Italien: Dalco Supertrail am Gardasee

Dalco-Supertrail: Kult-Downhill mal anders

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 3 Jahren

Der berüchtigte Dalco gilt als einer der Gardasee-Klassiker. Wir haben den Trail von der unkonventionellen Auffahrt über das Valle Del Signol in Angriff genommen. Ein Experiment ...


Die GPS-Daten des Dalco-Supertrails können Sie unten im Download-Bereich kostenlos herunterladen.


Dalco – seit den frühen Neunzigern schwingt mit diesem Namen die Ehrfurcht ganzer Biker-Generationen mit. Seit Kult-Touren-Autor Elmar Moser den Trail damals beschrieben hatte, ist er mit den Jahren zum Mythos geworden. "Dalco ist der Gipfel aller Bike-Downhills und mit Abstand der schärfste Kamikaze-Trial am Lago", titelte Moser damals und sorgte über Jahrzehnte für Gesprächsstoff an den Biker-Stammtischen. Jeder kennt jemanden, der wiederum jemanden kennt, der den steilen, ausgesetzten Pfad, immer nahe der Falllinie durch die schroffen Hänge nach Limone hinunter, durchfahren haben will. Beweise dafür gab es jedoch nie.

Einmal oben hätte man Zugang zu vielen Lago-Klassikern wie Tremalzo, Val Pura oder Val Piana. Wir steuern durch die Felstunnel den Dalco-Trail an.

Wir wollten wissen, wie sich der berüchtigte Dalco-Trail mit dem E-MTB anfühlt. Wir, das sind Vertrider-Gründer Christian "Picco" Piccolruaz, E-MTB-Fahrtechnikexperte Stefan Schlie und meine Wenigkeit. Doch das eigentliche, viel spannendere Experiment sollte eine neue Route zum Einstieg des Trails durch das enge Valle del Signol sein. Knapp sechs Kilometer quetschen sich auf 1150 Höhenmeter, zuerst auf steilem Plattenweg, später auf schmalem Trail. Wenn diese Passage mit dem E-MTB fahrbar wäre, dann würde das einen völlig neuen Zugang zu den hochalpinen Lago-Trails wie Tremalzo, Val Pura oder eben Dalco ermöglichen. Anstatt sich im stickigen Shuttle stundenlang über die stark befahrenen Passstraßen hochschaukeln zu lassen, schraubt man sich kurzerhand im eigenen Sattel nach oben.

Um hier hochzukommen, ist eine exzellente E-MTB-Fahrtechnik gefragt.

Der Weg zeigt seine Zähne

Wir starten an der Bar la Milanesa, und schon nach wenigen Metern zeigt der Weg seine Zähne. Die gepflasterte Betonstraße zieht extrem steil nach oben, bietet aber genug Traktion. Weit über den Lenker gebeugt, krabbeln wir im ers­ten Gang und Turbo-Modus nach oben. Immer bemüht, dass nach oben gierende Vorderrad am Boden zu halten. Ein älteres Wanderer-Pärchen klatscht Beifall. "Wenn wir jung wären, hätten wir auch so Dinger." Komisch, von den Klassik-Bikern hören wir das immer andersrum. Über 500 Höhenmeter schrauben wir uns so in den ersten Stock. Und schon nach einer halben Stunde sehen die Dampfer auf dem glitzernden See aus wie Miniaturen.

Doch jetzt geht’s fahrtechnisch ans Eingemachte. Der Plattenweg wird zum typischen Gardasee-Trail. Teils durchsetzt mit Geröll, teils auf Waldboden und über Dutzende Serpentinen. Picco und Stefan sind in ihrem Element. Während Stefan in Trial-Manier eher hüpfend die Spitzkehren nimmt, versucht es Picco als alter Freerider mit Schwung. Als wir auf 1150 Höhenmetern, an der kleinen Schutzhütte Casa Mughera, wieder richtigen Schotter unter die Räder kriegen, sind beide 100 Prozent des Anstiegs gefahren. Bei mir sieht der Schnitt ein bischen schlechter aus, weil mich einige der Spitzkehren doch zum Absteigen gezwungen haben.

Der Dalco-Trail hat zugebissen.

Highlight in der Liste der Großtaten

Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Locker tritt man auf Schotterwegen unterhalb des Passo Notas vorbei. Dann verengt sich der Weg zum Pfad und führt recht flowig durch mehrere Felstunnels. Nach einer kurzen Tragepassage geht es schon vor dem eigentlichen Dalco-Trail ans Eingemachte: Steil, ausgesetzt, aber fahrbar zirkelt man im Kamikaze-Sinkflug Richtung Dalco-Alm. Ab hier hört der Fahrspaß allerdings dann auf. Der Trail ist mit den Jahren so ausgewaschen und erodiert, dass selbst Stefan und Picco nur wenige Sektionen flüssig fahren können. Teilweise ist sogar Klettern über meterhohe Felsabbrüche angesagt. Empfehlen kann man den Spaß eigentlich nur trittsicheren Bikern, die ihre Liste der Großtaten noch um ein Highlight erweitern wollen.

Warum wir die Tour hier trotzdem vorstellen? Weil die Auffahrt durchs Valle del Signol für fahrtechnisch fitte E-MTBler ein echtes Highlight ist. Und weil man auf diesem Weg weitere Lago-Klassiker wie den Tremalzo, das Val Pura oder das urwüchsige Val Piana auf unkonventionellem Uphill erreicht.

Gähnende Abgründe: Das erste Teilstück der berüchtigten Dalco-Abfahrt ist ausgesetzt und durchsetzt mit meterhohen Stufen. Im weiteren Verlauf wird der Dalco-Trail dann unfahrbar.

Die Karte zur Dalco-Tour



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