Seite 2: Mountainbiken 3.0: GPS-Routing für Mountainbiker

Pro & Contra aus der BIKE Redaktion | Interview mit Peter Weirether, Garmin

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 3 Jahren

Mit Active Routing versprechen GPS-Hersteller Navigation wie im Auto. Ziel eingeben und los. Wie viel Fahrspaß bringt die automatische Routenberechnung für Biker? Ein Selbstversuch.


Interview mit Peter Weirether, Marketing Garmin: "Jeder Nutzer kann selbst dazu beitragen, die Routing-Funktion zu verbessern, indem er seine Touren hochlädt und mit der entsprechenden Sportart 
kategorisiert."


Wie gut eignen sich aktuelle Karten für das Routing mit dem Mountainbike?
Die vorinstallierten Karten auf Open-Street-Basis sind nur beschränkt geeignet. In vielen Regionen sind die OSM-Karten zwar sehr gut, es gibt aber auch Gebiete, in denen die Wegeabdeckung nur unzureichend ist.


Wird sich das in absehbarer Zeit verbessern?
Wir arbeiten daran, die Trail-Quote für Biker zu erhöhen. Jeder Nutzer kann aber auch selbst helfen, die Routing-Funktion zu verbessern, indem er seine Touren in die entsprechenden Portale hochlädt und richtig kategorisiert. Über die Funktion "Popularity Routing" bezieht Garmin die Nutzerdaten in die Routenberechnung mit ein. Besonders beliebte Strecken werden dann bei der Auswahl bevorzugt.


Kann ich sicher sein, dass meine Tour tatsächlich auch besonders schöne Trails enthält?
Was für den einen ein toller Trail ist, kann den anderen schon heillos überfordern. Wenn ich sicherstellen will, dass ich auf meiner Tour auch auf richtigen Trails unterwegs bin, rate ich den Nutzern, eher zu vorgefertigten Touren aus den entsprechenden Portalen. Bei der Routenberechnung gehen die Geräte nach dem Motto vor: lieber unter- als überfordern.


Würde die Wahl des Wandermodus’ für die Routenberechnung die Trail-Quote erhöhen?
Es kann durchaus sein, dass durch den Wandermodus noch mal mehr Trails in der Tour enthalten sind. Wenn ich dann auf einer Rund-Tour von meinem Navi auf einem kleinen Trampelpfad bergauf geführt werde, ist natürlich Frust vorprogrammiert. Von daher würde ich von dieser Option eher abraten.

Peter Weirether, Marketing Garmin



PRO HENRI LESEWITZ

Trails sind super, aber mir geht es beim Biken um mehr. Biken ist für mich Freiheit, die Unabhängigkeit von Autos und Straßennetzen. Als Technik-Legastheniker hatte es mir vor GPS-Geräten immer gegraut. Zu kompliziert. Active Routing ist die Lösung. Man wird naturnah von A nach B gelotst, und zwar ohne jegliche Spezialkenntnisse. Zugegeben, die ersten Fahrten waren etwas ernüchternd. Die vorgeschlagenen Wege sind schon ziemlich soft. Doch, wenn man sich frei macht von der Erwartung, erstklassige Trails am laufenden Band serviert zu bekommen, dann macht es einen irren Spaß. Jede Fahrt ist voller Überraschungen. Man kommt definitiv am Ziel an. Und man entdeckt sogar das Heimrevier neu. Die Voraussetzung ist eine generelle Lust am Radfahren. Trail-Fixierte mit Knieprotektoren und weichen Fullsuspensions werden mit Active Routing nicht glücklich.

Henri Lesewitz, BIKE-Reporter



CONTRA GITTA BEIMFOHR

In einer Region, in der ich mich überhaupt nicht auskenne, möchte ich doch nicht die "schnellste" oder "kürzeste" Tour zu irgendeiner Hütte machen. Oder die mit "wenig Höhenmetern".Wenn ich in eine fremde Region komme und nur zwei oder drei Tage Zeit habe, will ich die schönsten Touren fahren. Die mit einem besonders schönen Trail und einer 1A-Aussicht. Und am Scheitelpunkt soll auch nicht irgendeine Hütte stehen, sondern im Zweifel die mit dem besten Kaiserschmarrn. Aber genau das sind die Parameter, die man beim Active Routing noch nicht eingeben kann. Wer die Highlights einer Region erleben will, sollte nach wie vor die Locals fragen, in den Touren-Portalen stöbern, die BIKE oder die BIKE-Website lesen – darin findet man die Touren-Klassiker jeder Region. Selbst auf der Deutschland-Trail Mission von Stefan Loibl war jeder Local-Tipp hilfreicher als das ständig neu-berechnende Active Routing.

Gitta Beimfohr, BIKE-Redakteurin


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