Enduros im Test Die 8 besten E-Enduros im Test
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Test 2017: Enduro E-MTBs

Die 8 besten E-Enduros im Test

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 4 Jahren

Früher oder später erwischt er einen: der E-MTB-Virus. Diesmal ist Enduro-Freak und Gasttester Marcus S. dran, dem wir für seine Hausrunde acht Enduro-E-MTBs verpassten. Die besten Bikes fürs Grobe...

Das erste Mal ist immer etwas ganz Besonderes. Der erste Urlaub ohne die Eltern. Das erste eigene Auto – plötzlich unabhängig. Die erste Freundin. Das erste Handy. Die erste eigene Bude. Alles einschlägige Wegmarken im Leben. Und jetzt gibt’s auch für Biker, die längst mit beiden Beinen fest im Leben stehen, ein neues erstes Mal: Das erste Mal biken mit elektrischem Rückenwind, der einen wie von Geisterhand die steilsten Rampen hochschiebt – ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Marcus S. (49) gehört zu denen, die nach 20 Jahren Mountainbiken den Sport mit einem Mal ganz neu erleben. Es ist der 3. Juli, und für ihn ist es das erste Mal.

Um das Spaßpotenzial von E-Enduros auszuloten, hatten wir uns einen "Hausfrauentest" überlegt: Wir wollten einen Mountainbiker mittesten lassen, der unserer Meinung nach zwar zur Zielgruppe für diese Bike-Kategorie gehört, der aber noch nie auf einem E-MTB saß. Die Qualifikation unseres Kandidaten: Erstens: Marcus S. ist erfahrener Enduro-Pilot und kann es bergab richtig fliegen lassen. Zweitens: Als zweifacher Familienvater ist sein Zeitbudget sehr begrenzt – sein Trail-Vergnügen will er sich lieber nicht mit stundenlangen Uphills erarbeiten müssen. Und Drittens: Als Gegenleistung verspricht uns Marcus, seine super-geheimen Hometrails im bayerischen Voralpenland zu zeigen. Gekauft!

Es ist ohnehin ein Wunder, dass unserem Gasttester bisher noch kein E-MTB in den Sinn kam. Seine Vorurteile: zu schwer, zu träge, nur was für alte Leute. Den Beweis, dass E-Mountainbikes keine Oma-Räder sind, sollen nun acht brandaktuelle E-Enduros antreten. Gemeinsamer Nenner: 160 Millimeter Federweg vorne und hinten. Doch unser Gasttester ist verwöhnt. Von aktuellen unmotorisierten Enduros kennt er die Vorteile moderner Geometrien: mehr Führung durch lange Vorderbauten (Reach), viel Kontrolle in anspruchsvollem Geläuf durch flache Lenkwinkel, Wendigkeit durch kurze Kettenstreben. Marcus S. interessiert: Sind auch die E-Enduros in dieser Hinsicht up to date?


Diese Enduro EMTBs finden Sie im Test:

  • BH Atom Lynx 6 27,5 Pro
  • Cannondale Moterra LT1
  • Conway E-WME 627
  • Flyer Uproc 6 8.70
  • KTM Macina Kapoho LT 272
  • Merida eOne-Sixty 900 (EMTB-Tipp: Testsieger)
  • Rotwild R.E+ FS Evo (EMTB-Tipp: Integration)
  • Stevens E-Sledge+ ES

Test 2017: E-Enduros

8 Bilder

Früher oder später erwischt er einen: der E-MTB-Virus. Diesmal ist Enduro-Freak und Gasttester Marcus S. dran, dem wir für seine Hausrunde acht E-Enduros verpassten. Die besten Bikes fürs Grobe im harten Vergleichstest.


