Die 6 wichtigsten E-MTB-Antriebe im Vergleich Die 6 wichtigsten E-MTB-Antriebe im Vergleich Die 6 wichtigsten E-MTB-Antriebe im Vergleich
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Test: Antriebe für E-Mountainbikes

Die 6 wichtigsten E-MTB-Antriebe im Vergleich

  • Stephan Ottmar
 • Publiziert vor 5 Jahren

Shimano bläst zum Angriff auf Bosch. Kann der Steps E8000 dem Schwaben-Antrieb den Rang streitig machen? Oder gibt es gar einen Überraschungssieger? Sechs Antriebe für E-Mountainbikes im Vergleich.

Es hatte schon immer etwas Epochales, wenn Shimano Neuheiten präsentierte. Zuerst werden gezielt Gerüchte gestreut, dann werden Erlkönige gesichtet. Und bis zum Verkaufsstart haben die Komponenten dann oft schon Kultstatus. P1 bis P5 bezeichnet fünf aufeinander folgende Prototypen-Stadien, die Shimanos neuer Steps-E8000-Motor von der ersten Vorstellung im Frühjahr 2016 bis zur Serienreife Anfang 2017 durchlief. In dieser Phase überschlug sich die Fachwelt mit Spekulationen, Einschätzungen und ersten Fahrberichten. Fakt jedoch ist: Seriös testbare Serienmotoren gibt es erst seit Anfang 2017.



Diese Antriebe finden Sie im Test:

  • Bosch Performance CX
  • Brose
  • Panasonic Multi Speed
  • Shimano Steps E8000
  • TQ-Systems TQ120s
  • Yamaha PW

Test 2017: Antriebe für E-Mountainbikes

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Shimano bläst zum Angriff auf Bosch. Kann der Steps E8000 dem kräftigen Schwaben-Antrieb den Rang streitig machen? Oder gibt es gar einen Überraschungssieger? Die 6 wichtigsten Antriebe für E.Mountainbikes im Vergleichstest.


Klein, leicht, kompakt und von Fahrradfahrern für Fahrradfahrer – Vorschusslorbeeren bekommt Shimano auch aus Kreisen der Bike-Hersteller. Der Steps E8000 baut kompakter als die deutsche Konkurrenz und bietet mehr Gestaltungsspielraum. Mit kürzeren Kettenstreben und schmalerem Q-Faktor sind dank Shimano jetzt Geometrien möglich, die deutlich näher am klassischen Mountainbike liegen. Zudem wiegt der Fernost-Motor ein gutes Kilo weniger als der Bosch CX. Weiterhin kann Shimano als Komplettanbieter den Motor bestens an die Schaltlogik der hauseigenen Di2-Shifter anpassen. Bosch, Yamaha und Co. können keine eigenen weiteren Komponenten anbieten und bleiben mit nur dem Motor immer Drittlieferanten. All das sind Argumente, warum viele Bike-Hersteller schon im Jahr der Markteinführung des Steps-Motors von Bosch auf Shimano umschwenken – obwohl Langzeiterfahrungen des neuen Motors fehlen.

Hat Shimanos Neuer die Vorschusslorbeeren zurecht verdient? Wir haben die ersten Serienmodelle des neuen Fernost-Antriebes im großen Praxistest gegen die bewährten Systeme antreten lassen. Neben dem Topseller Bosch CX mit im Testfeld: der Panasonic Multispeed mit integriertem Zweiganggetriebe, das Integrations-Multitalent Brose, der potente TQ120s und der bewährte Yamaha PW. Für die Bewertung haben wir Testkriterien definiert, die wir auf standardisierten Geländeereignissen abgefragt haben.


Leistung und Elastizität

"Auf Dauer hilft nur Power" – so abgedroschen diese Phrase auch sein mag, so sehr trifft sie beim E-MTB-Motor zu. King of Power ist der TQ – das Aggregat der Bayern zieht allen Konkurrenten davon. Bosch, Panasonic und Shimano liegen bei der maximalen Power etwa auf einem Niveau. Yamaha liefert schon spürbar weniger Leistung, und Brose markiert das Schlusslicht.

