Neues E-MTB: Cannondale integriert Bosch Neues E-MTB: Cannondale integriert Bosch Neues E-MTB: Cannondale integriert Bosch

EMTB-Neuheiten: Cannondale-Fullys Moterra & Moterra LT

Neues E-MTB: Cannondale integriert Bosch

  • Josh Welz
 • Publiziert vor 5 Jahren

Cannondale hat sich bislang im E-MTB-Markt dezent zurückgehalten. Nun wollen die Amis mit zwei Fullys das Feld von hinten aufrollen. Der Schlüssel: eine smarte Integration des Bosch-Motors.

In Bethel hat man sich mit dem E-Mountainbike-Thema Zeit gelassen – außer dem Hardtail Tramount hatte man bislang nichts anzubieten. Umso gründlicher konnten die Amerikaner den Markt studieren. Die Erkenntnisse: Bosch liefert den stärksten Motor, aber Brose bietet die besten Integrationsmöglichkeiten. Entscheidende Frage: Lässt sich beides vereinen? Mit ihren Fullys Moterra und Moterra LT bietet Cannondale dazu nun eine interessante Antwort.

Markus Greber Das neue Cannondale Moterra: das erste E-MTB-Fully der Amerikaner.

Die Ziele hatten sich die Amerikaner hoch gesteckt: „kurze Kettenstreben, tiefer Schwerpunkt und eine Flaschenhalter-Position“ hatte Produktmanager Marcel Geurts den Ingenieuren ins Pflichtenheft geschrieben. Die besondere Herausforderung: Die Cannondale-Fullys sollten unbedingt mit dem Bosch-Motor befeuert werden. Bislang bot der schwäbische Antrieb nicht allzu viele Integrations-Möglichkeiten – kompakte Geometrien mit kurzen MTB-charakteristischen Kettenstreben und ein tiefer Schwerpunkt waren eher ein Markenzeichen der Brose-Bikes. Der Kunstgriff beim Moterra: Die Batterie wurde nicht – wie bei anderen E-Mountainbikes üblich – auf der Rückseite des Unterrohrs platziert, sondern auf der Vorderseite. Dadurch konnte man Motor und Schwingendrehpunkt weiter hinten und den Schwerpunkt tief platzieren. Damit die Batterie nicht zu weit Richtung Vorderrad drängt, erhielt das dünne Hydroform-Unterrohr einen ausgeprägten Knick. Für die nötige Stabilität und Steifigkeit wurde die Konstruktion mit einem massiven Gusset verstärkt. Um den Bauraum weiter zu reduzieren, legten die Ingenieure sogar Hand am Motorgehäuse an: Die originale Bosch-Montageplatte und die Kunstoffabdeckung für die Kabel wurden entrümpelt. Stattdessen hält eine Cannondale-Eigenkonstruktion den Motor am Rahmen und die Elektrik in Schach: der „SI-Motormount“. Um die exponierte Batterie vor Steinschlag zu schützen, wird ein dicker Gummi-Saum um das Batterie-Case gelegt.

Markus Greber Die Integration des Bosch-Antriebs stand beim Moterra für die Cannondale-Entwickler an erster Stelle.

Markus Greber Im Moterra steckt eine Gabel mit 130 Millimetern Federweg, dem Moterra LT spendiert Cannondale 160 Millimeter.

Statt auf den Boost-Standard zu setzen, führen die Amerikaner eine noch breitere 157-Milimeter-Achse durch die Hinterrad-Nabe. Für eine optimale Kettenlinie wurde das Ai-Kettenblatt entwickelt, das 6 Millimeter weiter außen liegt.

Unterm Strich wirkt die Konstruktion des abgestützten Eingelenkers sehr kompakt, aber auch massiv. 23,4 Kilo bringt das LT mit 160 Millimetern Federweg auf die Wage, 22,3 das All-Mountain-Modell mit 130 Millimeter Federweg. Drei Modellausführungen stehen vom All Mountain in den Startlöchern, zwei vom Moterra LT. Für die Top-Version Moterra LT 1 wird der Kunde 5999 Euro investieren müssen.

Markus Greber Kurze Kettenstreben und eine massive 157-Millimeter-Hinterradachse: das E-Fully Moterra geht eigene Wege bei Einbaustandards und Motor-Integration.

