So meistern Sie steile Trails ohne abzusteigen So meistern Sie steile Trails ohne abzusteigen So meistern Sie steile Trails ohne abzusteigen

E-MTB-Fahrtechnik: Alpine Trails bezwingen

So meistern Sie steile Trails ohne abzusteigen

  • Markus Greber
 • Publiziert vor einem Monat

Dank Motorunterstützung sind steile, alpine Trails kein Grund abzusteigen. Im Gegenteil: Wege, die man früher vermieden hat, werden mit dem E-MTB erst so richtig spannend. Vorausgesetzt, die Fahrtechnik passt.

Kletterpartie: fahren, schieben, tragen ... Fahrtechnikexperte Stefan Schlie zeigt, wie’s geht.

Steile Felsrampe mit dem E-MTB überwinden

Wenn sich so ein Felsmonster vor einem aufbaut, dann ist vor allem Entschlossenheit gefragt. Denn ein Rückzieher mitten im steilsten Teil der Schlüsselstelle kann schmerzhaft enden. Erste Maßnahme, sobald die Rampe in Sicht kommt: den Sattel etwas absenken. Zwar hat man mit Druck auf dem Sattel im Anstieg den besten Grip, doch wirklich schwierige technische Hürden lassen sich oft nur mit tiefem Sattel meistern – nur so hat man genügend Bewegungsfreiheit für Ausgleichsbewegungen. Außerdem bringt man so den Körperschwerpunkt nach unten und kriegt, wenn’s doch schiefgeht, die Füße schnell auf den Boden.

Skyshot/ Markus Greber Kurz vor der Rampe nimmt man die Grundposition ein. Wie eine Katze in Lauerstellung beugt man Arme und Beine und bringt den Körperschwerpunkt tief. Wichtig jetzt: der Blick nach oben (nicht im Bild). In Zehntelsekunden scannt man die beste Linie – und die verläuft nicht unbedingt dort, wo es am flachsten ist. Oft ist der direkte Weg ohne große Lenkausschläge der beste.

Skyshot/ Markus Greber Jetzt tritt man beherzt in die Pedale. Für einen runden Tritt und eine gleichmäßige Kraftübertragung wählt man einen nicht zu kleinen Gang.

Skyshot/ Markus Greber Besonders wichtig während des gesamten Moves ist das Spielen mit dem Körperschwerpunkt. Verliert das Vorderrad den Bodenkontakt, bringt man das Gewicht schnell nach vorne. Bei Traktionsverlust am Hinterrad geht der Schwerpunkt zurück.

Skyshot/ Markus Greber Besonders wichtig: die gebeugten Arme, um stets die Balance halten zu können. Geschwindigkeit und Traktion kontrolliert man mit der Hinterbremse. Als Unterstützungsstufe wählt man den höchsten oder zweithöchsten Modus.


Kurve mit Hindernis hochfahren

Eine Kurve mit Hindernis gehört bergauf zu den schwierigsten Herausforderungen. Gefordert sind: die richtige Linie, ein perfekt abgestimmtes Pedal-Management und unter Umständen das Versetzen des Vorderrads – dann bleibt man am Hindernis nicht hängen. Am besten, man wählt für diesen Move einen Modus mit viel Power und einen nicht zu kleinen Gang. Faustregel: Mit einer halben Kurbelumdrehung soll etwa eine Radlänge (von Achse zu Achse) zurückgelegt werden.

Markus Greber,Skyshot/ Markus Greber Vorbereitung auf das, was da kommt. Der Blick scannt die Ideallinie bis zum Kurvenausgang und die beste Stelle für die Überquerung der Wurzelpassage. Vorsicht bei Nässe: Suche eine Stelle, an der die Wurzeln möglichst quer zur Fahrtrichtung liegen. An schrägen, glitschigen Wurzeln findet auch der beste Reifen keinen Halt und rutscht weg. Für die Linienwahl gilt nach Möglichkeit: von außen nach innen.

Skyshot/ Markus Greber Der Scheitelpunkt der Kurve ist hier erreicht. Stefan hat sich entschlossen, die Wurzelpassage über ihren linken Teil zu queren. Auf der langen Längswurzel rechts wäre die Gefahr eines Pedalaufsetzers zu groß. Mit einem kräftigen Tritt ins Pedal lässt man das Vorderrad kontrolliert steigen und zieht das Bike am Lenker gleichzeitig nach links in die gewünschte Richtung.

Skyshot/ Markus Greber Wenn alles nach Plan läuft und das Timing gepasst hat, setzt das Vorderrad jetzt hinter der Stufe wieder auf. Da man während des Moves genug Schwung aufgenommen hat, sollte das Bike jetzt vollends über die Wurzel schieben.

