Simon Schneller holt U23-Sieg bei Four Peaks Simon Schneller holt U23-Sieg bei Four Peaks Simon Schneller holt U23-Sieg bei Four Peaks

BIKE Junior Team: Rennbericht BIKE Four Peaks

Simon Schneller holt U23-Sieg bei Four Peaks

  • BIKE Junior Team
 • Publiziert vor 6 Jahren

Vier harte Etappen rund um Leogang und Kirchberg – das ist das BIKE Four Peaks. Simon Schneller fuhr auf Tuchfühlung zu den Spitzenfahrern und holte sich souverän den Sieg in der U23-Wertung.

Vom 15.-18. Juni diesen Jahres fand die Protective BIKE Four Peaks statt. Ich jedoch begann meine Reise bereits am 11. Juni und zwar nach Kroatien zu einem C1-Rennen, da dies aus Sicht eines Schwarzwälders in der gleichen Richtung liegt und ich die UCI-Punkte dringend gebrauchen konnte. So startete ich tags darauf auf dem extrem kletterlastigen Kurs und belegte einen starken 6. Rang. Mit nun 28 Weltranglistenpunkten im Gepäck – die mir die Möglichkeit geben, über das Team für den Worldcup zu melden – ging es bereits am Sonntagabend zurück nach Leogang. Dort hatte ich dann zwei ruhige Tage, bevor am Mittwoch das Abenteuer Four Peaks beginnen sollte. Abenteuer, weil ich noch nie ein viertägiges Etappenrennen gefahren bin und daher überhaupt nicht wusste, wie mein Körper darauf reagiert, zumal die Etappen extrem anspruchsvoll werden sollten. Daher galt es sich möglichst gut zu erholen. Am Dienstagabend reisten schließlich Teamchef Gerhard und einige andere Bekannte von ihm an. Wir bezogen unser Appartement und trafen letzte Vorbereitungen für die anstehenden Tage.

Miha Matavz Sonnige Stimmung wenige Sekunden vor dem Start – Ganz vorne rechts die beiden Deutschen Meister im Marathon: Michael Anthes (Masters) mit der Startnummer 8 und rechts daneben Karl Platt (Elite).

Etappe 1

Auf der ersten Etappe warteten 58 Kilometer mit rund 1900 Höhenmetern auf uns. Von Startplatz 60, bei knapp 600 Teilnehmern, konnte ich das Rennen nach dem Startschuss aufnehmen. Bereits in der neutralisierten Phase konnte ich mich unter die ersten 15 mogeln und somit das Rennen aus einer super Position starten, als der Rennleiter es freigab. Es war nicht besonders hektisch, sondern ging in einem gleichmäßig hohen Tempo den ersten 600 Höhenmeter-Anstieg hinauf. Nach und nach wurde die Führungsgruppe kleiner, bis es schließlich nur noch Kleingruppen gab. Ich war in der dritten und damit kämpfte ich um die Positionen sieben bis neun. Unsere Gruppe harmonierte sehr gut und so bestritten wir sowohl die erste lange Abfahrt, als auch das darauf folgende Flachstück gemeinsam. Vor dem letzten langen Anstieg verpflegte mich schließlich Teamchef Gerhard, dem ich an dieser Stelle für seine Arbeit während der vier Tage danken möchte.

Mit neuer Energie ging es in den finalen Anstieg und das Tempo wurde sofort verschärft. Ich versuchte diese Attacke mitzugehen, was mir zunächst auch gelang, doch nach etwa einem Drittel des Anstiegs musste ich abreißen lassen. Ich fuhr fortan meinen eigenen Rhythmus und kämpfte mich den Berg hinauf. Beinahe jede Minute schaute ich auf mein Garmin, um zu wissen, wann die ersehnte Abfahrt kommen würde. Als es dann endlich runter ging, sah ich meine Kontrahenten bereits nicht mehr. Aber ich wusste, dass ich bergab wieder etwas Zeit gutmachen könnte, da ich bereits in der ersten Abfahrt Vorteile erkannte. So ging ich noch mal volle Attacke und entgegen aller Erwartungen konnte ich den ersten bereits nach der Hälfte der Abfahrt passieren und bis zum Ende des Downhills sogar noch zum Zweiten meiner früheren Gruppe aufschließen. Wir sprachen uns ab und schnell war klar: wir fahren gemeinsam in Richtung Ziel, um auf der Ebene keine Zeit einzubüßen. Dies gelang super und am Ende konnte ich einen sensationellen achten Rang im Ziel in Saalfelden belegen und gewann sogar die U23-Wertung, was mir das weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers bescherte. Am Nachmittag galt es nun die Speicher wieder zu füllen und vor allem die Beine hochzulegen. Für hervorragende und ausgiebige Verpflegung sorgte der Veranstalter. So hatte man neben der Zielverpflegung noch die Möglichkeit, eine Pasta Party an jedem Abend zu besuchen, bei der es, wie der Name schon sagt, Pasta gab.

