Mit kürzeren Kurbeln durchs Gelände Mit kürzeren Kurbeln durchs Gelände Mit kürzeren Kurbeln durchs Gelände
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E-MTB Kurbel-Tuning: 135 vs. 175 mm

Mit kürzeren Kurbeln durchs Gelände

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 4 Jahren

Nie mehr ungewollten Bodenkontakt, pedalieren selbst in Kurven, mühelos über Stufen – wie viel ist es Ihnen wert, die Fahreigenschaften Ihres E-MTBs extrem zu verbessern? 72 Euro? Lesen Sie weiter...

Es ist, als hätte mich jemand von unsichtbaren Ketten befreit. Meine Hausrunde, ein schmaler technischer Singletrail, fühlt sich plötzlich ganz anders an: viel flüssiger und schneller. Meine Angst-Schlüsselstelle fliegt an mir vorbei. Kürzlich noch habe ich an der Wurzel mit dem Pedal so hart aufgesetzt, dass ich in hohem Bogen über den Lenker ging. Fast vier Zentimeter mehr zwischen Kurbel und Boden geben mir jetzt die Freiheit, die Kette ständig auf Zug zu halten. Anfänglich habe ich noch gezaudert, einfach überall durch und drüber zu pedalieren. Jetzt traue ich mich mit jedem Meter mehr. Selbst in Kurven oder an Stufen brauche ich nicht aufhören zu treten. Der Motor gibt seine Kraft konstant ans Hinterrad weiter, das damit durchgehend Traktion liefert. Kurze Kurbeln am E-MTB sind das nächste große Ding – warum bin ich da nicht schon viel früher drauf gekommen?

Die Hochzeiten des Tunings sind beim klassischen Mountainbike lange vorbei. Damals, als deutsche Hinterhoftüftler den großen Japanern zeigten, wie man Bremsen baut und Gabeln mit selbst gewickelten Stahlfedern tunt, war noch viel herauszuholen. Heute sind die Geräte weitestgehend ausgereift, Tuning reduziert sich meist auf optische Maßnahmen und Individualisierungen, ohne relevanten Zugewinn an Performance. Beim E-MTB ist das noch anders. Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Denn: Bikes werden mit einem Vorlauf von mehreren Jahren entwickelt. Während man beim herkömmlichen Mountainbike auf jahrzehntelanger Erfahrung aufbaut, fehlen die Erkenntnisse aus der Praxis beim E-Mountainbike bislang noch. Erst jetzt sind die nötigen Kilometer gesammelt, und einige Zusammenhänge werden klarer. Einer dieser Kilometerfresser ist Bike-Entwickler Lutz Scheffer. Allein in diesem Jahr spulte der Wahl-Garmischer fast 300000 Höhenmeter auf dem E-Mountainbike herunter. Scheffer war es auch, der als erster den Markt nach kürzeren Kurbeln durchstöberte. Fündig wurde er in der Einradszene. So passte die Spirit-Signature-Kurbel von Einrad-Guru Chris Holm mit Isis-Aufnahme als einzig verfügbare Kurzkurbel an Scheffers Bosch-Motor.

EMTB Magazin LANG gegen KURZ: Bodenfreiheit ist alles: Nehmen wir ein All-Mountain-Fully mit einem 350 mm hohen Tretlager, 140 Millimeter Federweg und 30 Prozent (42 mm) Negativfederweg (SAG). Durch den SAG sinkt das Tretlager von 350 auf 308 mm. Mit der 175-Millimeter-Serienkurbel bleiben dann nur etwa 13 Zentimeter Bodenfreiheit, mit der kurzen Nachrüstkurbel sind es 17 Zentimeter. Die Gefahr von Pedal Clipping (Aufsetzen des Pedals) sinkt dadurch enorm.

