Nachhaltige MTB Bekleidung Vaude Nachhaltige MTB Bekleidung Vaude

Nachhaltig & fair: Öko-Bekleidung für Mountainbiker

Öko-Bilanz: Wie grün ist Bike-Bekleidung wirklich?

Stefan Frey am 25.01.2018

Auf der Suche nach nachhaltig und fair produzierten Outdoor-Klamotten versinkt man schnell im Meer der Hersteller und Öko-Siegel. Wir zeigen Ihnen, worauf Mountainbiker beim Kauf achten sollten.

Draußen sein. Das ist es, was wohl alle Biker miteinander verbindet. Sport und Spaß draußen in der Natur erleben. Dass es diese zu erhalten gilt, ist uns wohl allen klar. Unseren Müll nehmen wir selbstverständlich wieder mit vom Gipfel ins Tal und Wanderern und anderen Bikern gegenüber verhalten wir uns freundlich und fair. 

Dass beide Aspekte auf die Bekleidung, die wir in der Natur tragen in vielen Fällen so gar nicht zutrifft, ist uns meistens nicht bewußt – oder egal. Laut einer groß angelegten Umfrage von BBE Retail im Auftrag der Öko-Tex-Gemeinschaft kaufen Verbraucher ihre Bekleidung in erster Linie anhand der Produktqualität, gefolgt von Preis und Hautverträglichkeit. Umweltfreundliche Aspekte landen in der Umfrage auf einem der hinteren Plätze. Zeit das zu ändern.

Fabrik Bekleidung Bangladesch

In vielen Produktiosstätten der Bekleidungsindustrie  werden noch heute die Angestellten ausgebeutet.

Leider wird es einem nicht immer leicht gemacht. Wer sich für ökologisch und fair produzierte Outdoor-Bekleidung interessiert, steht vor einer Flut aus Polyester-Produkten. Meist in Asien produziert, oft unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen und unter Verwendung von Chemikalien, die ohne Rücksicht auf die Natur ins Abwasser gelangen. 

Doch es gibt auch Firmen, die es besser machen. Faire Löhne, akzeptable Arbeitszeiten und Materialien aus der Natur. Doch wie findet man diese im Hersteller-Dschungel? Die meisten Hersteller kennzeichnen ihre Produkte mit unterschiedlichen Öko-Siegeln. Doch was diese genau bedeuten und wie vertrauenswürdig diese Siegel sind, bleibt häufig unklar. Wer mehr über die verschiedenen Öko- und Fair-Trade-Siegel wissen möchte, findet unter

www.siegelklarheit.de

viele wertvolle Informationen. Die Seite wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen und erklärt ausführlich, welche Siegel tatsächlich helfen, die Umwelt zu schützen oder die Zustände bei der Herstellung der Produkte zu verbessern. Auf der anderen Seite zeigt die Initiative auch, welche Label nur dazu dienen sollen, dem Hersteller ein ökologisches Image zu verpassen.

Die wichtigsten Bekleidungs-Siegel im Sport-Segment

Nicht alle Siegel sind für den Outdoor-Bekleidungssektor relevant und nicht alle beachten sämtliche Schritte der Produktion. Hier finden Sie die wichtigsten Siegel in der Übersicht.

Bluesign Product

bluesign zertifikat

Siegelgeber

Siegelinhaber ist die bluesign technologies AG mit Sitz in der Schweiz. Sie wurde im Jahr 2000 von Textil- und Chemieexperten gegründet. Ein sogenanntes Advisory Board mit Wissenschaftlern und Nachhaltigkeitsexperten überwacht die Entwicklung des Standards.

Ziel/Schwerpunkt

Ziel des Siegels ist, die Umwelteinflüsse der Textilindustrie zu verringern. Es steht außerdem für die sichere Herstellung und Verarbeitung von Kunst- und Naturfasern.

Gut zu wissen…

Produkte, die zu mindestens 90 Prozent in zertifizierten Fabriken verarbeitet wurden, dürfen das bluesign® Siegel tragen.

Fair Wear Foundation (FWF)

fairwearfoundation

Siegelinhaber ist die niederländische Stiftung Fair Wear Foundation (FWF), die von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Handels- sowie Herstellerorganisationen getragen wird. Mitglieder sind etwa 80 Textilunternehmen, die etwa 120 Marken vertreten. Die FWF ist in 15 Produktionsländern innerhalb von Europa, Afrika und Asien aktiv.

Ziel ist, die Arbeitsbedingungen in Unternehmen der Textilindustrie weltweit zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Betrieben, in denen Textilien genäht werden.

Mitgliedsunternehmen, die bei der Überprüfung gut abschneiden, dürfen das FWF-Siegel auf ihren Produkten verwenden.

Oeko-Tex Made in Green

oeko-tex_made_in_green label

Das Siegel „OEKO-TEX Made in Green“ wird durch die Internationale Oeko-Tex® Gemeinschaft vergeben. Dies ist ein Zusammenschluss von Textilforschungs- und Prüfinstituten.