Sportograf Für Simon war die BIKE Four Peaks 2016 das erste viertägige Etappenrennen, das er bestritt.

Etappe 2

Nach einer ruhigen Nacht hieß es bereits um 6:30 Uhr aufstehen, um zu frühstücken. Um acht Uhr ging es dann auch schon aufs Rad, um nach Saalfelden zum Start der zweiten Etappe zu rollen. Das waren in etwa zehn Kilometer von unserer Unterkunft und damit perfekt für das Warm Up. Die Beine fühlten sich gut an und so stand dem Start der zweiten Etappe um neun Uhr nichts mehr im Wege. Gleich zu Anfang der knapp 50 Kilometer wartete ein 750 Höhenmeter langes Biest auf uns. Ein extrem steiler Schotterweg, an dem sich das Feld schnell auseinander zog. Ich fuhr alleine mein Tempo und lag auf Position zehn. Als das Leiden vorerst endlich ein Ende hatte, ging es auf eine kurze Schotterabfahrt, bevor es weiter auf und ab ging. Irgendwann fuhren zwei Fahrer von hinten auf mich auf. Ich erholte mich kurz in deren Windschatten, um im nächsten Anstieg gleich wieder zu attackieren, denn ich wusste danach beginnt ein flacher Wurzeltrail, in dem es von Vorteil ist, alleine zu fahren. Alles gelang, wie ich mir das vorgestellt hatte, doch auf einmal nahm ich einen falschen Abzweig und ehe ich es bemerkte, waren die anderen zwei schon wieder an mir vorbei. Jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen und irgendwie versuchen, vor der finalen Bikepark-Abfahrt nach Leogang die beiden erneut zu überholen. Mit einem Kraftakt fuhr ich an die beiden heran und wusste, wenn ich jetzt sofort vorbeifahre, bin ich mental überlegen. So biss ich nochmal auf die Zähne und konnte sofort eine kleine Lücke reißen, die bis zur Einfahrt in den Bikepark-Trail bestehen blieb. Da ich die Abfahrt schon von der Besichtigung kannte, wusste ich: hier holt mich keiner mehr ein. Im Gegenteil, ich konnte sogar noch drei Fahrer überholen und finishte überglücklich auf Platz sieben. Nach dem Ausfahren hieß es dann auch gleich Sachen packen und nach Kirchberg übersiedeln, denn hier fanden schließlich die letzten beiden Etappen statt.

Miha Matavz Auf den anspruchsvollen Trails konnte Simon Lücken zufahren und Plätze gutmachen.

Sportograf In Leogang ging es über zwei Bikepark-Trails gen Tal.

