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EMTB-Winter-Spezial: Test-Duell Mondraker gegen Haibike

Fatbikes: Mondraker E-Panzer R vs. Haibike XDuro FatSix

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 2 Jahren

Fatbikes gelten als Spezialgeräte für Schnee und Eis. Haben die Monster-Bikes dank E-Antrieb auch auf normalen Trails eine Berechtigung? Wir haben Fatbikes von Haibike und Mondraker getestet.

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. So ist es kein Wunder, dass klassische Fatbikes seit jeher die Mountainbike-Gemeinde spalten. "Poser-Karren für die Eisdiele", sagen die einen. "Praktische Geräte für das große Abenteuer", sagen die anderen. Angeber waren die Pioniere des Iditarod-Rennens, des legendären Bike-Marathons durch Alaska, auf ihren Ur-Fatbikes sicher nicht. Um auf dem kräftezehrenden Kurs auf Schnee und Eis nicht einzusinken, verbreiterten sie Gabeln und Hinterbauten und bastelten zwei oder gar drei Laufräder nebeneinander. Heute sind die Nachfahren dieser Spezialgeräte eine feste Größe im Mountainbike-Markt geworden. Die eingefleischte Fatbike-Szene schwört auf die Vorzüge der dicken Schlappen – und zwar in jedem Gelände, nicht nur auf Schnee und im Sand. Trotz all der Begeisterung für die Dickerchen, auf normalen Trails haben die Fatbikes einige schwerwiegende Nachteile: Sie beschleunigen schlechter, weil sie schlicht schwerer sind und lenken sich wenig präzise. Doch was, wenn man die Trägheit der Räder mit kräftigen Motoren austrickst?

Um das zu erfahren, haben wir zwei E-Fatbikes gegeneinander antreten lassen. Das Haibike Xduro FatSix 8.0 kommt für 3499 Euro mit Yamahas PW-Antrieb. Das deutlich teurere Mon­draker E-Panzer R wird vom Bosch-Performance-CX-Motor befeuert. Zunächst ging es ins eigentliche Element der Fatbikes: Schnee und Eis. Auf dem Gletscher des Stilfserjochs konnten sie zeigen, was sie können. Im spätsommerlichen Bruchharsch würde man mit den schmalen Reifen klassischer Bikes gnadenlos einsacken. Doch die mit nur 0,5 bar Luftdruck gefüllten 4.0er-Pneus unserer Testkandidaten besitzen so große Auflageflächen, dass die angefrorene Schneedecke nicht einbricht. Selbst an den stärker aufgeweichten, sulzigen Stellen lassen sich die Spezialisten noch hervorragend kontrollieren. Steile Skipisten – bergauf wie bergab – machen richtig Spaß.

Robert Niedring Wir haben die Fatbikes von Haibike und Mondraker auf dem Gletscher und im Voralpenland getestet.

In diesen winterlichen Bedingungen nehmen sich die Bikes nicht viel. Die bessere Ausstattung des Mondrakers mit größeren Bremsen und dem stärkeren Bosch-Motor kann hier ihre Vorteile kaum ausspielen. Nur die Maxxis-Reifen krallen sich mit ihren groben Noppen besser in den Schnee als die schwächer profilierten Schwalbe-Pneus am Haibike.

Doch wie schlagen sich die Fatbikes auf ganz normalen Trails? Schon auf dem Schotterweg zu unserer Testrunde vor den Toren Münchens zeigen die Fatbikes ihren Charakter deutlich. Auf beiden Bikes sitzt man recht sportlich, und alle Bedienelemente sitzen am richtigen Fleck. Die riesigen Ballonreifen saugen kleine bis mittlere Hindernisse regelrecht auf, vermitteln Komfort und enorme Sicherheit. Trotzdem ist der Federweg, den am Heck allein der Reifen bringt, kein Ersatz für ein richtiges Fahrwerk. Bleibt man faul im Sattel sitzen, dann fährt einem jedes Schlagloch unangenehm ins Kreuz, und der Hinterbau verliert mangels Dämpfung allzu schnell den Kontakt zum Boden. Wie alle Hardtails erfordern also auch die Fatbikes einen aktiven, vorausschauenden Fahrstil. Gewöhnungsbedürftig ist auch der große Abstand der Kurbeln (Q-Faktor). Klar, die dicken Reifen erfordern einen großen Bauraum, den die Hersteller nur mit der Verbreiterung der Kettenstreben erreichen. Satte drei Zentimeter sitzen die Kurbeln beim Mondraker weiter auseinander als bei normalen Bikes, beim Haibike sind es sogar vier Zentimeter. Das spürt man deutlich beim Treten.

