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Südtirol: Revier-Guide Vinschgau und drei Bonus-Touren extra

Die schönsten E-MTB Touren im Vinschgau

  • Sissi Pärsch
 • Publiziert vor 4 Jahren

Der Vinschgau ist eine sichere Sonnenbank: Die Bike-Saison hat neun Monate, ist reich an Trails. Also, ab in das Land, in dem nicht nur Äpfel vorzüglich gedeihen, sondern auch die E-MTB-Leidenschaft.


Die GPS-Daten zu den drei E-MTB-Touren im Vinschgau finden Sie unten im Downloard-Bereich.


"Martin und ich, wir wären eigentlich Busenfreunde – wäre da nicht der Größenunterschied", sagt Kurt Resch, 173 Zentimeter, über die Beziehung zu dem 2-Meter-Mann neben ihm. Der trägt den Namen Martin Pirhofer und den Ruf einer Mountainbike-Größe – und das nicht nur dank seiner körperlichen Erscheinung. Piri, wie er meist genannt wird, war eine der treibenden Kräfte im Vinschgau, als es um die Etablierung von MTB-Trails ging. Außerdem ist er einer, der niemals um eine Antwort verlegen ist, und so überlässt er seinem Kollegen nicht das letzte Wort: "Kurt, der halbe Meter ist bei meinem Hängebusen kein Problem."

Dass die beiden Männer keine Zwillinge sind, das sieht man. Dass sie allerdings im Geiste eng verbunden sind, erkennt man bald, wenn man mit ihnen auf Tour geht. Beide sind um die 50 Jahre alt. Beide sind Bike-Hoteliers in Südtirol. Und bei beiden kommt der starke Verdacht auf, dass sie in erster Linie ein Hotel führen, um eine Legitimation für die tägliche Bike-Ausfahrt zu haben. Beide nicken. "Wir haben im Winter ein paar Wochen geschlossen, und das ist die schlimmste Zeit des Jahres für mich", sagt Martin. "Schrecklich!", schüttelt Kurt den Kopf. Bei ihm ist es genauso.
Kurt Resch ist in Steinegg unweit von Bozen zu Hause und gerade ein paar Tage zu Besuch in Latsch im Vinschgau. Was die Busenfreunde zusammengebracht und -geschweißt hat, ist zum einen ihr Rad-Fanatismus. Zum anderen aber auch ihr Antrieb als Bike-Vorkämpfer in Südtirol. Das dichte Trail-Netz, das links wie rechts die Vinschger Hänge durchzieht, hat Piri in den letzten 15 Jahren entscheidend mitgeprägt. Vor allem, dass hier harmonisch zweigleisig gefahren und gewandert wird.

Markus Greber Zum Abheben: Die Vinschger sind Wegbereiter aus Tradition. Kein Wunder, dass hier zig klassische Touren-Fahrer zu Trail-Anhängern bekehrt wurden.

"Im Grunde ist es eine Kommunikationssache", meint er. "Wir dachten uns damals: Bevor das Biken verboten wird, muss ein Wegekonzept her, das ein Nebeneinander ermöglicht." Das Ergebnis war die Trail-Toleranz-Beschilderung, die inzwischen in ganz Südtirol (und darüber hinaus) Schule gemacht hat: An engen Stellen wurden Ausweich-Trails angelegt und natürlich auch Strecken, die ausschließlich Wanderern bzw. Bikern vorbehalten sind. Für die Pflege der Wege rund um Latsch sind die Profis der Traildoctors beauftragt worden.

Ein MTB-Paradies also. Da könnte man doch getrost in den Genießer-Modus schalten und ein geruhsames Biker-Dasein führen? Für Herrn Pirhofer keine Option. Wenn er eine Sache nicht kann, dann stillstehen. Gut also, dass da diese neue, spannende Sache anrollte und ihn packte – und zwar so richtig: Der große Mann aus Latsch ist inzwischen fanatischer E-Mountainbiker. Ebenso wie sein Busenfreund Kurt, der Filigrantechniker: "Was in den letzten Jahren an Entwicklung passiert ist, das ist einfach enorm. Mit Nabenmotor hatte man noch keine Chance, technisch zu fahren. Heute macht es uphill wie downhill unfassbar viel Spaß." Piri nickt: "Es ist gewaltig, was passiert ist, aber es wird noch gewaltig mehr passieren. Das muss es auch. Ich will bei meinen Gästen nur noch Vier-Kolben-Bremsen sehen. Oder einen höheren Motorstand für mehr Freiraum bei kniffligen Uphill-Passagen, wenn es über Wurzel oder Steine geht."