Etappe 3

Am dritten Tag standen wir auf wie immer, doch eines war anders: das Wetter. Nachdem es die Tage zuvor zwar matschig war, schüttete es an diesem Morgen wie aus Kübeln. Mit schweren Beinen und diesem Wetter fiel es einem besonders schwer die 49 Kilometer mit erneut über 2000 Höhenmetern zu absolvieren. Doch es half alles nichts, um neun Uhr ging es los. Nach etwa fünf Kilometern ging es in den ersten Berg und durch die nassen Straßen hatte ich gefühlt bereits zehn Liter Wasser zu mir genommen und war komplett durchnässt. So fuhr ich am ersten Berg direkt meinen eigenen Rhythmus und ließ die ersten acht ziehen. Im ersten Trail konnte ich dann wieder ein Loch zur vorderen Gruppe zufahren und somit in der Gruppe den 900 Höhenmeter-Anstieg in Angriff nehmen. Ich kämpfte bis etwa zur Hälfte, um den Anschluss zu halten, sah dann jedoch ein, dass ich mein eigenes Ding durchziehen muss, um ein paar Körner zu sparen. So fuhr ich mein Ding bis nach der im Anschluss folgenden ewig langen Schotterabfahrt Karl Platt zu mir auffuhr. Ich hing mich hinten rein und wir bestritten gemeinsam den letzten Anstieg und die darauf folgende Zielabfahrt, die auf einem der vielen wunderschönen Trails stattfand. Wir schafften es sogar noch zur Gruppe vor uns aufzufahren, hatten jedoch keine Überholmöglichkeit mehr und somit wurde es ein erneuter Top-Platz als Neunter. Vor allem war es cool einen Teil mit einem der größten Marathon-Fahrer zu bestreiten, auch wenn dieser sicherlich nicht in Top-Form unterwegs war. Im Gesamtklassement bedeutete das Platz acht und über 30 Minuten Vorsprung in der U23-Kategorie.

Sportograf Simon Schneller auf dem Harlassanger-Trail

Etappe 4

Am letzten Tag sollten wir nochmal ausgiebig für die Mühen belohnt werden. Das stand bereits nach dem Aufstehen fest. Strahlend blauer Himmel in Kirchberg und eine sensationelle Schlussabfahrt warteten auf uns. Aber von vorne. Es galt noch einmal 48 Kilometer mit 2000 Höhenmetern zu bewältigen. Kurz zusammengefasst gab es zwei Aufstiege und zwei Trail-Abfahrten. Die erste hatten wir bereits am Tag zuvor bestritten und sie war somit ausnahmsweise allen bekannt. Bis dahin befand ich mich auf Platz zwölf. Nach dem Trail hatte ich eine Gruppe wieder eingeholt und es ging in den letzten Berg der diesjährigen Four Peaks. Dieser zog sich über 20 Kilometer und es war eine Differenz von 1000 Höhenmetern zu bewältigen. Ich fuhr erneut mein Ding und nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir zwar schon zwei Drittel bewältigt, doch nun wurde es noch einmal ziemlich steil. Ich holte alles aus mir heraus in dem Bewusstsein, dass oben das Leiden zu Ende ist. Oben angekommen lag ich immer noch auf Platz zwölf. Jetzt kam aber nochmal ein richtiges Highlight, der Fleckalmtrail. Dieser zog sich über sieben Kilometer und tausend Tiefenmeter ins Tal hinab. Ich ging noch einmal "all in" und zog noch an vier Kontrahenten vorbei, so dass es am Ende des Tages erneut einen siebten Rang zu feiern galt.

Sportograf Die finale Abfahrt über den Fleckalm-Trail: Simon Schneller wurde auf der letzten Etappe der Four Peaks 2016 Siebter.

Miha Matavz Vom ersten bis zum letzten Tag im Weißen Trikot des besten U23-Fahrers: Simon Schneller (2. v. l.).

Miha Matavz Links der Sieger der U23-Kategorie Simon Schneller, rechts der schnellste Abfahrer Gabriel Sindlinger.

Fazit zur BIKE Four Peaks 2016

Am Ende kann ich sagen, dass es ein super Event für mich war. Die Streckenführung und das Ganze Drumherum waren hervorragend gestaltet. Außerdem übertraf das Ergebnis all meine Erwartungen. Auf das Weiße Trikot hatte ich schon geschielt, aber einen Vorsprung von über 40 Minuten in dieser Wertung zu haben – und vor allem im Gesamtklassement der Herren auf Platz acht zu finishen –, das ist schon besonders für mich. Somit hat es sich voll gelohnt die Four Peaks zu bestreiten. Nun muss ich mich erholen und dann gilt die volle Konzentration dem Worldcup in Lenzerheide und der Deutschen Meisterschaft in Wombach.


Ride clean
Simon

Themen: BIKE Junior TeamEtappenrennenFour PeaksJunior TeamKirchbergMarathonSaalfelden LeogangU23


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