Die typische Geometrie eines modernen Enduro-Bikes besitzt zum Beispiel das Stevens E-Sledge+ ES. Das Bike aus Hamburg hat mit 65,7 Grad den flachsten Lenkwinkel zu bieten. Fast schon ein Klassiker im E-MTB-Enduro-Sektor und ausgestattet mit einer kompromisslosen Renngeometrie ist das Rotwild R.E+ FS mit einem bemerkenswert langen Reach von 457 Millimetern. Dieser lange Vorderbau soll Sicherheit und Ruhe bei schnellen Abfahrten bringen. Ebenso besitzen die Vertreter von Cannondale, Merida und Conway moderne Geometrien, die bergab gut funktionieren.

Besonders bemerkenswert in diesem Testfeld: das Schrumpfen der Kettenstrebenlängen. Mit 434 Millimetern besitzen das Conway e-WME 627 und das Stevens die kürzesten Hinterbauten, gefolgt von Rotwild (442 Millimeter) und Cannondale (444 Millimeter). Damit liegen die aktuellen Enduros etwa gleichauf mit den klassischen Bikes ohne Motor. Das ist schon eine kleine Sensation, vor dem Hintergrund, dass die Hinterbaulänge durch die platzraubenden Motoren seit den ersten E-MTBs das Hauptproblem der Konstrukteure war. Länge läuft zwar bekanntlich, aber Kettenstrebenlängen jenseits der 470 Millimeter machen die Bikes träge und auf Trails langweilig. Blickt man auf die Motorenwahl im Testfeld, dann wird der Grund für den drastischen Geometriewandel klar: Die kürzesten Streben schaffen die Bikes mit Shimano-Motor. Der japanische Antrieb trägt weniger auf und schafft den Konstrukteuren größere Spielräume. Dass man trotz des großen Bosch-CX-Motors moderate Kettenstrebenlängen zustande bringen kann, beweisen Cannondale (444 Millimeter) und Flyer (448 Millimeter). Die Amerikaner haben für ihr Moterra kurzerhand eine neue Motoraufhängung kons­truiert. Der Motor sitzt etwas nach oben gedreht, der Schwingendrehpunkt kann dadurch weiter vorne liegen. Flyer löst das Problem mit einem kleineren 26-Zoll-Hinterrad. Unterschiedliche Laufradgrößen haben wir in EMTB 2/2017 als konstruktive Option bei E-Mountainbikes beschrieben – die Schweizer verfolgen diesen Weg als Erste.

Markus Greber In ihrem Element: Schnelle Downhills, Kurven-Drifts, Sprünge – in diesem Gelände können die Bikes ihre Geometrien und Federwege voll ausspielen.

Geometrietechnisch völlig aus der Reihe fallen KTM und BH. Die Kettenstrebenlänge von fast 500 Millimetern am KTM ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Diese Bikes fahren sich im Vergleich schwerfällig und träge.
Sechs kurze, anspruchsvolle Downhills und genauso viele knackige Anstiege weist das Höhenprofil unseres Testparcours auf. Die Abfahrten wechseln von steilen, technischen Passagen über flüssige Singletrails bis hin zu einer Highspeed-Downhill-Sektion mit ruppigen Wurzeln und Sprüngen. Sogar eine gebaute Parksektion mit Anliegern und einem weiten Step-down-Sprung ist dabei. Unsere Hausfrau Marcus kennt hier seit Jahren jeden Meter und jede Schlüsselstelle. Hier ein kleiner Sprung, der wegen eines spitzen Felsens nicht zu kurz ausfallen darf, dort lieber die obere Linie, weil unten die glitschigen 45-Grad-Wurzeln lauern. Marcus zirkelt mit Präzision durch seinen Kurs, lupft das Bike über quer liegende Baumstämme, schanzt sich über Wurzeln und lässt sich in die Anlieger fallen.

"Unglaublich, wie sicher sich diese Bikes fahren", resümiert er nach den ersten Runden. Nur beim Bunny Hop findet Marcus die Bikes "gewöhnungsbedürftig". Dafür "liegen die Dinger in der Luft ruhiger". Aber auch mit Kritik spart er nicht: "Der Lenker am BH ist viel zu kurz", "das KTM bringt man kaum ums Eck", "die Fat-Albert-Reifen am Conway rutschen früh weg" – unser Gasttester liegt bei der Bewertung der meisten Bikes auf einer Linie mit dem eingespielten Profi-Testteam.

