Ausstattung: Darauf sollte man beim E-MTB achten Ausstattung: Darauf sollte man beim E-MTB achten Ausstattung: Darauf sollte man beim E-MTB achten

Die richtige E-MTB Ausstattung

Ausstattung: Darauf sollte man beim E-MTB achten

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 6 Monaten

Das Shimano XT-Schaltwerk alleine sollte kein Kriterium beim E-MTB-Kauf sein. Wir geben Tipps und erklären, auf welche Komponenten Sie ein besonderes Augenmerk legen sollten.

Ein seit Jahrzehnten beliebter Taschenspielertrick geht so: Man schraube ein Shimano XT-Schaltwerk ans Bike, die restlichen Komponenten stammen aus den billigeren Regalen. Egal, das Bike verkauft sich hauptsächlich über das Schaltwerk. Auch wenn diese Geschichte etwas übertrieben klingt. Richtig ist: Konsumenten und vor allem Einsteiger werden oft mit Blendern und großen Namen getriggert. Das Shimano XT-Schaltwerk ist zwar hochwertig, aber letztlich nur ein Verschleißteil. Viel wichtiger für die Langlebigkeit ist die Qualität der Laufräder, des Innenlagers und der Federung. Doch auch hier werden Kunden oft mit großen Namen gelockt. Denn auch Hersteller wie zum Beispiel Rockshox bauen nicht nur Highend-Federgabeln, sondern rüsten auch günstige E-Mountainbikes aus. Es lohnt sich also, die Ausstattungslisten zu studieren und sich nicht von Blendern beim Kauf eines neuen E-MTBs verleiten zu lassen. Auf folgende Komponenten sollten Sie bei einem E-Mountainbike ein ganz besonderes Augenmerk legen:

Markus Greber Gerade in den umkämpften Preisklassen um 4000 Euro sollte man sich die Ausstattungslisten seiner Wunsch-Bikes genauer ansehen und miteinander vergleichen.

Die Reifen

Als einziger Kontaktpunkt zum Untergrund sind die Reifen gleich für mehrere Kriterien, was das Fahrverhalten des E-MTBs angeht, verantwortlich. Erstens: die Traktion. Ob das Bike im Gelände in der Kurve wegrutscht oder den nötigen Grip behält, hängt von der Karkasse, dem Profil, der Gummimischung und dem Luftdruck ab. Ebenso werden Bremskräfte mehr oder weniger gut übertragen. Zweitens: der Fahrkomfort. Ein dicker Reifen, mit wenig Luftdruck gefahren, bietet mehr Komfort als ein schmaler Pneu, den man umso fester aufpumpen muss. Besonders bei Hardtails ohne hintere Federung kann der Reifen eine Menge Schläge abfangen. Breiter ist komfortabler. >> Hier lesen Sie einen Vergleichstest von neun E-MTB-Reifen-Kombis

Markus Greber Ungleiche Geschwister: E-MTB-Reifen mit 2,5 Zoll gegen 2,3 Zoll Breite. Das macht in der Praxis Welten aus.

Im Gegensatz zum klassischen Bike haben wir beim E-MTB den großen Vorteil, dass der Rollwiderstand kaum eine Rolle spielt. Die Auswirkungen eines soliden Reifens auf die Reichweite sind gering, insbesondere im Geländeeinsatz. Es spricht also wenig dagegen, beim Thema Reifen zu klotzen und nicht zu kleckern. Massive Reifen mit einer Breite von 2,4 Zoll, besser 2,6 Zoll, mit stabilen Karkassen und dick profiliert, verbessern den Fahrspaß, die Sicherheit und den Komfort enorm. Und das ohne nennenswerte Nachteile.

Die Bremsen

Eine gute Scheibenbremse kann am E-Mountainbike eine Lebensversicherung sein. Dabei kommen beim ganz normalen Tourenfahrer oft höhere Belastungen aufs Material als beim Profi. Eine lange Abfahrt auf Asphalt oder Schotter bedeutet mehr Stress und Hitze für die Bremskomponenten als manch technischer Downhill. Natürlich kommt es in erster Linie auf die Fahrtechnik an – gute Fahrer vermeiden Dauerbremsen und verzögern kurz, hart und hauptsächlich über die Vorderbremse. Deshalb ist eine standfeste Scheibenbremse auch bei Einsteigern und nicht so geübten Fahrern wichtig. Felgenbremsen sind Vergangenheit, der Standard sind heutzutage Scheibenbremsen. Die Disc-Stopper gibt es mit zwei oder vier Kolben pro Bremssattel. Vierkolbenbremsen sind deutlich standfester, kommen aber erst in den Preisklassen ab 4000 Euro zum Einsatz. Was man bereits in den unteren Preisklassen verlangen kann, sind große Bremsscheiben. 160 Millimeter sind für den harten Einsatz, an schweren E-MTBs und besonders für Einsteiger ungeeignet. An gut ausgestatteten E-MTBs findet man zum Glück auch kaum mehr 180 Millimeter-Scheiben. Mit 200 Millimetern vorne und hinten sind Sie gut gerüstet. Schwere Fahrer mit Hang zu langen Abfahrten können inzwischen auch auf eine breite Auswahl an 220er-Scheiben zurückgreifen. Unser Test klärt: Welche ist die beste Scheibenbremse fürs E-MTB?

Markus Greber Das Minimum: eine Zweikolben-Scheibenbremse mit 180 Millimeter großen Scheiben. Am Vorderrad sollten es 200 Millimeter sein. Je mehr Berge auf dem Programm stehen, desto wichtiger.

Markus Greber Der Wurfanker: Shimanos XTR-Bremse mit 203 Millimeter Scheibendurchmesser.

