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Seite 1: Mountainbike-Neuling fährt MTB-Etappenrennen Transpyr 2015

Quer durch die Pyrenäen: mehr Bike-Tour als Wettkampf

  • Marko Škerjanc
 • Publiziert vor 5 Jahren

Four Peaks, Transalp, dazwischen Transpyr: Die Faszination Etappenrennen hatte Marko voll erwischt. Den Teampartner kannte er aus dem Internet. Also ab zur Startnummernausgabe! Kann das gutgehen?

Transpyr 2015: MTB-Etappenrennen durch die spanischenPyrenäen

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Ich bin Marko Škerjanc, 24 Jahre alt und Freizeit-Triathlet aus Slowenien (Ljubljana) Bis zu diesem Jahr habe ich nur an Triathlon- und Laufwettkämpfen teilgenommen. Meine Bestzeit im Ironman liegt bei 9:45 Stunden (Klagenfurt, 2014) und im Marathon bei 3:03 Stunden (Chicago, 2014). Nachdem ich Ende letzten Jahres nach erfolgreich abgeschlossenem Jurastudium angefangen habe zu arbeiten, entschied ich mich, meine Ausdauer auch in anderen Sportarten auszuprobieren. Ich fand, Mountainbike-Etappenrennen wären eine ideale Möglichkeit, die Ferien aktiv zu verbringen.

Die Ziele: sportlich. Die Stimmung: euphorisch. Die Entscheidung: mutig.

Anfang der Saison 2015 bin ich bereits zwei Halbmarathons gelaufen. Ende August stand der Ironman in Maastricht im Kalender, bevor im Herbst zwei weitere Halbmarathons die Saison ausklingen lassen. Vor dem Ironman machte ich mich auf die Suche nach den schönsten und schwierigsten MTB-Etappenrennen der Welt. Ich entschied mich in diesem Jahr für die BIKE Four Peaks (17.-20.06.), die BIKE Transalp (19.-25.07.) und nutzte die Gelegenheit, dazwischen noch die Transpyr (28.06.-04.07.) einzubauen. Die TransPyr ist ein Mountainbike-Etappenrennen durch die spanischen Pyrenäen, dauert sieben Tage und verläuft über 775 Kilometer und rund 18.000 Höhenmeter von Roses (Mittelmeer) bis nach Hondarribia an der baskischen Atlantikküste.

Wie bei vielen anderen MTB-Etappenrennen, wird auch bei der Transpyr in Zweierteams gefahren. Da ich ganz neu in der MTB-Welt war, kannte ich noch keine MTB-Sportler. Meinen Teampartner Vital fand ich in einem slowenischen MTB-Forum. Die Entscheidung fiel extrem schnell. Bereits nach dem ersten Telefonat entschieden wir uns, gemeinsam als Team bei der Transpyr zu starten.

Marko, hier noch mit Teampartner Vital.

Wie es sich später herausstellte, war diese Entscheidung doch zu voreilig. Ohne vorherige gemeinsame Ausfahrt ist einem nicht klar, welche Rolle ein zu großer Leistungsunterschied spielt. Bereits die zweite Etappe hat sich so in die Länge gezogen, dass wir eigentlich nicht weiter zusammen fahren konnten.

Ich musste an jedem längeren Anstieg mindestens eine halbe Stunde auf meinen Teampartner warten. Natürlich, auch wenn es kein Spaß für alle Beteiligten ist, will man seinen Kameraden nicht im Stich lassen. Deswegen fiel die gemeinsame Entscheidung, getrennt weiterzufahren, nicht leicht und auch erst zur vierten Etappe. Ab diesem Tag konnte sich jeder von uns mehr entspannen und das Event genießen. Wie ich später bei der BIKE Transalp erlebte, ist es viel angenehmer, in einem gleich starken Team zu fahren.

Was mache ich hier eigentlich?

Das Rennen begann Ende Juni. Die Hitzewelle war allgegenwärtig, Temperaturen zwischen 35 und 45 Grad waren an der Tagesordnung! Bereits am Start zur ersten Etappe um 8 Uhr morgens stand das Thermometer bei 25 Grad. Die ersten 30 Kilometer waren noch erträglich. Aber gleich am ersten Anstieg hat uns die Hitze überwältigt. Ich (und viele andere Teilnehmer) waren an solche brutal hohen Temperaturen nicht gewöhnt. Vor allem am ersten Tag war ich wegen der Hitze fix und fertig. Obwohl die körperliche Belastung gar nicht so hoch war, schoss der Puls in den Anstiegen so immens in die Höhe, dass ich immer wieder fünf Minuten Pause einlegen musste, um mit der Herzfrequenz wieder runterzukommen. Und das war erst der Anfang der schweren Woche!

Der Anblick des Streckenprofils täuschte gewaltig: In der Theorie war die erste Etappe der Transpyr gar nicht die anspruchsvollste. In der Realität war sie aber für viele Teilnehmer gleich die schwerste Etappe! Nach der Hitzeschlacht gleich am ersten Tag wurde es vielen Teilnehmern mulmig bei dem Gedanken, noch weitere sechs Tage so zu verbringen. Manche, auch ich, fragten sich sogar: Schaffe ich es überhaupt? Was mache ich hier eigentlich mitten im Sommer im spanischen Gebirge?

Am zweiten Tag war ich positiv überrascht. Mein Körper hatte sich komplett regeneriert und sich schnell an die hohen Temperaturen angepasst. Die zweite Etappe verlief inmitten der Pyrenäen, und die Strecke war viel abwechslungsreicher und schöner als am ersten Tag. Wie auch an den folgenden Tagen, gab es nur sehr wenig asphaltierte Straßen und Schotterwege. Das Gelände war sehr anspruchsvoll, sogar die "flachen" Abschnitte waren immer zackig. Das drosselte natürlich das Durchschnittstempo. Man musste lernen, sich die Kräfte besser für den ganzen Tag einzuteilen. Bereits nach zwei Tagen war mir klar, dass bei der Transpyr nicht die Streckenlänge und die Höhenmeter die größten Gegner waren, sondern das schwierige Gelände, welches ständig an den Kräften zehrte.

Aber bis zur dritten Etappe haben sich die meisten Teilnehmer an den Tagesrhythmus sehr gut angepasst. Wie bei der BIKE Transalp war es auch bei der Transpyr möglich, im Camp zu schlafen. Und ich kann diese Möglichkeit nur jedem empfehlen, da das Camp für gewöhnlich in der Nähe des Start-Zielbereichs steht. So spielte sich alles auf einem Fleck ab – Bikewash, Massagen, Pasta-Party etc. im Hotel übernachtet man vielleicht komfortabler aber möglicherweise mehrere Kilometer weit entfernt, weil die Etappenorte klein sind und die Hotels in der Nähe nicht alle Teilnehmer unterbringen können.

Die Etappen waren für mich mit 5,5 bis 8,5 Stunden Dauer sehr lang. Im Vergleich mit der BIKE Transalp (sie ist einfach Referenz für solche Events!) ist die Transpyr viel schwerer. Für Etappen, die vom Streckenprofil ähnlich denen der Transalp waren, musste ich wegen des schwierigeren Geländes zwischen ein und zwei Stunden mehr pro Etappe in Kauf nehmen! Gut, die brutale Hitze trug ihren Teil dazu bei. Das bedeutete natürlich auch weniger Zeit für die Regeneration.

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    Quer durch die Pyrenäen: mehr Bike-Tour als Wettkampf - Teil 2

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