Interview Marcel Geurts, Produktmanager E-Bikes

Philipp Martin Marcel Geurts, PM Cannondale E-Bikes


BIKE: Ihr habt Euch Zeit gelassen, den Markt zu studieren. Was waren die Zielvorgaben für Eure Ingenieure?

Marcel Geurts: Großen Wert haben wir auf das Handling gelegt. Klar war aber auch, dass wir den stärksten Motor wollen: den Bosch Performance CX. Die entscheidende Frage war also, wie wir den Motor ideal integrieren können, um einen tiefen Schwerpunkt, kurze Kettenstreben und einen idealen Schwingendrehpunkt zu erreichen. Mit 443 Millimeter beim LT haben wir nun die kürzesten Kettenstreben am Markt, und mit 127 Millimeter über der Tretlagerachse einen sehr niedrigen Schwerpunkt.


Ihr habt dafür auch Hand am Bosch-Motor angelegt.

Ja, wir haben uns den Bosch CX und die Anbauteile genau angeschaut und festgestellt, dass er bezüglich des Bauraumes noch Reserven hat. Also haben wir die Kunststoff-Abdeckung für die Kabel und die Montageplatte des Motors modifiziert und daraus ein einzelnes Teil gemacht: die Si-Motorhalterung. Damit haben wir uns die nötigen Millimeter Platz verschafft, um den Drehpunkt ideal platzieren zu können – näher Richtung Tretlager.


Die Konstruktion wirkt optisch sehr massiv. Mit 23,4 Kilo gehört das Moterra LT nicht zu den Leichtgewichten.

Wir haben aufs Kilo geschaut, aber nicht auf jedes Gramm. Wichtig war uns vor allem die intelligente Integration des Bosch-Antriebes im Sinne einer kompakten Geometrie. Das Hydroform-Unterrohr haben wir mit einem kaltgeschmiedeten Gusset verstärkt, das sich auch um die Batterie herumlegt – ein tragendes Teil, das dem Gesamtrahmen eine sehr hohe Stabilität und Steifigkeit gibt.

Erster Fahrtest: Cannondale Moterra LT 1

Im ersten Fahrtest erwies sich das Moterra LT als äußerst agil: Durch den tiefen Schwerpunkt lässt sich das Bike in engen Kurvenwechseln schnell umlegen, die kurzen Kettenstreben helfen in winkligen, technischen Singletrails. Für steile Uphills gibt es sicher bessere Spezialisten, trotzdem klettert das LT passabel. Der Bosch Performance CX liefert reichlich Power. Damit sich das Bike in sehr steilen Passagen nicht aufbäumt, muss man die Kraft dosiert einsetzen und viel Druck aufs Vorderrad bringen. Der Vorbau ist zwar kurz, das Cockpit aber angenehm tief – das hilft.

Ale Di Lullo Kompakte Geometrie: Kurze Kettenstreben, tiefer Schwerpunkt – in engen Kurvenfolgen lässt sich das Moterra LT schnell umlegen. Die Downhill-Reifen-Kombi und das satte Fox-Fahrwerk geben bergab Sicherheit. 

Im Bergab-Modus wirkt das Chassis sehr steif, der mit 66 Grad recht flache Lenkwinkel und die Fox 36 liefern in ruppigen Passagen die nötigen Reserven. Die Kette wird von einer integrierten Kettenführung auf dem Blatt gehalten, und die Downhill-Reifenkombination ist über jeden Zweifel erhaben: vorne Schwalbe Muddy Marry, hinten Hans Dampf.

Ale Di Lullo Mit dem Bosch Performance CX verfügt das Moterra über einen kraftvollen Antrieb. Das Cockpit fällt angenehm tief aus, trotzdem ist in steilen Uphills Feingefühl gefragt, damit die Front nicht steigt.

Themen: BoschCannondaleE-FullyE-MTBMoterra


Lesen Sie das EMTB Magazin. Einfach digital in der EMTB-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • E-Mountainbike Fullys im Test
    Test: Zehn E-MTB Fullys ab 3000 Euro

    08.12.2015E-Bikes motivieren, weil sie die harten Belastungsspitzen aus den Muskeln nehmen. Wir haben zehn Full-Suspension-Bikes getestet: faule Kompromisse oder echte Trailjäger? Wir sagen ...

