Ganzjahres-Einsatz: Vaude Tonale AM II im Test

Robuster MTB-Schuh für jedes Wetter

  • Sebastian Brust
 • Publiziert vor 4 Jahren

Der Vaude Tonale AM II trumpft auf langen MTB-Touren mit hoher Schutzwirkung und Klima-Membran auf. Trotz steifer Sohle läuft es sich darin angenehm und gut. Doch wir fanden auch Schwachstellen.

Wenn nasses und kaltes Schmuddelwetter zum Dauerthema wird, schlägt sie wieder, die Stunde der robusten Mountainbike-Schuhe mit hohem Schaft, rutschfester und gut profilierter Sohle sowie wind- und wasserdichter Membran. Wobei unser Testmodell, der Vaude Tonale AM II, weniger ein ausgewiesener Winterschuh als vielmehr ein MTB-Tourenschuh für den ganzjährigen All-Mountain-Einsatz ist. Erst recht, wenn sich das Jahr mal wieder eher wechselhaft und niederschlagsreich darstellt. Meine Meinung.

Der Vaude Tonale AM II ist ein stabiler Tourenschuh mit hoher Schutzwirkung, der dank Klima-Membran auch fieses Wetter zuverlässig vergessen lässt.

Manche mögen solche Schuhe überhaupt nicht und bezeichnen sie beinahe abfällig als Wanderstiefel. Wobei ich den Vergleich naheliegend und gar nicht schlecht finde und ihn einfach positiv besetze. Ein Wanderstiefel fürs Mountainbiken, sozusagen als Metapher für die Versöhnung mit den Naturfreunden zu Fuß, den ich voller Überzeugung und aus Solidarität trage. Denn im Grunde wollen Wanderer und Mountainbiker doch dasselbe: gemeinsam die Natur erleben!

Und genau da draußen in der Natur liebe ich Dinge, die einfach und ohne Zicken ihren Dienst tun. Die möglichst vielseitig sind und am besten nicht so sehr auffallen. Wie die mausgrauen Vaude Tonale All-Mountain-Schuhe. Das hydrophobierte Nubukleder verleiht dem Tonale AM II eine sehr hohe Widerstandskraft und Schutzwirkung sowie gemeinsam mit der steifen Sohle auch eine gewisse Härte. Das kommt der Kraftübertragung aufs Pedal zu Gute, stört beim Gehen aber erstaunlich wenig.

Wasserdicht dank Klima-Membran

Die hauseigene Ceplex-Pro-Membran ist die hochwertigste Membran von Vaude und im Tonale AM II dafür zuständig, dass Wind und Regen bleiben, wo sie hingehören: nämlich draußen. Und das funktionierte ziemlich gut. Einen bleibenden Eindruck hinterließ die Durchfahrt eines durch einen sommerlichen Platzregen komplett überfluteten Nebensträßchens. Die Tiefe der gut 20 Meter langen "Pfütze" hatte ich leicht unterschätzt. Ich versank zwar nicht wie Danny MacAskill komplett im Wasser, doch zumindest bis über die Radnabe, sodass ich beim Pedalieren bis zur Wade in die braune Brühe tauchte.

Vielseitig: Die stark gekrümmte Vibram-Sohle des Tonale AM II hat Grip, reinigt sich gut selbst, ist steif und erlaubt trotzdem erstaulich hohen Gehkomfort.

Wie so oft in diesem Jahr hatte ich meine langen Regenklamotten an. Zu meiner Überraschung blieb ich komplett trocken! Ein herrlicher Spaß, wie ein Kind jauchzend pflügte ich gleich noch einmal durchs Wasser. Erst während der dritten Durchfahrt blieb der rechte Hosenbund am oberen Schaftende des Schuhs hängen, dann war Schluss mit lustig. Während der rechte Schuh logischerweise augenblicklich volllief, drückte sich am linken Fuß nur etwas Wasser an der Laschenabdichtung vorbei. Respekt!

Feucht wurden meine Füße ansonsten nur während schweißtreibenden Touren bei milden Temperaturen. Durch die geschlossene Bauweise und das feste Leder ist die Atmungsaktivität des Vaude Tonale AM II naturgemäß eingeschränkt. Nach einem Wassereinbruch sollte man den Schuh großzügig mit Zeitungspapier ausstopfen, sonst trocknet er eher langsam.

Passform und Isolation

Das Schürsystem und der Klettverschluss am Schaft halten den Fuß fest an Ort und Stelle. Dank des Fußbetts mit dezenter Gewölbeunterstützung waren Sohlenbrennen oder andere Irritationen für mich kein Thema. Der Schuh fällt breit aus – gut natürlich für breite Füße, die Zehen haben in alle Richtungen genug Platz.

Und wenn es wirklich kalt wird, passen auch dicke Wintersocken noch rein. Die Windisolation ist hervorragend und der Schaft reicht bis weit über die Knöchel. Die geringe Isolation ist also kein Nachteil, der Tonale AM II ist eben kein Winterschuh sondern punktet mit Vielseitigkeit.

Verschleiß und Alterserscheinungen

Jetzt, nach knapp zwei Jahren im Touren- und Alltagseinsatz, lösen sich die Gummiapplikationen der Zehenkappe leicht ab. Könnte man bestimmt kleben. Das Innenfutter beginnt sich an den Fersen aufzulösen. Die Reparatur wird schon schwieriger. Leichte Wassereintritte am Übergang vom Vorfußbereich zur Lasche kündigen das langsam nahende Ende der bis dahin absoluten Wasserdichtigkeit an.

Das Zehenschutz-Gummi löst sich an ein paar Stellen geringfügig ab, lässt sich aber kleben. Überhaupt sieht der Vorfuß noch ziemlich gut aus, weil er durch die steife Sohle kaum abknickt. Trotzdem: Nach zwei Jahren drückts am linken Übergang zur Lasche etwas Wasser durch.

Die originalen Schnürsenkel gaben sehr früh auf und rissen – kurz nacheinander – nach wenigen Wochen auf beiden Seiten ab. Die mir von den Freeride-Kollegen freundlicherweise zur Verfügung gestellten Schnürbänder in deutlich robusterer Bauweise hielten anschließend die gesamte Testdauer durch.


Kurzinfo Vaude Tonale AM II


Gewicht: 1693 Gramm (Paar, Gr. 45)
Preis: 220 Euro (UVP)


- recht schwer, eingeschränkt atmungsaktiv, original Schuhbänder 
+ robust, hohe Schutzwirkung, gute Kraftübertragung, trotz steifer Sohle gute Laufeigenschaften



Herstellerinfos auf www
.vaude.com

Wie lang halten die noch? Die oberste Öse knabbert bereits an den nachgerüsteten Freeride-Schnürsenkeln.

Lochfraß: Das Stofffutter an der Ferse litt während des Testzeitraums etwas unter dem fast täglichen Gebrauch. 

Schlagwörter: Alpencross Herbst Regenbekleidung Schuhe Test Tourenschuhe Winterbekleidung


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