Mitgefahren: Enduro One E-MTB Rennen in der Wildschönau

Rennen fahren mit dem E-Bike - Ein Rentnertreffen?

  • Tobias Brehler
 • Publiziert vor 3 Jahren

Wir sind beim Enduro One-Rennen in der der Wildschönau mitgefahren. Macht eine E-Bike-Klasse Sinn bei einem Enduro-Rennen? Und wer fährt in dieser Klasse mit?

E-Mountainbikes werden nach wie vor extrem kontrovers diskutiert - bei E-Bike-Rennen scheiden sich die Geister endgültig. Warum Rennen fahren, wenn ohnehin alle gleich schnell sind? Was bei einem Marathon vielleicht zutrifft, stimmt bei Enduro-Rennen nicht: Hier kommt es auf die Fahrtechnik an.

Das Format

Nach dem Aus von der Specialized Sram Enduro Series und der European Enduro Series ist die Enduro One-Serie mit sechs Veranstaltungen die größte deutschsprachige Enduro-Serie. Sie lockt mit familiärer Atmosphäre und klasse Stimmung regelmäßig 400 Racer und Racerinnen zu den einzelnen Events. Wie im Enduro-Racing üblich absolvieren die Teilnehmer einzelne Wertungsprüfungen (sog. Stages) auf anspruchsvollen Abfahrten. Die Zeiten werden addiert, der Schnellste gewinnt.

Sebastian Maag von Specialized auf dem Uphill-Prolog am Samstag.

Bei der Enduro One-Serie dürfen nur wenige Stages vorab am Samstag trainiert werden, der Großteil wird "blind" auf Sicht gefahren. Da sich die Serie an die breite Masse der Biker richtet, sind die einzelnen Stages nicht besonders anspruchsvoll. Die Teilnehmer der E-Bike-Klasse fahren am Sonntag die gleichen Wertungsprüfungen wie die unmotorisierten Teilnehmer. Am Samstag bestreiten die E-Racer allerdings einen Uphill-Prolog. Diese spezielle Wertungsprüfung wird ebenfalls auf Sicht gefahren und geht überwiegend bergauf.

Die Teilnehmer

Von den ungefähr 400 Startern sind nur 21 E-Biker. Das Fahrerfeld ist bunt gemischt, der Altersschnitt mit 35 noch weit vom Rentenalter entfernt. Eine gesonderte Wertung für Frauen gibt es nicht, obwohl in der Wildschönau immerhin zwei Frauen starteten. Die meisten E-Racer zeigen sich überraschend ambitioniert und nehmen an der ganzen Serie Teil. Wir haben uns ein paar Teilnehmer genauer angeschaut:

Rico Haase startet mit einem Ghost-Fully mit Shimano-Motor.

Sabika Speros vertraut auf das neue Rocky Mountain Altitude Powerplay.

Sam Wrobbel hat sein Cube Stereo mit Bosch CX-Antrieb komplett individualisiert.

Patrick Moll setzt auf das Specialized Turbo Levo mit Brose-Motor.

Das Rennen

Nach der Startnummernausgabe am Samstagvormittag geht's direkt zum Training. Die recht lange Stage fünf und die sehr kurze sechste Stage dürfen vorab trainiert werden. Nachdem wir die sechs verinnerlicht haben, wollen wir uns die fünf genauer anschauen. Leider sind wir dort nicht alleine und müssen über eine Stunde warten - immerhin scheint die Sonne und trocknet die vom nächtlichen Gewitter feuchten Strecken ein wenig ab.

Kaum vom Training zurück, steht auch schon der Uphill-Prolog an. Leider war nicht allen Teilnehmern klar, dass dieser nicht hätte trainiert werden dürfen. Der Prolog selbst fordert die E-Biker sowohl physisch als auch technisch: Der erste Teil der Strecke ist leicht kupiert, sodass man ständig die magische 25-km/h-Grenze knackt und maximal reintreten muss. Erst der finale Hang zeigt fast senkrecht nach oben und weist ein paar glitschige Wurzeln auf. Leider kommt es hier zu kleineren Staus, die die Teilnehmer zum Absteigen zwingen. Den Prolog gewinnt Michael Kuttler, der klare Favorit fürs Wochenende.

