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Österreich: EMTB Revier-Guide Montafon

Die schönsten E-Mountainbike-Touren im Montafon

Christoph Malin am 20.07.2017

Geschichtlich spannend und landschaftlich vielseitig liegt das Montafon versteckt hinter den Kalkriffen des Rätikon und den Eisriesen der Silvretta – ein Juwel für E-Mountainbiker.

Um die Herkunft des Namens "Montafon" ranken sich viele Mythen und Deutungsversuche. Das lateinische mons (= Berg) gilt als Namensbasis. Begrifflich entwickelt aus rätoromanischen Sprachwurzeln, zeigen mittelalterliche Dokumente, dass einst nur der Bergrücken von Bartholomäberg und Kristberg beziehungsweise eine Anhöhe dort den Namen "Muntafun" trug. Wie in anderen Alpentälern auch bot also eine lokale Ortsbezeichnung wohl den Ausgangspunkt für die später erfolgte Benennung der ganzen Talschaft. 

Im Süden Vorarlbergs und am südwestlichen Ende Österreichs zwischen den Hochgebirgen Graubündens und Tirols gelegen, ist das Montafon vom gewaltigen Wall der Nordrätischen Alpen eingekesselt: Im Nordwesten die markanten Kalkfelsen des Rätikons, im Süden das kristalline zentralalpine Gestein der teilweise noch vergletscherten Silvretta und im Nordosten das Verwall.

Markante Gipfel werden geziert durch klingende Namen wie Schesaplana, Zimba, Drei Türme, Sulzfluh, Madrisa, Piz Buin, Vallüla oder Patteriol.

An denen sehen wir uns gerade am Aussichtspunkt Falle oberhalb des sonnigen Bartholomäbergs und des Silbertales satt: Uns alle – Claudia, Sabrina, Tibor, Vincent und mich – verbindet ein ausgeprägter Hang zu hochalpinen Trail-Experimenten. Ein Wochenende wollen wir die glitzernde Bergwelt gemeinsam mit E-Mountainbikes neu erfahren. Alex, ein Dornbirner Enduro-Biker, Urgestein aus den Reihen der Vorarlberger Xitrailer, wird uns am Sonntag begleiten und seine Lieblings-Tour am Hochjoch zeigen.


Kostenlos herunterladen: Die GPS-Daten der im Revier-Guide Montafon vorgestellten E-Mountainbike-Touren finden Sie Im Download-Bereich direkt unterhalb dieses Artikels. Viel Spaß beim Nachfahren!

  • Rund um den Bartholomäberg
  • Wormser Hütte
  • Lindauer Hütte

Fotostrecke: Österreich: EMTB Revier-Guide Montafon


Ich selbst bin in Vorarlberg aufgewachsen und seit 1985 im Montafon mit dem Bike unterwegs. Dank meines Montafoner Vaters ist mir diese wunderschöne Bergwelt natürlich sehr ans Herz gewachsen. Und es wird mir auch nach 30 Jahren Singletrail-Biken hier nicht fad!

30 Jahre, wie die Zeit vergeht. Dazu passt, dass wir uns auf der Itonskopf-Singletrail-Tour auch auf Mountainbike-historischem Boden bewegen. Denn diese wunderschöne Trail-Rundtour mit den berühmten
Blicken ins Rätikon und Klostertal ist – man glaubt es kaum – schon seit den frühen 90ern offiziell eine Singletrail-Tour des Montafons.

Zu einer Zeit, in der noch gestritten wurde, ob Fully oder Hardtail die überlegene MTB-Spezies sei – konnte man am Bartholomäberg schon Trailsurfen, ebenso lange transportieren Seilbahnen des Tales schon abfahrts-, alpin- und Touren-orientierte Biker. Natürlich zündete der Funke – über viele Jahre wurden von der wachsenden Mountainbike-Szene des Montafons und Vorarlbergs alpine Trails des Rätikons, der Silvretta und des oberen Rheintals erkundet, Bike- und Hike-Touren absolviert und spektakuläre Erstbefahrungen versucht. Die Vorarlberger Alpinbiker-Szene ist im Montafon stark vertreten, und mit dem sehr gelungenen Bikepark Brandner Tal gibt es sogar eine Option für Gravity-Freaks!

So weit, so gut, doch ehrlicherweise muss man bei der Bestandsaufnahme eine wesentliche Einschränkung vornehmen: Wirklich offiziell und legal sind von den beliebten Montafoner Trail-Touren auf den GPS-Portalen bis heute nur ganz wenige, befahren werden die vielen Trails von Locals und Bike-Bergsteigern aber ohne größere Proteste seitens Wanderern und offiziellen Stellen. Auch die Hüttenwirte haben schon längst ihre Biker-Stammkunden, und zwar nicht nur kleine Grüppchen, sondern an starken Wochenenden durchaus hunderte. Egal, ob Hardtail-Freak oder Enduro-Biker, mit oder ohne "E", im Montafon sind sie alle willkommen.

