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So testet EMTB – das Testsystem im Detail

In Praxis und Labor: Wie ein EMTB-Test abläuft

Markus Greber, Florentin Vesenbeckh am 14.05.2016

Um festzustellen, wie viel Spaß ein E-Mountainbike bringt, muss man es fahren. Wir, die Experten der EMTB-Redaktion, gehen in unseren Tests viel weiter und decken Stärken und Schwächen der E-MTBs auf.

Image, Optik, Sexappeal bei einem E-Mountainbike zu beurteilen, überlassen wir Ihrem ganz persönlichen Geschmack. Bei EMTB kann man nur durch Fakten und Fähigkeiten punkten. Dafür haben wir den aufwändigsten Praxis- und Labortest der Elektrofahrrad-Branche entwickelt.


Zähnezählen gehört auch dazu. Mike Schinke führt akribisch Buch im EMTB-Testlabor. Über Kilo und Gramm, über Milli-, Zenti- und Newtonmeter, über Grad und Prozente. Mike dokumentiert Ausstattungsdetails, Produktbezeichnungen und Durchmesser von Bremsscheiben. Er ermittelt Steifigkeitswerte und Geometriedaten, Reichhöhen und Wirkungsgrade – und ja, selbst die Anzahl der Zähne an Kettenblatt und Ritzel tippt er in unsere Testdatenbank. Warum? Weil uns das unterscheidet. Ein paar fluffige Testfahrten und ein gefühltes "Super" – das ist nicht der Anspruch, den wir mit EMTB verfolgen. Nur, wer Bikes differenziert beurteilen kann, traut sich, am Ende auch eindeutige Aussagen zu treffen. Dafür haben wir den aufwändigsten E-Mountainbike-Test aller Zeiten auf die Beine gestellt: In unseren Labor- und Praxistests ermitteln wir eine Unmenge von Erkenntnissen und Daten – ein vielteiliges Puzzle, das wir am Ende zu einem vollständigen Bild zusammensetzen.


Der Labortest


Reichhöhe, Steifigkeit, Geometrie, Gewicht: Jedes Testbike verbringt acht Stunden im EMTB-Testlabor. Unser Anspruch: die subjektiven Eindrücke aus dem Praxistest mit objektiven Laborwerten unterfüttern. Wir lassen Fakten sprechen.

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Herzstück unseres EMTB-Labortests: Der Motorenprüfstand.


So richtig ausquetschen, den Saft. Bis auf den letzten Tropfen! Unser Rollenprüfstand kennt mit Akkus keine Gnade. Jedes E-MTB, das unseren Test durchläuft, tritt mit voll geladenem Energieträger an und darf erst abtreten, wenn der Motor keinen Mucks mehr macht. Die Reichhöhe ist eine Schlüsselgröße für E-Mountainbikes, schließlich schießt die Laune bedrohlich in den Keller, wenn im Anstieg zur Almhütte der Saft ausgeht, während die Kollegen fröhlich pfeifend weiterkurbeln. Warum wir einen Prüfstand im Keller einem Praxistest am Berg vorziehen? Wir wollen maximale Objektivität und beste Vergleichbarkeit. Parameter, die kein Praxistest so zuverlässig liefern kann wie ein Prüfstand unter Laborbedingungen. Denn kein Testfahrer tritt so gleichmäßig, kein Berg präsentiert sich unter solch konstanten Bedingungen wie unser Rollenprüfstand. Aus diesem Grund verzichten wir auch auf ein kompliziertes Streckenprofil mit verschiedenen Steigungen, Flachstücken und Abfahrten. Denn: Jeder Lastwechsel, jeder Schaltvorgang ist eine Fehlerquelle und stört die Vergleichbarkeit der einzelnen Testkandidaten. Die simple Lösung: Die Test-Bikes fahren eine konstante Steigung von zehn Prozent, der Motor schiebt durchgehend mit voller Kraft auf höchster Unterstützungsstufe. Zusätzlich wird eine Tretleistung des Fahrers von 130 Watt simuliert. Um den verschiedenen Wirkungsgraden und Drehzahlbereichen der Motoren gerecht zu werden, testen wir in zwei unterschiedlichen Trittfrequenzbereichen. Die erste Hälfte wird mit 60 bis 75 Umdrehungen pro Minute absolviert, dann schrauben wir die Frequenz auf 75 bis 90 rauf.