Die Schaltung

Wenn wir über die Schaltung sprechen, dann meinen wir das Schaltwerk, den Schalthebel, das Ritzelpaket und die Kette. Das vordere Kettenblatt verliert beim E-MTB an Bedeutung, weil hier im Gegegnsatz zu manch klassischem Bike mit Umwerfer kein Kettenwechsel mehr stattfindet. Das Kettenblatt spielt zwar eine Rolle bei der Übersetzung, weniger aber bei Qualität und Haltbarkeit. Auch das Innenlager können wir vernachlässigen, da es Bestandteil des Motors ist. Wie gesagt, ein Schaltwerk aus der Shimano XT-Serie ist schön und gut, sollte aber für die Kaufentscheidung eines E-MTBs keine Rolle spielen. Auch die günstigen 12fach-Schaltungen wie eine Shimano Deore oder Sram NX Eagle tun ihren Dienst ordentlich. Nur in den untersten Preisklassen sollte man aufpassen. Hier werden oft die ganz einfachen Schaltungen, zum Beispiel aus Shimanos Alivio-Gruppe, verbaut. Diese sind aufgrund ihrer Qualität und der geringen Übersetzungsbandbreite für den harten Geländeeinsatz nicht geeignet. Achten Sie auf mindestens 11 Ritzel, dann ist die Bandbreite in der Regel ordentlich.

Markus Greber Lässt keine Wünsche offen: Die elektronische, kabellose Sram XX1-Schaltung mit großem 52er-Ritzel .

Markus Greber Neun Gänge statt zwölf und weniger Bandbreite bei der Übersetzung bekommt man bei deutlich günstigeren Schaltungen. Damit kann es an steilen Bergen eng werden.

Die Übersetzung

Auch wenn beim E-MTB ein starker Motor unterstützt: Eine kleine Bergübersetzung ist für den Einsatz in den Bergen wichtig. Und nicht nur dort: Jede Hausstrecke hat ihre kurzen, knackigen Anstiege. Mit einer zu großen Übersetzung steigt man hier ab und schiebt, oder wird zumindest in den stromfressenden Turbo-Modus gezwungen. Je mehr Zähne das große Ritzel hinten hat und je kleiner das vordere Kettenblatt ist, desto kleiner ist die Übersetzung. Aber auch die gesamte Abstufung der Gänge ist wichtig. Je mehr Ritzel die Kassette besitzt, desto feiner sind die Stufen bzw. Sprünge zwischen den Gängen abgestimmt. Die hochwertigen MTB-Schaltgruppen der Marktführer Shimano und Sram besitzen 12fach-Ritzelpakete, bei denen die großen Ritzel mit 51 (Shimano) oder 52 Zähnen (Sram) ausgestattet sind. Dazu ein kleines Kettenblatt mit 34 Zähnen und die Übersetzung ist über jeden Zweifel erhaben. >> hier lesen Sie, wie man die Übersetzung am E-MTB ändert .

Boris Beyer 520 Prozent Bandbreite bieten die Eagle-Kassetten von Sram mit 10-52 Zähnen.

Die Vario-Sattelstütze

Jeder, der schon einmal eine steile Abfahrt unter den Rädern hatte, weiß, dass das viel sicherer und kontrollierter mit einer tiefen Sattelposition funktioniert. Wer im Gebirge unterwegs ist und dort lange Anstiege hat, kann die Sattelstütze für die folgende Abfahrt natürlich per Schnellspanner absenken. Aber was tun, wenn die E-MTB-Tour über hügeliges Gelände mit ständigem Auf und Ab verläuft? Wir sagen: Eine absenkbare Sattelstütze macht nicht nur hier, sondern überall Sinn. Die Möglichkeit, den Sattel per Fernbedienung vom Lenker aus abzusenken, gehört zur Grundausstattung eines jeden E-MTBs. Komfort, Sicherheit und Fahrspaß wachsen damit enorm. In den unteren Preisklassen werden die Vario-Sattelstützen natürlich nicht verbaut. Hier sollte man dafür wenigstens auf einen Sattelschnellspanner achten.

Markus Greber Gehört zur Grundausstattung beim E-MTB: Die Vario-Sattelstütze mit Lenker-Fernbedienung. Dieses elektronische Modell von Rockshox wird per Funk bedient. Dieses edle Gadget bleibt der Highend-Klasse vorbehalten.

Markus Greber Fehlt die Vario-Sattelstütze, sollte man wenigstens auf einen Sattelschnellspanner achten. So kann der Sattel ohne Werkzeug versenkt werden.

Die Pedale

Wer vom klassischen Mountainbike kommt und Klickpedale gewöhnt ist, braucht natürlich beim E-MTB nicht darauf zu verzichten. Nur: Hier sind sie wesentlich weniger wichtig. Denn effizientes und rundes Pedalieren steht durch die opulente Motorunterstützung nicht an erster Stelle. Und wer an seiner Fahrtechnik feilen will, ist mit den Plattform-Pedalen ohnehin besser beraten. Für Flat-Pedals spricht auch das gute Gefühl, in brenzligen Fahrsituationen schnell den Fuß vom Pedal zu bekommen. Nachteil: Plattformpedale bauen deutlich breiter, das erhöht die Gefahr von Pedalaufsetzern in technischem Gelände. Alles in allem bleibt die Wahl Geschmacksache. Wer nicht ohnehin seit langem mit Klickpedalen fährt, dem empfehlen wir definitiv nicht, am E-MTB damit anzufangen.

Markus Greber Klick- oder Flat-Pedale? Am E-MTB ist ein effizienter Tritt weniger wichtig als am klassischen Bike. Vor allem bei Einsteigern sind Plattform-Pedale beliebt.

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