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Interview: Das Gesicht hinter Bosch eBike Systems

Kleiner, leichter, effizienter

  • Stephan Ottmar
 • Publiziert vor 5 Jahren

Bosch ist unter den Antriebsherstellern die Nummer Eins. Aber auch der schwäbische Technologieriese muss sich den Erwartungen der Bike-Branche öffnen. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Claus Fleischer.


Sie sind selbst leidenschaftlicher Biker. Welches Bike holen Sie am liebsten aus der Garage?

Das ist eine Frage, die ich mir jedes Wochenende aufs Neue stelle. Ich habe alle Fahrradtypen im Keller, und die Entscheidung, ob Rennrad, Mountainbike oder E-Mountainbike fällt mir wirklich schwer. Aber ich steige immer öfter aufs E-MTB, weil es mir so viel Spaß macht. Gerade wenn man – so wie ich – im Mittelgebirge wohnt, bekommt man einfach mehr Höhenmeter in die Beine.
Und ganz klar, mir fehlt die Zeit: viel Arbeit, viel unterwegs, wenig Freizeit, Frau, Familie. Das geht ja vielen so ab Mitte 30. Die Zeit zum Trainieren ist nicht mehr da, aber du willst noch so fahren wie vor fünfzehn Jahren. Und das geht eben mit dem E-Mountainbike, weil sich die Fahrtechnik ja kaum verschlechtert. Dann fährst du wieder länger und öfter, weil du nicht gleich mit dem Puls auf 180 bist.


Was kam zuerst in Ihrem Leben, das Bike oder die Firma Bosch?

Das Bike. Ich habe mir bereits während meines Studiums 1990 mein erstes Mountainbike gekauft. Ein rotes Diamond Back Apex mit Shimano Deore DX. Damit habe ich als leidenschaftlicher Biker die Alpen erkundet. Später kamen Rennräder dazu. 1995 habe ich bei Bosch angefangen, damals bin ich im Bühlertal mein erstes
Downhill-Rennen gefahren. Marcus Klausmann hat gewonnen, und ich bin in der Hobbyklasse irgendwo im Mittelfeld gelandet. Aber beruflich hatte ich damals mit Fahrrädern noch nichts zu tun. Mit Bosch eBike Systems kam ich erst in Berührung, als ich 2010 als Assistent der Geschäftsführung bei Bosch gearbeitet habe. Zwei Jahre
später durfte ich den Bereich übernehmen.


Leidenschaftlicher Biker, sogar Downhill-Racer – hatten Sie mit E-Bikes kein Image-Problem?

Na ja, mein erster Kontakt fand bei meinem Bike-Händler in Baden-Baden statt. Der gab mir ein E-Bike und sagte: "Hier, fahr mal damit." Da antwortete ich in der Tat: "Nee, lass mal, das ist ja peinlich." Doch dann habe ich es probiert und fand es sogar cool. Das war 2008. Wenig später haben wir uns im Freundeskreis erste Gedanken gemacht, und dachten, dass der E-Antrieb doch auch super für Mountainbikes wäre.


Wie darf man sich das vorstellen, wenn ein Mega-Konzern wie Bosch in die Rad-Branche einsteigt?

Es ist schon etwas Besonderes für ein Unternehmen, das aus traditionellen Industrien kommt, in so einen Lifestyle-Markt einzusteigen. Bosch macht 60 Prozent seines Umsatzes in der Automobilbranche, die anderen Teile sind Haushaltsgeräte und Elektrowerkzeuge, mit Fahrrädern hatte man bis dahin nichts am Hut. Bosch
eBike Systems wurde 2009 als internes Startup gegründet. Die Idee: Wir nehmen die Motoren aus dem Automotive, die Akku-Technologie von Elektrowerkzeugen, fügen das zusammen mit unserer Kompetenz aus den Bereichen Sensorik und Elektronik und entwickeln ein System für Fahrräder. Da braucht man schon Vertrauen. 2012 wurden wir Marktführer.


Der Plan ist also aufgegangen. Wann kam die Sicherheit, dass auch sportliche Mountainbikes ein Erfolg werden könnten?

Markus Greber Hobby zum Beruf gemacht: Claus Fleischer, Geschäftsführer von Bosch eBike Systems, sitzt seit 26 Jahren auf dem Mountainbike, fuhr zeitweise sogar Downhill-Rennen. Zur Faszination E-MTB sagt er: "Ein E-Mountainbike muss man fahren. Das kann man nicht erklären."

Das haben wir bereits 2011 in unserer Aufbaustrategie beschrieben. Das E-Bike wird sich über sportliche Produkte auch im sportlichen Bereich verankern, anfangs über Trekking-Räder und später auch im Bereich MTB. Die Bosch-Active und die -Performance-Line haben wir 2013 eingeführt, um die Segmente klar abzugrenzen. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass sich die Zielgruppe von über 60-Jährigen auf über 40-Jährige verjüngen könnte. Heute sind wir bei 30 plus angekommen. Das ging doch überraschend schnell.


Aber es gibt immer noch viele, die den E-Antrieb am Bike ablehnen.

Vor fünf Jahren war es ja noch peinlich, mit unter 50 auch nur in der Nähe eines Elektro-Fahrrades gesehen zu werden. Heute ist es Lifestyle – sowohl in der Stadt als auch im sportlichen Bereich. Und wenn du die Kids auf ein E-Bike setzt, die haben keinerlei Berührungsängste, die finden das cool. Nur die Puristen zwischen 20 und 35, die lehnen es ab. Ein E-Mountainbike muss man fahren, das kann man nicht erklären.


Die Systeme der Konkurrenz erlauben den Bike-Herstellern mehr Einflussnahme. Bei Bosch gibt man sich eher zugeknöpft.

Wir stellen sicher, dass Motor, Akku, Ladegerät, Display und Diagnose reibungslos funktionieren. Und wir stellen sicher, dass die Akkus zwischen verschiedenen Modellen austauschbar sind. Heute ist es kein Problem, sich für längere Touren einen anderen Bosch-Akku auszuleihen. Von Nischenlösungen halten wir nicht viel. Aber wir wissen natürlich, dass wir in puncto Bauraum für Kinematik und Flaschenhalter etc. noch Luft nach oben haben. Unsere Entwicklungsziele sind ganz klar: kleiner, leichter, effizienter. Die Radhersteller wollen die Design-Oberhand über den Rahmen zurückbekommen – und das muss auch so sein. Die Entwicklungen dafür laufen.

Themen: AkkuAntriebBoschebikeE-BikeEMTBEMTB 2/2016Interview


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