Aller Anfang soll leicht sein ... Aller Anfang soll leicht sein ...

So finden Sie das richtige Mountainbike

Kaufberatung: Welches Mountainbike passt zu mir?

Stephan Ottmar am 20.04.2010

Wer in den Bike-Sport startet, braucht Hilfe. Unsere Kaufberatung verrät alles über Preisklassen, Einsatzbereiche, Rahmengrößen und technisches Basiswissen. So legen Sie keinen Fehlstart hin.

Das ganze Leben ist ein Quiz, immer geht es um Entscheidungen – weniger wichtigen und wichtigen. Die Entscheidung, welches Bike Sie sich zulegen, gehört eindeutig zu den wichtigen Fragen. Wer hier die richtige Wahl trifft, hat Spaß für zwei. Aber gerade für unerfahrene Einsteiger lauern überall Stolperstufen und Fallstricke. Mit unserem Einsteiger-Special lotsen wir Sie durch das Dickicht der Möglichkeiten und machen Ihren ersten Bike-Kauf zum Erfolg. Wir zeigen Ihnen, welche unterschiedlichen Bikes es gibt, welche Rahmengröße für Sie die richtige und welches Material sinnvoll ist.

Mit dem Bike allein ist’s nicht getan

Einer der wichtigsten Punkte beim Bike-Kauf ist natürlich der Preis. Aber Vorsicht: Planen Sie neben dem Preis fürs Bike unbedingt noch ein Budget für das Zubehör ein. Je nach Anspruch sollten Sie etwa 150 Euro für die Anschaffung von Helm, Brille, Hose oder Schuhe zurücklegen. Ohne Helm sollten Sie nie auf Tour gehen – und über eine spezielle Radhose freut sich jeder Hintern. Noch ein Tipp für Einsteiger: Radhosen werden immer ohne Unterwäsche getragen! Zu Anfang können Sie noch mit normalen Sportschuhen fahren, später empfehlen wir Klickpedale und spezielle steife Radschuhe. Wahrscheinlich kann Ihnen der Bike-Händler Ihres Vertrauens ein schönes Paket aus Bike und Zubehör schnüren.

Bevor Sie aber ein Bike kaufen, müssen Sie sich gut überlegen, was Sie damit unternehmen wollen. Bei der Wahl des passenden Einsatzbereiches bieten unsere Kategorien (rechts) Hilfestellung. Für Einsteiger mit schmalem Geldbeutel führt in der Regel kein Weg am Hardtail vorbei. Diese Mountainbikes verzichten auf eine Federung am Hinterrad. An der Front ist eine Federgabel heute überall Standard. Kaufen Sie kein Bike ohne Vorderradfederung, bereits im gemäßigten Gelände, auf Wald- und Forstwegen bietet eine Federung an der Front deutlich mehr Kontrolle, mehr Fahrkomfort und entlastet Arme und Rücken.

Ab 500 Euro bekommen Sie die ersten Hardtails die den Namen Mountainbike verdienen, weniger sollten Sie auf keinen Fall investieren. Der Rahmen einiger 500-Euro- Modelle ist qualitativ hochwertig, die Hersteller sparen eher an den Komponenten. Häufig kommen schwere No-name-parts zum Einsatz. Für Kritik sorgten besonders die schlechten Schalt-Komponenten. Details über diese Bikes erfahren Sie ab Seite 66 in unserem 500-Euro-Bike-Test. Mit dem Preis steigt die Qualität der Anbauteile. Ab 1000 Euro bekommen Sie schon richtig ausgewachsene Mountainbikes für viel Spaß im Gelände (Test in BIKE 3/10->).

All jenen, die es sich leisten können und denen der Sinn nicht nach einer Karriere im Cross-Country-Rennsport steht, raten wir unbedingt zum Fully (vollgefedert). Ab 1500 Euro stehen feine Touren-Bikes in den Shops. Eine Hinterradfederung verbessert das Fahrverhalten beträchtlich. Die Traktion liegt weit über der eines starren Hecks. Gleichzeitig entlastet ein Fahrwerk den Körper. Mit einem Hardtail muss der Fahrer bei Hindernissen aus dem Sattel gehen, vollgefedert fahren Sie entspannter.

Ausgereifte Mountainbike-Fahrwerke

Zur Federung hört man bis heute oft das Vorurteil, dass während der Fahrt Antriebs-Energie im Fahrwerk verpufft. Das gilt für moderne Fully-Fahrwerke nicht mehr. Clevere Konstruktionen haben diese Verluste auf ein Minimum begrenzt. Die entspannte Haltung auf dem Rad wiegt diese Verluste auf. Selbst Top-Athleten greifen heute auf vielen Rennkursen zum Fully, weil es trotz des etwas höheren Gewichts schneller ist. Bei den preisattraktiven Bikes ist Aluminium das Rahmenmaterial der Wahl. Stahlrahmen sind zu schwer und vom Markt so gut wie verschwunden. Carbon schafft es nur selten in die unteren Preisregionen. Den meisten Neulingen fehlt in der Regel das Kapital. Bikes mit Carbon-Rahmen sind ab etwa 2000 Euro zu haben.

Das Angebot an Scheibenbremsen, Federgabeln, Sätteln und Sattelstützen, Laufrädern und Reifen kann ein Einsteiger nicht überblicken. Um bei der Ausstattung des Bikes keine Fehlgriffe zu riskieren, gibt es nur zwei Optionen: Entweder Sie informieren sich selbst, lesen über einen längeren Zeitraum unser BIKE-Magazin und befragen Freunde und Bekannte – oder Sie finden einen kompetenten Händler Ihres Vertrauens, der detailliert über das aktuelle Material Bescheid weiß. Das ist auch der Hauptgrund, warum wir Einsteiger lieber in Shops schicken, anstatt ihnen den Kauf beim Versender zu empfehlen: Vertrauen zum Verkäufer ist das A und O. Aber es ist nicht immer ganz leicht, einen guten Shop zu finden: Fragen Sie im Bekanntenkreis oder schauen Sie vor dem Kauf ruhig einige Male rein, um sich selbst ein Bild zu machen.

Besonders für Ungeübte im Umgang mit Mountainbike-Technik ist der Shop ums Eck eine echte Hilfe. Dort werden drängende Fragen gerne beantwortet und es gibt Hilfestellung beim Einstellen des Fahrwerks. Wenn Sie nichts überstürzen, ist der Bike-Kauf auch für blutige Einsteiger kein Hexenwerk. Informieren Sie sich zunächst selbst ein wenig: Entscheiden Sie sich für eine der Kategorien auf Seite 61, messen Sie Ihre Schrittlänge und legen Sie sich eine Budget-Obergrenze fest. Klappern Sie anschließend einige Händler in der näheren Umgebung ab und lassen Sie sich ausführlich beraten. Machen Sie unbedingt eine Probefahrt. Wenn Sie sich auf dem Bike wohlfühlen und Sie sich gut versorgt fühlen, können Sie zuschlagen – natürlich dort, wo Sie auch beraten worden sind. Schnappen Sie sich gleich auch das entsprechende Zubehör, damit Sie sofort loslegen können. Und dann: Viel Spaß mit Ihrem neuen Bike – und beim schönsten Sport der Welt.

Den gesamten Artikel über Kaufberatung finden Sie unten als PDF-Download. Hier finden Sie auch einen Fahrbericht über Billigrad McKenzie Hill 700.

Stephan Ottmar am 20.04.2010