  • Test E-Mountainbikes: Hardtails & Fullys
    Artenvielfalt bei E-Mountainbikes

    08.12.2015E-Mountainbikes sind weiter auf dem Vormarsch – wie wichtig sie für die Hersteller sind, sieht man an der Motoren-Vielfalt: Allein sieben unterschiedliche Antriebe befeuern die ...

  • Die 5 besten E-Mountainbikes der Welt
    Die Crème de la Crème der E-MTBs

    26.02.2016Wer beim Kauf eines E-Mountainbikes tief in die Tasche greifen kann, bekommt ein technisch hochgerüstetes Sportgerät. Das neue Fachmagazin EMTB testete jetzt die innovativsten ...

  • EMTB-Neuheiten 2017: Bosch
    Bosch Purion: neues Display für E-MTB-Motoren

    27.06.2016Bosch präsentiert für 2017 keinen neuen E-MTB-Antrieb. Highlight für 2017 ist ein neues Display mit integrierter Remote-Steuerung, das speziell an Elektro-Mountainbikes zum ...

  • Eurobike 2017: Haibike mit Bosch Powertube & Yamaha PW-E
    Haibike: 1 kWh bei Hardtails & modernere Geo bei Fullys

    04.08.2017Haibike verbaut Powertube-Akkus in den Bosch-Bikes, ändert die Geometrien für mehr Sportlichkeit und verbaut den neuen Yamaha PW-E-Motor. Außerdem: Hardtails mit Range-Extender ...

  • Eurobike 2018: Conway eMF+
    Conway zeigt neue Bosch-Bikes mit Powertube

    06.07.2018Im Rahmen der Eurobike 2018 stellt Conway sein neues Touren-Fully mit integriertem Bosch Powertube vor. Auch die Conway-Hardtails mit Bosch-Antrieb bekommen integrierte Akkus.

  • E-MTB-Neuheiten: Shimano BT-E8035 Intube-Akku
    Neuer Intube-Akku von Shimano

    02.05.2019Von Shimano steht ein neuer Akku für E-MTBs in den Startlöchern, der schlank im Unterrohr verbaut werden kann. Der E8035 ist eine Alternative zum kantigen E8020. Gibt´s auch mehr ...

  • Test-Duell Motoren: Bosch Performance CX vs Brose Drive SMag
    Kampf der Giganten: E-MTB Motoren Bosch gegen Brose

    20.04.2020Mit dem neuen Performance CX will Bosch die Messlatte für E-MTB-Motoren hochlegen. Brose hält mit dem beliebten Drive SMag und neuem Komplettsystem dagegen. Wer gewinnt den Kampf ...

  • EMTB Neuheiten: Rose ElecTec mit Conti-Antrieb
    Versender Rose baut auf Continental

    18.07.2016Die auf der Eurobike 2015 als Studie gezeigte Hardtail-Version von Rose gibt es ab 2017 zu kaufen. Zusammen mit Continental zeigt der Bocholter Versender ein vollintegriertes ...

  • E-MTB Neuheiten 2019: Cannondale Moterra Neo
    Cannondale Moterra Neo – neues Trailbike

    16.10.2018Cannondale stellt das Moterra Neo vor: Das E-Mountainbike der Amis soll mit verspielter Geometrie und sinnvoller Ausstattung besonders Trailbiker ansprechen.

  • E-Mountainbikes von Flyer

    26.08.2014Flyer bringt im Modelljahr 2015 eine neue Palette E-Mountainbikes auf den Markt. Das vollgefederte E-MTB Uproc 6 wird mit einem 160 Millimeter Fahrwerk, 27,5 Zoll vorne und 26 ...

  • Test: Antriebe für E-Mountainbikes
    Die 6 wichtigsten E-MTB-Antriebe im Vergleich

    05.07.2017Shimano bläst zum Angriff auf Bosch. Kann der Steps E8000 dem Schwaben-Antrieb den Rang streitig machen? Oder gibt es gar einen Überraschungssieger? Sechs Antriebe für ...

  • Test 2018: Pivot Shuttle
    Leichtgewicht: Pivot Shuttle im EMTB-Test

    22.11.2018Top Fahrwerk, kurze Geometrie, ultra leichtes Gewicht – das 10.000 Euro teure E-MTB Pivot Shuttle glänzt mit top Leistungen. Aber: Die umständliche Akku-Entnahme kostet im ...