Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Gardasee-Klassiker: Panoramico!

Christian Schleker am 15.10.2019

Panoramico!

14:30 Uhr Endspurt. Für die volle Bergabdröhnung wollten wir eigentlich zwei Mal auf den Altissimo: einmal bis Malga Casina auf knapp 1300 Metern Höhe, einmal nur bis Malga Zures. Aber Ben mault ein bisschen. Und mein Bike quietscht seit Abfahrt 2 wie ein alter Schaukelstuhl. Dermaßen angeschlagen klettern wir von Torbole auf Teer die Flanke des Monte Altissimos hoch. Früher war die Straße zum Altissimo DIE Leidensprüfung für klassische Biker-Pärchen. Gefühlt unendlich lang in praller Sonne und gekrönt durch die gefühlt lebensgefährliche Abfahrt auf dem 601er. Heute ist zumindest die Auffahrt dank Motor kein Beziehungskiller mehr. Bei der Berghütte Malga Casina biegen wir mit noch zwei Klötzchen im Display in den berühmt-berüchtigten Trail ein. Mit den schweren und massiven E-Enduros verliert der 601er etwas von seinem Schrecken. Trotzdem geht es immer noch anspruchsvoll bergab. Bei Malga Zures biegen wir links weg und erreichen über ein paar untypische Bikepark-Sprünge die Schotterpiste zu den Strommasten. Hier zackt der Coast-Trail bergab, mal flüssig und erdig, mal extrem ausgesetzt kreuzt er die Felsplatten, die dem Baldo sein charakteristisches Gesicht verleihen.

Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Am Monte Altissimo kann man problemlos auch drei Akkus leer-fahren, Trails gibt’s genug. 

Stolz darf jeder sein, der diese Passage komplett ohne Fußabsetzer hinbekommt. Wir gehören heute nicht dazu. Statt die Aussicht auf den See zu genießen, spüren wir jetzt jeden der über 4000 Tiefenmeter in den Knochen. Ben ist ziemlich durch. Ich auch. Immer mehr Fahrfehler schleichen sich ein. Die letzten Tropfen sind aus den Trinkflaschen genuckelt. Meine Hände krampfen sich an den Bremshebeln fest, Torbole will nicht recht näherkommen. Irgendwann spuckt uns das Trail-Gewitter am Busatte aus. Kurzer Motivations-Check: Noch mal 500 Höhenmeter hoch und die fiese letzte 601er-Passage? Och nö! Wirklich aufhören? Hm. Wir entscheiden uns für einen Kompromiss, kurbeln noch mal nach Nago hoch und ein zweites Mal über die Marmitte dei Giganti runter. 601 light sozusagen. Reicht auch völlig, denn mittlerweile sehen wir beide Sternchen bei jedem Stoß. Zeit für Ende Gelände.

Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Der Coast Trail ist aber Pflicht. Allein schon für den Ausblick.

16:30 Uhr Die Bräunungsstreifen an Armen und Beinen zeugen von reichlich Stunden im Sattel. Unsere Hintern sind wundgescheuert, die Hände auch, und der Kopf ist leer. 6:23 Stunden Netto-Fahrtzeit. 4223 Höhenmeter. Zwei Platten, ein verbogenes Schaltauge und die obligatorischen Gardasee-Schrammen an den Schienbeinen sind Zeugnis unserer Monster-Tour. Über 50 Kilometer haben wir abgespult, bis zum Auto in Arco nachher sind’s noch mal knapp zehn. Aber es bleibt uns zum Glück noch etwas Saft in den Batterien. Also denen im Bike. Unsere Batterien dagegen sind komplett leergelutscht. Mit klapprigen Beinen wanken wir an den Hafen von Torbole und hopsen ins kühle Wasser. So, jetzt noch eine Pizza verdrücken und zurück zum Auto. Wir knobeln, wer zuerst fahren muss und wer schlafen darf. Ciao Lago, wir kommen wieder! Dann vielleicht mit drei Akkus für vier Bergen. Man wächst schließlich mit der Aufgabe.

Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Endspurt auf dem Panoramico!

Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Profil Panoramico!

Italien: Gardasee-Trails mit dem E-Mountainbike

Kein Bike-Tag am Gardasee ist perfekt ohne den Sprung in denselben. Nach über 4000 Höhenmetern und sechs Stunden Netto-Fahrtzeit gilt das erst recht!


EMTB Titel 4/2018

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe EMTB 4/2018 können Sie in der EMTB App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen.

Seite 4 / 4
Christian Schleker am 15.10.2019