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An wunderschönen Maiensässen vorbei geht es zum Alpengasthof Rellseck.

Aber so wird auch dieser Artikel, wie viele zuvor zum Thema Biken im Montafon, möglicherweise eine Gratwanderung im doppelten Wortsinn – zwischen dem, was legal ist, dem, was man fahren darf, aber vielleicht gar nicht will, und dem, was Spaß macht und in der Realität viel gefahren wird. Doch die Dinge entwickeln sich: Momentan erarbeitet die Oberengadiner Agentur Allegra-Tourismus mit den Silvretta-Bergbahnen ein neues Bike-Konzept fürs Montafon, und das wird sicherlich sehr Trail-lastig ausfallen – die Bike Republic Sölden lässt grüßen. Das Konzept sollte aufgehen, schließlich empfiehlt sich eine ganze Reihe existierender Trails für das Projekt – Trails, auf denen das Nebeneinander von Wanderern und Bikern bereits seit vielen Jahren harmonisch funktioniert.

Wir sind jedenfalls auf unserer Runde um den Bartholomäberg nun bereit für die Abfahrt. Tibor kann es kaum erwarten und rollt mit seinem unverwechselbaren geschmeidigen Fahrstil wie eine Katze auf den Trail zum Torasee. Vincent und die Mädels folgen. Vor dem Lenker in der Nachmittagssonne das irre schöne Panorama des Rätikons: Sulzfluh, Mittagsspitze, Drei Türme, Zimba – sie geben dem Tal Tiefe, dem Auge einen Fluchtpunkt, und der malerischen Landschaft am Sonnenbalkon des Montafons das unverwechselbare Flair.

Auch die Zeit des Bergbaus hat das Montafon geprägt. Wer genau hinschaut, der stößt im Bereich der sonnigen Wiesenmatten am Bartholomäberg allerorts auf historische Zeugnisse: Die zahlreichen Abraumhalden längst verfallener Silbererzstollen prägen noch heute das malerische Landschaftsbild, einen davon kann man als Schaubergwerk sogar an den Wochenenden besuchen. Die lange zugewachsenen Halden sind auf Touren zwischen den Maiensässen an den sanften Bergflanken gut zu sehen. Maiensässe oder Maisässe heißen im Montafon die wunderschönen Berghütten, die auf die Walser zurückgehen. Im Bestreben, sämtliche verfügbare Vegetation bis in die Hochlagen zu nutzen, führten die Walser die sogenannte Dreistufenwirtschaft ein. Auch heute noch folgt man diesem Prinzip: In der kalten Jahreszeit hält man sich mit dem Vieh im Tal auf, in der wärmeren Periode ist man auf dem Maisäss und schließlich im heißen Sommer auf den Alpen.

Von vielen der Maisässen, an denen wir vorbeirollen, werden wir freundlich gegrüßt. Es ist ein Zeichen der Zeit und des Strukturwandels, dass nicht wenige Maisässe in den letzten 20, 30 Jahren auch als Ferienwohnsitze genutzt und vermietet werden, aber so sind sie dem teilweisen Verfall entgangen. Doch genügend von ihnen werden noch im ursprünglichen Sinn verwendet.

Der Trail schlängelt sich geschmeidig am Hang entlang. Wir treffen ein paar gut gelaunte Wanderer und rollen ein angenehmes Schwätzchen später nach schöner Trail-Fahrt am Torasee und weiter am Fritzensee vorbei, in dem vergnügt ein paar Kinder plantschen. Unverkennbar bezaubernd leuchten kalkhell die Pfeiler der Drei Türme in der Sonne herüber, tags zuvor waren wir ihnen auf der Tour zur Tilisunahütte entgegengefahren. Am Drusentor und Schweizertor winden sich knüppelharte Saumpfad-Touren-Klassiker – diese Übergänge wurden schon in frühchristlichen Zeiten begangen und nahmen ab dem Mittelalter noch an Bedeutung zu. So manche Viehherde wurde in den Jahrhunderten von den Montafoner Hochalpen ins Prättigau geraubt – und im nächs­ten Sommer wieder zurückerobert. Die zerfurchten Übergänge wie das Schweizer- oder das Drusentor waren gleichermaßen auch hervorragend zum Schmuggeln von Tee und Tabak geeignet, denn die lange Grenze konnte nur schwer von ein paar Zollbeamten überwacht werden.

Mit einer Last von bis zu 60 kg schlichen die verwegensten Montafoner Schmuggler in stockfinsterer Nacht über die steilen Bergpfade. Sie kannten jeden Stein beim Namen – weswegen es auch eine humorvolle Deutungsart des Namens Montafon gebe, meint Alex grinsend: "Mir munt davun." Wir müssen davon! Sagt’s, und saust weiter dem wunderschönen Tal entgegen.


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Christoph Malin am 20.07.2017