Warum stinkt Sportbekleidung Warum stinkt Sportbekleidung

Schweißgeruch in Sportkleidung

Schluss mit stinkenden Sportklamotten

Stefan Frey am 28.08.2017

Nie wieder mufflige Sportbekleidung. Das wünschen sich wohl viele Biker. Doch woher kommt der Gestank eigentlich und was kann man dagegen tun? Wir gehen dem Schweißgeruch auf die Spur.

Silberionen, Merinowollfasern, Waschzusätze und altbewährte Hausmittel – die Klamottenindustrie kennt viele Wege, unangenehme Gerüche in Sportkleidung zu entschärfen. Doch was wirkt wirklich und woher kommt der beißende Geruch in getragenen Bike-Shirts und Unterhemden eigentlich?

Um dem rätselhaften Schweißgeruch auf die Schliche zu kommen, haben wir aufwändige Labortests durchgeführt. Die Experten des Mikrobiologie-Spezialisten Vermicon standen uns dabei mit Rat und Tat zur Seite. Die Grunderkenntnis unseres Versuchs: frischer Schweiß stinkt nicht. Schuld für den Gestank sind Bakterien, die natürlich auf der menschlichen Haut vorkommen. Genauer gesagt sind es zwei Vertreter der Arten Firmicutes und Actinobacteria. Sie verstoffwechseln die Schweißmoleküle in der Funktionsbekleidung und scheiden dann stinkende Gase aus.

Bakterien_Test

Das Team um Dr. Claudia Beimfohr gab alles, um den übeln Gerüchen auf die Spur zu kommen.

Die Schweißkiller Merino & Co. im Test

Für unseren Test waren wir auf der Suche nach Materialien und Mitteln, die die Geruchsbildung verhindern sollen. Unterwäsche mit Silberionen gehören seit vielen Jahren zu den populärsten Geruchshemmern auf dem Markt. Die antimikrobielle Ausrüstung soll die Zellstruktur der Bakterien verändern und so ihr Wachstum unterbinden. Das natürliche Pendant dazu: Merinowolle. Der Wolle des Merinoschafes haftet der Ruf an, geruchshemmend zu wirken. Über die genaue Wirkungsweise ist bisher jedoch nur wenig bekannt.

Um herauszufinden, ob die Produkte wirklich so funktionieren wie die Hersteller versprechen, haben wir uns jeweils zwei Exemplare eines Silber- und eines Merino-Shirts besorgt. Je ein Unterhemd wurde fabrikneu getragen und dann ins Labor geschickt, die anderen beiden wurden zuerst zehnmal gewaschen, dann getragen und anschließend zur Untersuchung gebracht. Wir wollten natürlich auch wissen, wie haltbar die Anti-Stink-Effekte sind.

In einem weiteren Versuch wurde ein klassisches Polyester-Shirt getragen und an das Labor verschickt. Aus diesem Shirt wurden Proben entnommen und anschließend unterschiedlich behandelt. Überprüft wurde, wie rückstandslos Sportwaschmittel, Hygienespüler und Waschsoda die Bakterien – somit die Quelle des Gestanks – aus der Wäsche entfernen. Zusätzlich haben wir mit der „Gefrierschrank-Methode“ einen alten Haushaltsmythos unter die Lupe genommen – mit einem überraschenden Ergebnis.

Ob Merinowolle oder die "Gefrierschrank-Methode" wirklich halten, was sie versprechen, lesen Sie auf der nächsten Seite (siehe Link unten)

Fotostrecke: Versuchsaufbau

Bakterien-Analyse unter dem Mikroskop

Bei der Untersuchung der Proben auf Geruchs-Bakterien setzen die Experten von Vermicon auf eine einzigartige Technologie – VIT Gensondentechnologie genannt. Den Proben werden über eine Lösung Gensonden zugegeben. Diese Gensonden bestehen aus einem RNA-Strang, dem ein Farbstoff angehängt wird. Die Gensonden dringen in die Bakterien ein und heften sich, nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, an die RNA der Bakterien. Das klappt natürlich nur, wenn die Gensonde zur RNA der Bakterien passt. Nun sind die Farbstoff-Moleküle in der Bakterienzelle eingeschlossen. Legt man die Proben dann unter das Mikroskop, beginnen die Zellen zu leuchten. So lassen sich Firmicutes oder Actinobakterien in den Stoffen gezielt nachweisen.

Vermicon VIT Technologie

Achte Klasse Bio: Das Schlüssel-Schloss-Prinzip dürfte einigen noch bekannt vorkommen.

Um zu ermitteln, wie viele Bakterien in den Proben wachsen, werden die Geruchserreger aus den Shirts gelöst und eine definierte Menge auf einen Nährboden aufgetragen. Nach zwei Tagen bei 37 Grad im Brutschrank werden die Bakterienkolonien auf dem Nährmedium ausgezählt. Über diese beiden Methoden lässt sich eine eindeutige Aussage über das Vorhandensein von Bakterien treffen.

Fotostrecke: Labor-Versuch

 


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Stefan Frey am 28.08.2017
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