Markus Greber Punkte sammeln in der B-Note: Solche Trialmoves in steilstem Gelände sind dank der steifen Gabeln und traktionsstarken Reifen kein Problem.


Fazit in Sachen Downhill-Eignung: Satte Lage auf dem Trail, Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten, und trotzdem ein agiles Lenkverhalten im Singletrail – das Konzept mit den neuen Geometrien geht voll auf. Zusammen mit den tiefen Schwerpunkten der Motoren ist die neue Enduro-Generation damit bergab über jeden Zweifel erhaben.


Aber wie sieht’s bergauf aus? Mit dem E-MTB sucht man die Herausforderungen schließlich auch in steilen Uphills. Taugen dort die berg­aborientierten Geometrien mit langem Reach, kurzen Kettenstreben, flachen Lenkwinkeln und üppigen Federwegen? Die Antwort zeigt unser Testparcours mit zwar griffigem Waldboden, aber progressiver Steigung bis zur Unfahrbarkeit. Welches Bike schafft hier die extremsten Steigungen? Überraschung: Die Bestnoten hier kassieren ausgerechnet die Bikes mit den kompromisslosesten Bergabgeometrien, allen voran das reinrassige Enduro von Merida. Auch das R.E+ FS Evo von Rotwild kann trotz dem etwas schwächlichen Brose-Antriebs punkten. Wir lernen: Bikes mit aufrechten Sitzpositionen,  kurzen Vorbauten und knappen Kettenstrebenlängen können richtige Kletterkünstler sein. Wichtiger als lange Kettenstreben sind gut abgestimmte Fahrwerke, die bergauf nicht wegsacken in Kombination mit steileren Sitzwinkeln.

Tag zwei des Testprogramms geht zu Ende, und die E-MTB-Enduro-Gemeinde hat einen weiteren Fan gewonnen. Gasttester Marcus hat seine Hausrunde neu entdeckt. Statt 800 Höhenmeter schieben, keuchen, fluchen mit schwerem Gerät, hat er jetzt 100 Prozent Spaßzuwachs. Und das allein bergauf. "Ich fahr’ die Runde in Zukunft jeden Abend, nicht nur am Wochenende." Für ihn war das erste Mal also ein ganz besonderes Erlebnis. Und das Gute daran: Die nächsten Male wird es nicht anders sein.

Markus Greber Steile Rampen: Wer glaubt, mit einem E-Enduro kommt man den Berg nicht hoch, täuscht sich. Die Spaßgeräte sind zum Teil richtige Klettermaschinen. Das Gewicht und der Rollwiderstand der Reifen schlagen sich kaum in der Reichhöhe nieder. Leider konnten wir das Moustache Samedi (hier noch auf dem Bild) nicht für diesen Test gewinnen. 



Fazit EMTB-Projektleiter Markus Greber:
Das Gros in diesem Testfeld repräsentiert E-MTB-Technik auf allermodernstem Level. Erstmals schaffen die Hersteller Geometrien, die nicht vom Bauraum der Motoren limitiert werden. Und so fahren sie sich auch: lebendig, verspielt und trotzdem sicher. Die Punktewertung hilft bei der Kaufentscheidung, ist aber nicht alles. Wer auf Top-Design, Integration des Akkus und einen besonders unauffälligen Antrieb Wert legt, liegt zum Beispiel bei Rotwild goldrichtig. Ausgefallene Optik und potente Fahreigenschaften bietet Cannondale, solide Schweizer Wertarbeit Flyer. Stevens liegt irgendwo dazwischen, KTM und BH leiden unter ihren Geometrien.


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Themen: BHCannondaleConwayE-EnduroE-MTBEMTB TestFlyerKTMMeridaRotwildStevens


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