Enduro Special 2020: Übersicht E-Enduros

Leichtgewichte: 5 E-Enduros im Kurz-Test

  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 7 Monaten

Während konventionelle Enduros dank großer Laufräder, fetter Reifen und massiver Federelemente immer potenter, aber auch immer schwerer werden, sind E-Enduros so leicht wie nie zuvor.

Gerade einmal 17 Kilogramm wiegt das Specia­lized Turbo Levo SL in der edlen S-Works-Variante und definiert damit eine neue Bike-Kategorie: die Minimal-Assist-Bikes. Aber auch bei manchen E-Enduros mit konventionellen Antrieben kommt man der 20-Kilo-Marke immer näher. Das Santa Cruz Heckler und Canyons Spectral:ON sind nur zwei Beispiele dafür.

Die Folge: Träges Handling kann man der aktuellen Generation der E-Enduros nicht mehr vorwerfen. Stattdessen überzeugen speziell die leichteren Bikes mit einem Kompromiss aus satter Trail-Lage und poppigem Fahrverhalten, die einfach nur süchtig macht! Die Uphill-Performance bleibt dadurch unangetastet und ist weiterhin allererste Sahne! Denn während der lange Federweg Enduros ohne E-Antrieb im Uphill ausbremst, hat er bei den E-Enduros den gegenteiligen Effekt und generiert auch auf technischen Trails bergauf Traktion im Übermaß. Dadurch sind E-Enduros echte Alleskönner, die auch vor ausgedehnten Trail-Missionen nicht zurückschrecken.


Charakterstück

Wie kaum ein anderes Bauteil bestimmt der Motor den Charakter eines E-Bikes. E-Enduros sind da keine Ausnahme. Leichte Minimal-Assist-Antriebe von Fazua oder Specialized ermöglichen Bikes, die sich fahren wie konventionelle Enduros, nur mit noch satterer Bergablage und Rückenwind bergauf. Ein sportlicher Fahrer ist hier aber trotzdem gefragt, wenn es auch im Uphill richtig zur Sache gehen soll. Wer das volle Power-Erlebnis möchte, greift besser zu Bikes mit konventionellen Antrieben von Bosch, Brose, Yamaha oder Shimano.

Wichtiges Bauteil am E-Enduro: der Motor

Power-Speicher

Je größer der Akku, desto größer die Reichhöhe. So viel ist klar. Doch die fetten Batteriezellen drücken schwer auf die Waage, weswegen sich viele E-Enduro-Hersteller ganz bewusst für kleinere Lösungen wie den Shimano-E8000-Antrieb mit 504-Wattstunden-Akku entscheiden. Das begünstigt den Spieltrieb und drückt das Gewicht von Bikes wie dem Canyon Spectral:ON oder dem Santa Cruz Heckler auf unter 22 Kilogramm, geht aber natürlich auf Kosten der Reichhöhe. Eine ausgedehnte Trail-Tour ist aber mit gutem Batterie-Management trotzdem noch drin. Wer ein Bike für lange Touren sucht, muss jedoch einen schweren Ersatz-Akku im Rucksack mitschleppen.

Große Akkus erhöhen die Reichweite, bringen aber auch mehr Gewicht.

René Wildhaber, Enduro-Spezialist und Race-Ikone: "E-Enduro heißt für mich: super Touren in kurzer Zeit, also öfter auf Entdeckungstour gehen. Leider wird dafür der Bunny-Hop zum Kraftakt."


Liteville 301 CE | 29/27,5"

8.280 Euro | 170/160 mm | Shimano E8000/630 Wh | 23,3 kg

Liteville 301 CE


Markus Greber | EMTB-Testredakteur:

"Detailverliebt, puristisch, individuell – seit vielen Jahren genießen Liteville-Bikes Kultstatus. 901, 601, 301 – in dieser Reihenfolge entwickelte Jo Klieber seine Modellfamilie mit ihrer unverkennbaren Form. Vermutlich hat Klieber auch mit seinem ersten E-MTB einen Evergreen geschaffen. Dass der Rahmen – erstmals bei Liteville – aus Carbon besteht, hat natürlich einen rein funktionalen Hintergrund: Das nach unten offene Unterrohr nimmt den 630 Wattstunden großen Simplo-Akku auf und ist gleichzeitig steif und leicht. Die Batterie sitzt dabei, per Rändelschraube fixiert, bombenfest und kommt zum Glück ganz ohne Schlüssel aus. Das solide gelagerte und stahlgefederte Heck liefert satte 160 Millimeter Hub, die Gabel schafft sogar 170 Millimeter. Damit ist das Bike perfekt gerüstet für den harten Enduro-Alltag, und ihm gelingt dank der ausgeklügelten Geometrie sogar die Grätsche zwischen Laufruhe bei Highspeed und Wendigkeit in engen Trails. Außerdem typisch Liteville: pfiffige Detaillösungen wie die spezielle Kettenführung, die Wärmeableitung am Shimano-Motor und die solide Skid-Plate gegen Aufsetzer."

