5 E-MTB Reifen im Vergleichstest 5 E-MTB Reifen im Vergleichstest 5 E-MTB Reifen im Vergleichstest
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Test 2016: E-Mountainbike Reifen

5 E-MTB Reifen im Vergleichstest

  • Christoph Malin
 • Publiziert vor 5 Jahren

Dick macht glücklich: Bei E-MTB-Reifen zählen Grip und Pannenschutz. Doch wie wirkt sich der Rollwiderstand der dicken Reifenauf die Reichweite aus? Wir haben ein überraschendes Testergebnis für Sie.


(Test aus EMTB 2/2016)   "Jo do schau her, der 500-Wh-Akku ist aber punktgenau leer." Christian "Picco" Piccolruaz, Stubaier Bergführer und EMTB-Tester, und ich rollen vor einer malerischen Hütte, 2200 Meter hoch über dem Stubaital, aus. An Piccos Bike hat der Bosch-Performance-CX-Motor abgeschaltet, an meinem Bike ist die Akku-Anzeige auf "- -" gesprungen. Bedeutet: noch zwei Minuten schwächelnder Schub, dann macht der Pedelec-Motor blau.

Christoph Malin Bergführer, Trail-Bauer, Fahrtechniklehrer und Vertrider Christian "Picco" Piccolruaz spulte ein umfangreiches Testprogramm ab. 

Macht nix, wir fahren in den Tiroler Bergen immer mit Zweit-Akku im Rucksack. Das kommt uns auch diesmal zugute, denn nach der Hütte geht es noch rund 500 hm einen Bergrücken entlang, bis wir in eine lange Abfahrt einbiegen. Zur Ehrenrettung der Akkus sei notiert: Wir sind nach der Arbeit im Sport- und Turbo-Modus zur Hütte gekurbelt, um noch die Abendsonne zu genießen. Keine Schonung für Akkus und Motoren. Knapp 1200 hm sind es vom Talort zur Hütte, zuerst Asphalt, dann Forststraße mit teils grobem Schotter und deftigen Rampen, optimal, um sich auszupowern und den Kopf freizubekommen.

Es ist "Ewiger Herbst 2015", die Schatten im Tal werden länger. Ein Apfelstrudel und Holler gespritzt gehen sich trotzdem immer aus. Auf der Sonnenterrasse kommen wir ins Grübeln. Wie viele Höhenmeter mehr könnte man mit schmaleren Reifen aus den Akkus quetschen? Wie viel schlechter wäre die Bergab-Performance oder der Durchschlagschutz? Saugen breitere Reifen viel mehr Strom? Sind die Plus-Reifen die Lösung?

Christoph Malin B+ Das neue Reifenmaß scheint sich bei 2.8 Zoll einzupendeln und bietet so den besten Kompromiss aus Performance und Sicherheit. Hier der Schwalbe Nobby Nick 27.5 x 2.8. Ein toller Begleiter auf Tour. 

Christoph Malin Normal Neben dem Plus-Format wirkt sogar ein 2.4er-Enduro-Reifen schmächtig. Breiter heißt beim E-MTB: mehr Fahrspaß, Sicherheit und Komfort. Die Einbußen bei der Reichweite sind geringer als vermutet.

Was ist messbar? Wir wollen es wissen und schlagen im Frühjahr 2016 am Gardasee die Zelte auf. Unsere Mission: vier verschiedene Tests mit fünf unterschiedlichen Reifenpaaren. Das Ziel ist es herauszufinden, inwiefern sich der Rollwiderstand der Reifen beim E-MTB auf die Reichweite auswirkt. Am Start: Contis schneller X-King ProTection 2.2 als schmalster Reifen, Vittorias neuer E-Goma 2.25, Schwalbes Nobby Nic in 2.35, der fast ein Kilo schwere Enduro-Reifen Der Baron in 2.4-Breite und als breitester Pneu der Schwalbe Nobby Nic in 2.8 Zoll, also in B-Plus-Breite. Im Gepäck außerdem: hochempfindliche Look-Leistungsmesspedale.

Wir skizzieren vier Testszenarien mit einem festgelegten Fahrergesamtgewicht von 90 Kilo. Die Reifen testen wir praxisgerecht mit 2.3 bar für die schmaleren und 1.3 bar Luftdruck für die breiteren Walzen. Das Bike fahren wir im Turbo-Modus, als Eigenleistung bringen wir 130 Watt ein, kontrolliert durch die Leistungsmesspedale.


Erster Test: Auf festgelegter Asphaltstrecke 350 hm treten, dann retour rollen und die Leistungsaufnahme beim Laden messen, bis der Akku wieder voll ist. Derweil Reifenwechsel, und mit neuen Pneus dasselbe Prozedere abspulen – so lange, bis alle Reifen durchgetestet sind.