Das Siegel kennzeichnet garantiert schadstofffreie Textilprodukte, die umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellt wurden.

Das Siegel bezieht sich auf die Herstellungs- und Nutzungsphase. Alle Anforderungen müssen unmittelbar erfüllt werden.

Fairtrade

fairtrade logo

Siegelinhaber ist der Dachverband FLO e. V. (Fairtrade Labelling Organizations International). Er entwickelt die Kriterien für den Fairen Handel. Nationale Mitgliedsorganisationen wie zum Beispiel TransFair e.V. vermarkten das Siegel.

Das Siegel „Fairtrade Baumwolle“ steht für sozialverträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Baumwollproduktion. Es richtet sich insbesondere an Kleinbauern. Die Lizenzgebühren und ein Anteil des Fairtrade-Aufpreises werden für Projekte in den Produktionsländern genutzt. Das Siegel stellt außerdem Anforderungen an einen umweltverträglichen Baumwollanbau.

Produkte, die das "Fairtrade Cotton" Siegel tragen, bestehen aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle.

GOTS (Global Organic Textile Standard)

gots global organic textile standard

Siegelinhaber ist die Global Standard gemeinnützige GmbH, die von der International Working Group on Global Organic Textile Standards gegründet wurde. Dies ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen, die sich für eine umweltverträgliche und sozial verantwortliche Textilproduktion einsetzen.

Ziel des Siegels ist, einen weltweit einheitlichen, kontrollierbaren, sozialen und ökologischen Standard aufzubauen, der die gesamte Produktionskette von Textilien umfasst und nachvollziehbar macht. Inhaltlicher Schwerpunkt ist der Einsatz von Chemikalien während der Herstellung.

Textilien, die zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen und die Anforderungen des GOTS erfüllen, dürfen das GOTS Siegel tragen. Unsere Bewertung basiert auf der Version 4 von GOTS.

IVN BEST Naturtextil

IVN Best

Siegelinhaber ist der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. (IVN). In dem Verband sind Akteure der Naturtextilwirtschaft, vom Faserhersteller bis zum Händler, vertreten. Der IVN ist Mitglied in der IWG, der International Working Group on Global Organic Textile Standard (GOTS), die ebenfalls ein Siegel vergibt.

Das Siegel steht für die umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung und Verarbeitung von Naturfaser-Textilien.

Nur Produkte, in denen alle Produktionsstufen zertifiziert sind, dürfen das Siegel tragen. Unsere Bewertung basiert auf der Version 5.0 von Naturtextil IVN zertifiziert BEST.

Hersteller für das Grüne-Gewissen

Vaude gilt als Muster-Betrieb für nachhaltig und fair produzierte Bekleidung und räumt dafür eine Auszeichnung nach der anderen ab. Doch es gibt mittlerweile auch eine Reihe anderer Firmen auf dem Outdoor-Markt, die sich für ökologisch verträgliche und fair produzierte Produkte einsetzen. In unserer Übersicht finden Sie eine Reihe zertifizierter Hersteller und in welcher Art und Weise sich ihr Engagement auszeichnet. Obwohl wir in einer aufwändigen Umfrage die Informationen bei den Herstellern eingeholt haben, erhebt die Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Oeko Label Bekleidung Tabelle

Von Bontrager über Gore Bike Wear bis Ziener: Diese Hersteller können für ihre MTB-Bekleidung folgende Öko-Siegel und Zertifikate vorweisen.

Achtung: Label sind keine Garantie!

Ganz wichtig: weist ein Hersteller auf seiner Webseite keine Öko-Siegel oder Zertifikate aus, heißt dass nicht automatisch, dass in diesem Bereich nichts getan wird. Es gibt Hersteller, die Aufgrund ihres Produktionsstandortes bereits an sehr hohe Auflagen gebunden sind. Löffler zum Beispiel. Produziert wird in Österreich, zu fairen Löhnen und unter strengen Umweltauflagen. Manche kleinere Hersteller können sich auch schlicht keine Zertifizierung leisten. Die Umwelt- und Arbeitsrecht-Siegel werden meist von privaten Unternehmen überprüft und vergeben, das kostet natürlich viel Geld.

Für den Kunden wiederum bedeuted das viel Eigeninitiative. Neben der Recherche im Internet, gibt es auch die Möglichkeit, direkt beim Hersteller nach den Produktionsbedingungen nachzufragen. Nur wer sich engagiert, kann etwas verändern.

Übrigens: Ein Produkt wird erst dann richtig nachhaltig, wenn es möglichst lange genutzt wird. Das heißt: Statt jedes Jahr den neuesten Chic auf die Trails zu tragen, sollten Bike-Klamotten mehrere Saisons durchhalten. Gerissene Nähte können geflickt werden, ein Loch in der Regenjacke neu getaped und ein defekter Reißverschluss neu eingenäht werden.


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Stefan Frey am 25.01.2018
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