Das bringt uns zum Thema Trails und zur Frage, warum der Vinschgau eine ideale E-MTB-Destination ist. Das Tal, das sich vom Reschensee über 80 Kilometer hinunter nach Meran erstreckt, ist eine sichere Sonnenbank: Niederschlagswert in Schlanders im Jahr 2016: 543 Millimeter. In Palermo: 740 Millimeter. Piri ist überzeugt, das müsse an den Menschen liegen, die der Herrgott – aus gutem Grund – besonders lieb habe. Die Meteorologen hingegen meinen, es müsse an der Insellage des Vinschgaus liegen, umringt von mächtigen Gebirgszügen, die wie Türsteher aufragen und den Wolken den Zugang verweigern.

Markus Greber Busenfreunde vertieft ins Gespräch. Bei Kurt Resch und Martin Pirhofer dreht sich das mit 98-prozentiger Sicherheit um das E-MTB!

So ist das Tal arm an Niederschlag und zugleich reich an Trails. Letzteres liegt nun tatsächlich an den Menschen. Die Vinschgauer waren schon immer gute Wegbereiter. Da wären die alten Schmugglerpfade hoch in den Bergen zur Schweiz oder die noch viel älteren Waalwege entlang der Bewässerungskanäle. Oder die Strecken durch den Wald, auf denen die Bauern ihr Holz den Hang hinuntergezogen haben. "Wir haben nach diesen Pfaden gesucht, sie wieder freigelegt und fürs Biken reaktiviert", erzählt Piri.

Während in anderen Regionen fleißig Flow-Trails geshaped werden, sind die Strecken im Vinschgau größtenteils natürlichen Ursprungs. Viele von ihnen genießen inzwischen Legendenstatus: Tibet- und Goldsee-Trail am Stilfser Joch, Monte Sole und Tschilli auf der Sonnenseite von Latsch, oder Propain und Holy Hansen um Schlanders. Sie reichen vom hochalpinen Spektakel 2500 Höhenmeter hinab bis in die warmen Gusto-Regionen und stehen allesamt auf der Bucket-List von Freeride-liebenden Bikern. In ihrem Schatten finden sich aber noch zig andere Pfade, die sich mal flauschig soft, mal technisch ruppig durch die Hänge schlängeln.

Und all das Material steht dem E-MTBler zur Verfügung – "und noch viel mehr", sagt Piri. Warum er das E-MTB im Vinschgau fördern will, hat nämlich noch einen anderen Grund: Er will das Shuttlen reduzieren. Im Vinschgau gibt es kaum Liftunterstützung. Die unverbaute Landschaft tut dem Auge gut, und Touren-Fahrer sind im Himmel, doch die, meint Piri, nehmen deutlich ab. "Die Kraftbolzen, die Höhenmeter sammeln wollen, werden immer weniger. Wir sind selbst schuld. Wie viele schotterfahrende Traditionalisten haben wir zu Trail-Liebhabern bekehrt?! Inzwischen geht’s viel mehr ums Bergab. 500 Höhenmeter reichen, aber Tiefenmeter können es nicht genug sein." Also shuttlet man.

Markus Greber Maximale Flow-Ausschöpfung gibt es dann fast im Tal auf dem welligen Montani-Trail, der an Burgen vorbei den Hang quert. 

