McKenzie Hill 700

Vorsicht Schnäppchenfalle! Ob Großmarkt, Tankstelle oder beim Heimwerker: Billig-Bikes locken überall. BIKE hat ein vermeintliches Schnäppchen getestet.

Klares Budget, klares Ziel. Mit 500 Euro in der Tasche starten wir zum Radkauf in den Großmarkt. Wir wollen ein Fully kaufen, und zwar eins, das so geländetauglich aussieht wie ein Bike sein muss. Fündig werden wir bei Real: Für 449 Euro schnappen wir uns das McKenzie Hill 700. Shimano-Schaltung, hydraulische Scheibenbremsen, RST-Federgabel, KS-Dämpfer, Michelin-Reifen. Die Ausstattungsliste ähnelt teureren Modellen. Der platte Vorderreifen und der viel zu fest angezogene Steuersatz schrecken uns nicht ab. An der Kasse die positive Überraschung: Statt der ausgeschriebenen 449 Euro bucht die Kassiererin lediglich 399 Euro ab.

Die anschließende End-Montage weckt den Heimwerker im Mann: Lenker in Position drehen, Pedale befestigen, Reifen auf Druck bringen. Diese Arbeiten sind für Laien durchaus zu schaffen. Gleichzeitig entdecken wir bereits die ersten Ungereimtheiten: Hier eine Tropfnase an der Schweißnaht, dort eine Kabelführung mit Kabelbinder (neben der dafür vorgesehenen Öse), schlecht gefertigte Tretlagerschalen (die Kurbel hat Spiel) und ein schief eingeschweißter Steg im Hinterbau. Aber so schlimm, wie es aussieht, wird’s doch sicher nicht sein? Wir schreiten im Protokoll voran, schleusen das McKenzie durch unser Testlabor. Hervorragende Werte gab’s bei der Steifigkeit. Die Kombination aus Alu-Hauptrahmen und Stahl-Hinterbau zeigt sich robust. Stattliche 17,1 Kilo Gesamtgewicht sind allerdings der Preis dafür, der entscheidende Quotient aus Steifigkeit und Gewicht: unterirdisch.

Bei der Ausstattung überrascht uns die passable Funktion der Promax-Scheibenbremsen und auch der Schaltungs-Mix aus Shimano-Komponenten entpuppt sich als brauchbar. Am Hinterrad blitzt tatsächlich ein hochwertiges Shimano-XT-Schaltwerk, die Schalthebel stammen aus der Deore-Gruppe. Also ist für 399 Euro doch alles in Ordnung? Von wegen: Die Federelemente hüpfen bockig, jegliche Dämpfung der 67 Millimeter vorne und 56 Millimeter hinten fehlt. Zusätzlich arbeitet der in einer Gummi-Dose versteckte Stahlfeder-Hinterbaudämpfer nur bei schweren Fahrern vernünftig. Die Antriebseinflüsse offenbaren die Schwächen der Konstruktion schließlich gnadenlos. Das McKenzie ist das schlechteste Bike in puncto Wippen und Pedalrückschlag, das es jemals auf die Prüfstände von BIKE geschafft hat.

Fazit: Ein gutes Bike besteht aus mehr als der Summe seiner Teile. Die Ausstattung des McKenzie Hill 700 geht für den Preis in Ordnung. Der Rahmen jedoch ist so schlecht konstruiert und gefertigt, dass wir Einsteigern definitiv davon abraten. Dann lieber ein Hardtail kaufen, oder noch etwas länger sparen – und dann richtig Spaß haben.

Bei den Kennlinien verliert das Schnäppchen-Bike extem
Bei den Kennlinien verliert das Schnäppchen-Bike extem

McKenzie Hill 700 2010
Hersteller/Modell/Jahr McKenzie Hill 700/2010
Fachhandel/Versender Fachhandel
Herstellerangaben
Allgemeine Infos Real, 02161/4030,
www.real.de
Material/Grössen/Testgrösse Alu// 51
Preis 399,00 Euro
BIKE-Messdaten
Gewicht ohne Pedale 16,75 kg
Lenk-/Sitzrohrwinkel 72,0 °/75,0 °
Vorbau-/Oberrohrlänge 100,0 mm/606,0 mm
Radstand/Tretlagerhöhe 1.107,0 mm/315,0 mm
Federweg Vo. min/max, Hi. min/max -/67,0 mm, -/56,0 mm
Übersetzung 3-fach
BB Drop/Reach/Stack -28 mm/442 mm/580 mm
Ausstattung
Gabel/Dämpfer RST Omni 191/KS KS 261
Kurbel/Schaltwerk/Schalthebel Shimano FC-M442/Shimano XT/Shimano Deore
Bremsanlage/Bremshebel Promax Q3/Promax Q3
Laufräder/Reifen No Name, MTB2 X Force Alu All Terrain Rim Sysem, No Name, MTB2 X Force Alu All Terrain Rim Sysem/Michelin Country Mud 2.0, Michelin Country Mud 2.0
BIKE Urteil1 mit Schwächen
1 Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (150-125 P.), sehr gut (124,75-110 P.), gut (109,75-90 P.), befriedigend (89,75-65 P.), mit Schwächen, ungenügend.
Text:BIKE Magazin20.04.2010

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