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Läuft wie ein Uhrwerk: Der Rollenprüfstand im EMTB-Testlabor schließt Störfaktoren aus, die Ergebnisse von Praxistests massiv verfälschen.

Ein geschwindigkeitsabhängiger Luftstrom simuliert dabei den Fahrtwind und kühlt den Motor in realistischem Maß. Je schneller die Fahrt, desto stärker die Kühlung. Die angegebenen Reichhöhen sind in der Praxis nur schwer erreichbar, denn auf realen Touren fressen Flachstücke – wie die Anfahrt zum Berg – oder das Stoppen und Anfahren, zusätzlich Akku-Kapazität. Außerdem kosten Lastwechsel, Schaltvorgänge und unrundes Treten Energie. Auch der Untergrund beeinflusst die Reichhöhe, die Bedingungen im Labor sind repräsentativ für stark verfestigten, gut rollenden Untergrund.

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Ein geschwindigkeitsabhängiger Luftstrom sorgt für praxisrelevante Kühlung, die in Natura der Fahrtwind übernimmt.


Weitere entscheidende Parameter sind das Systemgewicht und der Rollwiderstand der Reifen. Unser virtueller Tester wiegt 85 Kilogramm inklusive Ausrüstung. Dazu addieren wir jeweils das gemessene Gewicht des Test-Bikes. Ob Leichtgewicht oder schwerer Brocken – das schlägt sich in den ermittelten Reichhöhen nieder. Die realen Rollwiderstände der Reifen messen wir vorab auf dem Prüfstand von Ralf Bohle und rechnen diese beim Testlauf im Prüflabor mit ein. Bei den Prüfstandläufen analysieren wir nicht nur die gefahrenen Höhenmeter, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der die Strecke absolviert wird. Schließlich ist es ein markanter Unterschied in der Leistung des Bikes, ob 1000 Höhenmeter mit 15 oder 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren werden. Beide Werte fließen direkt in unser Testsystem ein und beeinflussen die Punktewertung in der Kategorie Antrieb.
Damit nicht genug. Auch bei Geometrie- und anderen Messwerten gehen wir einen Schritt weiter. Insgesamt verbringt jedes Test-Bike rund acht Stunden im EMTB-Testlabor, bevor es zum Praxistest ausrückt. So können wir die Fahreindrücke vom Trail mit objektiven Daten untermauern und bekommen ein umfassendes Bild jedes Bikes.

GEOMETRIE
Wir ermitteln die realen Geometriedaten und verlassen uns nicht auf wenig vergleichbare Herstellerangaben. Diese Angaben werden oft aus CAD-Modellen errechnet und können von der Realität abweichen. Zudem unterscheiden sich die Messmethoden von Fall zu Fall. Wir scannen die Geometrie jedes Bikes Laser-geführt, so erhalten wir reale und vergleichbare Werte der Testkandidaten.

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Mit der Vermessung der Bikes auf dem Geometrieprüfstand des Prüfinstituts Zedler beginnt das EMTB-Testprozedere.

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Entwickelt vom Prüfinstitut Zedler: Auf unserem Prüfstand zu Ermittlung der Radlastverteilung werden die Gewichte für Vorder- und Hinterrad separat erfasst – dadurch lässt sich die horizontale Lage des Schwerpunkts bestimmen.

STEIFIGKEIT
Auf unserem Steifigkeitsprüfstand, entwickelt vom Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit, belastet eine komplexe Mechanik das Tretlager seitlich, über die Auslenkung wird die Gesamtrahmensteifigkeit errechnet. Diese Zusatzinformation erlaubt es uns, die Fahreindrücke noch besser einzuordnen.
Auch Werte wie die Schwerpunkthöhe, das Gewicht und weitere Details wie z. B. Kurbellänge, Zähnezahl von Ritzeln und Kettenblättern oder die Lenkerbreite werden in mühevoller Kleinstarbeit ermittelt.

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Die zentrale Rahmensteifigkeit, ermittelt auf einem Prüfstand des Prüfinstituts Zedler, deckt sich sehr gut mit den Eindrücken aus den Praxistests.

