Motor-Umfrage: Stark und schwer oder leicht und natürlich?

kW oder kg – was ist wichtiger? Sie haben entschieden.

  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 2 Jahren

Mehr Leistung, größere Akkukapazität - ein Trend auf dem E-MTB-Markt. Auf der anderen Seite streben Hersteller nach leichten Bikes mit natürlichem Fahrgefühl. Wir fragten: Was wollen EMTB-Leser?

Die beiden spannendsten E-MTB-Neuheiten der vergangenen Eurobike gingen in völlig unterschiedliche Richtungen. Stark, schwer und wild oder leicht, natürlich und dezent? Der enorm starke Motor von TQ Systems oder der minimalistische Fazua-Antrieb? Personalisiert werden diese beiden Ausprägungen in der Saison 2019 durch Haibike und M1 Sporttechnik auf der einen und Lapierre , Bulls und Focus auf der anderen Seite. Was steckt dahinter?

Volle Kraft voraus: TQ Systems

Der Antrieb vom bayerischen Motorenspezialist TQ Systems stellt alle gängigen E-Bike-Motoren in den Schatten, wenn es um Maximalkraft geht. Mit nominell 120 Newtonmetern ist er der stärkste Antrieb im E-MTB-Bereich, das hat das Kraftpaket auch schon im EMTB-Labor bewiesen ( zum Motoren-Test ). Mit rund 4,5 Kilogramm ist der Motor allerdings definitiv kein Leichtgewicht. Hinzu kommt, dass die enorme Maximalkraft viel Strom frisst. Große und damit schwere Energieträger sind also Pflicht! Damit rücken E-MTBs mit diesem Antrieb per se in eine hohe Gewichtsklasse jenseits der 25 Kilo, was einem natürlichen und agilen Fahrgefühl nicht gerade zuträglich ist.

Marktführer Haibike setzt 2019 bei all seinen Topmodellen auf den extrem starken TQ-Motor in Kombination mit einem 630-Wh-Akku. Trotz Carbon-Chassis soll das Gesamtgewicht bei über 25 Kilo landen.

Das Spitzing von M1 Sporttechnik wurde für 2019 ganz neu aufgelegt und setzt weiter auf den extrem kräftigen TQ-Motor. Der Akku liefert satte 880 Wattstunden. Ähnliches Resultat wie bei Haibike: Trotz Vollcarbonrahmen und leichten Reifen soll das Bike bei gut 25 Kilo landen.

Weniger ist mehr: Fazua

Die Idee hinter dem Antrieb vom Münchner Startup Fazua ist es, einen Mittelweg zwischen Bike und E-MTB zu beschreiten. Geringes Gesamtgewicht, keine Antriebseinflüsse jenseits der 25-km/h-Grenze und eine natürliche, eher dezente Motorunterstützung. Die maximale Leistung liegt deutlich unter jener der Konkurrenz von Bosch, Shimano, Yamaha und Co. Dafür werden Komplettbikes mit unter 15 Kilo (Focus Raven2-Hardtail) bzw. um 17 Kilo (Bulls-Racefully) möglich. Das erste Enduro-Fully mit Fazua-Antrieb kommt von Lapierre und soll deutlich unter der 20-Kilo-Marke bleiben. Auch der neue Motor Drive S Mag von Brose setzt seinen Fokus auf geringes Gewicht. So kratzt das neue Levo von Specialized in der Topversion an der 20-Kilo-Marke, trotz voller Maximalleistung.

Das E-Zesty von Lapierre fährt nach dem Motto "weniger ist mehr" und baut auf den schlanken Fazua-Antrieb. Mit 160/150 Millimetern Federweg und einem Vollcarbonrahmen wollen die Franzosen bei einem Gewicht von unter 20 Kilo landen - bei voll Enduro-tauglicher Ausstattung.

Der Fazua-Motor fällt auch optisch sehr dezent aus und erlaubt ein schlichtes, MTB-nahes Design. Dafür bleiben Motorleistung und Reichweite deutlich hinter herkömmlichen Antrieben zurück.



Welchen Trend halten Sie als EMTB-Leser für zielführend? Wir haben in einer anonymen Umfrage darüber abstimmen lassen, was wichtiger ist – das Ergebnis ist eindeutig: Über drei Viertel der insgesamt fast 1200 Umfrageteilnehmer sprechen sich für leichte Bikes aus, die Maximalkraft herkömmlicher Motoren reiche ihnen völlig. 23 Prozent wünschen sich mehr Power und würden dafür deutliches Mehrgewicht in Kauf nehmen.

In unserer Online-Umfrage sprechen sich 77 Prozent der EMTB-Leser für leichte Bikes aus, die Maximalkraft herkömmlicher Motoren reiche ihnen völlig. 23 Prozent wünschen sich mehr Power und würden dafür deutliches Mehrgewicht in Kauf nehmen


Mehr Reichweite bitte! Unabhängig von unseren Antwortmöglichkeit haben sich auffällig viele Leser in Mails und Kommentaren für mehr Reichweite ausgesprochen – wie hier in unserem Facebook-Beitrag:


In welche Richtung entwickeln sich E-MTB-Motoren?

Wir haben die drei führenden Motorenhersteller nach ihrer Philosophie gefragt.


Tamara Winograd, Bosch eBike Systems
In unseren Augen ist beim E-MTB nicht die Maximal-Power entscheidend, sondern das Fahrgefühl. Denn das E-MTB ist ein Fahrrad, kein Motorrad. E-Bike-Antriebssysteme werden in Zukunft noch kompakter und leichter werden und besser in den Rahmen integriert sein. Insgesamt erwarten wir eine noch höhere Leistungsdichte, sprich mehr Power im Verhältnis zur Größe.


Michael Wild, Shimano-Importeur Paul Lange
E-MTB-Motoren der Zukunft werden leichter, leiser, leistungsfähiger und effizienter sein. Dabei liegt die Herausforderung nicht darin, in einer Kategorie absolute Spitzenwerte z u erzielen, sondern alle Verbesserungen ausgewogen umzusetzen. Zudem spielen Konnektivität und Individualisierbarkeit eine große Rolle. Außerdem werden Motoren spezieller auf bestimmte Einsatzzwecke abgestimmt.


Horst Schuster, Brose Antriebstechnik
Das Feedback unserer Kunden bestätigt, dass die Maximal- Power der Brose-Antriebe den Anforderungen gerecht wird. Unser Fokus liegt auf natürlichem Fahrgefühl: Fahrrad- statt Moped-Feeling. Das gilt auch für die Zukunft. Grundsätzlich wird sich der Markt weiter ausdifferenzieren. Der Kunde kann also selbst entscheiden, wo seine Präferenzen liegen.



Die beiden aktuellen Speerspitzen im Test: Wie sich die Extreme Haibike Flyon einerseits und Lapierre E-Zesty andererseits in der Praxis schlagen, verraten wir in der EMTB-Ausgabe 1/2019.

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Themen: E-MTBEMTB 1/2019FazuaMotorTQ SystemsUmfrage


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