Gewöhnung erfordern die Fatbikes auch im Trail. Etwas unbeholfen schlingert man durch die Kurven. Präzises Lenkverhalten, wie man es von Standardreifen gewohnt ist, kann man hier nicht erwarten. Je schmaler und verblockter der Trail, desto eher läuft man Gefahr, mit der Kurbel aufzusetzen und hängen zu bleiben – ebenfalls eine Folge des breiten Kurbelabstandes. Steile Anstiege machen dafür umso mehr Spaß. Mit ihren langen Radständen und den steilen Sitzwinkeln klettern die Fatbikes vorbildlich. Die Ballonreifen verzahnen sich in steilen Anstiegen hervorragend mit dem Untergrund und bringen massig Traktion. Jedenfalls solange es trocken ist. Nasse Wurzeln mögen sie gar nicht. Auch der recht stark profilierte Maxxis-Reifen am Mondraker rutscht hier unvermittelt weg.

Im direkten Vergleich fährt sich das Mondraker im Trail etwas agiler und direkter als das Haibike. Man fühlt sich angenehm und sicher, sitzt eher im anstatt auf dem Bike. An steilen Rampen profitiert man vom satten Schub des Bosch-Motors und von den traktionsstarken Reifen. Bergab besitzt das Mondraker mit 125 Millimetern für den Einsatzbereich ausreichend Reserven, die Bremsen verzögern dank der großen Scheiben ordentlich.

Auch wenn in Schnee und Eis, den Paradedisziplinen der Fatbikes, kaum Unterschiede spürbar sind: Auf dem Trail hat das günstigere Haibike Mühe, dem Mondraker zu folgen. Auch wenn Yamahas günstiger PW-Motor im Haibike sich sehr kultiviert anfühlt – an zackigen Uphills leis­tet er im Vergleich einfach weniger Schub. Die Kurbeln sitzen zudem weit auseinander auf einer nicht mehr zeitgemäßen Vierkantachse. Die Bremsscheiben sind mit 180 Millimetern vorne etwas unterdimensioniert und die Reifen schwach profiliert. Insgesamt lädt das Haibike eher zum gemütlichen Cruisen ein, während man auf dem Mondraker auch mal etwas technischere Trails unter die Stollen nehmen kann. Dass die Ballonreifen auf technischen Trails nicht der Weisheit letzter Schluss sind, ist Fakt. Doch das wird die Begeisterung der eingefleischten Fan-Gemeinde dieser Bike-Gattung nicht schmälern.


FAZIT von Markus Greber, EMTB-Testleiter:

Fatbikes fühlen sich überall dort wohl, wo man mit klassischen Reifen gnadenlos einsinken würde: Schnee, Sand, Kies, Matsch. Im Winter durch den Tiefschnee zur Skihütte, oder endlose Touren am Strand im weichen Sand – da machen die E-getriebenen Monster-Bikes definitiv Sinn. Auf klassischen Mountainbike-Trails fah­ren sich Fatbikes schwerfällig, unpräzise und setzen durch die breite Bauweise mit den Kurbeln früh auf. Also eher ein Zweit-Bike für den Winter als ein Universal-Bike für Trails und Touren. Im direkten Vergleich zeigt sich das Mondraker vielseitiger, das Haibike ist aber deutlich günstiger – nicht gerade unerheblich bei einem Zweit-Bike.

Markus Greber Markus Greber, EMTB-Testleiter


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