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Wie verwindet sich ein EMTB unter Last? Der Zedler-Prüfstand entlarvt Rahmen-Schwächlinge.

PRÜFTECHNIK:
ZEDLER-INSTITUT

Die Messtechnik im EMTB-Testlabor wird in Zusammenarbeit mit dem Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit ständig weiterentwickelt. Damit tragen wir der Produktentwicklung in der Bike- und E-MTB-Branche Rechnung. Vom Zedler-Institut wurde der Prüfstand zur Ermittlung der zentralen Rahmensteifigkeit sowie der Laser-unterstützte Geometrieprüfstand entwickelt. www.zedler.de

Reichhöhe
Reichweiten geben über die Leistung eines E-MTBs nur ungenau Aufschluss, da zu viele Störfaktoren einfließen. Die Angabe einer Reichhöhe eignet sich besser. Unser Rollenprüfstand simuliert dabei eine gleichmäßige Steigung von zehn Prozent. Die Testfahrt wird auf höchster Unterstützungsstufe durchgeführt, und der virtuelle Fahrer tritt konstant mit 130 Watt in die Pedale. Neben der erzielten Reichhöhe fließt auch die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit in die Bewertung mit ein.

So testet EMTB 2017 – Reichhöhe statt Reichweite

Reichweiten sind ungenau – Reichhöhe eignet sich am E-MTB besser.

Effizienz
Die Effizienz beziehungsweise der Wirkungsgrad gibt an, wie gut das System die Energie des Akkus nutzt. Am Ende des Prüfstandslaufes wissen wir, welche Leistung der Motor erbracht hat. Der leer gefahrene Akku wird wieder voll aufgeladen. Die dazu nötige Energie wird ebenfalls erfasst und beide Werte werden ins Verhältnis gesetzt. Die Akku-Größe hat keinen Einfluss auf die Effizienz.

So testet EMTB 2017

Wieviel Ladung geht rein? Je größer die Kapazität eines Akkus, desto größer ist auch die theoretische Reichhöhe. Doch nur bei einem hohen Wirkungsgrad kommt man auch praktisch hoch hinaus.

Fahrspaßanalyse auf dem Trail

So testet

Unsere Teststrecke in Arco am Gardasee ist extrem abwechslungsreich und stellenweise anspruchsvoll. Das entlarvt Schwächen der E-MTBs sofort, bergauf wie bergab.

Die heiße Phase der Praxistests beginnt für uns mitten im Winter: Ab Ende Dezember schon rückt die EMTB-Testcrew aus, um die ersten Testgruppen über die Trails zu jagen. Federelemente arbeiten bei Kälte träger, Grenzbereiche sind bei nassem Geläuf früher erreicht – um diese Widrigkeiten zu umgehen, testen wir seit vielen Jahren Bikes aller Kategorien am milden Gardasee. Unsere Teststrecke in Arco bietet eine Vielzahl von Geländesituationen, um ein breites Bild von den Fahreigenschaften eines Bikes zu zeichnen.
Alle Testfahrer verfügen über jahrelange – zum Teil jahrzehntelange – Testerfahrung. Vor jeder Testrunde erfolgt ein akribisches Setup an jedem Bike. Jeder Fahrer stellt Fahrwerk, Bremshebel, Sattel und gegebenenfalls auch Lenker und Vorbau auf seine persönlichen Bedürfnisse ein. Nur der Luftdruck der Reifen ist einheitlich.
Der Start über eine steile, kniffelige Felsplatte gleich zu Beginn der Runde stellt alle Bike bereits vor ernsthafte Herausforderungen: Hier lassen sich Anfahrverhalten, Traktion und Steigfähigkeit analysieren. Auf Asphaltabschnitten beurteilen wir, wie sich die Antriebe beim Pedalieren zu- und abschalten. In unterschiedlichen Trail-Passagen können wir dann die Fahreigenschaften der Modelle im Uphill miteinander vergleichen.
Dann der Downhill über abwechslungsreiches, anspruchsvolles Terrain. Die wesentlichen Fragen: Wie potent verhält sich das Fahrwerk bei groben Schlägen und tiefen Stufen? Wie gut folgt es schnellen Schlägen? Wie viel Grip bieten die Reifen, wie viel Power die Bremsen? Zu Beginn der Abfahrt steht ein flowiger Abschnitt auf griffigem Waldboden durch kupiertes Gelände. Hier zeigt sich, wie wendig die Bikes durch über flowige Trails lenken, wie leicht sie sich an Kuppen in die Luft befördern lassen und wie groß der Fahrspaß im verspielten Gelände ist.
Am Ende ist jedes einzelne Bike von mindestens drei Testfahrern ausgiebig gefahren worden. Jeder Tester dokumentiert seine Eindrücke und Erkenntnisse zu jedem einzelnen Bike-Modell auf einem standardisierten Testfragebogen. Diese Erkenntnisse werden im Team diskutiert. Herrscht zu einem Modell Uneinigkeit, geht es nochmal raus auf die Trails.