Zurück zu meiner Testfahrt: Die Montage der Tuning-Kurbel ist mit dem richtigen Werkzeug in zehn Minuten erledigt ( siehe Workshop ). Die Gewöhnungsphase von 175 auf die Kurzversion ist erstaunlich kurz. Das Gefühl, auf einem Kinderrad zu sitzen, verflüchtigt sich mit jeder Pedalumdrehung, danach fühlt sich das deutlich schnellere Pedalieren ganz normal an. Viel schwerer fällt der Umstieg zurück von kurz auf lang: Man kommt sich plötzlich völlig unergonomisch vor – als müsse man ein riesiges Rad in Bewegung setzen.

Das Aha-Erlebnis kommt im Singletrail. Das Cube Stereo, bei dem man wegen des niedrigen Tretlagers häufig Bodenkontakt hat, lässt sich plötzlich ganz anders bewegen. Das gefährliche Aufsetzen an Wurzeln oder Felsbrocken ist so gut wie passée. Stufen, die man früher nur mit Timing und ausgefeilter Trial-Technik geschafft hat, gelingen jetzt spielend, weil man die Kette ständig auf Zug halten kann.

Die maximale Leistung jedoch – und das spürt man erst, wenn man im kleinsten Gang sehr steile Anstiege hochtritt – sinkt spürbar. An Rampen, die ich mit den langen Kurbeln im Turbo-Modus spielend meistern kann, geht mir mit den kurzen Kurbeln schnell der Dampf aus. Logische Konsequenz: vorne ein kleineres Ritzel montieren. Mit 14 Zähnen an der Kurbel und 42 Zähnen hinten kann ich meine Hausrampen wieder wie gewohnt erklettern. Das Optimum mit den kurzen 137er-Tretern dürfte jedoch die Kombination aus einem 14er-Ritzel vorne und der Sram-EX1-Schaltung mit dem grossen 48er-Ritzel hinten sein. Wem der Schritt auf eine 38er-Kurbel zu radikal ist, für den bietet der portugiesische Komponentenhersteller Miranda ein Zwischenmaß an. Unter dem Namen Delta 0 bekommt man eine 152 Millimeter kurze Version mit Isis-Aufnahme.


Fazit: Mit dem E-Mountainbike sind theoretisch steilste Uphills möglich. Die Kraft ist dank der Motorunterstützung selten der limitierende Faktor. Aber sobald es auf die Trails geht, werden Stufen, Felsen und Wurzeln zu Stolpersteinen wegen mangelnder Bodenfreiheit. Kürzere Kurbeln bringen hier eine wesentliche Verbesserung gegenüber den herkömmlichen 175 oder 170 Millimeter langen Modellen – und sie ermöglichen einen ganz neuen Fahrstil: ständig Druck auf dem Pedal, selbst Kurven kann man in Schräglage durchtreten. Wer oft in steilem Gelände unterwegs ist, sollte jedoch gleichzeitig auf eine schärfere Übersetzung umrüsten. Bei Bosch-Antrieben sind Ritzelgrößen bis zu 13 Zähnen vorne möglich. Kurbel-Tuning scheint jedoch im Moment nur für Bosch-Fahrer (Isis-System) und Besitzer der alten Yamaha-Antriebe mit klassischem Vierkant-Innenlagersystem möglich. Für Shimanos neuen Steps-Motor (Hollowtec) sowie Yamahas neuen PW-X-Motor (Octalink) hat der Markt noch nichts anzubieten.

Markus Greber Nachrüstkurbeln im Vergleich: Wer sein Bike mit kurzen Kurbeln tunen will, hat eine überschaubare Auswahl (v. l. n. r.): Chris Holm Spirit, 137 mm, 72 Euro, z. B. bei einradladen.com ; Miranda Delta 0, 152 mm, 39,95 Euro, www.hartje.de ; Flyer-Kurbel, 165 mm, erhältlich im Flyer-Fachhandel. Ganz rechts zum Größenvergleich: Eine 175 mm lange Serienkurbel. Alle drei Nachrüstkurbeln besitzen das Isis-Innenlagersystem und passen auf die Achse der Bosch-Motoren. Es kann jedoch sein, dass sich die Kurbeln bei der Montage unterschiedlich tief auf die Achse ziehen. Unbedingt vorher den Bauraum checken!


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    Interview mit Lutz Scheffer, Bike-Designer

Themen: EMTBKurbel-Tuning


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