Unterschiede gibt es auch bei der Elastizität. Dieser Begriff beschreibt, wie stark die Antriebsleis­tung bei zunehmender Kadenz abfällt. Wer vor einem Steilstück in klassischer Mountainbike-Manier – ohne zu schalten – stark beschleunigt und Geschwindigkeit aufbaut, hat am Anfang der Steigung oft das Gefühl, jemand ziehe ihn von hinten am Trikot. Yamaha verliert hier am meisten Leistung, auch bei Panasonic und Brose ist der Effekt deutlich wahrnehmbar. Selbst bei Bosch und Shimano wünschen wir uns im oberen Bereich des Drehzahlbandes mehr Druck. Hier heißt es zwar Gleichstand nach Punkten, aber die Leistungscharakteristik der beiden Rivalen ist grundverschieden. Der Turbomodus bei Bosch schiebt gefühlt einen Tick stärker als die Boost-Stufe von Shimano. Schaltet man bei Shimano jedoch auf Trail, dann zieht der Newcomer ganz andere Seiten auf: Überaus sensibel auf jede kleinste Druckveränderung am Pedal, passt sich der Steps E8000 den Pedaliergewohnheiten des Fahrers an. Je aggressiver man in die Pedale tritt, desto mehr Zusatz-Power stellt das Aggregat zur Verfügung. Und wären da nicht die deutlichen Heulgeräusche und das spürbare Ein-und Aussetzen beim Wiederantritt und beim Überschreiten der 25-km/h-Marke – man könnte glatt vergessen, dass man auf einem E-MTB sitzt.


Der Kampf gegen den Widerstand

Jeder weiß, wie schwer der Umstieg vom E-MTB auf ein unmotorisiertes Bike fällt. Man fühlt sich, als ob man mit einer unsichtbaren Handbremse fährt. Noch schlimmer ist jedoch das Fahren mit abgeschaltetem Motor. In dem Fall schleppt man nicht nur eine Menge Übergewicht mit sich herum, sondern man tritt bei manchen Motoren noch gegen einen mehr oder weniger großen inneren Widerstand an. Der kommt durch Reibungsverluste bei denjenigen Motoren zustande, die direkt mit dem Antrieb gekoppelt sind. Der innere Widerstand stört jedoch nicht nur, wenn man mal mit leerem Akku heimtreten muss. Auch wenn man oft jenseits der 25-km/h-Schwelle unterwegs ist, sollte dieses Kriterium maßgeblich die Kaufentscheidung beeinflussen. Wer im Mittelgebirge unterwegs ist, wo es eher flach auf und ab geht, sollte sich für ein Bike mit Motor ohne diese Eigenart entscheiden. In der Top-Liga spielen hier Brose und TQ. Bikes mit diesen Motoren lassen sich ganz ohne Widerstand treten. Auch Yamaha und Shimano liefern noch ordentliche Werte. Als problematisch in dieser Disziplin erweisen sich Bosch und Panasonic. Beide Aggregate bauen ohne Motorunterstützung hohe Widerstände auf und machen das Pedalieren zum Kraftakt.

Markus Greber Wer Rampen erklimmt, braucht Vertrauen in den Motor statt Kurbeldrehzahl. Alle Antriebe besitzen die beste Steigfähigkeit bei langsamer Trittfrequenz. 


Unterstützungsstufen und Bedienung

Wie viele Unterstützungsstufen man braucht, ist mittlerweile fast zu einer Glaubensfrage geworden. Da gibt es die Fraktion, die ihren Motor am liebsten vergessen würde und die immer in der gleichen Stufe fährt. Andere wechseln die Fahrstufe oft – sei es um Strom zu sparen, die Geschwindigkeit an unmotorisierte Mit-Biker anzupassen, oder um das Fahrverhalten des Bikes in schwierigem Gelände zu verändern. Wir sind der Meinung: Mehr Unterstützungsstufen schaden nicht. Wir würden uns sogar einstimmig eine stufenlose Regelbarkeit der Power wünschen.

Wir haben die Anzahl der Unterstützungsstufen nicht bewertet – zu individuell sind die Meinungen darüber. Wer sich aber zur Gruppe der Vielschalter zählt, kommt mit TQ und Bosch am besten klar. Beide bieten eine sinnvolle Abstufung und zudem eine gute Haptik der Bedienelemente. Brose und Yamaha besitzen auch auf der größten Stufe weniger Leistung, deshalb wechselten wir hier nur selten die Unterstützungsstufen.

Panasonic liefert in Sachen Anzeige und Steuerung das volle Programm. Kaum ein Feature, welches nicht in den Menüs des großen Farb-Dispays zu finden wäre. Der Gangwechsel im Getriebeinneren läuft allerdings mit einer merklichen Verzögerung ab.

