EMTB Kurbel-Tuning: 135 vs. 175 mm EMTB Kurbel-Tuning: 135 vs. 175 mm

EMTB Kurbel-Tuning: 135 vs. 175 mm

Interview mit Lutz Scheffer, Bike-Designer

Markus Greber am 31.03.2017

Interview mit Lutz Scheffer, Bike-Designer und EMTB-Tüftler

Lutz, wie kamst Du auf die Idee mit den kurzen Kurbeln?
Das Einzigartige am E-MTB ist, dass man steile und schwierige Trails fah­ren kann. Allerdings muss man dazu permanent treten. Die Trails bei mir in Garmisch haben es in sich, ein Sturz zur Talseite kann richtig gefährlich sein. Diese Uphill-Stürze werden fast immer durch Pedalaufsetzer ausgelöst. Nach einigen deftigen Crashs war für mich klar: Ich brauche kurze Kurbeln. Nach vielen Versuchen mit unterschiedlichen Längen bin ich dann bei den 137ern von Chris Holm gelandet.

Warum kann man das Tretlager nicht einfach höher setzen?
Die meisten E-MTBs haben ohnehin schon sehr hohe Tretlager. Ein sinnvolles Maß erscheint mir um die 350 mm, damit der Gesamtschwerpunkt nicht zu hoch wird. Zieht man die Kurbellänge und den SAG von dieser Höhe ab, dann komme ich mit meinem Bike mit der kurzen Kurbel auf eine Bodenfreiheit von 150 mm statt vorher 115 mm. Mit jedem Millimeter mehr steigt die Pedal-Clipping-Quote dramatisch an.

Haben die kurzen Kurbeln irgendwelche Nachteile?
Ja. Bei gleicher Kadenz sinkt die Leistung. Wer hochalpin unterwegs ist und oft sehr steile Anstiege fährt, braucht eine wirklich kleine Übersetzung. In normalem Gelände kann man die fehlende Leistung mit höherer Drehzahl ausgleichen: Leistung ist Drehmoment mal Drehzahl. Die kürzere Kurbel wird durch eine 20-prozentige Drehzahlerhöhung vollständig ausgeglichen. Man muss also nur schneller treten, was etwas Gewöhnung erfordert.

Auswirkungen auf die Reichhöhe?
Ich wollte es selbst nicht glauben. Auf meiner Referenzstrecke zur Reintalangerhütte brauchte ich genau 58 Minuten. Am Ende der Tour habe ich bei allen Kurbellängen immer den exakt gleichen Batterieverbrauch gemessen.

Lutz Scheffer

Lutz Scheffer, Bike-Designer und EMTB-Tüftler


EMTB Titel 1/2017

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Markus Greber am 31.03.2017