BIKE Junior Team zeigt sich stark beim Rothaus Bike Giro

Pirmin Sigel knackt die Top Ten bei Etappenrennen

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor einem Jahr

Unser U23 Fahrer Pirmin Sigel hat das Feld des Rothaus Bike Giros aufgemischt. Der Youngster überzeugt beim viertägigen Etappenrennen mit guter Form und taktischem Geschick. Hier sein Rennbericht:

Erste Etappe: Im Windschatten von Schneller

Bei der ersten Etappe am Donnerstag waren 66,2km und 1550hm zu befahren. Da das Starterfeld mit der annähernd kompletten deutschen Marathon Elite besetzt war, war ich gespannt, wo ich mich beim Auftakt einreihen kann. Mein Ziel war es, erstmal so lange wie möglich an der Spitze des Feldes dran zu bleiben, um dann zu sehen, wofür meine U23-Power im Elitefeld reicht.
Der Beginn der ersten Etappe war wie erwartet extrem schnell. Hinzu kam, dass es regnete und nur 10 Grad hatte. Ich konnte mich jedoch gut behaupten und fand mich nach den ersten wellen ungefähr auf Rang 10 wieder. Am ersten langen Anstieg (450 hm) wurde dann in der 20 Mann starken Spitzengruppe sehr unrhythmisch gefahren. Ich konnte aber dennoch das Tempo der Spitze mitgehen. Zehn andere Fahrer mussten die Spitzengruppe hier schon verlassen. Am Gipfel hatte ich zwar eine 20 Sekunden Lücke nach vorne, die ich aber in der Ebene alleine wieder zufahren konnte. In der darauffolgenden langen Trailabfahrt konnte der  Fahrer vor mir das Tempo der Spitze nicht mitgehen, sodass wir am Ende der Abfahrt zu zweit isoliert von der Spitze waren. Dann kam auf einmal Simon Schneller vom Team Bulls von hinten auf uns aufgefahren, der zuvor einen Platten hatte. Ich klemmte mich an sein Hinterrad uns so fuhren wir ca. 45 min zusammen ein extrem hohes Tempo, bei dem wir den Abstand auf die Spitze deutlich verringerten. Mein tschechischer Begleiter musste dabei abreisen lassen und auch der Italiener Franz Hofer von Texpa-Simplon konnte bald darauf nicht mehr mitgehen. 10 km vor Schluss konnte ich Simon nicht mehr folgen, der Finne Toni Tähti konnte noch kurze Zeit mit Simon mitfahren. Ich fuhr dann die letzten Kilometer mit Sichtkontakt zum Finnen ins Ziel. Am letzten Berg musste ich leider noch etwas die Zeche dafür zahlen,  dass ich so lange mit Simon mitgefahren war. So wurde die erste Etappe nochmal richtig zäh. Es siegte Simon Stiebjahn vom Team Bulls mit 2:19:57 Fahrzeit. Ich verlor auf Stiebi  3:48 Minuten und wurde Tages zehnter. Simon Schneller konnte mit seinem ordentlichen Zug nach vorne noch bis auf 38 Sekunden auf Platz eins heranfahren.

Vor dem ersten Anstieg war die Spitzengruppe noch ca. 20 Mann stark. Danach waren es nur noch 10 Fahrer die dem Tempodiktat von Simon Stiebjahn folgen konnten.

Zweite Etappe: Tot am letzten Anstieg


An Tag zwei stand die Königsetappe an. Es waren 75,1km und 2161hm zu bewältigen. Es wurde wieder schnell gestartet und ich konnte wieder sehr lange mit der Spitze mitfahren. Erst bei Kilometer 35 musste ich die Spitze ziehen lassen. Dies war eine bewusste Entscheidung, da mir klar war, dass ich ansonsten über meinem Limit fahren würde.
So befand ich mich in der Verfolgergruppe. Am  darauffolgenden langen Berg begann ein ca. 17km langer Trail. Hier war klar, dass jeder sein Tempo fahren musste, da der Trail auf Dauer sehr kräftezehrend war. Ich spürte bei ca. Kilometer 59, dass mir die Kraft ausging. Weil ich die Gefahr von Defekten so gering wie möglich halten wollte, fuhr ich an allen Tagen mit recht viel Luft in den Reifen. Daher hatte ich auch sehr wenig Komfort in den Trails. Von hinten fuhr wieder Franz Hofer mit einem Teamkollegen auf. So waren wir kurz vor dem letzten langen Anstieg eine Vierergruppe zusammen mit Niklas Sell. Vor dem letzten 450hm Berg war ich schon komplett am Ende. Ich hoffte, dass ich so lange wie möglich in der Gruppe mithalten konnte. Dies gelang auch und ich musste erst ca. 4km vor dem Ziel abreisen lassen. So musste ich die letzten 150hm Wellen alleine fahren. Ich kam als 13. ins Ziel und verlor am letzten Anstieg 1:03 Minuten auf den ersten unserer Gruppe. Somit konnte ich den Schaden noch relativ gering halten. Es siegte auf der Etappe Julian Schelb nach 2:53:03 Rennzeit. Ich überquerte die Ziellinie 12:03 Minuten später. In der Gesamtwertung verlor ich an diesem Tag wegen meines Einbruchs auf den letzten Kilometern zwei Plätze. Dies ärgerte mich sehr und damit war klar, dass ich in den darauffolgenden Tagen alles daran setzen würde, mir diese wieder zurückzuholen.

