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Test-Duell 2019: E-Mountainbikes von Quantor und Storck Test-Duell 2019: E-Mountainbikes von Quantor und Storck

Test-Duell 2019: E-Mountainbikes von Quantor und Storck

Carbon-Racer: Quantor Triebwerk 5.9 vs. Storck e:Rebel

Tobias Brehler am 16.09.2019

Carbon-Hardtails stehen bei Racern hoch im Kurs. Geht das Konzept leicht und flott auch beim E-MTB auf? Die Rennboliden von Storck und Quantor im EMTB-Check.

Unsere irritierten Blicke kreuzen sich, als wir die Laufräder aus dem Transporter laden. Wir wissen, dass wir mit dem Storck e:Rebel und dem Quantor Triebwerk zwei edle Carbon-Hardtails im Gepäck haben, die mit geringem Gewicht punkten wollen. Leichtbau klar – aber so gleich? Auf dem DT-Swiss-Laufrad vom Quantor befindet sich ein 2,25er-Schwalbe-Racing-Ray. Derart leichte und wenig profilierte Reifen sieht man normalerweise nur auf (unmotorisierten) Racebikes. Doch die kleine Schmiede aus Denkendorf zieht die Leichtbaunummer voll durch. Alles ist auf Gewicht getrimmt. Das Resultat kann sich sehen lassen: Das Triebwerk 5.9 bringt nur 17 Kilo auf die Waage. Angesichts des Preises von unter 5000 Euro eine respektable Leistung! Weniger konsequent geht Storck zur Sache: Das e:Rebel wiegt über 19 Kilo. Doch die zwei Kilo kommen nicht von ungefähr: Das Storck steht auf Plus-Reifen und hat einen integrierten Akku, der obendrein auch noch 136 Wattstunden mehr hat. Außerdem ist es 500 Euro günstiger. Während Quantor den Shimano Steps E8000 verbaut, setzt Storck auf den Continental-Motor.

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Das aufgeräumte Cockpit am Quantor gefällt. Die Kombination von Steps-Motor mit Di2-Schaltung und eine saubere Kabelführung machen’s möglich.  

Ansonsten sind die Parallelen unübersehbar: Beide Hardtails verfügen über ein Kohlefaser-Chassis sowie eine Geometrie für den sportlichen Einsatz. Auch sehr schön: In beiden Rahmen findet ein Flaschenhalter Platz. Die Messwerte spiegeln das Fahrgefühl der beiden Motoren wieder: Der Shimano schafft die 500 Höhenmeter sechs Minuten schneller, der Continental erreicht dafür 500 Höhenmeter mehr. Continental nutzt die Hardware des alten Brose-Motors. Dieser ist eigentlich für seinen geräuschlosen Lauf bekannt, doch in unserem Test-Bike surrt der Conti mit dem Shimano um die Wette.

Die Unterschiede im Handling der beiden Kandidaten werden durch die Motorcharakteristik noch verstärkt: Das leichte Quantor beschleunigt zackig und erklimmt die Anstiege leichtfüßig. Hier merkt man besonders die geringe rotierende Masse der schmalen Pneus auf den leichten Laufrädern. Ein echtes Bergwiesel. Dank der sportlichen Sitzposition bringt man viel Druck aufs Pedal. Die Sitzposition beim e:Rebel fällt etwas komfortabler aus, und die Kombination aus höherem Gewicht und dem weniger spritzigen Motor führt zu einem gemütlicheren Uphill.

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Schmal gegen breit: Quantor kommt mit 2,25er-Race-Bereifung, das sorgt für schnellen Vortrieb und geringes Gewicht. Bei Storck bringen 2,6er-Reifen deutlich mehr Komfort. Allerdings sind beide Reifenkombinationen mit mäßigem Profil keine Grip Wunder.

Wird es technisch, bieten die Plus-Reifen freilich mehr Traktion als die Rennreifen am Quantor. Doch gerade auf festem Untergrund überrascht der Racing Ralph mit annehmbarer Traktion. Durch die tiefen Fronten halten die Vorderräder auch in steilsten Passagen Bodenkontakt. Bergab überzeugen die stimmige Geo und das geringe Gewicht vom Quantor: Wir schießen den Flowtrail förmlich runter und heben wie mit einem "normalen" Mountainbike an jeder Kante ab, das ist agiler Trail-Spaß. Aber auf natürlichen Trails lässt sich das Storck mit den Plus-Reifen und der hochwertigeren Gabel nicht abschütteln. Diese gibt mehr Rückmeldung vom Untergrund und steht höher im Federweg. Die Reifen sind bergab bei beiden Rädern nicht für fiese, technische Trails vorgesehen: Die Plus-Reifen am Storck mit günstiger Gummimischung geizen auf nassen Wurzeln und Steinen mit Grip, während es den Rennreifen am Quantor sowohl an Traktion, als auch an Dämpfung fehlt. Klar: Beide Bikes setzen ihren Fokus auf den Anstieg und fühlen sich eher im seichten Gelände zu Hause.

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Storck setzt auf einen hauseigenen Carbon-Lenker und kann ebenfalls mit einem cleanen Cockpit punkten.  

Das wird auch bei der Wahl der kleinen Bremsscheiben klar. Quantor setzt am Hinterrad gar auf eine 160-Millimeter-Scheibe. Die kleine Discs helfen zwar, das Gewicht niedrig zu halten, sind am E-MTB nach unserer Meinung aber deplaziert – hier geht Sicherheit vor. Zumindest, wenn die Bikes auch in die Alpen oder auf höhere Mittelgebirgsgipfel entführt werden sollen. Die gute Nachricht: Beide Bikes lassen zum Teil ab Werk konfigurieren. Schade: Die beiden extravaganten Carbon-Flitzer setzen auf Speichenmagneten in Kombination mit externen Speed-Sensoren, die offen an der Kettenstrebe liegen. Das wirkt etwas lieblos und ist nicht mehr State of the Art. Eine integrierte Lösung würde den noblen Bikes besser stehen. Ein weiterer Kritikpunkt: Beim Storck fehlt der Sattelschnellspanner. Und noch schlimmer: Hat man das Multi-Tool aus dem Rucksack gefriemelt, lässt sich die Stütze nur wenige Zentimeter absenken. Schönes Detail: Den Carbon-Rahmen am Quantor schützt ein Lenkanschlagbegrenzer vor Macken durch einen verdrehten Lenker.

Am Ende des Testtages trennen nur 16 Punkte die beiden Kandidaten. Allein sechs davon holt sich das Quantor über die Ausstattung, welche sich auch im Kaufpreis widerspiegelt: Das Storck ist 500 Euro, also ganze zehn Prozent, günstiger als das Quantor.

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Beide Bikes verzichten auf eine Teleskopstütze, Gewicht geht vor Trail-Spaß. Bei Storck fehlt leider auch der Sattelschnellspanner, und die Stütze lässt sich nicht weit genug im Sitzrohr versenken. Schade!

Fazit zu Quantor Triebwerk 5.9 und Storck E:Rebel

Versierte Fahrer werden mit dem leichten sowie direkten Fahrverhalten des Quantors glücklich. Technisch weniger ambitionierten Bikern geben die dicken Reifen des Storcks ein Plus an Sicherheit.


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Tobias Brehler am 16.09.2019