Markus Greber, EMTB-Testredakteur und Fotograf



Canyon Spectral:ON CF 9.0 | 29/27,5"

6.999 Euro | 150/150 mm | Shimano E8000/504 Wh | 21,6 kg

Canyon Spectral:ON CF 9.0


Max Fuchs | BIKE-Volontär:

"Lange glaubte ich, E-MTBs könnten mir nur bergauf die Mundwinkel nach oben ziehen. Bergab verspricht der tiefe Schwerpunkt zwar Stabilität en masse, doch sehnte ich mich immer nach dem verspielten Charakter eines leichten Enduros ohne Motor. So lange, bis ich auf dem Canyon Spectral:ON die ersten Höhenmeter vernichtete. Dank des agilen Handlings und potenten Fahrwerks entpuppt sich das Spectral:ON schnell als echtes Spaß-Bike. Mit dem kleineren 27,5-Zoll-Laufrad am Heck und den kurzen Kettenstreben meistert das Bike selbst schnellste Richtungswechsel spielerisch und lässt sich sogar entspannt aufs Hinterrad ziehen – für E-MTBs keine Selbstverständlichkeit. Auch das geringe Gesamtgewicht von 21,6 Kilo spricht für das lebhafte Fahrverhalten. Gleichzeitig vermittelt das große 29-Zoll-Vorderrad gepaart mit dem flachen 66,5er-Lenkwinkel viel Sicherheit und Laufruhe. Im Anstieg liefert der Shimano-E8000-Antrieb mit 504 Wattstunden Akku-Kapazität ausreichend Power fürs nächste Trail-Abenteuer."

Max Fuchs, BIKE-Volontär


Santa Cruz Heckler X01 RSV | 27,5"

11.199 Euro | 160/150 mm | Shimano E8000/504 Wh | 21,0 kg

Santa Cruz Heckler X01 RSV


Adrian Kaether | EMTB-Volontär:

"So viel Popp hat kaum ein anderes E-MTB! Von einem Anlieger in den nächsten springen und aktiv über Trails flowen – das ist die Paradedisziplin des Heckler. Das sehr aktive Fahrwerk, die kleinen, leichten Laufräder und das niedrige Gewicht machen den Kohlefaserneuling aus Kalifornien zum erstklassigen Spielgefährten. Der Shimano-Motor und der kleine 504-Wattstunden-Akku sparen Gewicht, für lange Touren ist damit allerdings ein Zweit-Akku Pflicht. Wer in Sänftenmanier über Steinfelder bulldozern will, findet passendere Spaßkameraden, denn das Heckler ist straff, direkt und mit den kleinen Laufrädern auf Wendigkeit getrimmt. Ein Traum für sportliche Piloten und kurvige Pfade. Ebenfalls erste Sahne: die lebenslange Garantie auf Rahmen, Laufräder und Lenker, allesamt aus dem eigenen Hause und in edler Kohlefaserausführung. Der Preis für das erste elektrifizierte Santa Cruz ist allerdings heftig! Das günstigste Heckler kostet immer noch happige 7499 Euro.

++
Bei Fahrrad XXL gibt es das Santa Cruz Heckler in verschiedenen Ausstattungsvarianten
* ++

Adrian Kaether, EMTB-Volontär


Specialized S-Works Turbo Levo SL | 29"

12.999 Euro | 150/150 mm | SL1.1/320 Wh | 17 kg

Specialized S-Works Turbo Levo SL


Florentin Vesenbeckh | EMTB-Testleiter

"Mit dem Levo SL hat Specialized das Mountainbike auf eine ganz neue Stufe gehoben. Das Bike ist nur so schwer wie ein Wettkampf-Enduro und fährt sich bergab genauso verspielt und handlich wie ein konventionelles Bike. Trotz des Gewichts bleibt das Levo SL aber mehr Trailbike als Mini-Downhiller. Und bergauf? Da schiebt einen der Motor mit 250 Watt Spitzenleistung vorwärts, als hätte man gerade Nino Schurter gefrühstückt. Nicht falsch verstehen: Ein E-Bike im klassischen Sinne, das im Turbo-Modus unbeeindruckt auch steile Rampen hinaufschießt, ist das Levo SL nicht. Heftige Anstiege lassen sich aber auch mit dem Minimal-Assist-Bike bezwingen, eine sportliche Fahrweise vorausgesetzt. Übrigens: Auf meiner letzten Tour war nach 45 Trail-lastigen Kilometern und 900 Höhenmetern der Saft immer noch nicht alle. Wer unter Enduro also auch Endurance versteht, wird nicht enttäuscht. Leider sehr teuer!

Florentin Vesenbeckh, EMTB-Testleiter


Propain Ekano 165 | 29/27,5"

4.920 Euro | 170/165 mm | Shimano E8000/504 Wh | 24,7 kg

Propain Ekano 165


Christian Schleker | Freeride-Tester:

"Volltreffer. Das erste E-Enduro des Versenders vom Bodensee hat uns beeindruckt. Mit seiner stabilen Ausstattung, gemäßigten Geo und dem guten Fahrwerk macht das Ekano bergab jede Menge Spaß. Es schafft den guten Mix aus Handlichkeit und Laufruhe. Damit liefert das Ekano genau das, was sich Freerider in grobem Gelände oder auf Stunt-Suche wünschen. Hinten dämpft ein Stahlfederbein mit satten 165 Millimetern Federweg, vorne gibt’s 170 Millimeter aus der bewährten Rockshox Lyrik. Geht mal was schief – kein Problem – das Fahrwerk des Alu-Bikes puffert auch verpatzte Landungen weg und verzeiht manchen Pilotenfehler. Super: die satte Traktion am Hinterrad. Die etwas hohe Front und der gemäßigte Reach beschränken die Kletter-Performance. Die Kombi aus kleinem 500er-Akku und hohem Gewicht (knapp 25 Kilo) kostet allerdings Reichhöhe – das sollte man wissen. In unserem letzten E-MTB-Test kürten wir das Ekano 150 als klaren Preis-Leistungssieger!

Chris Schleker, FREERIDE-Tester



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Diesen Artikel finden Sie diesmal ausnahmsweise im Enduro-Spezial in BIKE 7/2020.


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Themen: E-EnduroEMTB


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