Hard- & Soft-Protektoren: Knieschützer im TÜV-Test Hard- & Soft-Protektoren: Knieschützer im TÜV-Test Hard- & Soft-Protektoren: Knieschützer im TÜV-Test

Test 2015: Knie-Protektoren im Vergleich

Hard- & Soft-Protektoren: Knieschützer im TÜV-Test

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 6 Jahren

Die Knie stehen beim Biken permanent auf der Abschussliste. Höchste Zeit, sie unter Schutz zu stellen! Wir haben zwölf Knieschoner beim TÜV getestet. Was schützt besser: Hard- oder Soft-Protektoren?

Das Knie besteht fast nur aus Haut und Knochen. Stürze sind hier besonders schmerzhaft. Knie-Protektoren reduzierten die unserem Test auftretenden Kräfte um bis zu 96 Prozent.

Das Innenleben von Knie-Protektoren

  • Die Dicke des Protektors entscheidet maßgeblich über das Dämpfungsverhalten des Schoners. Das Material des POC VPD 2.0 ist eines der dicksten im Test. Dadurch absorbiert er enorm viel Schlagenergie. Da das Material aber relativ fest und zäh ist, leidet die Beweglichkeit beim Pedalieren.

Georg Grieshaber Das Innen-Material des POC VPD 2.0 aus der Nähe.

  • Die Form des Protektors spielt bei der TÜV-Prüfung eher eine untergeordnete Rolle. In der Praxis sollte die Schutzkappe, wie z. B. beim Scott, auch seitlich das Kniegelenk abdecken und nach unten ein ganzes Stück weit über die Kniescheibe reichen. So wird im Falle eines Sturzes sichergestellt, dass keine spitzen Gegenstände ins Gelenk eindringen können.

Georg Grieshaber Die Form des Innenlebens sollte das ganze Kniegelenk abdecken.

  • Das richtige Material entscheidet über Wohl oder Wehe im Falle eines Sturzes. Ein Schaumprotektor verteilt die einwirkenden Kräfte auf eine größere Fläche. Hartschalen leiten die Kräfte viel direkter ans Knie weiter und funktionieren in der Regel nur gut, wenn dahinter ein guter Schaumstoff mitdämpft. Was passiert, wenn das nicht der Fall ist, sieht man an den Schlagwerten des YT-Schoners.

Georg Grieshaber Bei einer Hartschale aus Plastik werden die Kräfte direkter ins Knie weitergeleitet als bei Soft-Materialien.

Test nach TÜV-Norm für Motorräder

Wir wollten wissen, wie gut aktuelle Knieprotektoren wirklich schützen. Da sich für einen Test am lebenden Objekt kein Kollege fand, haben wir zwölf Soft- und Hartschalenprotektoren zum TÜV Rheinland geschickt. Anhand der aktuellen Motorrad-Norm EN 1621-1 wurde dort das Dämpfungsverhalten der einzelnen Schoner überprüft. Eine spezielle Norm für den Radsport gibt es nämlich nicht. Doch da beim Mountainbiken teilweise ähnliche Geschwindigkeiten erreicht werden wie beim Motorradfahren, sei das Testverfahren durchaus praxisnah, erklärt Christiane Reckter von der Abteilung für Produktprüfung. Im Test haben die Soft-Protektoren meist die Nase vorne, sie verteilen die auftretenden Kräfte besser in die Fläche.

Protektoren-Test 2015: Diese Modelle sind dabei

12 Bilder

Je niedriger die Restkraft, desto besser fürs Knie. Insgesamt erfüllen sechs Hersteller das bessere EN-Schutz-Level 2. Zwei Hersteller bestehen den Test beim TÜV Rheinland nicht.

Diese Protektoren befinden sich im Test:

  • Dainese Oak Pro
  • Dainese Trail Skins
  • ION K_Pact (BIKE-TIPP Preis/Leistung)
  • IXS Dagger
  • Leatt 3DF
  • O’Neal AMX Zipper
  • POC VPD 2.0
  • Scott Grenade II Pro
  • Seven Protection Control Knee
  • SixSixOne Rage
  • Sweet Protection Bearsuit (BIKE-TIPP Schutz)
  • YT Industries Shit Bumper

So haben wir beim TÜV Rheinland getestet:


Labortest Im Prüflabor des TÜVs Rheinland in Köln haben wir alle Knieprotektoren einer Vergleichsmessung in Anlehnung an die aktuell gültige Norm für Gelenkprotektoren EN 1621-1 2012 unterzogen. Um einen Protektor zu zertifizieren, muss die Fähigkeit des Protektors, mechanische Energie zu absorbieren, über einen Schlagtest ermittelt werden. Aus einem Meter Höhe wird ein Stempel mit der Aufprallkante in Form einer Bordsteinkante mit fünf Kilo Masse auf den Protektor fallen gelassen. Der Protektor liegt dabei auf einem halbkugelförmigen Amboss mit einer Kraftmesseinrichtung. Gemessen wird nun, wie viel Kraft noch unter dem Protektor auftritt. Diese Restkraft wirkt auf das Kniegelenk und führt letztlich zu Verletzungen. Je kleiner dieser Wert ist, desto besser absorbiert der Protektor. Schläge ohne Protektor (Stahlfallkörper auf Amboss) erzeugen ungebremst eine Spitzenkraft von zirka 150 bis 180 kN. Die Normprüfung fordert fünf Schläge, um einen Protektor zu zertifizieren. Davon darf keine Restkraft über 50 Kilonewton (kN) liegen, während der Mittelwert unter 35 kN sein muss (Schutz-Level 1). In einer zweiten Qualitätsstufe wird diese Anforderung auf 30 kN als Maximalwert und 20 kN als Mittelwert angehoben (Level 2). Bei unserem Test haben wir uns auf drei, anstelle von fünf Schlägen beschränkt.

Stefan Frey Auf diesem Labor-Prüfstand beim TÜV Rheinland wurden die Protektoren getestet.


Praxistest Passform, sicherer Sitz, eventuelle Druckstellen und Belüftungseigenschaften der Knieprotektoren wurden von verschiedenen Testern in der Praxis ermittelt. Zudem fließt in die Bewertung die Handhabung mit ein, ob sich zum Beispiel die Protektorenplatte zum Waschen entnehmen lässt und wie leicht sich die Schoner an- und ausziehen lassen.

TÜV Rheinland Nicht ganz optimal fällt dieses Ergebnis aus: Bei einer steil ansteigenden Kurve mit spitzem Peak werden hohe Restkraftwerte schlagartig auf den Körper übertragen. Die Einwirkzeit des Aufpralls ist zwar kurz, dafür sind die Spitzenwerte umso höher.


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Themen: HartschaleKnieschützerLabor-TestProtektorSoftTestTÜV


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