So testet

E-MTB-Tester ist ein Job für Routiniers mit jahrelanger (Mountainbike-)Testerfahrung. Nur die Routine erlaubt es, sich auf vielleicht entscheidende Details zu konzentrieren und Fahreindrücke richtig zu analysieren.

So testet EMTB 2017

Akribisches Setup an jedem Bike. Vor jeder Testrunde.

Die Auswertung

Die Gewichtung der einzelnen Wertungen haben wir über Koeffizienten festgelegt – sie entscheiden darüber, wie stark jedes einzelne Kriterium in die finale Bewertung einfließt. Topscorer in unserem Punktesystem ist der Antrieb – auf ihn entfallen 200 Punkte. 65 Punkte gibt es für die übrige Ausstattung eines Bikes, 180 für die Fahreigenschaften und 55 Punkte für die Messungen im Labor.
Wer es damit auf mindestens 350 Punkte schafft, wird mit der Bestnote "super" dekoriert. Maximal 500 Punkte könnte ein Bike in unserem Bewertungssystem erreichen – freilich nur theoretisch. Denn bestimmte Kriterien stehen im physikalischen Widerspruch zueinander. So ist ein dicker Akku für eine große Reichhöhe hilfreich, bezüglich des Gesamtgewichtes dagegen kontraproduktiv.
Von Bike-Testern wird viel Analysearbeit gefordert. Mit lockerem Radfahren hat das wenig zu tun. Ein Großteil der Arbeit findet am Rechner und auf den Prüfständen statt.
Ein hohe Punktzahl, eine gute Gesamtnote, und vielleicht noch das Testsieger-Siegel – wer bei einem solchen Bike zuschlägt, liegt garantiert nicht falsch. Doch die Erwartungen an das perfekt passende E-Mountainbike sind sehr individuell. Wer sich mit dem Punktesystem, den Testbriefen und den technischen Daten der Bikes intensiv auseinandersetzt, wird seinen persönlichen Favoriten vielleicht finden, wo er ihn nicht erwartet hätte. Nehmen Sie sich die Zeit – das Zähnezählen haben wir Ihnen ja schon mal abgenommen.

So testet EMTB 2017 – Punktesystem und Tabellen

Studieren, analysieren, bewerten: Das Gesamturteil eines jeden Bikes setzt sich aus unzähligen Einzelkriterien zusammen.

So lesen Sie den EMTB-Test

Der Steckbrief

Die Kerninformationen einen Bikes auf einen Blick. Bei Modellbezeichnung, Preis, Laufradgröße, Antrieb, Ausstattung und Federweg verlassen wir uns auf die Angaben der Hersteller. Aber nur dort. Harte Fakten dagegen in der rechten Spalte: Gewichte, Geometriedaten und andere Messwerte werden auf den hauseigenen EMTB-Laborprüfständen ermittelt. Zwei besonders wichtige Messwerte haben wir in einem kleinen Kasten über die jeweiligen Bikes (links nicht abgebildet) gepackt: die ermittelte Reichhöhe und die Geschwindigkeit, mit der ein Bike 500 Höhenmeter durchschnittlich absolviert. Mit dem roten Schieberegler unten rechts im Steckbrief beurteilen wir den Charakter eines Bikes: sportlich, oder eher komfortabel – vom Einsatzbereich und Ihrem Fahrstil sollten Sie abhängig machen, welcher Charakter besser zu Ihnen passt. Auch die Beurteilung von Handling und Sitzposition gibt Ihnen Auskunft über den groben Charakter eines Bikes. Den Abschluss des Steckbriefs bildet die Gesamtpunktzahl und das Testurteil. Doch Punkte und Messwerte können immer nur die halbe Wahrheit abbilden. Ein finales Gesamtbild gibt erst der beschreibende Text zu jedem Bike. Hier erläutern wir nicht nur Stärken, Schwächen und Praxiseindrücke, sondern zeigen auch auf, wo eventuell Tuning-Potenzial schlummert.