Skyshot/ Markus Greber Man muss das allerdings aktiv durch einen Impuls unterstützen, indem man sich explosiv nach vorne/oben streckt und sich dadurch leicht macht.

Skyshot/ Markus Greber Geschafft. Mit Körpereinsatz hat Stefan das Hinterrad erfolgreich über die Wurzel gelupft. Mit voller Traktion und in der Uphill-Grundposition geht es jetzt weiter in Richtung der nächsten spannenden Hürde.

TIPP

Skyshot/ Markus Greber Die meisten Unsicherheiten auf schmalen Pfaden entstehen durch Pedalaufsetzer. Deshalb: Vorher Schwung aufnehmen und mit paralleler Kurbelstellung über das Hindernis rollen. Oder das Hindernis mit der Tippeltechnik meistern: Kurze Pedalimpulse aus der parallelen Kurbelstellung aktivieren den Motor und helfen durch verblockte Passagen.


Spitzkehre bergauf fahren

Eine Spitzkehre ohne große Hindernisse ist gar nicht so schwer, denn spezielles Pedal-Management braucht man hier nicht. Das Geheimnis liegt vor allem in der Linienwahl und in der Geschwindigkeit. Jeder Zentimeter Platz kann darüber entscheiden, ob man die Kurve ohne Absteigen oder Umsetzen packt. Und: Je langsamer man fährt, desto kleinere Radien sind machbar. Um die Geschwindigkeit besser dosieren zu können, benutzt man einen nicht zu kleinen Gang, eine hohe Unterstützungsstufe und lässt die Hinterbremse schleifen.

Skyshot/ Markus Greber,Markus Greber So sieht die perfekte Linienwahl aus: außen–innen–außen. Damit schafft man sich möglichst viel Platz. Stefan nutzt hier den äußersten Rand des Trails.

Skyshot/ Markus Greber Um die Kurve zu verstehen, muss man sie lesen. Deshalb besonders wichtig: der Blick Richtung Kurvenausgang.

Markus Greber Von außen geht es nach innen Richtung Scheitelpunkt. Spätestens ab hier sollte man aus dem Sattel gehen. So balanciert es sich besser bei niedriger Geschwindigkeit. Der Blick geht Richtung Kurvenaußenseite, und dort lenkt man auch hin.

Markus Greber Je langsamer, desto besser kriegt man die Kurve. Gleichmäßiger Tritt im hohen Modus, dosiert wird mit der Bremse.

Markus Greber Geschafft. Auch wenn das Vorderrad leicht die Grasnarbe touchiert hat.

TIPP

Skyshot/ Markus Greber Wenn es bergab zu steil wird zum Fahren, dann schiebt es sich am besten auf dem Hinterrad. Dosiert wird mit der Hinterbremse, das Bike wird jetzt zum elektrischen Spazierstock. Wichtig hierbei: immer den Motor ausschalten!


Schieben mit dem E-MTB

Auch wenn man sich bei der Bedienung mancher Schiebehilfen fast den Daumen auskugelt – manchmal führt kein Weg an der Unterstützung vorbei. Wenn der Pfad steil, aber nicht allzu verblockt ist, schiebt man mit beiden Händen am Lenker.

Markus Greber Tipp: Die Hinterbremse hilft auch beim Schieben, die Geschwindigkeit zu dosieren.

Markus Greber Im verblockten Gelände, wenn das Hinterrad Traktion verliert, stützt man sich mit dem Ellbogen auf den Sattel. Durch das Gewicht bekommt man Druck aufs Hinterrad und dadurch die nötige Traktion.


Abschleppen

Wer sich auf Tour mit der Akku-Kapazität vertan hat, kann bergauf schieben oder sich abschleppen lassen – vorausgesetzt, man hat einen Co-Piloten dabei.

Skyshot/ Markus Greber Probates Mittel: zwei Schläuche aneinanderbinden. Die vordere Schlaufe hängt um die Sattelstütze, hinten am besten um den Vorbau (Vorsicht, dass das Display nicht beschädigt wird!). Jetzt geht’s los: Der Vordermann muss vorsichtig anfahren.

Skyshot/ Markus Greber Sobald der Schlauch unter Spannung ist, tritt auch der Hintermann in die Pedale. Am besten mit niedriger Unterstützungsstufe anfahren. Natürlich sollte der Abgeschleppte das Seine dazutun und mittreten.


Skyshot/ Markus Greber Fahrtechnikexperte Stefan Schlie

Themen: Bergauf fahrenE-MountainbikeFahrtechnikStefan SchlieSteilhang


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