Österreich: MTB Tour um den Weißensee in Kärnten Österreich: MTB Tour um den Weißensee in Kärnten

Österreich: MTB Tour um den Weißensee in Kärnten

Mountainbiken in Kärnten: 2-Tages-Tour um den Weißensee

Gitta Beimfohr am 10.04.2017

Der Weißensee ist der höchstgelegene Badesee Kärntens. Von seinem glasklaren Wasser möchte man gar nicht weg. Aber dann würde man viel verpassen: Eine Runde um den Weißensee mit Hüttenübernachtung.

Walderdbeeren säumen den Weg. Büschelweise. Man braucht nur eine Hand aufhalten und mit der anderen hineinzupfen. Dann mit den süßen Früchtchen auf der Zunge wieder ins Panorama gucken: 600 Meter tiefer ruht der blaue Streifen des Weißensees. Ost- und Westufer können wir von hier aus selbst mit Kopfdrehung nicht entdecken – so lang streckt sich das fjordartige Gewässer zu Füßen der Gailtaler Alpen. Allerdings verdecken uns auch Bäume die Sicht. Die Bergkuppen rund um den See sind nämlich nicht besonders hoch – 1600 Meter vielleicht – und dicht bewaldet. Einige Gipfel haben auch Namen, aber die muss man sich nicht merken, denn so was wie ein Matterhorn oder eine Zugspitze sind auch optisch nicht darunter. "Ah, schaut!" Peter deutet auf den See, durch den gerade der Länge nach ein Achter-Ruderboot schneidet. "Die Deutsche Nationalmannschaft. Die trainiert hier für Olympia." Ich überlege noch, wie unsere Medaillen-Abonnenten wohl auf diesen abgelegenen Trainingsort gestoßen sind, da passiert uns eine Mountainbikerin. Sie strahlt: "Wie in ader Karibik, gell?" Wir blicken wieder zum See hinunter: stimmt. Sein azurblaues Wasser wird am Ufer von weißen Kreidebänken umrahmt, die dem See auch seinen Namen gaben. Seine Übergangstiefen changieren zwischen den Farben Türkis bis Flaschengrün. Drumherum üppiges Grün, und südseetauglich warm ist es heute auch.

Dabei könnte die Karibik kaum weiter entfernt sein. Wir befinden uns im südlichsten der österreichischen Bundesländer. Kärnten ist weniger für imposante Gipfel, als viel mehr für seine vielen, schönen Badeseen bekannt. 1270 stehende Gewässer insgesamt, und davon zählt der Weißensee neben dem Wörther-, Millstätter- und Ossiacher See zu den vier größten. Wobei der Weißensee dazu auch noch auf 930 Metern Höhe liegt, also fast doppelt so hoch wie seine Brüder. Das macht ihn allerdings auch schwerer erreichbar. Nur eine Serpentinenstraße kurvt aus dem Drautal zum Weißensee hinauf. Oben angekommen steuert man hier als Gast seine Unterkunft an und lässt das Auto für den Rest der Urlaubszeit stehen. Die einzige Fahrstraße im Tal endet nämlich ab Seemitte – dort, wo das große Naturschutzgebiet beginnt. Seeumrundungen für Faule, also mit dem Auto oder auf knatternden Motorrädern, sind nicht möglich. Wer hierher kommt, will seine Ruhe haben und sich zu Fuß oder mit dem Rad bewegen. So wie wir.


Die GPS-Daten der Zwei-Tages-Tour rund um den Weißensee können Sie im Download-Bereich unterhalb dieses Artikels kostenlos herunterladen.


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Peter Schwarzenbacher, der Wirt des Hotels Arlberger Hof, ist seit vielen Jahren Mountainbike-Guide in der Region. Für uns hat sich der 50-Jährige eine große Runde rund um den See überlegt. Auf der sollen wir die Highlights der Region erleben und eine Übernachtung auf einer besonders schönen Hütte. Klar, dass wir uns da nicht lange bitten lassen.

Die Tour startete am Morgen in Techendorf mitten auf der Weißensee-Brücke. Da, wo die Blumentöpfe am Geländer baumeln und die Touristen ins Ausflugsboot klettern. Doch danach geht es direkt zur Sache: Eine gleichbleibend steile Schotterrampe zieht sich vom Nordufer die Bergkette hinauf. 600 Höhenmeter bis zur ersten Aussichtsstelle – da kommen die Walderdbeeren als Pausengrund wie gerufen.

"Vor drei Jahren wäre diese Umrundung mit dem Bike noch gar nicht möglich gewesen", erklärt Peter und lässt sich die letzten Beeren von seiner Handfläche in den Mund kullern. Wegen irgendwelcher uralten Streitigkeiten hatte man dieses Verbindungsstück Richtung Ostufer einfach nicht gebaut. Wer also am Nordufer von einem Ort zum anderen wollte, musste einmal komplett um den See herumfahren. "Bis jetzt die junge Generation das Ganze in die Hand genommen und diesen Schotterweg endlich in den Berg gezogen hat." Ich freue mich vor allem darüber, dass der Weg nun mehr oder weniger flach dahinführt. Bis er schließlich nach ein paar Kilometern zum Ostufer hinuntersteuert, wo das Wasser jetzt noch karibischer aussieht. Doch wenn weiße Seekreidebänke auf glasklares Wasser treffen, dann ist das großes Pech für die Fische. Direkt vom Ufer aus können wir die Seeforellen beim Mittagsschlaf beobachten. Für Angler ist das bestimmt keine besonders knifflige Aufgabe.

