Wie gut ist die elektronisch getönte Uvex-Brille? Wie gut ist die elektronisch getönte Uvex-Brille? Wie gut ist die elektronisch getönte Uvex-Brille?

Test: Uvex Variotronic FF

Wie gut ist die elektronisch getönte Uvex-Brille?

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 5 Jahren

Eine elektronisch getönte Brille? Klingt futuristisch. Mit der Variotronic ff will Uvex sorgenfreies Biken bei wechselnden Lichtverhältnissen ermöglichen. Funktioniert die Hightech-Brille?

Beim Aussprechen des Begriffs verknotet sich fast die Zunge, doch "Wearable Electronics" sind der letzte Schrei. Nach Fitness-Trackern und Mobile-Apps war es nur eine Frage der Zeit, bis digitales Hightech Einzug in klassisches Mountainbike-Zubehör findet. Dass ausgerechnet das Fürther Traditionsunternehmen Uvex mit der Variotronic ff die erste elektronisch gesteuerte Brille auf den Markt bringt, war auf der Eurobike-Messe 2015 dann doch eine Überraschung. „Wir möchten unsere Made-in-Germany-Philosophie mit hochinnovativen Produkten unterstreichen und investieren dafür auch massiv in die Forschung“, so Entwicklungsleiter Frank Proksch.

Selbsttönende Scheiben gibt es schon länger. Nur brauchten die je nach Güte bis zu drei Minuten, um sich abzudunkeln. Die Aufhellzeit war sogar noch länger. Wenig praxistauglich also, wenn sich beim Biken plötzlich die Lichtverhältnisse ändern. Beim Einfahren in einen Wald etwa. Die von Uvex in Lizenz eingesetzte Technologie schafft den Tönungswechsel in 0,1 Sekunden. Ein Wimpernschlag dauert länger. Und der Clou: Das Ganze funktioniert auf Wunsch vollautomatisch. Dazu laminiert Uvex eine spezielle, hochflexible LCD-Folie auf die Innenseite des Brillenglases. Die Flüssigkristalle liegen dabei entweder ungeordnet (heller Modus) zwischen den zwei Grenzfolien, oder richten sich darin parallel aus (abgedunkelter Modus), sobald eine Stromspannung angelegt wird.

Im Detail ist die Sache recht komplex. Vereinfacht kann man sich die Kristalle wie eine Art Micro-Lamellen-Jalousie vorstellen. Der Fahrer wählt per Knopfdruck am Bügel einen der beiden Tönungs-Modi. Weil beim Biken aber selten eine Hand frei ist, verfügt die Brille auch über einen Automatik-Modus, bei dem ein Lichtsensor die Tönung bestimmt. Ein Riesenvorteil und positiver Sicherheitsaspekt bei schnell wechselnden Lichtverhältnissen, wie sie im Downhill oder im Rennen auftreten. Mit Variotronic könnte das Blindfluggefühl bei der Einfahrt in den dunklen Fichtenwald endlich der Vergangenheit angehören. Aber wie so oft, wenn Elektronik im Spiel ist, liegt der Teufel im Detail, siehe Praxistest. Dennoch: eine viel versprechende Technologie.

Wolfgang Watzke Schneller Wechsel: Im hellen Modus hat die Scheibe eine Lichtdurchlässigkeit von 64 Prozent – geeignet für leichte Bewölkung bis hin zu Fahrten in der Dämmerung. Abgedunkelt reduziert sich die Lichtdurchlässigkeit auf 16 Prozent. Eine Tönung, die auch bei sehr hellen Bedingungen wie Schnee, Meer und Hochgebirge zumeist ausreicht.