So testet

Vollgepackt mit Informationen und Messwerten: der EMTB-Steckbrief.

Der Komfort- und Sportfaktor

Nichts wurde innerhalb der Redaktion in den letzten Monaten so heiß diskutiert, wie diese grafische Einordnung. Hintergrund: Die E-MTB-Geometrien haben sich in letzter Zeit teils drastisch geändert. So warten einige E-MTBs mit sehr flachen Winkeln, kurzen Kettenstreben und langen Vorderbauten (Reach) auf. Verantwortlich dafür sind zum einen neue Antriebe wie der Steps von Shimano, der wenig Bauraum braucht und diese kurzen Hinterbauten erst möglich macht. Zum anderen kommen junge, sportliche Zielgruppen aus dem klassischen Bike-Sport dazu. Fakt ist: Die neuen Trail-Geometrien verlangen einen aktiven Fahrstil und reizen ihre Vorzüge erst bei hohen Geschwindigkeiten und dynamischen Manövern aus. Touren-Fahrer und Genuss-Biker mit weniger aktivem Fahrstil sind oft mit den klassischen Geometrien und langen Kettenstreben besser beraten. Denn diese geben Laufruhe und Sicherheit bei gemütlicherer Fahrweise. Mit dieser neuen Grafik werden wir der Ausrichtung der Test-Bikes besser gerecht und können sie perfekt in die Bereiche Komfort bis Sport einordnen.

So testet

Gemütlich, komfortabel und sicher? Oder sportlich, agil und schnell? Unsere Einstufung erklärt´s!

Die Punktetabelle

Der Punktetest ist das Kompetenzzentrum des EMTB-Tests. Hinter dieser Tabelle stecken eine Vielzahl an Messungen und Erkenntnissen. Über 100 Einzelkriterien werden abgefragt, die Ergebnisse aus dem Testlabor fließen automatisch mit ein. Besonders wichtig ist es uns, den Test möglichst objektiv und reproduzierbar zu gestalten. Die subjektiven Fahreindrücke aus dem Praxistest haben zwar einen wichtigen Anteil am Ergebnis. Manche Kriterien bewerten wir jedoch immer gleich. Beispiel Antrieb: Ein Bosch-Antrieb wird immer gleich bewertet, es sei denn, er ist beispielsweise mit einer individuellen Software ausgestattet. In die Bewertung "Antrieb" fließt auch die Reichhöhe und die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit des Bikes im Prüfstandtest sowie die Effizienz mit ein. Auch Bremsen, Schaltung und Fahrwerk lassen sich standardisieren. Nur so schaffen wir faire Vergleichsergebnisse nicht nur innerhalb einer Testgruppe, sondern über längere Zeit hinweg.

So testet

Wo sammelt mein Wunschbike entscheidende Punkte? Die Punktetabelle zeigt genau, in welchem Bereich die Bikes die meisten Punkte schaffen. Sie können sich ihren persönlichen Testsieger, je nach Einsatzbereich, selbst herauspicken.