Zweiter Test: Rollwiderstandstest, ohne zu pedalieren. Dazu rollen wir auf 50 Metern Asphalt leicht bergab. Die benötigte Zeit wird gestoppt. Der Rolltest wird fünf mal pro Reifenpaar wiederholt, die Zeiten werden dann gemittelt.


Dritter Test: auf langem Asphalt-Hillclimb den Akku komplett leerfahren. Um Zeit zu sparen, stehen fünf neuwertige, randvolle 500-Wh-Bosch-Akkus zur Verfügung.


Vierter Test, als Abrundung: die klassische Innsbrucker Mittelgebirgs-Hausrunde (1200 hm, 25 km, Singletrail, Schotter, Asphalt), um die Reifen auf Pannensicherheit, Traktion (bergauf/bergab), Brems- und Kurvenverhalten zu checken.

Christoph Malin Verbrauchstest: Christian Piccolruaz absolviert die Testrunde mit gleichmäßigen 130 Watt Eigenleistung. Im Testkeller erfolgt die Verbrauchsmessung. Unterwegs loggen die Look Pedale präzise die eingebrachte Leistung um. 

Christian dreht präzise Runden für den ersten Test, kommt nur zum Reifenwechseln und Laden in den Testkeller. Gespannt notieren wir die Verbrauchswerte. Die Ladezeiten variieren, die ersten Unterschiede werden sichtbar. Am nächsten Tag: 50-Meter-Rolltest auf einer einsamen Bergstraße. Wir stoppen unermüdlich die Zeiten – roll, measure, repeat. Dazwischen: Reifen wechseln, aufpumpen, Oberarme wie Hulk. Am dritten Tag – Christian muss zurück ins Stubai – wechsle ich nach Latsch im Vinschgau, die Bergstraße nach St. Martin am Kofel ruft. Höhendifferenz: 1137 m – das wird für eine vollständige Entladung knapp. Also rolle ich bei jeder Testfahrt bei 1100 erreichten Höhenmetern zurück und fahre noch einmal so weit hoch, bis die Akku-Elektronik abschaltet. So addieren sich an zwei Tagen inklusive Einrollen knapp 7500 hm am Polar-Logger.

Nun steht die Auswertung an. Beim Rollwiderstand schneiden der schmale X-King und der etwas breitere E-Goma naturgemäß sehr gut ab. Die harte Währung aber sind die erreichten Höhenmeter. Höhenmeter- und Akku-Verbrauchstest wiederum korrelieren gut, neben dem Roll­widerstand macht sich hier natürlich das Reifengewicht bemerkbar. Der maximale Abstand bei der Reichweite beträgt 130 Höhenmeter, und zwar zwischen dem 2.2-Cross-Country- und dem 2.4er-Enduro-Pneu. Überraschend für uns: Die Performance des 2.8er-Plus-Reifens: Bei den erreichten Höhenmetern liegt der 2.8er-Schwalbe praktisch gleichauf mit dem kleinen 2.35er-Bruder (25 hm), aber auch dem Conti Der Baron.

80 Höhenmeter fehlen dem Plus-Pneu bis zum Vittoria und 125 bis zum 2.2er-Race-Reifen (Conti X-King). Fest steht: Für seine Breite performt der 2.8er-Nobby-Nic hervorragend! Für uns heißt das: endlich breite Reifen fahren ohne Reue.


FAZIT: Dieser Test zeigt klar: Die Zukunft des E-MTBs gehört breiten, pannensicheren Reifen, die vernünftig rollen. Der Reich-weitenabstand des Enduro- und des Plus-Reifens gegenüber dem 2.35er-Nobby-Nic ist kaum relevant – Plus und Enduro bieten aber mehr Pannenschutz und Traktion. Erst recht würden wir die breiten Pneus den beiden schmalen Reifen von Vittoria und Conti vorziehen. Bei den Fahreigenschaften sind sie ihnen deutlich überlegen, die maximal 130 Höhenmeter geringere Reichweite ist zu verkraften. Klar, wer eine Alpenüberquerung plant, wird die Rechnung noch mal aufmachen: Bis zu 130 hm pro Tag Ersparnis sind drin – in sieben Tagen bis zu 900 hm. Für normale E-MTB-Touren aber gilt ab sofort: Breiter ist besser. Unser Favorit dafür: der Plus-Reifen von Schwalbe. Der 2.8er-Nobby-Nic ist mit Top-Fahrleistungen und sehr guten Reichweitenwerten die neue Benchmark.

Christoph Malin Tester Christian Piccolruaz bevorzugt – nach diesem Test erst recht – breitere Reifen am E-MTB.

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