Seite 1: Test 2017: E-Bikes für Kinder

Easy Rider: 5 E-Bikes für Kinder im Vergleich

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 3 Jahren

Die Idee: Dank E-MTB können auch Kinder mit auf Tour und mal ein paar Höhenmeter selbst treten. Geht das gut? Und was taugen die Kinder-E-Bikes? Ein Feld­versuch in Tirol bringt Klarheit.

Steffen, Mimi und ich sitzen auf der wunderbaren Aussichtsterrasse des 2064 Meter hoch gelegenen Gschnitzer Tribulaunhauses am Talschluss des Sandestales, einem malerischen Seitental des Tiroler Gschnitztales. Die Tribulaune, vier wunderschöne Gipfel der Stubaier Alpen, dominieren die Szenerie um die legendäre Naturfreunde-Hütte: Grate, Schrofen und Pfeiler zacken in den Himmel, umsäumt von der Blumenpracht der umliegenden Wiesenmatten – die Almrosen stehen in voller Blüte.

Die Biker-freundlichen Hüttenwirte, das tolle Essen und die legendären Bike&Hike-Touren im Umkreis haben das Tribulaunhaus zu einem beliebten Ziel der Innsbrucker Singletrail-Szene gemacht. Ein kraftvoller Ort, wo man gerne ist und die Seele baumeln lassen kann.

Auf dem geräumigen Platz vor der Hütte stehen eine Kinderschaukel und ein gut gepflegter Pinzgauer Allrad. Uroma Pranger gschaftelt herum, und Opa Josef belädt die Schubkarre mit Brennholz. Darum herum geht die Post ab: Zoe, Nino, Max und die Kinder von Hüttenwirtin Verena improvisieren ihren eigenen Bike-Parcours. Rauf, rüber, einen kleinen Abhang hinunter, hinauf, retour, mit viel Gelächter, sie sind nicht zu bremsen. "Die Energie der Kids hätte ich ab und zu auch gerne", grinst Steffen. Mimi rollt mit den Augen: "Hauptsache, Energie abbauen!"


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Kein Gedanke an Playstation oder Pokemon-Go: Max, Zoe und Nino genießen mit Steffen und Mimi die wunderbare Natur im Gschnitztal. 

Wir sind immer noch baff, dass die Kinder und wir hier gemeinsam die faszinierende Bergwelt der Tribulaune genießen, und das ganz ohne Lift, Shuttle oder Hänger. Ein tolles Erlebnis! Dank E-Motor-Unterstützung freilich, sonst wäre die Tour nicht möglich gewesen. Knappe 780 hm und zwölf Kilometer sind ab Gschnitz auf der gut gewarteten
Forststraße bis zur Hütte zu absolvieren. Ohne E-Unterstützung würden das die Kids nie und nimmer schaffen. Zwischendurch lädt der kris­tallklare Sandesbach ein, die Füße ins Wasser zu hängen – perfekt für kurze Pausen. Die sind wichtig, um das eine oder andere Spiel einzustreuen, oder einfach um die Natur zu genießen. Die Kinder sind sofort im Flow. Man merkt den wunderbaren Einfluss dieser schönen Bergwelt.

Fahrtechnisch sind alle unsere kleinen Begleiter gut drauf: Nino und Zoe fahren mit Papa Steffen regelmäßig im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis, oder gehen gemeinsam auf kleinere Touren. Max ist mit Mama Mimi und Papa Matthias, ein Stubaier Bergführer, viel in den Bergen unterwegs, egal, ob mit oder ohne Bike.

Die Tiroler Tribulaune im Blick, und die Hütte ist nicht mehr weit. Das motiviert. 800 hm Auffahrt sind mit E-Bikes erstaunlich schnell absolviert. 

Die E-Mountainbikes haben die Kinder bergauf so weit unterstützt, dass sie Spaß an der Tour hatten. Eine Tour, die sie im Übrigen unbedingt unternehmen wollten. Das ist wichtig: Egal, ob mit oder ohne Motor, man sollte Kinder nicht zum Biken zwingen. Deshalb sind wir im Vorfeld schon kleinere Touren gefahren, damit die Kinder sich mit den E-MTBs vertraut machen konnten.

Berührungsängste gab es dabei keine. "Wow, cool!" – als die Kids die Bikes sahen, ging’s zu wie beim Schlussverkauf am Grabbeltisch. Rauf auf die Sättel und rein ins Vergnügen. Auch wenn das manchmal ein bisschen gedämpft wurde: Mal war ein Sattel zu hart, mal ein Reifen zu wenig profiliert, oder die Hände schmerzten vom Bremsen. Kritik gab es vor allem an den teilweise hohen Gewichten der Bikes: Über 20 Kilo schwere Bikes sind für kaum 30 Kilo leichte Kinder eine Zumutung. Dennoch sind auch die derzeit verfügbaren Kinder-E-MTBs eine tolle Option, um mal gemeinsam einen Ausflug mit den Bikes in richtige Berge zu machen.

Nino und Zoe zeigen sich gegenseitig, wie das mit dem Bosch-Antrieb so funktioniert. 

Auf der Abfahrt vom Tribulaunhaus ins Tal beklagt sich keines der Kinder übers Bike-Gewicht. Auf den schnellen Schotterpassagen ist man sogar froh, wenn die Räder ein bisschen satter auf dem Forstweg liegen. Am Ende gibt es noch ein Eis beim Gasthof Feuerstein – solche Highlights sollten auf einer Kinder-Bike-Tour keinesfalls fehlen. "Papa, das war ein super Tag", schwärmt Nino am Ende und drückt sich ein Stück Sachertorte in die Backen. "Und wann machen wir die nächste Tour?" Ich schau’ zu den steilen Gipfeln der Stubaier Alpen hinauf und muss schmunzeln.



Fazit von Christoph Malin

Christoph Malin, EMTB Tester und Fotograf

E-Mountainbikes für Kinder polarisieren. Pädagogischer Unsinn, weil’s den Kids zu einfach gemacht wird, sagen die einen. Einzigartige Möglichkeit, um mit Kindern auch mal in richtigen Bergen zu biken, finden die anderen. Meine Meinung: Solange man Kinder-E-MTBs als Option sieht, um mal ohne Stress gemeinsam auf eine Alm oder Hütte zu fahren, sind diese Bikes eine echte Bereicherung fürs Familienleben. Die Hersteller haben aber noch Hausaufgaben zu machen. Bis auf das herausragende Ben-E-Bike sind KTM, BH, Bulls und Haibike im Verhältnis zum Körpergewicht deutlich zu schwer. Auch bei den Anbauteilen gibt’s noch viel Luft nach oben: Unergonomische Lenker verursachen Handgelenksschmerzen, V-Brakes mit zu weiten Bremshebeln sind ein No-Go, stahlharte "Federgabeln" ein Witz, fast alle Übersetzungen sind schwach, und sämtliche verbaute Reifen dürften breiter und profilierter sein. Natürlich wird die Industrie bei dieser Kritik mit den Kosten argumentieren. Aber dass ein geeignetes Kinder-E-MTB nicht unbezahlbar teuer sein muss, zeigt Ben-E-Bike. Der weiße Flitzer ist unser Favorit – trotz geringer Reichweite.

Auch beim E-Biken verbrennt man Energie – mit Kuchen sind die Speicher schnell wieder aufgefüllt. 



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