Österreich: MTB Tour um den Weißensee in Kärnten

Im klaren Weißenbach kann man den Fischen den Angelhaken direkt vor die Nase halten – denkt man. Wir haben Brotbrösel ins Wasser geworfen und stellten fest: Nur die kleinen Fische jagen danach. Die großen fallen auf menschliche Lockversuche nicht so schnell rein.

Uns führt die Route jetzt wieder weg vom Seeufer, da es in dem steilen Bergwald am Südufer zunächst gar keinen Weg gibt. Dafür bewegen wir uns bald auf der Schlussetappe des BIKE-Four-Peaks-Rennens von 2015. Ach, die waren auch schon hier? "Ja, aber an dem Tag hat es leider fürchterlich geschüttet", erzählt Peter. Das muss auf diesem Waldweg mit 1000 Teilnehmern eine ziemliche Schlammschlacht gewesen sein, doch man sieht nichts mehr davon. Keine Reifenspur, keine Geltüten, keine Richtungspfeile, nichts.

Der Waldweg mündet bald in eine Asphaltstraße. Wir folgen ihr zu dritt nebeneinander fahrend bis Weißenbach und müssen dabei keinem einzigen Auto ausweichen. Dann zweigt der Schotterweg ins Bodental ab. "Bärengebiet" warnt uns ein Schild. "Ja, die Bären aus dem nahen Slowenien stromern manchmal zu uns herüber. Meist plündern sie dann unsere Bienenstöcke", sagt Peter und hält uns das nächste Viehgatter auf. Bei angenehmer Steigung rollen wir nun weiter in ein weites Wiesengelände, wo am Ende die Bodenalm mit Salat, Speck und Mozzarella auf uns wartet. Alles auf der Hüttenkarte stammt aus der eigenen Produktion oder zumindest aus der Region, und das Gänseblümchen auf meinem Salat wuchs gerade noch wild auf der Wiese.

Am Nachmittag stoppt Peter an einem steinigen Ufergelände. "Hier haben sie damals den Bond-Film gedreht." Wolfgang und ich schauen fragend. "Hauch des Todes?", versucht Peter es noch mal. Achselzucken. Wochenlang hätten sie hier gefilmt, wie Timothy Dalton in seinem Aston Martin über den zugefrorenen See schießt und mit der blanken Felge das Eis auffräst. Das war natürlich eine Motorsäge. Dann hätten sie das Auto über eine Schanze gejagt. Später, im Film, stellte die Schanze die slowenische Grenze dar, und der Aston Martin landete auf einer Bergwiese. In der Realität allerdings nicht in Slowenien, sondern oben auf der Naggler Alm. In diese Richtung müssen wir jetzt auch. Nur sind das für uns noch anderthalb Stunden Kurbelarbeit bergauf, zumal unser Ziel die noch etwas höher gelegene Kohlröslhütte ist.

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Oben: Die Berge rund um den See sind im Schnitt nur 1600 Meter hoch, und der See liegt bereits auf 930 Metern Höhe. Die Anstiege sind also nicht lang – aber sie ziehen sich doch.

Hüttenwirt Heinz erwartet uns schon, als wir am frühen Abend vor seiner Aussichtsterrasse abbremsen. Bis halb neun sitzen wir hier beim Weißbier draußen in der Sonne und blicken übers Gitschtal. An besonders klaren Tagen kann man sogar bis zu den Drei Zinnen sehen, erklärt Heinz nicht ohne Stolz. Ich denke kurz an den Rummel rund um die Drei Zinnen und bin sofort wieder froh, hier mit einer Handvoll anderer Wanderer mitten in diesem Idyll sitzen zu dürfen. Wir haben den Weißensee heute fast schon umrundet, sind bisher aber noch auf keine einzige Schirmbar oder Hüpfburg gestoßen. Nicht mal die Kühe tragen hier Glocken um den Hals. "Wie bespaßt Ihr denn die Kinder Eurer Gäste?", möchte ich wissen. Peter und Heinz überlegen, als sei das noch nie eine Frage gewesen. Dann deutet Peter rüber zu einem Hochplateau: "Drüben im Nassfeld gab’s für Kinder letztens Schweineputzen. Mit speziellem Shampoo und Bürsten hat man die Kleinen auf die Ferkel losgelassen. Eine Riesengaudi. Am Ende waren die Schweine sauber und die Kinder standen vor Dreck." Gegen halb zehn spazieren drei Männer auf die Terrasse. Vom Outfit her weder Wanderer noch Biker. "Ah, die Liftler!", rufen Peter und Heinz fast gleichzeitig. "Die treffen wir morgen früh wieder an der Naggler Alm. Die sollen unser Übernachtungsgepäck in den Lift stellen, dann können wir es nach der zweiten Etappe unten abholen." Gute Idee, denn morgen steht gleich nach dem Frühstück die frisch angelegte Singletrail-Abfahrt auf dem Programm. Danach warten noch mal 800 Höhenmeter zur Weißen Wand und weiter zur Gajacher Alm hinauf. Damit wäre unsere Seenrunde schließlich komplett. Apropos Runde: Heinz teilt gerade die erste Runde Gelben Enzian aus, und am Liftler-Tisch erklingt eine Gitarre. Wir werden morgen wohl später starten.

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Gitta Beimfohr am 10.04.2017
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