1 Reichhöhe / Zeit pro 500 Hm
Der Wert gibt Auskunft darüber, wie viele Höhenmeter das Bike auf unserem Rollenprüfstand erreicht hat. Das Bike absolviert dabei eine konstante Steigung von sieben Prozent und fährt durchgehend auf höchster Unterstützungsstufe. Dieses Prozedere bringt optimale Vergleichbarkeit der Testbikes untereinander. Der Wert kann nicht die Höhenmeter widerspiegeln, die in der Realität auf einer Tour erreicht werden. Denn in der Praxis spielen zu viele individuelle Parameter eine Rolle. Grundsätzlich gilt: Je stärker der Motor anschiebt, desto mehr Strom verbraucht er. Deshalb geben wir zusätzlich die Zeit an, die das Bike während des Prüflaufs für 500 Höhenmeter benötigt.
2 Beschreibung
Die wichtigsten Eindrücke aus dem Test sind in der Kurzcharakteristik des Bikes zusammengefasst – positiv wie negativ.
3 Laufradgröße
Viele Biker haben eine Vorliebe für eine bestimmte Laufradgröße. Wie bei normalen Mountainbikes hat sich die Branche auch bei E-Mountainbikes auf die Standards 29 und 27,5 Zoll eingeschworen. Rollt das Bike auf dicken Plus-Reifen, steht hinter der Maßangabe ein "+".
4 Gewicht
Das Gewicht eines E-Bikes hat nicht den gleichen Stellenwert wie bei einem rein muskelbetriebenen Bike. Ein halbes Kilo mehr oder weniger macht sich aber bemerkbar. Zusätzlich messen wir die Gewichtsverteilung. Das zeigt, wie gut das Bike ausbalanciert ist.
5 Schwerpunkt
Liegt der Schwerpunkt hoch, reagiert das Bike auf Richtungswechsel eher träge. Meist besteht ein enger Zusammenhang mit der Tretlagerhöhe. Aber auch die Position des Akkus hat großen Einfluss.
6 Reach und Stack
Dieses Werte-Duo hat sich schnell als feste Größe in der Branche etabliert. Reach beschreibt den horizontalen, Stack den senkrechten Abstand des Tretlagers von der Oberkante des Steuerrohrs. Auf einem Bike mit langem Reach sitzt man gestreckt.
7 BB-Offset und Q-Faktor
Der Wert BB-Offset beschreibt die Höhendifferenz zwischen dem Tretlager und einer gedachten Verbindung zwischen den Naben. Negative Zahlenwerten liegt das Tretlager unterhalb dieser Linie.
Der Q-Faktor gibt an, wie weit die Pedale voneinander entfernt liegen. Das Maß zeigt also, ob man eher breitbeinig tritt oder nicht. Je kleiner der Q-Faktor, desto besser.
8 Geometrie
Wer seine Vorlieben kennt, kann aus der Bike-Geometrie sehr viel herauslesen. Zwar veröffentlichen viele Hersteller diese Werte, allerdings unterscheidet sich häufig die Art zu messen. Alle Werte in unseren Testbriefen erfassen wir stets auf dieselbe Art und Weise im eigenen Labor, daher sind sie direkt vergleichbar.
9 Einsatzbereich
Mit einem Cross-Country-E-MTB bewegt man sich eher auf Forst- und Waldwegen. All-Mountain-Bikes sind für den Trail und anspruchsvolles Gelände gebaut. Enduros heben gerne auch mal vom Boden ab.
10 Handling und Sitzposition
Die Handling-Einteilung gibt mit einem kurzen Blick einen Hinweis auf die Charakteristik des Bikes. Aufrecht oder gestreckt – die Sitzposition ist nicht immer reine Geschmacksfrage. Manchmal entscheidet auch die individuelle Anatomie über das passende Bike.
11 Ausstattung
Diese Kurzübersicht zeigt, welche Komponenten verbaut sind. Wir beschränken uns auf die wichtigsten Details: Fahrwerk, Sattelstütze, Bremsen und Laufradkomponenten.
12 Gesamturteil
Wie schnitt das Bike im Test ab, und wie viele Punkte erreichte es? Um die Bikes optimal miteinander zu vergleichen, veröffentlichen wir im EMTB-Test zusätzlich eine Punktetabelle, die die Ergebnisse jeder Bewertungskategorie übersichtlich zeigt.

Das EMTB-Punktesystem

Ein Bike ist mehr als die Summe seiner Teile. Das EMTB-Bewertungssystem erfasst über 100 Einzelkriterien. Hier sind die wichtigsten Punktekategorien erklärt.


Antrieb: Motor und Akku
Als Herzstück jedes E-Mountainbikes gilt dem Antrieb unsere besondere Aufmerksamkeit. Dazu beurteilen wir seine Performance in der Praxis und im Labor. Auf der Teststrecke entscheiden die Softskills über die Bewertung. Wie sind Komfort und Leistungsentfaltung einzuschätzen? Lassen sich die Bedienelemente gut ablesen? Reichhöhe und Effizienz ermitteln wir seit dieser Ausgabe erstmals mit Hilfe eines neu entwickelten Prüfstandes der Firma Traktal. Grundlage bietet unsere bisherige Reichhöhenteststrecke am Gardasee – dieses Lastkollektiv fahren wir nun auf dem Laborprüfstand ab.