Am letzten Anstieg musste sich Pirmin Sigel komplett alleine hoch kämpfen. Seine Kräfte waren aufgebraucht. Er hatte zuvor überzogen.

Dritte Etappe: Sprintpower im Zeitfahren


Am dritten Tag stand das Zeitfahren an. Darauf freute ich mich besonders, da für mich klar war dass ich hier meine Karten als Cross-Country Fahrer voll ausspielen konnte. Es stand eine 10,1km lange Strecke mit 326 hm auf dem Programm. Alle Fahrer mussten mit 30 Sekunden Zeitabstand starten und von jedem Starter wurde die Fahrzeit individuell gestoppt. Ich musste als elftletzter Starter starten. Die Beine machten einen verhältnismäßig guten Eindruck. Den ersten Berg kam ich gut hoch. Den zweiten langen 12 Minuten Anstieg konnte ich auch zügig hochpowern. Ich konnte mit 24:44 Minuten die Zehntbeste Zeit an diesem Tag einfahren. Ich hatte einen Rückstand von 1:26 Minuten auf Tagessieger Julian Schelb. Vor der Etappe hatte ich auf Franz Hofer 37 Sekunden Rückstand und auf Niklas Sell 46 Sekunden. Dank meiner starken Leistung im Zeitfahren konnte ich Franz Hofer In der Gesamtwertung überholen und den Abstand auf Niklas Sell auf drei Sekunden verringern.

Im Einzelzeitfahren am dritten Tag spielte Pimin Sigel seine Tempohärte bei kurzen Einheiten taktisch klug aus.

Vierte Etappe: Die Karten auf den Tisch gelegt!


Am letzten Tag ging es für mich nur noch darum, diese drei Sekunden unbedingt aufzuholen. Ich nahm mir vor, mich ganz auf meine unmittelbaren Konkurrenten im Gesamtklassement zu konzentrieren. So ging ich konzentriert in die letzten 48km und 1760hm des vierten Tages. Das Tempo war extrem unrhythmisch und hoch, da der Gesamtsieg immer noch offen war. Trotzdem konnte ich bis zur Rennhälfte in der Spitzengruppe bleiben. Als ich am vorletzten langen Berg sah, dass kein Fahrer, der mir in der Gesamtwertung gefährlich werden konnte, noch in der Spitzengruppe war und Niklas und Franz ebenfalls abreisen ließen, entschied ich mich dazu, genau wie geplant, die Spitze ziehen zu lassen. Von da an kontrollierten Niklas und ich das Tempo in der Verfolgergruppe. Auf den letzten Höhenmetern des vorletzten Berges testete ich einmal vorsichtig meine Mitstreiter und erhöhte das Tempo – nach dieser Aktion waren wir nur noch zu Dritt! In der Abfahrt passierte mir dann aber leider ein gravierender Fehler. Wegen meiner komplett verschwitzten Brille sah ich eine Wurzel nicht und stürzte. So verlor ich direkt den Anschluss an Franz und Niklas. Auf Franz fuhr ich in der Abfahrt wieder auf, da er einen Plattfuß hatte. Niklas hatte sich durch meinen Sturz einen Vorsprung von 40 Sekunden verschafft!  Vor dem letzten 750 hm Anstieg auf den Feldberg galt es diese zu knacken. Nach ca. 400 Hm war ich an Niklas dran,  wir fuhren noch einige Zeit zusammen bis ich dann die Karten auf den Tisch legte und mit 26 Sekunden Vorsprung als 10. die Tagesetappe beenden konnte. Tagessieger war wieder Julian Schelb mit 2:01:39 Stunden Fahrzeit. Ich hatte 5:56 Minuten Rückstand.

Nach einem Sturz in der Abfahrt kämpfte sich Pirmin wieder zurück zu seinen direkten Rivalen im Gesamtklassement und legte dann die Karten auf den Tisch.


Schlussendlich konnte ich so als 9. Gesamt mit 23:12 Minuten Rückstand auf Julian Schelb finishen. Das bedeutet für mich 30 Weltranglistenpunkte und somit ein großer Erfolg.
Es hat richtig Spaß gemacht mit der Deutschen Marathon Elite durch den Schwarzwald zu fahren!
Ride Clean
Pirmin


Alle Ergebnisse zum Rothaus Bike Giro gibts hier!

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