© Team Bulls/Cerveny
Platt und Sahm, ein eingespieltes Team.
Craft BIKE Transalp-Champ Karl Platt im Interview: „Alles hängt vom Partner ab!“

Bislang ist es ruhig um Langstreckenspezialist Karl Platt. Bei den großen Rennen hat man ihn auf dem Podium vermisst. Kurz vor dem Start der Craft BIKE-Transalp (14. Juli) haben wir ihn zum aktuellen Stand seiner Form befragt.

Karl Platt (Team Bulls) steckt mitten in der Vorbereitung auf das kommende Saison-Highlight, die Craft BIKE Transalp, die er sieben Mal gewonnen hat. Gerade kommt er vom Training in Livigno, die Woche zuvor hat er an der Rennrad-Fernfahrt „London to Paris“ mit Ziel auf den Champs-Elysées teilgenommen. Für diese 3-Etappen-Tour über 508 Kilometer bewerben sich 20000 Teilnehmer, 450 dürfen starten. Mit dabei waren Ex-Straßenprofis wie Maurizio Fondriest, Stephen Roche, Magnus Backstedt oder Promis wie F1-Pilot Nigel Mansel. Platt war der einzige Mountainbike-Profi im Feld.

Karl, warum bist Du bei diesem Straßenrennen gestartet?

Ich wurde eingeladen, das bringt gute Kontakte und außerdem ist es ein gutes Training. Ich sehe das nicht unbedingt als Rennen. Die aktuelle Tour wurde Stephen Roche gewidmet, er hat 1987 die Tour de France gewonnen, den Giro und wurde Weltmeister – er feiert quasi 25 Jahre Jubiläum. Roche habe ich in Südafrika kennen gelernt, wir waren gleich auf einer Wellenlänge.

Diese Saison ist es ruhig um Dich. Was macht die Form?

Es war wirklich ziemlich ruhig. Im Frühjahr war ich lange in Südafrika. Ich habe dort ein paar gute Ergebnisse eingefahren und sehr gut trainiert für das große Ziel Cape Epic.

Warum lief es beim Cape Epic im März nicht wie gewünscht?

Ich bin mit einer super Form ins Rennen gegangen, aber mein Partner Stefan Sahm war nicht fit. Er hatte letztes Jahr eine starke Thrombose und hat sich davon noch nicht erholt. Immerhin haben wir eine Etappe gewonnen, waren Gesamt-sechster. Aber ich bin mit anderen Vorstellungen gestartet. Ich war heiß auf den Sieg.

Platt und Sahm beim Cape Epic
Platt und Sahm
Platt udn Sahm beim Cape Epic
© Team Bulls/Küstenbrück

Wie hast Du diese Enttäuschung verkraftet?

Das war erstmal schwer, ich habe viel Energie und Kraft in diese Vorbereitung gesteckt. Danach war die Luft etwas raus, ich konnte meine Leistung auch nicht konservieren.

War die Olympia-Qualifikation ein Thema für Dich?

Eigentlich nicht. Ich bin den Worldcup in Houffalize gefahren um zu sehen, wo ich stehe, aber das olympische Cross-Country hat sich sehr verändert. Als Marathonfahrer hat man keine Chance mehr. Die Rennen sind kurz und extrem schnell geworden.

Gardasee-Marathon, Trans Germany, Marathon-DM, -EM – alles Wettkämpfe, wo man Dich vorne erwartet hätte. Was war da jeweils los?

Zur DM bin ich mit großen Ambitionen gefahren, aber leider zwei Tage zuvor krank geworden. Danach habe ich eine Pause gebraucht, auch mental, um einen Strich unter die erste Saisonhälfte zu machen. Bei der Trans Germany Anfang Juni habe ich auf ein besseres Ergebnis gehofft, aber ich hatte mein typisches Mai-Juni-Loch. Bei der EM vor einer Woche war es die gleiche Situation.

Worauf führst Du die fehlende Form zurück?

Ich war selten so fit wie in diesem Frühjahr, aber von einem solchen Niveau fällt man entsprechend tief runter. Aber ich baue weiter auf, die Form kommt schon wieder für die Transalp…

…und die beginnt Mitte Juli. Welche Chancen rechnest Du Dir dafür aus?

Ich habe große Hoffnungen, habe sieben Mal gewonnen, ich weiß wie das Rennen funktioniert. Ich hoffe auf Stefan, hoffe dass er seine Form findet. Es wird alles vom Partner abhängen.

Stefan Sahm und Du, ihr wart über Jahre ein schwer zu schlagendes Team bei den großen Etappenrennen. Wie ist das, wenn so ein Team nicht mehr funktioniert?

Da kommen Zweifel auf, es ist enttäuschend. Ich sehe meinen Freund – und er ist wie ein anderer Sportler, das tut weh. Es schadet unserer Freundschaft nicht, aber wir suchen nach Möglichkeiten, haben viel analysiert. Stefan hat sein Training umgestellt. Ich hoffe, dass er wieder der Alte wird.

Wirst Du bei der Transalp mit Stefan starten?

Platt und Sahm gehören immer zu den Favoriten der Craft BIKE Transalp.
Platt und Sahm2
Platt und Sahm gehören immer zu den Favoriten der Craft BIKE Transalp.
© Craft BIKE Transalp/Peter Musch

Das steht noch nicht fest und hängt davon ab, ob er topfit ist. Im Team habe ich zwei weitere Möglichkeiten mit Thomas Dietsch oder Tim Böhme.

Wie hat sich das Niveau bei den Etappenrennen verändert über die letzten Jahre?

Es wird nichts mehr verschenkt, es wird sehr schnell gefahren, man muss jeden Tag in Topform sein, um zu gewinnen. Früher waren wir auch in Topform, hatten aber die mentale Anspannung nicht, weil die Leistungsdichte nicht so hoch war. Diese Rennen stehen mehr im Fokus denn je, bei Sportlern und Sponsoren und den Medien.

Du zählst zu den besten Etappenrennfahrern. Musst Du dich sportlich neu orientieren?

Das glaube ich nicht. Es gibt ja nur eine Hand voll solcher Team-Etappenrennen wo man sich auf den Partner verlassen muss. Ich glaube fest an Stefan, es ist nur eine Frage der Zeit wann er sein Potenzial wieder aktivieren kann. In den letzten Jahren habe ich fast alle großen Marathons gewonnen, mir fehlt im Prinzip eine Medaille bei der Weltmeisterschaft.

Bei welchem Rennen sehen wir Dich demnächst auf dem Podium?

Erstmal hoffe ich auf die Transalp. Die WM ist im Oktober, das passt mir gut. Im Spätjahr bin ich immer in Topform. Die Strecke liegt mir sehr und ich habe schon einen harten Trainingsplan dafür.

Danke für das Interview und viel Erfolg!

Text:Christoph Listmann03.07.2012

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Karl PlattTeam BullsCraft Bike TransalpInterviewMarathonEtappenrennen

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