Kaufberatung: E-Mountainbikes für Frauen Kaufberatung: E-Mountainbikes für Frauen

Kaufberatung: E-Mountainbikes für Frauen

Wichtige Details für den Kauf eines E-MTBs für Frauen

Ralf Glaser am 16.11.2019

Darauf kommt’s auch noch an. 

Größe, Geometrie, Fahrwerk – alles wichtig. Doch oft machen die Details den Unterschied.

Schiebehilfe

Irgendwann kommt auch mit einem E-MTB einmal der Punkt, an dem der Weg zu steil wird. In solchen Fällen ist eine gut funktionierende Schiebehilfe Gold wert. "Das ist vielleicht der einzige wirklich frauenspezifische Punkt an einem E-MTB", meint Woman-Camp-Leiterin Greta Weithaler. "Wenn eine zierliche 50-kg-Frau ein Bike mit 22 kg steil bergauf schieben soll, ist ohne eine gute Schiebehilfe schnell Schluss. Für mich ist das ein klares Kaufkriterium. Ob einem die Funktion liegt, sollte man unbedingt ausprobieren." Neben der eigentlichen Kraftentwicklung der Schiebehilfe sei vor allem die gute Erreichbarkeit des Schalters ein wichtiger Punkt. "Der Lenker wird mit der linken Hand geführt, während der rechte Ellenbogen Druck auf den Sattel gibt. Dann noch auf das kleinste Ritzel schalten, und das Bike klettert fast von alleine", verrät Greta.

Flat Pedals

Klickpedale sind wegen der Kraftübertragung beim Pedalieren beliebt. Beim E-MTB ist dieser Vorteil weniger relevant. Wer das Fahren mit Klickpedalen nicht explizit gewöhnt ist, sollte besser zu Plattformpedalen greifen. Gerade für leichte Frauen sind diese sicherer, da man im Falle eines Sturzes leichter vom Rad wegkommt.

Teleskopstütze

Vor allem im welligen Gelände erhöhen verstellbare Sattelstützen (min. 100 mm) den Fun-Faktor erheblich. Beim E-MTB ist eine solche Sattelstütze insbesondere für kleine Frauen unabdingbar. Im sehr steilen Gelände wird durch sie ein Anfahren überhaupt erst ermöglicht. Da Vario-Stützen einzeln sehr teuer sind, sollte man unbedingt darauf achten, dass das Bike serienmäßig damit ausgestattet ist.

Lenkerbreite

"Bei der Wahl des Lenkers sind die Körperabmessungen des Fahrers nur ein Faktor. Und nicht der Wichtigste!", sagt Canyon-Entwickler Vincenz Thoma. "Auch für eine Frau mit schmalen Schultern kann ein breiter Lenker der richtige sein." Wichtiger sei ein ausgewogenes Verhältnis von Lenkerbreite und Faktoren wie Gabelnachlauf, Reifenbreite und Laufradabmessungen. Heißt: Am Lenker müssen die richtigen Hebel-verhältnisse wirken, damit man den Kräften, die auf das Vorderrad wirken, feinfühlig entgegensteuern kann. Faustregel: "Je flacher der Lenkwinkel, je breiter die Reifen, je größer das Vorderrad, desto breiter muss der Lenker sein – und anders herum!"

Kaufberatung: E-Mountainbikes für Frauen

Greta Weithaler beim Frauen-Camp


FRAUENSACHE - Interview mit Greta Weithaler

Fürs E-MTB hängte die Südtirolerin Greta Weithaler ihre vielver-sprechende Rennsportkarriere an den Nagel. Heute gibt sie ihr Wissen in Woman-Camps weiter.

Greta, warum sollten sich Frauen für spezielle Frauen-E-Mountainbikes entscheiden?
Gerade für Einsteigerinnen sind Frauen-Bikes eine gute Möglichkeit, um eine Vorauswahl in dem riesigen Angebot zu treffen. Ich selbst bin nur 1,64 m groß und fahre Unisex-Bikes. Ich würde sagen, ab meiner Größe ist das eigentlich nur eine Option, aber kein Muss. Wenn Frau kleiner ist als ich, bringen speziell angepasste Bikes Vorteile. Etwa wegen des oft geknickten oder tiefer angesetzten Oberrohrs, das mehr Beinfreiheit lässt.

Worauf sollten Frauen beim Kauf achten?
Das ist keine Frage von Frau oder Mann. Man sollte sich gut überlegen, was man mit dem Bike anstellen will. Ob man ein Fully möchte oder nicht, und wenn ja, mit wie viel Federweg. Ich empfehle grundsätzlich Fullys. Hardtails fährt man ja meist wegen der Gewichtsersparnis. Das ist beim E-Bike aber eher zweitrangig. Achten sollte man vor allem auf Geometrie und Motor, denn diese sind nicht veränderbar. Komponenten kann man tauschen.

Was ist bei der Geometrie zu beachten?
In den Woman-Camps wird nie über Geometriedaten diskutiert. Dafür interessieren sich Frauen nicht. Für sie geht es darum, dass sie sich auf einem Fahrrad wohlfühlen. Und genau dafür, ob sie sich wohlfühlen oder nicht, haben Frauen oft ein besseres Gefühl als Männer. Der Wohlfühlfaktor lässt sich aber nur auf einer ausgiebigen Probefahrt beurteilen. Ich fahre zum Beispiel gerne Trails bergauf. Für mich ist daher ein kurzes Oberrohr wichtig, damit ich aufrecht auf dem Bike sitze und Hindernisse gut überwinden kann.

Wie kommen Frauen mit dem, im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht, höheren Gewicht von E-MTBs klar?
Das ist eine reine Gewöhnungssache. Aber in den Woman-Camps sind die Teilnehmerinnen oft begeistert, wie satt ein E-MTB auf dem Trail liegt. Wenn die Trails nicht zu schwierig und technisch werden, bringt das höhere Gewicht vielen Frauen sogar ein Gefühl von mehr Sicherheit.

Was, außer besser fahren, lernen Deine Teilnehmerinnen noch?
Auf den Camps gibt es ein riesiges Interesse an Reparaturtipps. Frauen sollten ihr Bike selbst warten. Damit steigt das technische Verständnis, und man kann sich unterwegs bei Pannen selbst helfen. Ich hoffe da immer, dass wir eine Panne haben, damit wir das üben können. Und falls nicht, simulieren wir schon mal eine Panne.

Greta Weithaler

Greta Weithaler, Bike-Trainerin für Frauen


EMTB-Titel 01/2019

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Ralf Glaser am 16.11.2019