PRAXISTEST

Zugegeben, anfangs wirkt es schon arg futuristisch, die Brille per USB zu laden und dann per Knopfdruck die Tönung zu wählen. Doch tatsächlich: Das System funktioniert! Die Tönungswechsel erfolgen blitzschnell. Die Akku-Laufzeit ermöglicht sogar lange Mehrtages-Touren. Und auch das Tragegefühl ist unauffällig. Positiv auch, dass die Brille im hellen Modus faktisch ausgeschaltet ist und keinen Strom verbraucht. So bleibt sie auch mit leerem Akku nutzbar. Dass die Displays von Smartphones oder GPS-Geräten mit abgedunkelter Brille nur bedingt abzulesen sind, ist gewöhnungsbedürftig. Ein Effekt, den man auch von Sportbrillen mit polarisierten Scheiben her kennt. In der Praxis konnte nur der Automatik-Modus nicht ganz überzeugen. Die Kalibrierung lässt sich je nach persönlichem Hell-/Dunkel-Empfinden einfach verändern (den Knopf fünf Sekunden lang gedrückt halten), aber bereits der Wechsel vom CC- zum Enduro-Helm machte eine Umkalibrierung erforderlich. Relevanter ist, dass im Praxistest Situationen auftraten, bei denen die Automatik trotz gedämpften Streulichts zu schnell reagierte und mit "flackernder" Scheibe den Fahrer irritierte. Ein Abschalten der Automatik half. Der bei unserem Testmuster aufgetretene Defekt der LCD-Scheibe zeigt außerdem die verhältnismäßig hohe Empfindlichkeit des Hightech-Produktes.

Wolfgang Watzke Bei unserer Testbrille löste sich die Verklebung der beiden 0,1 mm dicken PE-Folien punktuell voneinander, was die Funktion der dazwischen liegenden Flüssigkristalle beeinträchtigte. Ein solcher Schaden werde von Uvex anstandslos ausgetauscht, so der Hersteller. (im Foto links oben in der Scheibe zu sehen)

Die Vor- und Nachteile der Uvex Variotronic FF


+ Sehr schnelle Umstellung der Tönung per Knopfdruck oder automatisch
+ Einfache und intuitive Bedienung
+ Praxisgerechte, lange Akku-Laufzeiten
+ Automatik-Modus funktioniert weitgehend zuverlässig
+ Helligkeit bei der Umschaltung kann individuell kalibriert werden


Sehr teuer (Preis 299,95 Euro)
 Erhöhte Empfindlichkeit der LCD-Folie gegenüber mechanischer und thermischer Beanspruchung
 Bei ungünstigen Bedingungen kann die Brille im Automatik-Modus "flackern"


Preis   299,95 Euro
Info   www.uvex-sports.de

Wolfgang Watzke 1. Dank smarter Integration in das Brillengestell bleibt das verbaute Hightech weitgehend verborgen. Einstellbare Nasenpolster, gummierte Bügel und relativ leichtes Gewicht sorgen für hohen Komfort und ein erstaunlich unauffälliges Tragegefühl. 2. Auf der Innenseite der nur leicht getönten Polycarbonat-Scheibe ist eine spezielle LCD-Folie auflaminiert. Diese regelt elektronisch die Lichtdurchlässigkeit durch Ausrichten der Flüssigkristalle. 3. Der Li-Ionen-Akku kann in nur drei Stunden direkt über einen Micro-USB-Anschluss aufgeladen werden – mit Strom aus der Steckdose, dem Rechner oder einer Powerbank. 



Fazit Christian Artmann, BIKE-Tester

Kein Zweifel, die Technologie hinter den Uvex-Variotronic-Brillen ist hochinnovativ. Die sich in Sekundenbruchteilen verdunkelnde und aufhellende Scheibe hat vor allem für solche Fahrer einen echten Nutzwert, die sich regelmäßig mit den in Zeitlupe selbsttönenden Scheiben herumärgern und deren lichtempfindliche Augen einfach nach mehr optischer Performance hungern. Für alle, die bisher auch mit normalen Brillen, egal ob mit Wechselscheiben oder selbsttönenden Scheiben, gut zurechtkamen, bleibt die Variotronic Brille vor allem ein zukunftsweisendes Hightech-Produkt.

Philipp Schieder Chris Artmann, BIKE-Tester

Themen: BrilleInnovations-ChecksonnenbrilleTestUvexVariotronic


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