Labortest: Gewicht, Maße, Steifigkeit
Im Labor messen wir auf einem Prüfstand der Spezialisten vom Zedler-Institut nicht nur das Gewicht, sondern ermitteln auch die genaue Lage des Schwerpunktes. Zum einen über die Radlastverteilung (in Längsrichtung) und über eine geometrische Ermittlung zusätzlich entlang der Hochachse. Darüber hinaus erfassen wir die Geometrie der Bikes und vergleichen wichtige Werte wie zum Beispiel die Tretlagerhöhe, den Radstand, Lenk- und Sitzwinkel oder Reach und Stack. Dazu fahren wir definierte Punkte mit einem Laser-Messsystem an. Diese Werte veröffentlichen wir dann in den Testbriefen jedes Bikes. Außerdem messen wir die Steifigkeit auf einem weiteren Prüfstand der Firma Zedler. Auch die Akkugewichte erheben wir im Labor. Wer einen Zweitakku mitnehmen möchte, sollte hier besonders drauf achten.


Praxiswertung bergauf
Moderate Steigungen mit kleineren Hindernissen bewältigen alle Bikes in der Regel spielend. Um die unterschiedlichen Fähigkeiten der Bikes herauszuarbeiten, müssen wir daher die Grenzsituationen ausloten. Dazu beurteilt jeder der Testfahrer die Performance nach eindeutig definierten Kriterien auf einer vorgegebenen Strecke: Wie lange hält das Vorderrad in der Steilauffahrt den Bodenkontakt. Wie gut haften die Reifen, wie sensibel arbeitet das Fahrwerk? Zeigt sich das Bike im Trail wendig und agil, oder eher bockig und träge? Zusätzlich beurteilen wir Eigenheiten des Antriebs.


Praxiswertung bergab
Vorsicht Stufe! Das eine Fahrwerk rauscht durch den Federweg, das andere zeigt noch üppige Reserven. Auch in diesem Teil des Praxistests beurteilen wir Einzelereignisse im Grenzbereich, die sich auf einer Forststraße nicht erfahren lassen. Verhärtet das Fahrwerk nach einer Folge schneller Schläge? Harmonieren Gabel und Hinterbau? Bieten Cockpit und Lenkwinkel volle Kontrolle in steilen Abfahrten? Wie gut verzögern die Bremsen, wie gut verzahnen sich die Reifen im Untergrund? Die Eindrücke notiert jeder Testfahrer für jedes Bike in einem vorgegebenen Testfragebogen.


Ausstattung
Während in allen übrigen Bewertungen der Fokus auf der Funktion liegt, beurteilen wir hier lediglich die Wertigkeit und die Sinnhaftigkeit der Ausstattung. Eine Vierkolbenbremse bekommt mehr Punkte als ein Zweikolbensystem, große Bremsscheiben erhalten Zusatzpunkte. Außerdem: je wertiger die Anbauteile, die der Hersteller ans Bike schraubt, desto höher die Punktwertung. Beurteilt werden sinnvolle Features wie eine Remote-Sattelstütze, Sattelschnellspanner oder individuelle Lösungen wie ein Tool am Bike. Natürlich ziehen wir auch mal Punkte ab, so etwa, wenn sich der Akku nicht im Rahmen laden lässt.


Gesamtpunkte
Ein Bike ist mehr als die Summe seiner Teile. Wir bewerten nicht nur die Summe der Teile, sondern auch ihr Zusammenspiel als Gesamtsystem. Jedes Bike benoten wir in über 100 Einzelpunkten. Jedem Bewertungskriterium sprechen wir eine eigene Gewichtung zu. Auf diese Weise entsteht die Gesamtpunktzahl. Damit sie den Überblick behalten, veröffentlichen wir im Heft nicht jedes Einzelkriterium, sondern fassen diese zu den vorausgegangenen Themenblöcken zusammen. Halten wir einen Wert für besonders wichtig, schreiben wir ihn in den Testbrief, etwa die Reichhöhe oder das Gewicht.

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