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Test E-Fatbike Felt Lebowske

E-Fatbike Felt Lebowske im Gelände

Andreas Bähren am 08.12.2015

Die ersten Fatbikes mit E-Antrieb sind auf dem Markt. Extradicken Reifen für den Fahrspaß und ein Motor fürs hohe Gewicht – das macht Sinn. Allerdings bergen die Trendbikes auch Nachteile.

Für Leute, die gerne im Rampenlicht stehen, ist so ein E-Fatbike ein absolutes Muss: Auf kein anderes Fahrrad wird man so oft angesprochen, die bullige Optik fällt auf. „Schau mal, Mama, ein Fahrrad mit Traktorreifen“, jubelt ein Steppke und bringt das ­Konzept von E-Fatbikes auf den Punkt: Die Reifen sind so dick, dass man ohne größere technische Fertigkeiten über nahezu jeden Untergrund poltern kann.


Fette Power ...

Also ab damit ins heikle Gelände. Großes Balancieren und Gewackel auf Sand, Schotter oder Schnee? Fehlanzeige! Das Felt läuft schnurgeradeaus. Nach kurzem Eingewöhnen achtet man gar nicht mehr darauf, über was man gerade walzt. Und genau für solche Zwecke wurden Fatbikes ursprünglich entwickelt. Ausgehend vom legendären „Winter Bicycle Classic“, einem Langstreckenrennen über tiefen Schnee in Alaska, entwickelten Bastler und Bikeschmieden wie der US-amerikanische Hersteller Surly vor etwa zehn Jahren Räder mit doppelter Reifenbreite, um dem Untergrund Herr zu werden. In den USA ritten Fatbikes schnell auf einer Erfolgswelle, die vor einigen Jahren dann auch zu uns herüber schwappte.

Und jetzt gibt es die dicken Dinger auch mit E-Motor. Das Lebowske ist eine perfekte Symbiose aus Grip, ausgewogener Geometrie und Power – dank rund zehn Zentimeter breiter Stollen­reifen und des zuverlässig und kräftig arbeitenden 350-Watt-Motors von Bosch. So kommt man ohne Probleme selbst steilste Skipisten hoch. Mit einem Fatbike ohne Motor wäre das kaum möglich, denn die mit nur etwa 0,5 Bar Druck gefüllten, fetten Reifen saugen bergauf deutlich mehr Kraft aus den Beinen als ein normales MTB. Das hohe Gewicht von rund 23 Kilogramm dagegen hilft bergauf sogar, denn es presst das Rad regelrecht auf den Untergrund. 23 Prozent Steigung auf einem Waldweg? Gar kein Problem! Ab in den Turbo-Modus und mit mehr als 10 km/h weiter. Welch ein Erlebnis! Lediglich die X01-Kettenschaltung von SRAM – mit elf Gängen, nur einem Kettenblatt vorne und daher recht hohen Übersetzungssprüngen – kann die erste Euphorie ein wenig trüben.

... und große Trägheit

E-MTB Felt Lebowske_platt.jpg

Felt Lebowske Fat E-Bike

Doch da ist noch mehr. Eine Ahnung davon, was das ­Lebowske nicht so gut kann, ereilt uns, als es zum ersten Mal durch tiefen Matsch geht. Hier fangen die ansonsten so stoisch laufenden Breitreifen an zu schwimmen, da sie keinen festen Untergrund finden. In verblocktem Gelände oder auf Wurzeltrails federn die breiten Reifen mit wenig Druck zwar sehr gut. ­Allerdings schwingt sich das Lebowske dann mangels Dämpfung gerne auf. Das kann bergab und auch in flachem Terrain haarig werden, da man dank ­Motorunterstützung stets mit ordentlichem Tempo unterwegs ist. Und spätestens in technischen, verwinkelten Passagen zeigt das Fatbike klare Nachteile gegenüber einem klassischen Mountainbike: Alleine durch den längeren Radstand und das hohe Gewicht ist ein Manövrieren hier weitaus schwieriger. Das Fatbike ist deutlich träger und kurvt etwas unwillig um die Ecken. Lenkerbewegungen und Verlagerung des Körpergewichts enden eher in einer „Richtungsempfehlung“ denn in präzisem Ansteuern.

Doch die finale Entscheidung „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ hängt – wie so oft – von individuellen Erwartungen und Bedürfnissen ab. Wer in überwiegend technisch anspruchslosem Gelände unterwegs ist, wird an diesem E-Fatbike mit hochwertiger Ausstattung eine Menge Freude haben. Wer aber nach einem Kompromiss für vielfältigere Anforderungen sucht, dürfte mit einem E-Mountainbike besser bedient sein – auch angesichts des Preises von offiziell immerhin 3.800 Euro.

http://www.feltbicycles.com

Andreas Bähren am 08.12.2015
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