Michael Kuttler gewinnt den Prolog, stürzt aber am Sonntag schwer. Gute Besserung!

Am Abend regnet es erneut und wirft die Frage nach Reifenwechseln auf. Als am Sonntag um halb neun der Startschuss fällt, scheint aber wieder die Sonne. Die E-Biker machen sich im Pulk auf zur ersten Stage. Diese erreichen wir nach der Gondel in Unterau über einen einem kurzen Anstieg. Die Stage verläuft abwechslungsreich über Wiesen, Trampelpfade und Rinnen.

Nach einem weiteren kurzen Transfer erreich wir Stage zwei: Diese Wertungsprüfung besteht aus einem Trail, der erst über eine Alm, dann durch den Wald führt. Die Wurzeln im Wald offenbaren sich als überraschend trocken und erlauben ein zügiges Fahren. Da kommt Fahrspaß auf.

Direkt danach folgt die dritte Stage: Sie schlängelt sich auf technisch eher einfachen Trails durch den Wald. Wer hier schnell sein möchte, muss viel Speed durch die Kurven mitnehmen und anschließend kräftig in die Pedale treten. Ein sehr tiefer Tunnel unter der Straße durch sorgt für einen kurzen Adrenalinausstoß.

Stage fünf war mit zahllosen feuchten Wurzeln die anspruchsvollste Stage vom Wochenende.

Die vierte Stage ist mehr oder weniger der Uphill-Prolog vom Vortag, allerdings in entgegengesetzte Richtung. Diese Stage ist mit Abstand die tretintensivste vom Sonntag. Wer einen entkoppelten Antrieb (z.B. Brose oder Shimano) hat, ist hier klar im Vorteil. Trotzdem ringen alle am Stage-Ende um Atem.

Nach einem kurzen Anstieg wartet Stage fünf auf uns. Diese kennen wir bereits vom Vortag: Viele feuchte Wurzeln machen diese Wertungsprüfung zur anspruchsvollsten. Michael Kuttler vom ekone-Team schlägt leider auf Stage fünf hart ein und muss ins Krankenhaus geflogen werden. Gute Besserung!

Direkt ins Zielgelände mündet Stage sechs: Eine kurze Wiesenstrecke mit Holz-Sprüngen und Anliegern. Hier galt es, nochmal alles zu geben und nicht auf den offenen Wiesenkurven abzufliegen. Die Sprünge bereiten allen Fahrern viel Freude. Bereits um dreiviertel elf sind so die ersten E-Biker wieder im Ziel.

Die schnellsten E-Biker vom Wochenende von links nach rechts: Michael Tiegs, Walter Martinschitz, David Schmied und Philipp Ebener.

Am Ende des Tages steht Walter Martinschitz ganz oben auf dem Treppchen. Hinter dem Ex-Worldcupper landen Michael Tiegs und David Schmied. Die gesamten Ergebnisse gibt's hier.

Die Kritik

Baboons hat mit der Enduro One-Serie einen großen Erfolg erzielt: Die Rennen sind mit 400 Startern immer sehr gut besucht. Die Streckenauswahl - sowohl die Stages als auch Transfers - ist top und auch für weniger Geübte machbar. Das Wochenende bleibt mit seiner familiären Atmosphäre lange in Erinnerung!

Verständlich, aber dennoch schade: Die E-Bikes werden nicht kontrolliert, ebenso die Stages an den Tagen vorm Rennen. Unerlaubtes Training am Donnerstag und Freitag muss mit der Disqualifikation bestraft werden! Ebenso muss ein Kommissar die E-Bikes überprüfen! Außerdem hätten die E-Biker den Lift weglassen können - denn bei 1200 Höhenmetern hätte man sich Gedanken über das Akkumanagement machen müssen, bei den gefahrenen 600 nicht.

Auch wenn wir E-Mountainbikes gefahren sind, mussten wir auf den tretintensiven Stages dennoch 120 Prozent geben. Nach dem Uphill-Prolog konnten die meisten Racer nicht einmal mehr stehen.

Themen: EMTBE-MTBEnduro OneEndurorennenMitgefahren


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