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EMTB Transalp: Abenteuer, Akku-Dilemma und Plan B

So planen Sie eine Transalp mit dem E-Mountainbike

  • Uli Stanciu
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mit zwei Akkus über die Alpen, durch Schotterfelder, über sturmumtoste Pässe und sonnige Almwiesen – immer auf der Jagd nach dem schönsten Trail und der nächsten Steckdose. Sie brauchen einen Plan.

Eigentlich wäre das E-MTB das ideale Gerät für die große Transalp-Tour: Bei harten Tages­etappen mit schwerem Rucksack hilft der Motor, vor allem gegen Ende, wenn die Beine müde sind. Man kann steilere und längere Anstiege einplanen und trotzdem die Landschaft genießen. Man ist schneller bergauf und kann die Tour eventuell um einen oder sogar zwei Tage verkürzen, weil längere Etappen möglich sind. Aber eben nur eigentlich! Gegen all diese Vorteile spricht die mangelnde Reichhöhe der Batterien. Mit maximal 1500 Höhenmetern im Tank kommt man meist weniger weit als ein normal trainierter Mountainbiker ohne Motor. Der theoretische Vorteil verpufft wegen zu geringer Batteriekapazität.

Was kann man also tun? Zuerst einmal ein E-MTB mit möglichst großer Batterie wählen. Bosch bietet normalerweise 500 Wattstunden. Das reicht nicht. Bulls mit Brose kommt immerhin auf 650 Wattstunden. Das reicht für etwa 1800 Höhenmeter bei ökonomischer Fahrweise. Schon besser, aber nicht gut genug. Mit Motorunterstützung wären vom Kraftaufwand locker 2500 Höhenmeter drin.


Lösung : die Ersatzbatterie. Bloß, wo bringt man sie unter? Hier bieten sich sechs – mehr oder weniger geeignete Optionen an.


Mit dem E-MTB wäre eine Alpenüberquerung physisch auch für weniger trainierte Biker zu schaffen. In der Praxis wird das aber von begrenzten Akku-Reichweiten verhindert. Transalp-Experte Uli Stanciu weiß, wie man sich behelfen kann.

Markus Greber Uli Stanciu, Transalp-Experte



Mit Gepäckträger
Optisch wie auch funktionell ist die Lösung fragwürdig. Viele Bikes haben keine Anlötsockel für den Träger über dem Hinterrad, und die Träger, die an der Sattelstütze montiert werden, sind meist nicht stabil genug für das Gewicht einer Batterie. Vor allem in Kurven drehen sich die Träger zur Seite, und hydraulische Sattelstützen lassen sich aufgrund der Klemmung nur eingeschränkt im Sattelrohr versenken.

Markus Greber Macht ein Gepäckträger Sinn?


Ersatz-Akku am Rahmen
Manch findiger E-Transalp-Pilot steckt sich für jede Etappe sechs kräftige, 50 Zentimeter lange Kabelbinder in den Rucksack. Die Ersatzbatterie wird mit drei Kabelbindern unterm Unterrohr festgemacht, dann die normale Batterie in die Halterung geklickt. Bei jedem Batteriewechsel muss man die Kabelbinder zerschneiden und die leere Batterie festzurren. Da sich der Abstand zwischen Akku und Vorderrad verringert, funktioniert die Eigenkonstruktion nur bei bestimmten Rahmenformen.

Markus Greber Ersatz-Akku am Rahmen


Packing-Systeme
Bike-Packing meint: Mit dem Bike Abenteuer erleben, draußen übernachten, die Natur genießen. Auch wenn man auf einer Transalp nicht im Freien übernachtet – die Produkte, die im Zuge des Trends entwickelt wurden, eignen sich mitunter auch für eine Alpenüberquerung. Die speziellen Taschen, die an Lenker, Sattelstütze und auch am Rahmen angebracht werden, gibt es von Ortlieb, Topeak, Blackburn und anderen Anbietern. Selbst, wenn der Ersatz-Akku dann doch in den Rucksack wandert – je mehr Gepäck am Bike verstaut wird, desto besser geht’s dem Rücken.

Markus Greber Bike-Packing


Mit Rucksack
Theoretisch kann man den Ersatz-Akku auch im Rucksack befördern. Es gibt sogar spezielle Modelle mit Akku-Fach, allerdings reicht deren Packvolumen nicht für eine Transalp. Infrage kommt also nur ein großer Rucksack mit mindestens 30 Litern. Da müssen dann die Siebensachen für die große Tour rein: Wechselklamotten, Hose, T-Shirt und Pulli für den Abend, Waschbeutel. Fünf Kilo sind das Minimum für einen Transalp-Rucksack, mit Zusatz-Akku wären es acht Kilo. So einen Klotz laden sich nur Biker mit breitem Kreuz und starken Schultern auf den Rücken. Und dem Manövrieren auf kniffeligen Trails ist das hohe Gewicht am Rücken auch nicht zuträglich.


Begleitfahrzeug
Sicher, ökologisch muss man da schon ein Auge zudrücken, aber bei geführten Alpenüberquerungen ist ein Begleitfahrzeug nicht unüblich, bei Etappenrennen wie der BIKE-Transalp ohnehin Usus. Wieso also nicht auch bei einer privat organisierten Alpenüberquerung? Zumindest für eine größere Gruppe lohnt sich der logistische und der Kostenaufwand. Dann muss man nur noch den Fahrer zu einer geschickten Stelle auf der Etappe lotsen und den leeren gegen den gefüllten Akku tauschen.


Bike mit Doppel-Batterie
Seit diesem Jahr bietet Bosch ein Doppelbatteriesystem an: 1000 Wattstunden reichen damit für bis zu 3000 Höhenmeter. Die Batterien entladen sich bei der Fahrt gleichzeitig, und am Abend kann man sie mit einem Ladegerät zusammen wieder aufladen. Das ist derzeit bei Weitem die beste Lösung. Ab Seite 110 gibt es dazu den Test des Riese & Müller Delite Mountain. Auch das Focus Jam2 Plus Pro – der Testsieger aus EMTB 1/2017 – schafft mit zwei je 378 Wh starken Akkus mehr als übliche Ein-Akku-Bikes. Nach rund 2000 Höhenmetern ist hier aber Schluss.


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    Transalp-Risiken und Vermeidung

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