Shimano bietet von der Bedienlogik her das beste Konzept: Das kleine Di2-ähnliche Display sitzt, perfekt geschützt, an der Unterseite des Lenkers. Dort zeigt es die wichtigsten Informationen an. Der Schalter für die Unterstützungsstufen besitzt die Ergonomie eines Rapidfire-Schalthebels und lässt sich bestens bedienen. Die drei Stufen reichen vom Stromsparmodus Eco bis hin zum kraftvollen Boost-Modus. Dazwischen liegt der Trail-Modus, den man nicht einfach als mittelstarke Stufe verstehen sollte, sondern der vielmehr eine ganz eigene Charakteristik besitzt (siehe oben).


Schiebehilfen werden erwachsen

Was tun, wenn der Trail so steil und verblockt wird, dass es im Sattel nicht mehr weitergeht? Eine starke Schiebehilfe sollte hier Pflicht sein. Doch die waren bis zur letzten Motorengeneration kaum brauchbar: zu schwach und vor allem völlig unergonomisch zu bedienen. Doch mit den neuen Motoren und Bedienelementen haben einige Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht. Shimano hat natürlich die Fehler der Konkurrenz genau analysiert. Kaum verwunderlich, dass die Japaner bei ihrem E-MTB-Debut zwei Schritte weiter sind. Man stellt auf Walk, hält den Hebel gedrückt, und der Motor schiebt – unabhängig vom gewählten Gang – vehement an. Aber auch Bosch hat sich verbessert, zumindest beim neuen Purion-Display. Fingerakrobatik wie beim alten Intuvia-System ist passée, der Walk-Modus funktioniert jetzt deutlich ergonomischer. Bei den anderen Systemen steckt noch Entwicklungsbedarf. Winzige Schalter, kaum Kraft – kein System kann in puncto Power und Ergonomie Shimano das Wasser reichen. Nicht testbar war die Schiebehilfe am TQ-Motor. Das Test-Bike war in dem Fall ein Prototyp, bei dem die an sich vorhandene Schiebehilfe nicht vorhanden war.


Akku-Kapazität und Reichhöhen

Wie hoch kommt man mit einem Akku – die Gretchenfrage lässt sich mit dem reinen Blick auf die Antriebe nicht beantworten. Denn hier spielen Rollwiderstand der Reifen, Effizienz der Kinematik, Gewicht und einige andere Faktoren eine Rolle. Den größten Einfluss auf die Reichhöe hat jedoch die Kapazität der Batterie – vergleichbar mit dem Tankinhalt beim Auto. Mit 432 Wattstunden ist die Reichhöhe des Panasonic-Antriebs beim Flyer recht begrenzt. Bosch und Shimano bieten maximal 500 Wattstunden an. Bei Brose sind es bis 680 Wattstunden. Egal, welcher Antrieb, mit viel mehr wie 1400 Höhenmetern darf man nicht rechnen. Für große Touren bleibt ein Wechsel-Akku im Rucksack daher unerlässlich. Aufgrund ihrer kompakten Bauform sind der Bosch- und der Shimano-Akku nach unserer Einschätzung für Touren erste Wahl. Beide wiegen etwa 2600 Gramm. Das ist nicht wenig, aber auf Tour durchaus zumutbar. Die großen und meist schwereren Batterien der Konkurrenz lassen sich dagegen kaum im Rucksack verstauen.


Fazit von Dipl.-Ing. Stephan Ottmar: 
Unterm Strich läuft der Motorenvergleich auf ein Duell zwischen dem altbewährten Bosch-Performance-CX-System und dem neuen Steps-E8000-Antrieb von Shimano hinaus. In manchen Disziplinen kommt der kleine Japaner dem deutschen Herausforderer gefährlich nahe, in manchen kann er ihn sogar überholen. Mit seiner kompakten Form und dem geringen Gewicht wird der Fernost-Antrieb vor allem im Highend-Bereich für Furore sorgen. Denn er macht es den Bike-Herstellern möglich, kompakte, wendige und deutlich leichtere Bikes zu bauen. Zudem bietet er im Trail Modus ein lebendiges, intuitives Fahrverhalten, das sehr nahe an die natürliche Biomechanik beim Biken herankommt. Deklassieren kann er das bewährte Bosch-System jedoch nicht. Mit seinen vier sinnvollen Unterstützungsstufen wählt man hier präzise seine individuelle Zusatz-Power. Und im kräftigen Boost-Modus ist der CX über jeden Zweifel erhaben.

Robert Niedring Stephan Ottmar, Testleiter EMTB

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