Test Haibike Sduro AllMTN RX E-MTB Test Haibike Sduro AllMTN RX E-MTB

Test E-MTB Fullys

Sechs E-Mountainbike-Fullys im Test

Dipl.-Ing. Stephan Ottmar am 11.12.2015

Die Palette ist breit gefächert: Sechs E-MTB-Fullys mit Federwegen von 100-160 Millimeter stellen sich unserem Test. Die Konzeptvielfalt ist beeindruckend. Voraussetzung: das nötige Kleingeld.

Während sich das Testfeld der Hardtails homogen präsentiert, luden wir für diesen Test wieder Fullys aus unterschiedlichen Federwegsklassen ein, um einen guten Marktüberblick zu geben. Eine Klassifizierung rein nach Federweg erweist sich als komplex, der Einfluss von Geometrie und Motorkonzept auf die Fahreigenschaften und damit die Geländetauglichkeit sind einfach zu groß. Leicht fällt die Einteilung beim Haibike Sduro und dem Flyer Uproc: Mit großzügigen Federwegen von 150 und 160 Millimetern sind das Bikes, die auf schnellen Abfahrten ihre Vorzüge ausspielen. Beide sind auch gute Kletterer, gehen bergab gern in die Vollen und schrecken auch vor rumpeligen Felspassagen und Sprüngen nicht zurück. In eine ähnliche Kerbe schlägt das Rotwild: Beim getesteten Prototypen steckte eine 150er-Fox-Gabel im Steuerrohr, die Serie muss mit 10 Millimetern weniger auskommen. Das R.Q1 bleibt dank seiner Geometrie sehr agil, lässt sich präzise steuern, macht bergab viel Spaß und lässt sich auch prima bergauf treten. Bei den Fahreigenschaften liegen alle drei Bikes auf sehr ähnlichem Niveau. Mit 100 Millimetern Federweg und BionX-Heckmotor richtet sich das Wheeler E-Falcon an Fahrer, die es gern bequem wollen und weniger durchs Gelände flitzen. Für ausgedehnte Touren auf Wald- und Feldwegen ist es ein guter Begleiter. Ähnliches gilt für das KTM eLycan; allerdings störte uns an diesem Bike das wenig ergonomische, etwas unaufgeräumte Cockpit.
Die Brücke zwischen den Extremen schlägt das Giant Full E+. Mit seinem eher straffen Hinterbau lässt es sich angenehm pedalieren und macht auch in der Abfahrt eine recht gute Figur

Flyer Uproc 6 8.90
7.149 EURO | MITTELMOTOR

Test Flyer Uproc 6

Das Flyer Uproc 6 8.90 im Test.

Die Schweizer bauen jetzt auch echte Mountainbikes – und schicken ein Enduro vom Feinsten ins Rennen

Flyer hat seinen E-MTBs mit der Uproc-Serie ein vollkommen neues Gesicht gegeben. Wurden die bisherigen Modelle der Schweizer der Bezeichnung Mountainbike kaum gerecht, hat sich das für 2015 grundlegend geändert. Der straffe Hinterbau dieses Enduro-Bikes hält ein 26-Zoll-Hinterrad am Boden, das 27,5-Zoll-Vorderrad wird von einer potenten 160er-Rockshox-Pike geführt. Alle Komponenten sind bestens für Ausritte ins Gelände vorbereitet; und weil alles so gut zusammenpasst, machte das Uproc in jeder Situation Spaß. Die Tester genossen die Fahrwerksreserven auch bei hohem Tempo. Features wie eine Rockshox-Reverb-Sattelstütze unterstreichen diesenAnspruch und machten das Bike zu einem der Favoriten im Test. Leider kämpfte Shimanos XT-Bremse mit Fading, die Bremskraft ließ bei intensivem Einsatz stark nach. Eine Gabelabsenkung würde die Rampentauglichkeit noch etwas verbessern.

Giant Full E+
3.799 EURO | MITTELMOTOR 

Test Giant Full E+

Das Giant Full E+ im Test.

Mit dem Full E+ baut Giant ein günstiges Tourenfully, mit dem man auch bergab Spaß hat

Giant montiert einen Yamaha-Motor im Rahmen. Die Steuerung des Antriebs läuft sehr harmonisch, die Zusatzpower unterstützt angenehm dosiert. Die Sitzposition ist entspannt und komfortabel, trotzdem gibt sich das Bike sehr kletterfreudig. Das potente Fahrwerk nutzt den Federweg gut aus, wobei sich der Hinterbau recht straff anfühlt – für ein harmonisches Setup füllten wir daher etwas mehr Luft in die Gabel als angegeben. Mit der Remote-Sattelstütze schaltet man blitzschnell in den Abfahrtsmodus. Die Bergab-Performance ist sehr gut, lediglich die Bodenfreiheit ist etwas zu gering, da bleibt man in stufigem Gelände schon mal hängen. Die Ausstattung ist günstig und gut, die Nobby-Nic-Bereifung passt zum ausgewogenen Tourencharakter dieses Bikes, mit dem auch lange Touren problemlos machbar sind.

Haibike Sduro AllMtn RX
3.999 euro | Mittelmotor

Test Haibike Sduro AllMTN RX E-MTB

Das Haibike Sduro AllMtn RX im Test.

