Awake 1.0MTB-Helm mit HexaGo-Technologie

Stefan Frey

 · 25.03.2021

Awake 1.0: MTB-Helm mit HexaGo-Technologie

Mit dem Awake 1.0 will das Südtiroler Start-up die Welt der Fahrrad-Helme revolutionieren. Eine Polymer-Wabenstruktur soll Stürze besonders wirkungsvoll dämpfen.

Fünf Jahre haben Patrick Pedevilla und sein Team am Awake 1.0 getüftelt, bis sie den fertigen Fahrradhelm endlich in den Händen halten konnten. Doch dann versemmelte die Corona-Pandemie dem jungen Start-up aus Südtirol gehörig den Marktstart. Jetzt nimmt 720 Protections noch einmal Anlauf und präsentiert mit dem Awake 1.0 einen MTB-Helm, der mit seiner HexaGo genannten Wabenstruktur auf ein völlig neues Innenleben setzt. Das High Energy Absorption Polymer, das dabei zum Einsatz kommt, soll Stöße deutlich besser absorbieren als das klassische EPS. Zudem soll der Awake 1.0 auch effizient vor Rotationskräften schützen, ohne dabei auf eine zusätzliche Technologie wie etwa MIPS angewiesen zu sein.

  Awake 1.0: neuer MTB-Helm mit innovativer Wabenstruktur.
Awake 1.0: neuer MTB-Helm mit innovativer Wabenstruktur.

Awake 1.0 Preise und Infos

  • HexaGo-Technologie aus High Energy Absorption Polymer
  • Schale aus Polycarbonat
  • Fidlock Magnet-Verschluss
  • Größen: M (53-56) / L (56-59)
  • Farben: schwarz / weiß / rot / gelb / blau
  • Gewicht: 523 Gramm in Größe L
  • Preise: 199 Euro (matt) / 219 Euro (glossy)
  • www.720protections.com

HexaGo-Technologie

Unter einer Schale aus Polycarbonat, die laut Hersteller auch hauptverantwortlich für das relativ hohe Gewicht ist, steckt eine aufwändige Wabenkonstruktion aus einem speziell mit 720 entwickelten Elastomer. Dieses soll sich im Fall eines Aufpralls verformen und die Schlagkräfte gleichmäßig über die Hexagon-Struktur verteilen. Das gummiartige Material soll laut Hersteller in der Lage sein, nach der Verformung wieder seine ursprüngliche Form anzunehmen.

  Die Hexagon-Struktur soll Stöße extrem gut dämpfen und Rotationskräfte verringern.
Die Hexagon-Struktur soll Stöße extrem gut dämpfen und Rotationskräfte verringern.

Bei der EU-Norm für Fahrradhelme, die eine maximale Beschleunigungskraft von 250 g zulässt, konnte der Awake 1.0 laut Prüfbericht hervorragende Werte abliefern. Im Mittel konnte der Awake 1.0 die einwirkenden Kräfte beim freien Fall aus 1,53 Meter Höhe und einer Geschwindigkeit von 19,6 km/h auf gerade mal 115 g reduzieren. Zum Vergleich hierzu: In unserem letzten BIKE-Helmtest, in dem wir angelehnt an die Norm EN-1078 getestet haben, lagen die Helme im Mittel bei einem Wert von 193,8 g. Die besten Helme im Vergleich schnitten mit Werten von 158 g zwar deutlich besser ab, liegen in der Schutzwirkung aber dennoch deutlich hinter dem Wert des Awake 1.0.

  Die Elastomer-Struktur ist nur an wenigen Punkten mit der Polycarbonat-Schale verbunden und soll sich dadurch bei Stürzen stärker verformen.
Die Elastomer-Struktur ist nur an wenigen Punkten mit der Polycarbonat-Schale verbunden und soll sich dadurch bei Stürzen stärker verformen.

Rotationsschutz inklusive

Neben der guten Stoßdämpfung soll der Awake 1.0 auch sehr gut gegen die bei einem Sturz auftretenden Rotationskräfte schützen. Weil ein Sturz in der Regel nicht gerade, sondern schräg abläuft, wird der Kopf beim Aufprall in eine Drehbewegung versetzt. Hierbei entsteht ein größeres Risiko, eine Gehirnerschütterung zu erleiden. Eine zusätzliche Gleitschicht, wie sie das bekannte MIPS-System bietet, braucht der neue 720-Helm dabei nicht. Die Wabenstruktur aus oben genanntem Elastomer ist flexibel und nur an wenigen Verankerungspunkten mit der Helmschale verbunden. So soll die Technologie durch ihre Verformbarkeit auch die auftretenden Rotationskräfte verringern. Laut Testprotokollen des Herstellers bewegen sich die Werte auf einem ähnlich hohen Level, wie die sehr guten Helme aus unserem letzten Helmtest in BIKE 12/2020. Wobei die Werte aufgrund eines leicht abweichenden Versuchsaufbaus hier nicht zu hundert Prozent vergleichbar sind.

