Stefan Sahm Stefan Sahm

Interview: Stefan Sahm über E-Mountainbikes

Das hält Ex-Profi-Racer Sahm von E-Mountainbikes

Tobias Brehler am 15.10.2016

Stefan Sahm zählt zu den erfolgreichsten deutschen Marathon-Bikern. Er beendete 2015 nach 22 Jahren seine Profikarriere. Bei Bulls arbeteitet der gelernte Industriemechaniker nun an E-Mountainbikes.

Stefan Sahm, geboren 1976, hat 1994 sein erstes Mountainbike-Rennen bestritten und sofort gewonnen. In den folgenden Jahren ist er für viele große Teams gefahren: Anfangs für das Team Dorn (später Alb-Gold), dann für Team T-Mobile, später fürs Giant Racing Team und ab 2007 für das Team Bulls. Bei Bulls fokussierte sich Sahm gemeinsam mit Karl Platt auf die Marathon-Distanz. Dreimal konnte er zusammen mit Platt das Cape Epic gewinnen. Außerdem stand er auf diversen anderen Cross Country- und Marathon-Podien. Mit dieser Erfahrung arbeitet der gelernte Industriemechaniker derzeit für Bulls an der Entwicklung und Verbesserung von E-Mountainbikes.

Stefan Sahm E-MTB

Im Rahmen des Bulls Händler-Events in Alicante hatten wir die Möglichkeit, mit Stefan Sahm eine Tour zu fahren und mit ihm über E-Mountainbikes zu sprechen.

EMTB Magazin: Du kommst aus dem Rennsport. Kannst Du Dir vorstellen, bei einem E-MTB-Rennen an den Start zu gehen?
Stefan Sahm: Das Thema E-Bike-Rennen ist schon interessant und ich könnte mir gut vorstellen, das einmal auszuprobieren. Gerade wenn man wie ich aus dem Rennsport kommt, reizt es einen, die Grenzen des E-Bikes auszuloten. Und wo ginge das besser als bei einem Rennen?

Welches Format müsste dafür entstehen?
Vermutlich wäre es relativ langweilig, einfach "normale" Rennen zu kopieren. Es gibt im Moment einfach begrenzende Faktoren wie die Akkulaufzeit, die die Reichweite einschränkt. Denkbar wäre, wie bei Enduro-Rennen, nicht nur gezeitete Downhills zu fahren, sondern auch Uphill-Sektionen. Auf jeden Fall darf man E-Bikes und unmotorisierte Bikes auf keinen Fall gleichzeitig auf eine Rennstrecke schicken. Das gibt nur Stress.

Müsste man die 25 km/h-Grenze anheben?
Ja und nein! Durch meine Teilnahme beim Cape Epic als Kamerapilot weiß ich, wie es ist mit einem E-Bike ohne Geschwindigkeits-Beschränkung über die Trails zu fahren. Es ist einfach unglaublich! Und wenn man sein Bike beherrscht, ist maximaler Fahrspaß garantiert. Allerdings kann nicht jeder diese Geschwindigkeit kontrollieren und das Risiko steigt mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter an. Meiner Meinung nach wäre eine Anhebung der Geschwindigkeitsgrenze auf ungefähr 30 bis 32 km/h sinnvoll. Das sind in etwa die Bereiche, in denen man sich mit einem normalen Rad auch bewegen kann, wenn man fit ist.

In wieweit warst Du in die Entwicklung der Bulls E-Bikes involviert?
So richtigen Kontakt mit E-Bikes hatte ich eigentlich erst Anfang diesen Jahres, aber ich war direkt angefixt von den Möglichkeiten mit diesen Spaßmaschinen. Natürlich habe ich mich dann auch intensiv mit der Technik beschäftigt, vor allem mit der Fahrwerksabstimmung und der Geometrie der Bikes.

Wie entwickeln sich E-Mountainbikes in den nächsten Jahren?
Das große Thema ist ja im Moment Systemintegration. E-Bikes werden optisch immer ansprechender und ausgereifter. Es ist sehr spannend zu sehen, in welche Richtung es geht. Reifen und Fahrwerk werden in den nächsten Jahren das größte Potential haben. Die Bikes werden leichter, Motoren kleiner und Akkus größer. Das Schöne daran ist, egal ob mit Motor oder ohne, im Mittelpunkt steht das Naturerlebnis und die Passion Mountainbike.

Stefan Sahm Portrait

Stefan Sahm beendete 2015 seine Profi-Karriere und blieb Bulls treu.

Themenwechsel: Verstärken E-Biker Deiner Meinung nach den Konflikt zwischen Wanderern und Bikern?
Nun, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Persönlich hatte ich ganz selten Diskussionen mit Wanderern. In den großen touristischen Alpen-Regionen kann es da eher zu Problemen kommen, wenn in der Ferienzeit alle Gruppen aufeinander prallen. Dann sind die Regionen selbst gefragt und müssen sich schnell überlegen, wie man die E-Biker integriert. Denn es werden nicht weniger in Zukunft. Einige Reviere machen das ja schon und haben das Geschäft mit den E-Bikern erkannt. Über kurz oder lang werden E-Biker ganz normal sein und die Akzeptanz wird steigen. Wenn man es sarkastisch betrachtet, dann stirbt der klassische Wanderer ohnehin bald aus.
Wie immer kann man nur an die Vernunft und den gesunden Menschenverstand aller Beteiligten appellieren. Zum Teil gibt es da schon skurrile Begegnungen. Da fragt ein Wanderer in einer Gondel den E-Biker, warum er denn mit der Gondel fährt, er hätte schließlich einen Motor am Rad. Der Radler fragt zurück warum er nicht selber hochlaufen würde, er hätte schließlich zwei Beine? Witzig!
Die Akzeptanz wird steigen, denn am Anfang wird alles Neue erst einmal verteufelt bis man sich daran gewöhnt hat.

Lösen Uphill-Trails wie in Bischofsmais diesen Konflikt?
Ein, zwei Trails werden diesen Konflikt nur bedingt lösen. Ein E-Biker bewegt sich normalerweise ja auf denselben Trails wie ein Biker. Viel besser wäre es, Biker allgemein von Wanderern zu trennen. Entsprechende E-Bike taugliche Trails könnten speziell ausgezeichnet werden. Wie schon gesagt, sehe ich da auch die Tourismus-Verbände in der Verantwortung. Oftmals verirren sich E-Biker mit Trekkingbike in die Trails, weil sie falsch informiert werden, zum Beispiel von der Mietstation.

Stefan Sahm

Stefan Sahm war während unseres Interviews mit seinem Bulls E-Bike unterwegs, welches er auch beim Cape Epic 2016 gefahren ist.

Tobias Brehler am 15.10.2016