Haibike setzte früh voll auf E-Antriebe. Jetzt gehen die Schweinfurter noch einen Schritt weiter: mit elektronischem Fahrwerk

Bisher eliminierte Haibike störendes Wippen an den langhubigen Bikes mit einer zusätzlichen Umlenkrolle in der Nähe der Kurbel und optimierte so die Kettenlinie. Beim neuen RX übernimmt eine Elektronik im Dämpfer diese Funktion: Rockshox-EI-Shock. Das funktioniert prima. Sobald die Sensoren in der 150-M illimeter-Gabel ein Hindernis erspüren,
macht der Dämpfer auf, beim Pedalieren bleibt die Wippunterdrückung aktiv. Das Bike ist kurz und kompakt – und trotz optisch hoher Front liegt immer genügend Druck auf dem Vorderrad. Spielerisch zirkelt das wendige Bike durch verblockte Passagen und ist auch bei hohem Tempo kaum aus der Ruhe zu bringen. Der Yamaha-Antrieb zeigt sich erneut als mindestens ebenbürtige Konkurrenz zu Bosch und ist so kräftig, dass es das zweite Kettenblatt eigentlich gar nicht braucht.

KTM eLycan P
3.499 Euro | Hinterrad-Nabenmotor

Test KTM eLycan P E-Mountainbike

Das KTM eLycan P im Test.

Das KTM setzt auf Race-Geometrie; mit extrem kräftigem Nabenmotor

Das "P" am Ende der Modellbezeichnung verrät, dass ein Panasonic-N abenmotor an der Hinterachse des KTM dreht. Bei niedrigem Tempo unterstützt er eher wenig, überschreitet man aber die kritische Marke von etwa 12 km/h, geht’s richtig zur Sache – dann muss man sich bei hoher Unterstützungsstufe gut am Lenker festhalten. Nachteil: Geschwindigkeitswechsel gestalten sich etwas unharmonisch. Und: Steilere Anstiege mag der Panasonic-M otor nicht. Auf der Reichweiten-Teststrecke fiel die Geschwindigkeit an einer Rampe dauerhaft auf unter 5 km/h und führte zum Testabbruch. Das Fahrwerk bietet 125 Millimeter Hub am Heck – das fühlt sich jedoch nach etwas weniger an. Insgesamt limitiert die Ausstattung den Einsatzbereich etwas: Der Lenker ist schmal, der Vorbau lang und die Gewichtsverteilung aufgrund des Nabenmotors recht hecklastig. Das raubt dem Rad Agilität.

Rotwild R.Q1+ FS Pro
4.999 euro | Mittelmotor

Test Rotwild R.Q1+ FS Pro E-Mountainbike

Das Rotwild R.Q1+ FS Pro im Test.

Rotwild baut mit dem Q1 das E-Bike 2.0 – der integrierte Akku für den Brose-Motor sitzt versteckt im Rahmen eines
Top-Bikes 

Mit Spannung erwartet: Als erster Hersteller tritt Rotwild mit einem Brose-Motor gegen die Konkurrenz an. Weil die Tretlagerposition des seriennahen Prototypen noch nicht genau passte, steckt eine 150er-Fox-Gabel im Steuerrohr, die Serie kommt dann mit 140 Millimetern Federweg an der Front. Bergauf zeigt sich die Unterstützung des Brose-Aggregats angenehm unauffällig, kein lästiges Nachschieben oder ähnliches ist spürbar. Bergab kommt die Kompetenz der Rotwild-Ingenieure zum Tragen. Das Allmountain-Bike liegt satt auf dem Trail und die angegebenen 135 Millimeter Hub fühlen sich nach deutlich mehr an. Das kompakte Bike lässt sich präzise und wendig um die Ecken zirkeln und bügelt auch dicke Schläge glatt. Die aufgeräumte Optik des systemintegrierten Akkus gefällt uns gut. Aber: Er kann nicht demontiert und muss im Rahmen geladen werden.

Wheeler E-Falcon
3.999 Euro | Hinterrad-Nabenmotor

Test Wheeler E-Falcon E-Mountainbike

Das Wheeler E-Falcon im Test.

Flottes Tourenbike mit 100 Millimetern Federweg und dem neuen BionX-Hinterradnabenmotor

Das Wheeler E-Falcon wird – wie das Hardtail E-Proton – vom etwas überdimensional wirkenden BionX-Hinterradnabenmotor der D-Serie angetrieben. Die 3 x 10-Gang-Schaltung mit 11-36er-Kassette passt zum Konzept, da der Motor erst ab etwa 10 km/h eine ordentliche Leistung entfaltet. Mit steigender Geschwindigkeit nimmt auch die Power immer mehr zu. Das Fahrwerk stellt 100 Millimeter Federweg bereit und rollt auf 29-Zoll-Rädern über die Strecke. Bergauf fährt es sich neutral und straff, die Abstimmung wirkt harmonisch. Wer mag, kann die Gabel per Lenkerfernbedienung blockieren. Schwalbes Rocket-Ron-Reifen rollen leicht, bieten aber zu wenig Traktion. Auf der Abfahrt mindert die Kombination aus langem 110er-Vorbau, relativ steilem Lenkwinkel und schmalem Lenker etwas die Kontrolle. Die Magura-Bremsanlage bietet kräftige Verzögerungswerte.

Dipl.-Ing. Stephan Ottmar am 11.12.2015