"Unser Ziel ist es, 20 Prozent der Leute weg vom Shuttle aufs E-MTB zu bringen und generell alles zu entzerren. E-MTBler können Strecken fah­ren, die man mit dem Bike niemals angeht." So, wie die Annaberg­-Runde auf der Sonnenseite des Tals, die wir gerade vor uns haben. "Das ist so eine Tour, die du mit dem Bike niemals fährst." Warum? "Wirst schon sehen", sagt Piri und grinst. Kurze Zeit später sehen wir es: Wir blicken in eine Wand von Anstieg, einem brutalen Stich von 23 Prozent. Kein Wunder, dass wir keiner Biker-Seele begegnen. Ohne Unterstützung drohen hier die Schenkel zu platzen. Als Alternative führt außen herum eine Asphaltstraße – mit dem E-MTB haben wir auf der steilen Schotter- und Trail-Variante Freude am Fahren. Wir treten direttissima die wunderschönen Hänge hinauf, kommen ins Schwitzen und beim Blick in die Weite des Tals ins Schwärmen.

Aber die Freude am Fahren und am Schauen spitzt sich einige Zeit später beim Bergab noch zu. Im oberen Teil präsentiert sich der Tschilli-Trail noch als ruppig-rauer Rodeo-Ritt. Doch langsam lässt das Rütteln und Schütteln nach, und es wird chilliger. Und als wir schließlich aus dem Wald zirkeln, breiten sich vor uns die Annaberger Böden aus. Der Trail wiegt sich durch die Postkarten-Idylle der weichen Almwiesen. Es muss einfach sein: Wir halten an, um die Szenerie aufzusaugen. Was sind die Uphill-Optionen, um in diesen Genuss zu kommen? Shuttle, Seilbahn (nur vor 8.30 Uhr und ab 15 Uhr), Biker-Schweiß teils auf Asphalt – oder E-MTB-Touren-Spaß.

"Das ist es eben", betont Piri. "Mit dem E-MTB kommst du in Ecken, wo du sonst nicht fährst – oder du entdeckst Touren wieder, die in der Zwischenzeit vom Biker-Radar verschwunden sind." Nach einer Pause ergänzt er: "Bei uns liegen die Hütten recht hoch. Die Marzoner Alm ist zum Beispiel super schön, die Trails von dort perfekt, aber es sind halt von Latsch doch 1000 Höhenmeter. Meine Gäste wollten das kaum noch fahren. Jetzt treten wir die Runde mit dem E-MTB inklusive der kleinen Freiberger Mahd Alm und einem genialen Trail dazwischen."

Kurt grinst. "Ich fahre wieder Strecken, die ich vor 20 Jahren gefahren bin, wo ich noch jung und hochmotiviert war." Noch motivierter? Wir runzeln die Stirn. Kurt ist technisch wie körperlich eine Maschine. Aber Piri haut natürlich in die Kerbe, die sein Busenfreund für ihn so schön ausgebreitet hat: "Ja, schaut ihn euch an. Für ihn war das E-MTB die letzte Chance." Er grinst wie ein 2-Meter-Spitzbub, sitzt schnell auf und zieht noch schneller davon. Der kleinere Spitzbub zögert nicht lang und heizt hinterher. Die zwei Bike-Pioniere im E-MTB-Rausch.



Diese Touren finden Sie im Vinschgau Revier-Guide (GPS-Daten):


1. Göflaner Schartl ( 44,7 km, 2439 hm, 4,5-5 Stunden, 2x500 Wh-Akku)


2. Zweialmen-Tour  (29,3 km, 1380 hm, 3 Stunden,/ 1x500 Wh-Akku)


3. Annaberg-Runde mit Tschilli-Trail (18 km, 811 hm, 1,5-2 Stunden, 1x500 Wh-Akku)



Außerdem gibt es noch Infos zu drei weiteren Traum-Touren in Südtirol:


1. Masarè-Tour Eggental (48 km, 1810 hm, 4 Stunden, 2x500 Wh-Akku)


2. Speikboden im Tauferer Ahrntal (50 km, 2300 hm, 4-5 Stunden, 2x500 Wh-Akku)


3. Markinkele im Hochpustertal (33 km, 1350 hm, 2,5-3 Stunden, 1x500 Wh-Akku

Infochart


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