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Wie warm sind MTB-Winterschuhe? 6 Modelle im Test

  • Jörg Spaniol
 • Publiziert vor 2 Jahren

Wenn der Körper mit der Kälte kämpft, dreht er zuerst die Heizung in Händen und Füßen runter. Wir haben sechs Paar MTB-Winterschuhe zwischen 150 und 250 Euro bei Sauwetter und im Labor getestet.

Jedes Jahr im November, wenn auch der schönste Herbst sich endgültig in tristes Schmuddelwetter gewandelt hat, stehen Biker wieder vor der Wahl: Entweder sie stellen das Bike in die Ecke und quälen sich in Fitness-Studio und Joggingschuhen. Oder sie stopfen dicke Socken und Plastiktüten in die Sommer-Bike-Schuhe. Oder sie nehmen endlich 200 Euro in die Hand und besorgen sich anständige Winter-Bike-Schuhe.

Während Flachpedalfreunde und Expeditions-Biker auf wasserdichte Bergschuhe zurückgreifen können, finden sich Klickpedalfahrer in einer überschaubaren Marktnische. Das zeigte sich schon bei der Auswahl der Testmuster: Unser Versuch, die Preisgrenze bei 200 Euro zu setzen, scheiterte am mangelnden Angebot. Günstige Winterschuhe sind selten, und so finden sich neben dem ausgesprochen preiswerten XLC-Schuh für 150 Euro auch die italienischen Marken Northwave und Sidi mit ihren bis zu 100 Euro teureren Modellen. Ein spannender Kontrast, denn die weite Preisspanne erlaubt Einsichten in die Frage, was genau mit steigendem Preis eigentlich besser wird.

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Diese Mountainbike-Winterschuhe finden Sie im Test:

Winter Spezial: Mountainbike Winterschuhe

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Wenn der Körper mit der Kälte kämpft, dreht er zuerst die Heizung in Händen und Füßen runter. Fahrtwind und Nässe verschärfen die Situation. Wir haben sechs Paar MTB-Winterschuhe zwischen 150 und 250 Euro bei Sauwetter und im Labor getestet. Eine harte Probe: Nicht einmal die Hälfte der Kandidaten überzeugte wirklich.


Der zentrale Unterschied zwischen Sommer- und Winterschuh ist der Versuch, Nässe draußen zu halten. Trockener Pulverschnee ist keine echte Challenge, und den gibt es ohnehin nur an wenigen goldenen Winter-Bike-Tagen. Die Realität sind Spritzwasser von vorne, Schneematsch und Schlamm von unten. Dem begegnen die Bike-Schuster mit den gleichen wasserdichten, dampfdurchlässigen Materialien wie bei Jacken oder Handschuhen. Allerdings werden Gore-Tex und Co nicht als Obermaterial verwendet, sondern stecken im Futter oder bilden eine Zwischenschicht. Dadurch sind so viele Materiallagen im Einsatz, dass die Dampfdurchlässigkeit massiv leidet. Die Praxis zeigt: Auch ein Schuh mit besonders edler Membran ist nach ein paar Stunden innen vom Fußschweiß feucht. Wichtiger als teures Material sind daher ein durchdachtes Schuh-Design und perfekte Verarbeitung, damit Nässe von außen auch draußen bleibt.

Unser Hardcore-Wasserstrahltest hat gezeigt, dass weder Augenschein noch Preisschild vor Lecks im Leder schützen. Klatschnasse Testsocken zeigten sich beim XLC für 180 Euro im Zehenbereich und unterm Ballen, beim Specialized (200 Euro) großflächig am Vorderfuß, und auch beim 250-Euro-Modell von Sidi saugte sich um die Zunge ein wenig Feuchtigkeit nach innen.

Ob mehr Isolation immer von Vorteil ist, entscheiden eher die persönlichen Vorlieben – nicht jeden Biker drängt es bei Frost ins Freie. Wir haben die Isolation im Labor zwar gemessen, aber nicht bewertet. Stattdessen übersetzen wir unsere Erkenntnisse in ungefähre Temperaturempfehlungen. Auch hier erweist sich übrigens der Preis als untauglicher Indikator. Teurer ist nicht wärmer. Die eher preiswerten Modelle von XLC und Vaude sind am wärmsten, der schlanke Racer von Northwave ist zwar dicht, aber kühl. Satte acht Grad liegen im Labortest (siehe Kasten) dazwischen.

Weil ein wunderbar wasserdichter und warmer Schuh wenig nützt, wenn er die Kraft nicht aufs Pedal bringt, haben wir nach reichlich Laborarbeit die sensibelsten Messgeräte ausgepackt: Testerfüße. Die Praxis sortierte das Ranking bei Kraftübertragung auf Zug und Druck, Tragekomfort und Geh-Eigenschaften. Auffällig ist, wie weit sich Schnürsysteme wie das Boa-Produkt durchgesetzt haben. Doch ein Drehknopf ist per se keine Garantie für guten Sitz. So umfasst der Schnürzug bei Sidi nur einen sehr kleinen Bereich des Fußes, und bei Specialized verhinderte hohe Reibung in den Schlaufen eine gleichmäßige Druckverteilung.

Kurz vor Testende hatte sich der Kampf um den Testsieg auf den weniger winterlichen, aber druckstarken Northwave Raptor und den gleichmäßig guten, aber etwas weniger sportlichen Vaude Minaki zugespitzt. Und obwohl der Northwave beim Sprint am Bike überlegen sein mag, zieht der Vaude-Schuh in der Gesamtwertung souverän an ihm vorbei. Der zweitgünstigste Testkandidat beweist damit, dass gute Winterschuhe zwar teuer sein können, aber nicht teuer sein müssen.


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