Joachim Schranzhofer zeigt die Wurzel mit den eingeschlagenen Nägel. Ausweichen? Hier unmöglich! Bild: Nosswitz Joachim Schranzhofer zeigt die Wurzel mit den eingeschlagenen Nägel. Ausweichen? Hier unmöglich! Bild: Nosswitz
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Nagelfalle gefährdet erneut Radfahrer

Dreuw am 14.10.2010

Markdorf – Joachim Schranzhofer ist am Samstagnachmittag mit dem Mountainbike am Gehrenberg unterwegs, als er einen plötzlichen und gleichzeitigen Druckverlust an Vorder- und Hinterreifen bemerkt. „Beide Reifen waren innerhalb von wenigen Sekunden platt“, erzählt der Markdorfer.

Nägel in Wurzel geschlagen

Er stellt das Fahrrad ab und läuft einige Meter zurück und macht eine unglaubliche Entdeckung: Elf lange Nägel sind in eine quer über den Weg verlaufende Baumwurzel eingeschlagen und die Köpfe abgezwickt. “Es ist eindeutig zu erkennen, dass die Nägel mit Vorsatz direkt in der Fahrlinie platziert wurden”, ist Schranzhofer überzeugt. Auch bei moderater Geschwindigkeit seien sie nicht rechtzeitig zu entdecken und selbst wenn, sei ein Ausweichen kaum möglich gewesen, so der 41-Jährige, der regelmäßig mit seinem Mountainbike auf dem Trail unterwegs ist.

Wiederholungstäter am Gehrenberg

Schranzhofer bedeckt die Falle provisorisch mit Ästen, fährt nach Hause und holt eine Zange, um die Nägel zu entfernen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Unbekannter versucht, das Befahren am Gehrenberg zu unterbinden. Anfang August 2010 wurde auf dem Mountainbike-Trail ein selbstgefertigtes Nagelbrett auslegt. (BIKE berichtete ->) Das Holzbrett war mit zwei langen Nägeln im Erdreich verankert gewesen, aus dem etwa 80 Nägel rund 30 Millimeter weit herausragten.

Schwere Verletzungen nur Frage der Zeit

Einem 43-jährigen Biker wäre dieses Hindernis beinahe zum Verhängnis geworden, als er darüber hinwegrollte. Er hatte wie Schranzhofer Glück und es wurden nur die beiden Reifen zerstört. Einen Verantwortlichen konnte die Polizei bislang nicht ausfindig machen. “Nachdem die Fallen aber zunehmend aggressiver und mit voller Absicht an Engstellen platziert werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand schwer verletzt”, so Schranzhofer, der den Fall bei der Polizei anzeigt hat. Dass diese Vorfälle eines Tages vielleicht nicht mehr so glimpflich ausgehen, ist auch der Polizei bewusst. Das Problem an der Sache ist, dass die Biker am Gehrenberg “halblegal” unterwegs sind.

Dialog gefordert

Das Waldwegegesetz in Baden-Württemberg verbietet das Radfahren auf Wegen, die schmäler als zwei Meter sind. Das Benuten des Mountainbike-Trails ist daher eine Ordnungswidrigkeit. Bisher werden die Mountainbiker am Gehrenberg stillschweigend toleriert, bis auf wenige Ausnahme. “Da treffen zwei Interessengruppen aufeinander. Die Biker fahren hier gerne, andere wollen sie weg haben”, sagt Uwe Schröder, Leiter des Polizeiposten Markdorf. Die Polizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung. Joachim Schranzhofer kann nicht verstehen, wie jemand das Risiko in Kauf nimmt, dass sich ein Biker schwer verletzen könnte. “Dafür habe ich keinerlei Verständnis”, so der 41-Jährige, der sich dafür ausspricht, den Dialog miteinander zu suchen. “Wenn beide Seiten ein bisschen vernünftiger wären, dann könnte man den Wald gemeinsam nutzen.”

Ohne Kontrolle Weg nicht mehr fahrbar

Der Markdorfer möchte weiterhin am Gehrenberg mit seinem Mountainbike unterwegs sein können, ohne sich einer Gefahr auszusetzen. Den Trail würde er aber derzeit ohne vorherige Kontrolle nicht bedenkenlos fahren. “Den müsste man vorher ablaufen und schauen, ob alles in Ordnung ist.” Schranzhofer hofft darauf, dass sich eine Lösung finden wird, bevor sich jemand an einer der aufgestellten Fallen ernsthaft verletzt.

QUELLE:
Fotos und Text aus dem SÜDKURIER vom 12.10.2010

Nägel wurden in die Wurzel geschlagen, der Kopf abgezwickt. So entsteht eine gefährliche Waffe.

Bereits im August gefährdete ein solches Nagelbrett die Biker am Gehrenberg zwischen Nürnberg und Schwäbich Hall

Dreuw am 14.10.2010