Im Video ist die Funktionsweise der Wabenstruktur erklärt.

Made in Italy

Ein Aspekt im Gespräch mit 720-Gründer Patrick Pedevilla beeindruckte uns besonders: Der Awake 1.0 wird nicht - wie viele andere Helme - in Fernost gefertigt. Die Wabenstruktur entsteht im Spritzgussverfahren in italienischen Betrieben, ebenso die Polycarbonat-Schale. Laut Pedevilla spielt Nachhaltigkeit bei der Produktion eine große Rolle. So wird bei der Verpackung auf Plastik und belastende Farben verzichtet. Der Awake 1.0 wird ausschließlich im FSC-zertifizierten Karton ausgeliefert. Die einzige Komponente, die nicht in lokalen Betrieben gefertigt wird, ist der magnetische Fidlock-Verschluss.

Farben und Größen

Zum Verkaufsstart war der Awake 1.0 zunächst nur in Schwarz und Weiß, jeweils in einer matten und einer glänzenden Variante verfügbar. Jetzt zum Saisonstart schiebt der Hersteller drei weitere Farbvarianten hinterher. Bei den Größen sind nach wie vor M (53-56 cm) und L (56-59 cm) verfügbar.

  Für die Saison 2021 gibt es den Awake 1.0 auch in Gelb...
Für die Saison 2021 gibt es den Awake 1.0 auch in Gelb...
  ... in einem dunklen Blau...
... in einem dunklen Blau...
  ... und in schickem Rot.
... und in schickem Rot.

Awake 1.0 im ersten Test

Wir haben den Awake 1.0 bereits seit einigen Wochen im Einsatz und sind besonders von seiner gelungenen Passform und der komfortablen Polsterung angetan. Das Kopfband lässt sich leicht bedienen und in der Höhe verstellen. So sitzt der Awake 1.0 satt auf dem Kopf. Das Magnetschloss von Fidlock ist beim ersten Schließen ungewohnt, beweist sich dann aber als sehr clever: Es lässt sich nicht nur besonders leicht mit einer Hand öffnen, sondern auch während der Fahrt schnell in der Weite regulieren. Die von Motorrad-Helmen inspirierte Gurtband-Verstellung macht es möglich.

  Leicht zu bedienen und in der Höhe verstellbar. So sitzt der Awake 1.0 sicher auf dem Kopf.
Leicht zu bedienen und in der Höhe verstellbar. So sitzt der Awake 1.0 sicher auf dem Kopf.
  Besonders clever: Das Magnetschloss und die einhändig bedienbare Gurtverstellung.
Besonders clever: Das Magnetschloss und die einhändig bedienbare Gurtverstellung.

Auf längeren Touren und besonders im rumpligen, technischen Gelände fällt das recht hohe Gewicht von 523 Gramm auf. Wer einen derart schweren Helm nicht gewohnt ist, könnte das Gewicht im Nacken zu spüren bekommen. Laut Pedevilla soll der Awake 1.0 in Zukunft aber noch etwas abspecken. Dabei soll auch ein weiteres Manko behoben werden: Das Visier lässt sich aktuell zwar verstellen, doch nur in einem sehr kleinen Bereich. Zudem wird der Schirm schon mal zurück in die untere Position geruckelt, wenn die seitlichen Schrauben nicht exakt angezogen wurden. Ob die versprochene, gute Belüftung auch in der Praxis funktioniert, konnte bei den zum Testzeitpunkt herrschenden Temperaturen leider nicht ermittelt werden.

  Wir konnten den neuen Awake 1.0-Helme bereits einige Wochen testen.
Wir konnten den neuen Awake 1.0-Helme bereits einige Wochen testen.

Fazit zum 720 Protection Awake 1.0

Das Gewicht des Awake 1.0 ist zwar ein starkes Gegenargument, zumal es MTB-Helme auf dem Markt gibt, die gut 200 Gramm weniger wiegen und auch akzeptable Beschleunigungswerte abliefern. Doch wer maximale Sicherheit sucht, sollte sich den Südtiroler Helm auf jeden Fall mal näher ansehen. In den Punkten Tragekomfort und Ausstattung konnte der Awake 1.0 zudem überzeugen.

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